Bedienstete öffentlicher Unternehmen in Griechenland verlieren 400 Euro

14. August 2012 / Aktualisiert: 25. September 2017 / Aufrufe: 894

Die Bediensteten der öffentlichen Unternehmen in Griechenland verlieren im Durchschnitt 400 Euro und in bestimmten Fällen bis zu 50% ihrer monatlichen Bezüge.

Eine Operation der Regierung mit dem Codenamen „Lohnordnung DEKO“ befindet sich in vollem Gang und umfasst horizontale Kürzungen der Bezüge, die in bestimmten Fällen bis zu 50% reichen können, durch Streichung spezieller Zulagen und außerordentlicher Vergütungen für Überstunden und Entschädigungen sowie auch der globalen Umsetzung des Plafonds von 2.200 Euro für die Gesamtbezüge der Beschäftigten.

Laut dem Plan der Regierung wird die ausnahmslose Anwendung der einheitlichen Besoldungsordnung auf die öffentlichen Unternehmen (DEKO) – und zwar rückwirkend ab November 2011 – für 68.000 Beschäftigte durchschnittliche Verluste von 400 Euro herbeiführen, da das Ziel der Kürzungen die Einsparung von 300 Mio. Euro für das neue 11,5 Mrd. Euro schwere Maßnahmenpaket ist.

Die bei dem Wirtschaftsstab der Regierung eingegangenen Informationen besagen, dass dutzende der insgesamt 72 DEKO nicht das Gesetz über die Kürzung der Bezüge um 35% ab November 2011 umgesetzt haben, wie es in dem einschlägigen Runderlass des Finanzministers vorgesehen war, oder es nur zu einem Teil umsetzten, indem sie für das Jahr 2011 zu Kürzungen von 25% schritten und den übrigen Teil von 10% nicht durchsetzten.

Verteilung versteckter Bezüge unter dem Tisch

Ebenfalls bestehen begründete Verdachtsmomente, das bei einigen DEKO Führungskräfte in Abstimmung mit Gewerkschaftlern unter dem Tisch selektive Erhöhungen mittels spezieller Zulagen und Entschädigungen oder sogar auch fiktiver Überstunden verteilten.

Nach einer entsprechenden Anweisung des Premierministers verfügte Finanzminister Giannis Stournaras, alle Akten mit der Korrespondenz und dem Informationsaustausch zwischen den Unternehmensleitungen und Aufsichtsbehörden über das Thema der Besoldungsordnung gründlich zu überprüfen, damit für jede der DEKO einzeln festgestellt wird, ob die Besoldungsordnung umgesetzt wurde. Gleichzeitig sind von den Leitern der DEKO die detaillierten Gehaltsaufstellungen des Personals und der Führungskräfte angefordert worden.

Bezüglich der Besoldungsordnung werden wir unerbittlich sein„, erklärte ein hoher Funktionär des Finanzministeriums und merkte bedeutungsvoll an, dass überall, wo „heimliche“ Bonuszahlungen ausfindig gemacht werden, die Gelder zurückgefordert werden, und zwar verzinst.

Charakteristisch ist der Fall eines öffentlichen Unternehmens, wo gewisse Personen mehr als 1.000 Euro monatlich aus Überstunden erhielten. Die selbe Quelle rief den Fall der öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI) in Erinnerung, wo die Intervention des Repräsentanten des Staates bei der Hauptversammlung des Unternehmens erforderlich war, damit die Familienzulage gestrichen wurde, welche an den geschäftsführenden Vorstand, die elf Mitglieder des Vorstandsrates und ungefähr 200 Führungskräfte in Positionen des Generaldirektors, stellvertretenden Generalsdirektors und Direktors gezahlt wurde.

Laut der Zeitung „Ethnos“ wurde die Besoldungsordnung der DEKO erneut – und zwar mit Nachdruck – durch die Troika auf den Tisch gebracht, die der Regierung ihre eigenen Informationen präsentierte, laut denen trotz der Regelungen über Kürzungen, die in den beiden letzten Jahren vorangetrieben wurden, die durchschnittlichen Bezüge bei den DEKO im Vergleich zu den entsprechenden Bezügen auf dem engeren öffentlichen Sektor um bis zu 50% höher bleiben. Und dies, weil es weiterhin spezielle Gehaltsprivilegien mit versteckten Vergütungen gibt, die sich auf die Höhe der Überstunden, die Vergütungen für Arbeitseinsätze außerhalb und die Sonderzulagen beziehen.

