Scharlatane mit Quacksalben zur Rettung Griechenlands

19. August 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 816

Autor: Kostas Melissopoulos

Was tun wir, wenn eine zur Heilung des Patienten verabreichte Therapie dessen Zustand verschlimmert und in mit mathematischer Präzision in den Tod führt? Was unternimmt also der Arzt? Das Simpelste: er wechselt das Medikament. Was geschieht, wenn er es nicht tut? Offensichtlich wird auch er für den „Tod“ mitverantwortlich sein, aber das ist den „Verwandten“ völlig gleich, da ihnen nichts ihren Menschen zurückbringen wird. Die gemeine Logik sagt also, den Scharlatan mit den Quacksalben rechtzeitig zum Teufel zu jagen und einen Profi zu suchen, der sein Werk versteht.

Ein makaberer, jedoch notwendiger Prolog. Unser Land liegt auf dem Krankenbett und die Troika und alle, die sie steuern, spielen die Rolle des Scharlatans, der uns mit Quacksalben zu retten versucht. Unser Zustand verschlimmert sich jedoch immer mehr.

Und man fragt sich: So viele schlaue Wirtschaftlerköpfe und niemand bemerkt etwas? Neulich wurde bekannt, dass die Präsidentin des IWF Christine Lagarde vertrat, die Verschuldung Griechenlands müsse auf ein „überlebensfähiges Niveau“ gesenkt werden um ihrem wohltätigen Fond zu gestatten, eine weitere Rate von Milliarden Euro zu gewähren. Der Lagarde ist zumindest sehr wohl bekannt, dass die tiefe Rezession in Griechenland das Programm zur Rettung des Landes um … Lichtjahre von seiner Bahn abgebracht hat. Und offensichtlich will sie retten, was von dem Geld ihres „Ladens“ zu retten ist.

Lesen Sie dies und ziehen sie Ihre Schlüsse: 68.000 griechische Kleinunternehmen schlossen in den ersten 6 Monaten des Jahres 2012. 190.000 Unternehmen erklärten, innerhalb der nächsten 12 Monaten von der Insolvenz bedroht zu sein. 1 von 4 Unternehmen in Griechenland vermag nicht, den Tilgungen seiner Kredite nachzukommen. 1 von 2 begegnet Schwierigkeiten bei der Zahlung der Löhne der Beschäftigten. Der durchschnittliche Umsatzrückgang der kleinen und mittleren Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 betrug 34,5%. Und all dies bei mäßigen Berechnungen und ohne Lust, imponieren zu wollen, da die Realität immer schlimmer ist als das, was sich auf dem Papier darstellt.

Hier haben wir es nicht mit Rezession zu tun, sondern mit einer Politik der verbrannten Erde, die nicht einmal der härteste Eroberer anwenden würde. Das Einzige, was die Politik der Troika erreicht, ist die Zerstörung der griechischen Wirtschaft, die Auflösung des gesellschaftlichen Gerüsts und die Verwandlung des bis vor wenigen Jahren (sei es auch mit geliehenem Geld) blühenden Landes in eine endlose Landschaft der Depression und der Verzweiflung.

Die eine Version ist, dass sie uns abstrafen, damit wir ein Exempel für andere Länder werden, die in Zukunft Griechenland „nachahmen“ wollen. Blödsinn! Deutschland ist seit 25 Jahren Champion bei den Betrügereien mit den EU-Mitteln. Die andere Version lautet, dass sie das Land zerschlagen und für ein Stück Brot „kaufen“ wollen. Das Sichere ist jedenfalls eins: Ohne eine mutige Entschuldung wird Griechenland bankrott gehen, und zwar sogar sehr bald. Und wenn unser Land gerettet wird, wird es dieses nur dem Wunsch Einiger zu verdanken haben, die sich Merkels Plänen entgegenstellen und Griechenland aus ihren Gründen am Leben halten wollen, sei es auch auf der Intensivstation.

All dies annulliert jedoch natürlich nicht im Geringsten die ungeheure Verantwortung des griechischen Volkes und seiner Führer. Darüber wird jedoch … Theodoros Pagkalos schreiben. Nehmen wir ihm nicht seine Arbeit weg!

