Griechenland steht vor gesellschaftlicher Explosion

3. August 2012 / Aktualisiert: 10. August 2020 / Aufrufe: 2.420

Die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsverbands warnt, Griechenland stehe am Rand einer gesellschaftlichen Explosion.

Wenn eine Nation ihre Hoffnung verliert, beginnt der Glaube an die demokratischen Institutionen erschüttert zu werden und der gesellschaftliche Aufruhr ist mehr als wahrscheinlich„, meinte Saran Baroou, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB / ITUC), und präsentierte die für die griechischen Arbeitnehmer und den Arbeitsmarkt traurigen Folgerungen einer paneuropäischen Untersuchung, auf deren Basis 91% der griechischen Arbeitnehmer ihre Einkommen sinken sahen.

Frau Baroou sprach von einer düsteren Situation in Griechenland und verlangte unter anderem die Wiederherstellung des Mindestlohns und die Respektierung der kollektiven Tarifverträge und der Beschlüsse der Sozialpartner.

Angesichts der Tatsache, dass sie Begegnungen sowohl mit Christine Lagarde vom IWF, aber auch Funktionären der EU hatte, war von besonderem Interesse ihre kategorische Verneinung, als sie von Seite der griechischen Nachrichtenagentur AMPE gefragt wurde, ob die Troika die gesellschaftlichen Dimensionen der Krise in Griechenland und die Möglichkeit der Auslösung einer gesellschaftlichen Explosion wahrgenommen habe. Das einzige, was die Troika bisher studiert, sind die Zahlen, entgegnete sie bezeichnend und verlangte eine Änderung der Memorandums-Politik, die so wie so „nicht funktioniert“.

Wiederherstellung des Mindestlohns für ein Leben in würde

Spezieller haben auf Basis der paneuropäischen Untersuchung, die für Rechnung des Internationalen Gewerkschaftsverbands durchgeführt wurde, 91% der griechischen Arbeitnehmer ihre Einkommen sinken gesehen, 7% erachten, sich auf dem selben Niveau zu befinden, und 3% nehmen an, ihre Einkommen seien gestärkt worden.

Die Rückschlüsse der Untersuchung präsentierte während einer in der Geschäftsstelle des Allgemeinen Arbeitnehmerverbands Griechenlands (GSEE) abgehaltenen Pressekonferenz die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsverband, Saran Baroou, die sich neulich mit der Präsidentin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde getroffen hatte und während ihres Aufenthalts in Athen auch ein Gespräch mit Arbeitsminister Giannis Vroutsis führte.

Bei den Begegnungen verlangte Frau Baroou die Wiederherstellung des Basislohns in Griechenland auf das Niveau vor der Umsetzung des zweiten Memorandums „damit die Menschen in Würde leben können„. Sie verlangte ebenfalls die Respektierung der Beschlüsse der Sozialpartner und die Wiederherstellung der sozialpolitischen Träger, wie die Organismen „Ergatiki Estia“ (Träger für Arbeiterwohlfahrt) und „Ergatiki Katikia“ (Träger für sozialen Wohnungsbau), die mit dem zweiten Memorandum abgeschafft wurden.

Verletzungen und Umgehungen der Arbeitsgesetzgebung

Frau Baroou und ein Stab des Internationalen Gewerkschaftsverbands hatten am 22 und 23 Juli 2012 im Rahmen der Aufnahme seitens der Organisation von Verletzungen der Arbeitnehmerrechte, einschließlich auch der Umgehungen der Arbeitsgesetze in Griechenland und anderen Ländern, aufeinanderfolgende Begegnungen mit Gewerkschaften und Arbeitnehmern in Unternehmen.