Grauzonen

  • Bei den Daten, welche die zuständigen Behörden von den DEKO gesammelt haben, gibt es viele Grauzonen hinsichtlich des Verlaufs der Gehaltskosten seit 2009 bis heute auch „mathematische Berechnungen“, welche „viel Wasser aufwirbeln“, wie beispielsweise bezüglich der Ermittlung der durchschnittlichen Gehaltsbelastung pro Kopf, die laut dem Gesetz nicht höher als 1.900 Euro liegen darf.
  • Eine Quelle führte einen charakteristischen Fall einer DEKO an, wo die Kürzungen bei den Gehältern nur auf einen Teil der Beschäftigten angewendet wurden.

In einem Schreiben, welches der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras am 18 Juli an alle Minister verschickte, erinnert er diese an „die zwingende Notwendigkeit und Verpflichtung zur unmittelbaren und vollständigen Umsetzung der Bestimmungen der Gesetze N.3833/2010, N.3845/2010, N.3899/2010, N.3986/2010 und N.4024/2011“ und verlangt, darüber informiert zu werden, welche der beaufsichtigten Träger sich daran gehalten haben und welche nicht oder ob es Fälle der selektiven Umsetzung des Gesetzes gibt.

(Quelle: Imerisia)

  1. Heinz
    14. August 2012, 13:18 | #1

    Wenn ich das so lese, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass Gesetze in Griechenland eigentlich nur auf dem Papier stehen, und dass es ein Sport zu sein scheint, sich eben nicht an diese Gesetze zu halten.

    Man möge mir diese Bemerkung verzeihen, aber seit ich hier im Blog lese, kommen immer wieder solche Berichte, an denen ich manchmal verzweifeln könnte.

    Wann wird es in Griechenland eine funktionierende Bürokratie und eine Regierung geben, die auch in der Lage ist, Gesetze durch zu setzen. Und wann wird es eine Judikative geben, die ihren Job konsequent und ohne Ansehen der Person macht?

  2. V99 %
    14. August 2012, 17:15 | #2

    Wenn man das liest, denke ich irgendwie an Cosa Nostra und Al Capone..(..fiktive Überstunden.. mehr als 1.000 Euro monatlich) natuerlich werden die „einfachen“ Angestellten mit durchschnittlich 400 Euro Abzug bestraft, waehrend in den Chefetagen weiter gemauschelt wird. Mir hat mal ein Einheimischer gesagt, dass man das nur in den Griff bekommt, wenn ALLE wichtigen Posten von Auslaendern besetzt werden, die tournussmaessig ausgewechselt werden. Ich fuerchte er hatte Recht 🙁

  3. maldek
    14. August 2012, 17:50 | #3

    Wer würde so etwas wollen?

  4. Andreas
    14. August 2012, 18:17 | #4

    @Heinz Ich habe in den vielen Jahren die ich hier lebe gelernt, das man Angestellte am effizientesten einsetzt, indem man sie das machen lässt was sie gut können. Ich denke Griechenland wäre die perfekte Teststation für jedes neue Europa Gesetz. In einem ein- bis zweijährigen Prozess könnte man hier jedes Gesetz gründlich auf Schlupflöcher testen, bevor sie EU weit eingeführt wird. Die ‚Ill’egalen Gewinne gehen dabei zwar als Kolatteralschaden verloren, aber das holt man dann schnell durch die Schlupflochgetesteten Gesetze wieder rein. Man muss die Dinge auch mal positiv sehen. =:-)

  5. Maskaras
    17. August 2012, 02:15 | #5

    heinz :
    Alles ist verboten und alles ist erlaubt! Das hier ist das Land der endlosen Gesetzgebung und gleichzeitig der endlosen Freiheit. Wer kann, eignet sich soviel es geht Rechtum an.
    Gesetze en masse, kein Problem gibts genug hier, aber keiner haelt sich dran !!!!

    Wann wird es in Griechenland eine funktionierende Bürokratie und eine Regierung geben,….

    Tja , das hat schon unsere 1″Koenig OTTO aus Bayern versucht, hat damals eine ganze Beamtenriege mitgebracht, sollte Steuern eintreiben und ein Steuersystem aufbauen, hat nicht geklappt, sind verzweifelt abgezogen, nur das blau weisse der bayrischen Flagge ist uebrig geblieben…

Kommentare sind geschlossen