Krankenhausärzte in Griechenland stellen Regierung Ultimatum

30. August 2012 / Aktualisiert: 10. August 2020 / Aufrufe: 858

Nachdem die 9,5 Mio. Versicherten des EOPYY ab kommendem Samstag bzw. Montag gezwungen sein werden, Medikamente und Arztbesuche aus eigener Tasche zu bezahlen, drohen nun auch die Krankenhausärzte mit Protestaktionen.

Der Gesundheitssektor in Griechenland gleicht einem brodelnden Kessel, da nach den Apothekern, die ab dem 01 September 2012 an die Versicherten des EOPYY Medikamente nur noch gegen Barzahlung herausgeben, und den Kassenärzten, welche die Einstellung der Zusammenarbeit mit dem Organismus ab dem 03 September 2012 beschlossen haben, sich nun auch die Krankenhausärzte in den Reigen der Proteste einreihen und mit „harten Aktionen“ drohen, falls die Regierung zur Kürzung „weiterer 8% bei der speziellen Gehaltsordnung der Ärzte“ schreitet, und erklären, dass nicht über einen einzigen Euro ihres Gehalts verhandeln zu werden.

Ihre Haltung gegenüber dem EOPYY verhärtete die Ärztekammer Athen, die dem Präsidenten des EOPYY, Gerasimos Voudouris, eine außergerichtliche Beschwerde – Anzeige zustellte und Erklärungen in Zusammenhang mit dem Etat des Trägers, der direkten Finanzierung, der Begleichung der fälligen Vergütungen der Ärzte, der Schaffung eines ständigen Ausschusses zur Kontrolle der Geschäftsführung, ob eine Ausschreibung für die Bedienung der Versicherten des EOPYY per Telefon durchgeführt wurde und in Zusammenhang mit der gleichzeitigen Bezahlung Aller für die Dienstleistungen an die Versicherten des EOPYY, angefangen von dem Direktor bis hin zum letzten Amtsträger oder ihrer freiwilligen Mitwirkung, verlangen.

Gesundheitsministerium droht Apothekern mit selektiver Bezahlung

Derweilen werden in eine frontale Kollision mit dem Gesundheitsministerium auch die Apotheker nach dem Beschluss des EOPYY geführt, vorrangig die Apotheken zu bezahlen, welche weiterhin Rezepte für Versicherte ausführen, und dabei parallel die Möglichkeit zur individuellen Einreichung der Rezeptabrechnungen für Medikamente und ihrer individuellen Bezahlung gewährt.

Mit der Adoption von Praktiken anderer Epochen gaben sie ihre Absicht bekannt, einen Mechanismus zur Streikbrechung innerhalb der Branche der Apotheker zu finanzieren. Wenn dies realisiert wird, handelt es sich um einen beschämenden Beschluss, der an schwarze Epochen erinnert und die Qualität unserer Demokratie abwertet„, meint der Vorsitzende des Apothekerverbands Athen, Kostas Lourantos, und fügt an, „kein Apotheker wird einen persönlichen Vertrag unterschreiben„.

Der Beschluss des EOPYY bezüglich der selektiven Bezahlung der Apotheken wird jedenfalls vermutlich Reaktionen unter den Apothekern auch angesichts des bei der Vollversammlung des Panhellenischen Dachverbands der Pharmazeuten (PFS) herrschenden Klimas auslösen, da es Verbände gab welche vertraten, dem EOPYY müsse ein zeitlicher Aufschub bis wenigstens Mitte September 2012 eingeräumt werden, anstatt – wie letztendlich mehrheitlich beschlossen wurde – ab dem 01 September 2012 zur Einstellung der Ausführung von Kassenrezepten „auf Rechnung“ zu schreiten.

Die Atmosphäre während der Marathon-Sitzung des PFS war zeitweise explosiv, was zum Ergebnis hatte, dass der Vorsitzende des PFS, Theodoros Ampatzoglou, dem Vorstand sogar seinen Rücktritt angeboten hatte.

(Quellen: in.gr, in.gr)

  1. kokkinos vrachos
    30. August 2012, 18:02 | #1

    Im express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit ist ein interessanter Artikel „Do it yourself im griechischen Gesundheitswesen – Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen in Zeiten der Krise“ von Anna Leder (arbeitet im öffentlichen Gesundheitswesen und ist Sekretärin der Gewerkschaft Handel Transport Verkehr, Wien) erschienen.

  2. Guest
    30. August 2012, 23:23 | #2

    @Kokkinos: thx … interessanter Artikel. Situation in GR ist ‚mies‘ (hätte viel stärkere Worte dafür). Nach 4 Jahren GR mit Ärzten als ‚Kunden‘ kann ich nur sagen: Gier, Skrupellosigkeit, Korruption, Steuerhinterziehung … das beschreibt die GR-Ärzte. Die Unfähigkeit des EOPYY, Medikamente zu bezahlen, ist nur ein weiterer ‚Mühlstein‘ auf den Weg in den Abgrund.

  3. Quarterback
    2. September 2012, 11:57 | #3

    „handelt es sich um einen beschämenden Beschluss, der an schwarze Epochen erinnert und die Qualität unserer Demokratie abwertet“, meint der Vorsitzende des Apothekerverbands Athen, Kostas Lourantos“

    Die Apotheker haben ein gestörtes Verständnis von Demokratie. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Medikamente ohne Rechnung an die Versicherten abzugeben. Verpflichtungen, Regeln gehören nunmal auch zu einer Demokratie – nicht allein die Berechtigung Gewinne zu machen. Ergo ist der Staat auch zu Maßnahmen berechtigt, die den Gesetzesbruch sanktionieren.

  4. Marika
    2. September 2012, 17:08 | #4

    Quarterback :
    Die Apotheker … sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Medikamente ohne Rechnung an die Versicherten abzugeben …

    … was natürlich schlichtweg unwahr ist!

    Wahr ist, dass zwischen Apothekern und EOPYY rechtsgültige und verbindliche kollektive Verträge bestehen, welche von Seite des EOPYY (respektive der Kassen und des Staates) praktisch seit dem ersten Tag ihrer Geltung systematisch gebrochen werden, was in jedem anderen Fall von Rechts wegen die gesamte Palette einschlägiger Sanktionen (Vertragsstrafen, Schadenersatzansprüche, zivil- und strafrechtliche Verfolgung usw.) zur Folge hätte. Stattdessen droht nun jedoch der Staat den Apothekern obendrein an, sie faktisch enteignen zu werden, falls sie nicht – wie im übrigen auch Ärzte, Laboratorien und Kliniken – darin fortfahren, aus eigenen Mitteln den EOPYY zu finanzieren, der allein in den ersten 8 Monaten des Jahres 2012 ein (zusätzliches) Defizit von rund 1,5 Mrd. Euro kumuliert hat.

    Bezeichnenderweise werden die Beiträge der Versicherten an die gesetzlichen Krankenkassen wie schon seit Jahrzehnten nach wie vor nicht dem vorgesehenen Zweck zugeführt, sondern systematisch veruntreut um damit andere Löcher zu stopfen. Wenn also ein Bruch des Gesetzes vorliegt, dann von Seite des EOPYY, der Kassen und des Staates.

Kommentare sind geschlossen