Die Sekretärin des Internationalen Gewerkschaftsverbands charakterisierte die Situation in Griechenland als „düster“ und fügte an, bei den Begegnungen mit griechischen Arbeitnehmern „verschreckte Menschen“ gesehen zu haben, „Menschen, die Angst haben, Kinder zu bekommen, weil sie nicht wissen, ob sie deren Existenz sichern können. So wird jedoch das gesellschaftliche Gerüst dieses schönen Landes zerstört“, erklärte Frau Baroou. „Wenn eine Nation die Hoffnung verliert, beginnt der Glaube an die demokratischen Institutionen erschüttert zu werden und der gesellschaftliche Aufruhr ist mehr als wahrscheinlich.

Die Frage der AMPE beantwortend, ob sie bei ihren Begegnungen mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union feststellte, dass jene einer solchen Möglichkeit begegnen, war sie wiederum kategorisch und betonte: „Sie haben die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Aufruhrs nicht wahrgenommen, weil das einzige, was sie bisher studiert haben, die Zahlen sind.

Die Zahlen geben ein Bild wieder, jedoch ist offensichtlich, dass die bisher umgesetzten orthodoxen Politiken nicht funktionieren„, meinte Frau Baroou und ergänzte: „Wenn 50% der Jugend in Griechenland arbeitslos und 65% von Armut bedroht sind, müssen IWF und Europäische Union ihre Ratschläge überdenken.

Die weltweite Untersuchung des Stabs erfolgt selektiv in Ländern, in denen schwerste Arbeitsrechtsverletzungen verzeichnet werden, darunter auch Griechenland, das auf Betreiben der GSEE in die Erhebung aufgenommen wurde. Der Internationale Gewerkschaftsverband vertritt 175 Millionen Arbeitnehmer in 153 Ländern, mit insgesamt 308 Mitgliedsorganisationen.

(Quelle: in.gr)

  1. Willi F. Gerbode
    3. August 2012, 12:29 | #1

    „Die Frage der AMPE beantwortend, ob sie bei ihren Begegnungen mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union feststellte, dass jene einer solchen Möglichkeit begegnen, war sie wiederum kategorisch und betonte: “Sie haben die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Aufruhrs nicht wahrgenommen, weil das einzige, was sie bisher studiert haben, die Zahlen sind.““

    Das ist genau die Gefahr eines Bürgerkrieges, auf die ich hier schon mehrfach hingewiesen habe, was aber stellenweise als „Geseiere“ abgetan wurde. Problem in den EU-Staaten außerhalb GRs ist, dass dort in der Tat fast ausschließlich die ökonomische Seite der Krise dargestellt wird. Entsprechend fallen die Einlassungen der Kommentatoren in den Blogs aus. Wenn der griechische Staat z.B. zahlungsunfähig werden sollte, weil es kein Geld mehr von der Troika gibt, können auch die Polizisten nicht mehr bezahlt werden, um Ausschreitungen zu verhindern. Ja, es steht zu befürchten, dass die ob ihrer tendenziell rechten Gesinnung zu einem Problem werden.

  2. Konstantin
    3. August 2012, 13:01 | #2

    Ich möchte mal stark bezweifeln, dass die Möglichkeit des Aufruhrs nicht wahrgenommen wird. Die Frage ist, ob dieser gewollt herbeigeführt werden soll, damit Troika / Hintermänner schneller und preiswerter aufkaufen können.

  3. Monalisa
    3. August 2012, 17:41 | #3

    Griechenland wird nur der Anfang sein. Die Umverteilungsmaschine Arm zu Reich läuft aber nicht nur hier auf Hochtouren, sondern weltweit. Mit den meisten Griechen, wie überhaupt mir der westlichen Welt, habe ich kein Mitleid. Sie hatten ihre Chance und haben sie verspielt. Mir tun die Menschen in der dritten Welt leid. Abgespeist mit Hungerlöhnen und ohne soziale Sicherheit bringen sie ungewollt dem reichen Westen die Arbeitslosigkeit. Noch freuen sich die Kapitalisten, aber der Kapitalismus sägt sich emsig den Ast ab auf dem er sitzt und wird den Kommunismus nur kurz überleben. Fragt sich nur, wie es nach dem Chaos weitergehen wird?

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