Änderungen bei Immobilien-Besteuerung in Griechenland ab 2013

19. September 2012 / Aktualisiert: 26. September 2017 / Aufrufe: 3.117

Geplante Änderungen bei der Besteuerung von Immobilien in Griechenland zielen auf eine Verlagerung der Steuerlast auf den Besitzes und die Entlastung des Erwerbs ab.

Fünf grundlegende Änderungen bei der Immobilienbesteuerung mit dem Grundsatz der „Verlagerung der Last auf den Besitz und Erleichterung beim Kauf“ forciert das griechische Finanzministerium mit einem neuen Entwurf zum Steuergesetz, der bis Ende November 2012 dem Parlament vorgelegt werden soll.

Laut dem Entwurf wird die neue einheitliche Steuer auf die Gesamtheit des Immobilienvermögens erhoben werden, unabhängig davon, ob es der Eigennutzung dient oder ein Einkommen abwirft, und wird sich auch auf die Landstücke außerhalb von Bebauungsplänen und Ansiedlungen sowie sogar auch auf Flächen beziehen, auf denen photovoltaische Anlagen installiert worden sind. Von der Besteuerung ausgenommen sollen nur landwirtschaftliche Flächen bleiben, welche hauptberuflichen Landwirten gehören. Der Steuersatz wird analog zu dem Einheitswert der Immobilien gestaffelt sein (0,1% – 2%), und für die Erst- bzw. Hauptwohnung wird es einen kleinen Steuerfreibetrag (100.000 Euro) geben.

Auf der Gegenseite ist eine drastische Senkung der Transaktionssteuer auf 3% – 4% von derzeit 8% – 10% und die Senkung der 23%-igen MwSt. geplant, welche die Gebäude belastet. Im Rahmen der Errichtung des Vermögensverzeichnisses und der Änderung bei dem System der Einkommensbesteuerung sollen ebenfalls die fiktiven Lebenshaltungskosten für Wohnungen abgeschafft und durch die verallgemeinerte Anwendung der Vermögensnachweispflicht und der Unterhaltskosten ersetzt werden.

Zusammenlegung von Immobiliensteuern und Ausweitung der Steuerbasis

Detaillierter umfasst das neue System der Immobilienbesteuerung, welches ab 2013 zur Anwendung kommen soll, fünf Basispunkte:

1. Abschaffung der Immobilienvermögenssteuer (FAP) und der Immobilien-Sonderabgabe (EETIDE – gemeint ist die 2011 eingeführte Sonderabgabe auf elektrifizierte Flächen) und deren Zusammenfassung zu einer einheitlichen Immobiliensteuer. Die Steuer wird einen niedrigen Steuerfreibetrag nur für die Hauptwohnung (100.000 Euro Einheitswert) haben und analog zu der Gesamthöhe des Vermögens gestaffelt sein. Progression und Sätze werden so gestaltet sein, dass sie ein zu den abgeschafften Steuern zumindest gleichwertiges Einnahmeergebnis haben werden, was bedeutet, dass sie dem Fiskus jedes Jahr wenigstens 3 Mrd. Euro einbringen müssen.

Ein Steuerpflichtiger, der beispielsweise in diesem Jahr für Immobilienabgabe und FAP 3.000 Euro entrichtete, wird auch 2013 wenigstens den selben Betrag zu zahlen haben. Eine Erleichterung werden nur die Eigentümer mit einer Hauptwohnung von geringer Fläche und in einem Gebiet mit niedrigem Einheitswert erfahren, da sie unter den Steuerfreibetrag fallen.

2. Die neue Steuer wird auch auf Immobilien erhoben werden, die derzeit ausgenommen sind, wie die Ackerstücke und außerhalb eines Bebauungsplans oder einer Ansiedlung gelegenen Flächen. Das Szenarium sieht vor, dass sogar auch die Ackerstücke und Flächen mit photovoltaischen Systemen unter die neue Immobiliensteuer fallen werden. Von der Steuer befreit sollen nur die (landwirtschaftlich genutzten) Flächen bleiben, welche hauptberuflichen Landwirten gehören.

Funktionäre des Finanzministeriums betonen, dass die Maßnahme der Besteuerung auch außerhalb des Bebauungsplans liegender Flächen zu der Ausweitung der Steuerbasis und einer gerechteren Verteilung der Steuerlasten beiträgt. Laut den selben Quellen kann es nicht angehen, dass die Hauptwohnung besteuert wird und außerhalb des Bebauungsplans liegende Grundstücke im Wert von hunderttausenden oder sogar auch Millionen Euro von der Steuer befreit sind.

