Geflügel-Kartell in Griechenland aufgedeckt

24. August 2012 / Aktualisiert: 25. September 2017 / Aufrufe: 566

Geflügelfarmen in Griechenland sprachen zu Lasten der Verbraucher und des freien Wettbewerbs jahrelang ihre Preise ab und teilten Kundensegmente untereinander auf.

Die 10 größten griechischen Geflügelunternehmen, welche 70% des gesamten Marktes kontrollieren, bestahlen über 14 aufeinanderfolgende Jahre die Konsumenten, da sie koordiniert die Preise bei frischen und tiefgefrorenen Hähnchen festsetzten und erhöhten.

Den für die griechischen Gegebenheiten größten Kartell-Fall, der selbst den bei der Milch übersteigt, enthüllte die Wettbewerbskommission, und zwar bei einem der grundlegendsten Lebensmittel im Einkaufskorb der Hausfrau. Die unabhängige Verwaltungsbehörde, die Informationen zufolge auch den Entwicklungsminister Kostis Chatzidakis in Kenntnis setzte, veröffentlichte am 21 August 2012 den Bericht der Generaldirektion für Wettbewerb nach den von Amts wegen erfolgten Kontrollen, die sie in Geflügelunternehmen durchführte. Gleichzeitig gab sie die gerichtliche Verhandlung der Sache gegen Anfang Oktober bekannt.

Laut gut informierten Marktquellen setzten die 10 der insgesamt 25 Unternehmen der Branche mit der Praxis der festgesetzten Preise, aber auch unter Aufteilung der Kunden untereinander, jährlich wenigsten 400 Mio. Euro um.

Schriftliche Vereinbarungen über Preise und Kunden

Das Knäuel des Kartells begann sich im September 2010 abzuwickeln. Damals ging bei dem Entwicklungsministerium die Information ein, dass Geflügelunternehmen sich unter dem Vorwand des Anstiegs des Viehfutters zu Preiserhöhungen anschickten. Der Generalsekretär für Handel, Stefanos Komninos, informierte den Wettbewerbsausschuss. Dessen Stäbe schritten zu überraschenden Kontrollen in den Geschäftsräumen des Unternehmensverbands, aber auch der Unternehmen. „Die einschlägige von Amts wegen erfolgte Untersuchung der Generaldirektion für Wettbewerb wurde anlässlich der Informationen durchgeführt, welche sie seitens des Entwicklungsministeriums in Zusammenhang mit einer anstehenden koordinierten Erhöhung der Preise der Produkte vieler Unternehmen der Branche erhielt„, wird in der diesbezüglichen Bekanntmachung der unabhängigen Behörde angeführt.

Quellen zufolge wurden Unterlagen gefunden, welche beweisen, dass die Vertreter von wenigstens 10 Unternehmen sich regelmäßig in den Büros des Verbands trafen und schriftlich die Festsetzung der Verkaufspreise frischer und tiefgefrorener Hähnchen vereinbarten: „Eine große Anzahl der Geflügelfarmen koordinierte ihre unternehmerische Aktivität bezüglich sowohl der Festlegung der Verkaufspreise ihrer Produkte (also frischer und tiefgefrorener Hähnchen) an das nächste Niveau der Versorgungskette (Großhandel, Supermärkte, Grillbetriebe, Metzgereien) als auch der Aufteilung ihrer Kunden„, lautet es in dem Bericht der Zentraldirektion für Wettbewerb.

Mit anderen Worten, die Geflügelunternehmen vereinbarten, nicht unter einem bestimmten Preis an die Metzgereien zu verkaufen, nicht unter einem anderen an die Supermärkte zu verkaufen usw. Gleichzeitig vereinbarten sie, dass kein Unternehmen an die Kunden eines anderen Unternehmens verkaufen würde. Schockierend ist wiederum die Tatsache, dass die Geflügelunternehmen, welche der Kartellbildung beschuldigt werden, gemäß den Feststellungen der Kontrolleure diese Praxis „über einen langen Zeitraum (1996 bis 2010) befolgten“.

(Quelle: Imerisia)

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