Quelle: Vradyni
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

KategorienMeinungen
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  1. fischer
    19. August 2012, 09:32 | #1

    „sei es auch mit geliehenem Geld“ ? Diese Formulierung zeigt sowohl die Korruption der Fuehrung als auch die der Bevoelkerung. Solange unverdientes Geld in Stroemen floss waren alle einverstanden (dies gilt natuerlich nicht nur fuer Griechenland sondern auch fuer die Lehrmeister). Solange das unselige Projekt Euro fortbesteht wird es in Europa keine „Heilung“ geben.

  2. 19. August 2012, 10:36 | #2

    Ichsage es gerne erneut. Dieses „Versagen“ ist nicht durch Unvermögen oder gar Dummheit unserer Politiker in Europa entstanden, sondern sie ist einzig deren absichtliches Handeln. Warum? Weil in der (fast) Politik nur noch kranke Menschen „herrschen“, so wie in der Wirtschaft auch. Diese kriminellen Psychopathen sind keiner Empathie, keiner Reue und keines Mitleides fähig. Sie sind sozusagen, und so sehen sie sich auch, eine andere Rasse. Diesen Zusammenhang beschreibt sehr gut die Theorie der politischen Poneroligie und Psychopathie. Bitte mal googlen. Wenn man dieses Konzept erst einmal antizipiert, so lösen sich alle bisherigen Wiedersprüch auf, aber der Zorn wächst

  3. eva
    19. August 2012, 12:55 | #3

    Besteht die EU denn nur aus Deutschland und Frau Merkel.
    Würden Sie für andere EU-Länder, die nicht gespart haben und nur gut gelebt haben gerne arbeiten ? Sehen Sie sich mal in Deutschland die Autobahnen an und die in Griechenland.
    Oder auch die Deutschen Kindergärten und Griechischen Kindergärten.
    Dann werden Sie sehen wohin das Geld des Deutschen-Steuerzahlers, der seine Steuern bezahlt geht
    Es ist wirklich nicht mehr lustig, das wir uns ständig beschimpfen lassen müssen.
    Ein bischen mehr Selbstkretik wäre angebracht.
    Durch Eure ständigen Streiks kann natürlich kein Geld in Staatskasse kommen.
    eva

  4. Bavaria
    19. August 2012, 13:12 | #4

    ‚Deutschland ist seit 25 Jahren Champion bei den Betrügereien mit den EU-Mitteln.“ So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Deutschland ist bekanntlich der größte Nettozahler in der EU. Es würde sich also quasi selbst betrügen. Und auch sonst ist dem Autor die Einsicht in die eigene nationale Fehlbarkeit abhanden gekommen. solange Steuerprüfer ( auf der Insel Hydra letzte Woche) um Leib und Leben fürchten müssen, weil sie auf die Entrichtung der Mehrwertsteuer bestehen, hat sich nicht viel geändert im Staate Griechenland und den 5Köpfen seiner Menschen.

  5. Heinz
    19. August 2012, 13:38 | #5

    Wunderschön dieser Alibisatz am Ende des Artikels. Kann keiner sagen, man hätte nicht auch Selbstkritik geübt. Nur: Was hat denn der Autor wirklich gesagt? Eigentlich nichts, was die Griechen selbst für die Besserung tun könnten. Nichts, was die Menschen in Griechenland daran erinnert, dass sie einen Staat nicht ausplündern können, wenn sie zufrieden und in Ruhe darin leben wollen. Nichts dazu, dass Betrug und Geldgier an der Tagesordnung sind und das ein jedes Land dieser Welt ruinieren würde. Was also will der Autor mit diesem Pamphlet also erreichen? Ist es Hetze? Ist es Verwirrung?

    Wer Griechenland wirklich dienen will, der klärt seriös auf und enthält sich Beschimpfungen Anderer. In dieser Hinsicht hat die griechische Presse völlig, ich sage ausdrücklich völlig, versagt.

  6. Unglaublich
    19. August 2012, 15:07 | #6

    „die Auflösung des gesellschaftlichen Gerüsts und die Verwandlung des bis vor wenigen Jahren (sei es auch mit geliehenem Geld) blühenden Landes in eine endlose Landschaft der Depression und der Verzweiflung.“

    Herr Melissopoulos, ich darf sie trösten, auch in Deutschland werden „blühende, dem gutbürgerlichen Mittelstand zugeordneten, kinderreiche Familien in eine nicht mehr endende verzeweifelte Depression samt Scheidung und Traumata“ gestürzt.

    Sei es auch nur geschuldet daß sich die Familie durch nicht durch sich selbst definiert hat, sondern nur an dem was man vorzeigen möchte.