Es ist ungerecht, dass jemand mit einer Ferienwohnung Steuern auf einer Insel zahlt und jemand anderer befreit wird, der ein Grundstück mit hohem Marktwert außerhalb des Bebauungsplans besitzt. Sind letztere keine Eigentümer großen Immobilienvermögens und müssen sie nicht zu den Steuerlasten beitragen?„, äußerte charakteristisch ein Amtsträger des Ministeriums.

Die Steuer wird auf die Gesamtheit der Immobilien erhoben werden, ohne zu untersuchen, ob sie der Eigennutzung dienen, elektrifiziert sind oder ihrem Besitzer ein Einkommen einbringen. Dies bedeutet, dass wenn jemand ein Grundstück außerhalb des Bebauungsplans und andere Immobilien besitzt, ihr Wert addiert und die Summe die Basis für die Ermittlung der Steuer darstellen wird. Für einen Steuerpflichtigen, der beispielsweise eine Wohnung im Wert von 300.000 Euro und ein Grundstück außerhalb des Bebauungsplans im Wert von 100.000 Euro besitzt, wird das Finanzamt den Wert der beiden Immobilien addieren und sein Vermögen auf 400.000 Euro veranschlagen, welcher Betrag die Veranlagungsbasis darstellt.

3. Zur Stimulierung der Bautätigkeit sollen die Sätze der Immobilienübertragungssteuer (F.M.A.) drastisch gesenkt werden, wobei das Basisszenarium vorsieht, dass sich die Sätze auf 3% – 4% gestalten, gegenüber derzeit 8% – 10% analog zum Wert der Immobilie, während es auch Vorschläge zu einer noch größeren Senkung der Steuer auf 1% – 2% gibt.

Hinsichtlich der Grenze des Steuerfreibetrags für den Kauf einer Erst- / Hauptwohnung werden keine Angleichungen (sprich Erhöhungen) erwägt, während ebenfalls die Möglichkeit erörtert wird, die Besteuerung für Erbschaften, Schenkungen und elterliche Zuwendungen bei Immobilien hohen Wertes anzuheben.

4. Mit dem Ziel der Senkung der steuerlichen Belastung bei den Immobilienübertragungen wird auch die Senkung des Mehrwertsteuersatzes von derzeit 23% auf unter 20% forciert, jedoch bedarf die Realisierung dieser Maßnahme der Genehmigung der EU.

5. Die geltenden „Lebenshaltungsindizien“ (= fiktive steuerliche Veranlagung) für Wohnungen werden abgeschafft, da mit der Errichtung des neuen Vermögensregisters und dem neuen System der Einkommensbesteuerung natürlicher Personen das Finanzamt ein vollumfängliches Bild der Einkommens- und Vermögenslage des Steuerpflichtigen haben und seine Möglichkeit zur Entrichtung von Steuern in simplen und pauschalen Verfahren ermitteln wird.

Schlüssel bei der Besteuerung des Immobilienvermögens sind jedenfalls die Einheitswerte, die gemäß der Planung der Regierung auf das Niveau der Marktpreise gebracht und regelmäßig angeglichen werden sollen, damit sie den Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt folgen. Funktionäre des Finanzministeriums betonen, dass auf diese Weise einer der Hauptherde „schwarzen“ Geldes getroffen wird, da die Hersteller derzeit die Tatsache ausnutzen, dass auf den Verkaufsverträgen der Einheitswert der Immobilie angeführt wird, der deutlich niedriger als der Marktwert ist, und dem Finanzamt ungeheure Einnahmen verbergen.

(Quelle: Imerisia)

  1. maldek
    19. September 2012, 03:52 | #1

    „das Finanzamt ein vollumfängliches Bild der Einkommens- und Vermögenslage des Steuerpflichtigen haben und seine Möglichkeit zur Entrichtung von Steuern in simplen und pauschalen Verfahren ermitteln wird.“

    Wenn DAS der Preis der Demokratie sein sollte, dann bevorzuge ich persönlich die Diktatur.
    Niemals sollte ein Staat soviel Macht haben, daß er „in simplen und pauschalen Verfahren“ jedes scheiner Schäfchen derart durchleuchten kann. Pfui Teufel.