    Und Ihr Land kann nur einer „retten“ Sie (die griechische Bevölkerung selbst) oder niemand.
    Ich kenne keine Beziehung weder im Kleinen (Mann/Frau) noch im Großen ( Land/Land) die auf Dauer funktioniert wenn man a) keine Alternativen zulässt, b) deswegen niemals auf Augenhöhe sein wird.

    Und nicht immer auf Andere verlassen..

  7. Isa
    19. August 2012, 15:59 | #7

    @EuroTanic
    Wie schön, dass es mal einer ausspricht!!! 🙂 Und sprich nur munter weiter – denn solange die Leute das nicht endlich begreifen, schlagen sie sich bloß wieder gegenseitig die Köpfe ein. Sind ja schon drauf und dran – Grüße an fischer, eva und bavaria an dieser Stelle, lieber EuroTanic, ich glaube, hier hast du noch gut zu tun!

    Schade eigentlich – ich hör „sie“ schon brüllen vor Lachen, dass der ewig gleiche bescheuerte Trick schon wieder funktioniert hat!!

  8. Werner Ernst
    19. August 2012, 16:34 | #8

    Der schrille Inhalt dieses Pamphlets ist ja nun wirklich nicht neu, und abermals bleibt der Autor die Alternative schuldig, wie die Krise in Griechenland denn nach seiner Meinung beendet werden solle. Sollen die Deutschen einfach monatlich einen Scheck schicken und freundlich winken?

    Und selbstverständlich sind ausschließlich die Deutschen an der ganzen Misere schuld, die den Ausverkauf des Landes betreiben, um es sich einzuverleiben. Das ist doch ein schlechter Scherz. Was, bitte, sollten wir denn an griechischen „Werten“ erwerben wollen? Alte US-Panzer? Die Eisenbahn-Gesellschaft? Olivenhaine?

    Und abermals kann nur gesagt werden: niemand zwingt die Griechen dazu, unser Steuergeld zu nehmen. Im Gegenteil: die deutsche Regierung zwingt uns dazu, es ihnen zu geben. Wer ist da jetzt der „gekniffene“? Ich bin nach wie vor solidarisch mit dem griechischen Volk. Allerdings dürfte es von meiner Sorte immer weniger geben. Niemand hilft dem gerne, der einen unablässig aufs Übelste beschimpft.

  9. Roditisa
    20. August 2012, 10:08 | #9

    @eva
    Ich will ja nun wirklich weder sagen, dass Deutschland endlos die inkompetente griechische Politik weiterfinanzieren soll, noch dass Deutschland der Hauptverusacher dieser Misere waere, aber ich habe zufälligerweise Kindergärten in Deutschland und Griechenland gesehen und wäre äußerst glücklich, wenn meine Kinder einen Kindergarten auf dem Niveau Deutschlands besuchen hätten können.

    Der Kindergarten meiner Töchter hatte einen feuchten Fußboden, eine verschimmelte Wand, das Dach war naemlich an einer Stelle undicht, es gab Kakerlaken und im Sommer aufgrund der Feuchtigkeit eine Mückenplage. Dazu hielten sich 16 Kinder auf 20qm auf. Wir Eltern mussten das Bastelmaterial besorgen und die Putzmittel bezahlen. Die Erzieherin bekam die ersten 3 Monate ihr Gehalt nicht ausgezahlt, weil der Staat kein Geld dafür hatte. Das Dach ist seit 4 Jahren in diesem Zustand und kann aufgrund mangelnder Gelder nicht repariert werden. Es fehlte außerdem an Möbeln und Spielzeug. So etwas habe ich in Deutschland noch nie erlebt und alle deutschen Mütter, die ich kenne empfinden dieses Szenario als undenkbar.

    Bei Besuchen in Deutschland bin ich immer wieder überrascht, was die Menschen dort als „niedriger Lebensstandard“, „Armut“ oder „Verelendung“ empfinden.

    Das soll aber keine Forderungen rechtfertigen. Ich wollte nur klären, dass man in den beiden Ländern verschiedene Standards ansetzt weshalb ich verstehen kann, wenn es einem sauer aufstößt, dass man keinen Krippenplatz bekommt, aber staatliche Gelder griechischen Schuldenlöcher stopfen. Den Griechen aber vorzuwerfen, sie hätten bessere Kindergärten, Straßen oder Krankenversorgung zeugt von Unwissenheit.

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