    Maldek

  2. Zapperlot
    19. September 2012, 10:06 | #2

    @maldek „bevorzuge ich (…) die Diktatur.“

    Das „Durchleuchten“, von dem Sie sprechen ist nichts anderes als das, was ALLE europäischen Staaten praktizieren. In einem Rechtsstaat gibt es keine absolute Gerechtigkeit, allerdings kann diese nur erreicht werden, wenn sich der Staat ein genaues Bild von den Vermögensverhältnissen seiner Bürger macht. Erst danach kann er sich um Steuergerechtigkeit bemühen. Und wenn die „Schäfchen“ sich nicht für ihren Schafshirten interessieren, müssen sie sich nicht wundern, wenn sie von jemand anderem (z.B. der Troika) geschoren werden.

  3. Werner
    19. September 2012, 10:50 | #3

    @maldek
    Seh ich komplett anders. Dass das Finanzamt weiß, wieviel ich verdiene und welches Vermögen ich besitze, ist Grundlage einer gerechten Besteuerung. Auch wenn sich etliche Mitbürger gegenüber dem FA „schönrechnen“.
    Im Gegenteil finde ich die derzeitige Praxis in GR, nach Besitz z.B. eines Autos oder eines Hauses ein fiktives Einkommen festzusetzen und zu besteuern, geradezu grotesk.

  4. Wahnsinn
    27. Oktober 2012, 23:11 | #4

    Der griechische Staat kennt nur eines: Normale griechische Bürger zu drangsalieren und die Reichen zu verschonen.
    Arme Demokratie!!
    Wo bleibt die EU und stellt sich einmal gegen diese mafiosen Praktiken der griechischen Politiker?!?

  5. Ottfried Storz
    28. Oktober 2012, 11:53 | #5

    Die EU hat keinerlei Möglichkeiten, gegen die offensichtliche Nichtverfolgung illegaler und unversteuerter griechischer Großvermögen durch griechische Justiz und Finanzämter vorzugehen.
    Seit 38 Jahren (1974) ist Griechenland stabile Demokratie. Die Regierungen wurden jeweils demokratisch gewählt. Insofern ist die Mehrheit der Griechen auch immer für ihre Regierung und deren Realpolitik verantwortlich – und nicht EU, EZB oder Troika.

  6. tabascofan
    28. Oktober 2012, 12:19 | #6

    @Wahnsinn
    Die EU kann daran nichts ändern. Griechenland hat eine demokratisch gewählte Regierung. Aber wo bleiben die Demonstrationen der griechischen Bürger gegen diesen Missstand? Ich sehe sehr oft Transparente gegen die Troika, gegen Frau Merkel, aber ich kann mich nicht erinnern, mal eines gegen die ausbeuterische Elite gesehen zu haben.

  7. Ariadne
    28. Oktober 2012, 17:44 | #7

    @tabascofan
    Genau meine Meinung, das denke ich schon seit langem!

  8. γιαούρτι γιαουρτάκι
    28. Oktober 2012, 19:46 | #8

    @tabascofan
    Da empfiehlt es sich Realität statt Medien zu sehen und mal auf Demos zu gehen. Abgesehen davon gab es sogar in bürgerlichen Medien genug Bilder von Plakaten mit rollenden Köpfen der griechischen Elite und der Guillotine; selbst Hunde liefen damit rum.

  9. Bernd S.
    22. November 2012, 19:29 | #9

    Es wird höchste Zeit, dass die griechische Regierung einen Weg findet, die tatsächlichen Einkommensverhältnisse ihrer Bürger zu besteuern. Wenn ein Brottogehalt von 835,- Euro (Grundlage für Steuern, IKA pp.) ein Nettoeinkommen von 1250,- Euro ergibt, lassen sich auf Dauer Renten für Bürger, die schon 15 Jahre tot sind, und Kindergeld für 45 Jahre alte Kinder nicht länger finanzieren. Ich bin sicher, dass Griechenland wieder auf die Füsse kommen wird – wenn es einen Weg findet, alle Bürger gerecht an kontrollierten Ausgaben zu beteiligen. Ich selbst bin übrigens auch von den härteren Einschnitten betroffen.

  10. GR-Block
    22. November 2012, 22:06 | #10

    Ein ehrgeiziges Ziel, die Steuereinkommen des Staates zu einem ansehnlichen Teil auf die Immobilien der Steuerzahler zu verlegen.
    In der Vergangenheit waren Immobilien in GR meist kein Spekulationsobjekt, wie in anderen Ländern, was man während der Immobilienblase deutlich beobachten konnte. Ein großer Anteil der Immobilien wurde von den Besitzern selbst in Anspruch genommen. Sie waren deshalb meist steuerfrei und vom Staat wenig kontrolliert. Jetzt muss das alles erfasst werden und aus den alten Büchern in die Computer getippt werden.
    Hmm, …ob das bis 2020 klappt?

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