Schwarze Prognosen für Rezession und Arbeitslosigkeit in Griechenland

13. Juli 2012 / Aktualisiert: 25. September 2017 / Aufrufe: 2.067

Revidierte Prognosen sehen in Griechenland für 2012 die Rezession bei 7 Prozent, den weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit und ein Jahresdefizit von 9 Prozent.

Eine größere Rezession der griechischen Wirtschaft bei 6,9% für das Jahr 2012 im Vergleich zu 5% der vorherigen Schätzung prognostiziert die Stiftung für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) und schlägt ein „100-Tage-Programm zur Dämpfung der Rezession“, aber auch Verhandlungen mit den Gläubigern des Landes vor, nachdem vorher greifbare Ergebnisse der Umsetzung der Reformen gegeben werden. Es handelt sich um einige der grundsätzlichen Schlussfolgerungen des Quartalsberichts der IOBE über die griechische Wirtschaft, den am 09 Juli 2012 der Präsident der IOBE Odysseas Kyriakopoulos bei einer Pressekonferenz präsentierte.

Alle Prognosen der IOBE sind negativ revidiert worden, wobei wegen des Rückgangs im Tourismus die Rezession für das zweite Quartal auf 7,5% und 8% im dritten Quartal geschätzt wird, während für das letzte Quartal eine leichte Deeskalation erwartet wird. Weiter wird prognostiziert, dass das Jahresdefizit für 2012 bei 9% schließt und die Arbeitslosigkeit auf 23,6% emporschnellt. Die Bruttoinvestitionen in Betriebsmittel sinken um 21%, der private Konsum um 9,5% und der öffentliche Konsum um 6%.

Entwicklung Makroökonomischer Größen in Griechenland 2008 – 2012

2008 2009 2010 2011 2012
(IOBE)
Brutto-Inlandsprodukt -0,2 -3,3 -3,5 -6,9 -6,9
Privater Konsum 4,0 -1,3 -3,6 -7,1 -9,5
Öffentlicher Konsum -2,1 4,8 -7,2 -9,1 -6,0
Exporte von Gütern und Dienstleistungen 3,0 -19,5 4,2 -0,3 -2,0
Import von Gütern und Dienstleistungen 3,3 -20,2 -7,2 -8,1 -19,0
Brutto-Anlagekapitalinvestitionen -6,7 -15,2 -15,0 -20,8 -21,0
Harmonisierter Verbraucherpreisindex 4,2 1,3 4,7 3,1 1,4
Arbeitslosenquote (%) 7,6 9,5 12,5 17,7 23,6
Laufende Handelsbilanz -17,9 -14,3 -12,3 -10,3 -6,7
Bilanz der Zentralregierung (% BIP) -9,9 -15,8 -10,6 -9,9 -9,0
Bruttoverschuldung der Zentralregierung (% BIP) 113,0 129,0 144,9 165,3 161,3%

Prognosen … unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklungen

Die Forscher der IOBE vergaßen nicht die Ungewissheit der Prognosen zu unterstreichen, da sie unmittelbar mit der Ungewissheit über die griechische Wirtschaft in Zusammenhang stehen, während Herr Kyriakopoulos in seiner Eigenschaft als Unternehmer bezüglich der Privatisierungen und in wie weit wegen des Risikos für die Währung ein Unternehmer heute in Griechenland investieren würde befragt antwortete, dass es für alles einen Preis gebe und ein Unternehmer solche Parameter berücksichtige.

Der stellvertretende Präsident der IOBE, Rafael Moysis, betonte, „wir dürfen nicht zu dem Szenarium gehen, Griechenland sei verurteilt und mit nichts zu retten. Die IOBE teilt diese Ansicht nicht.

Die dringenden Herausforderungen für die Regierung sind laut dem Bericht die Handhabung der aktuellen ungünstigen Umstände, die radikale Neugestaltung des wirtschaftlichen Modells des Landes, die Konsequenz in Politiken, welche zu einem primären volkswirtschaftlichen Überschuss führen, und ihre Beteiligung an der Umstrukturierung grundsätzlicher Prinzipien des europäischen Wirtschaftssystems. Als fundamentales Ziel setzt er die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit durch Taten, was eine grundsätzliche Voraussetzung für die Erreichung eines jeden aller jeweiligen Ziele darstellt.

Die IOBE setzt vier Ziele und betont, dass die Bemühung zur Erreichung der vier Ziele unmittelbar beginnen muss:

  • „100-Tage-Programm“ zur zügigen Entschärfung der negativen Umstände.
  • Gestaltung von Voraussetzungen zur Revision der Mischung der Wirtschaftspolitik.
  • Ausarbeitung einer nationalen Strategie für das neue Entwicklungs- und Gesellschaftsmodell der griechischen Wirtschaft.
  • Kooperation mit anderen bereitwilligen Mitgliedstaaten zur Verbesserung der Wirtschaftspolitik der Eurozone.

Für die ersten „100 Tage“ legt die IOBE Nachdruck auf Interventionen zur Dämpfung der Rezession mittels der Verbesserung der Liquidität mit der Auszahlung von 6,6 Mrd. Euro, der Rekapitalisierung der Banken, der Finanzierungen seitens der Europäischen Investitionsbank (EIB) usw.

Es darf keine neuen Steuerbelastungen geben

In dem Bericht der IOBE wird unterstrichen, dass es keine neuen Steuerbelastungen geben darf und eine zeitliche Ausweitung der Arbeitslosenhilfe und ein mutiges Vorgehen gegen die Korruption nötig ist. Er schlägt die Forcierung reifer struktureller Änderungen zur Liberalisierung der Märkte und Stärkung des Wettbewerbs, die Beschleunigung der Privatisierungen, greifbare Beweise für die Umsetzung der Reformen, Bekämpfung der Steuerhinterziehung und Neugestaltung der öffentlichen Verwaltung vor.

Speziellen Nachdruck gibt die IOBE der Einleitung des neuen Entwicklungsmodells und den abgestimmten Interventionen zur produktiven Neuorganisation des Landes.

In Zusammenhang mit der Änderung der wirtschaftspolitischen Mischung erachtet die IOBE die Angleichung der Geschwindigkeit der volkswirtschaftlichen Angleichung an den wirtschaftlichen Zyklus als erforderlich, unter Berücksichtigung der Rezession und der Arbeitslosigkeit, betont jedoch auch, dass signifikante Änderungen der europäischen Architektur notwendig seien. „Die Verfolgung jeder Verhandlung von griechischer Seite bezieht sich nicht auf die derzeitigen kurzfristigen Verhandlungen. Die Verhandlung erfolgt nunmehr im Namen der nächsten Generationen„, endet der Bericht.

Ohne Privatisierungen können 90.000 Arbeitsplätze verloren gehen

Bezüglich der Verwertung des staatlichen Immobilienvermögens vertritt die IOBE in ihrem Bericht, dass rund 90.000 Arbeitsplätze verloren gehen können, falls die Senkung der öffentlichen Verschuldung nur mit volkswirtschaftlichen Mitteln und ohne die Einnahmen aus Privatisierungen geschieht.

Wenn die Politik zur Reduzierung der öffentlichen Verschuldung vollständig mit volkswirtschaftlichen Mitteln und ohne die Einnahmen aus Privatisierungen erfolgt, können kurzfristig 85.000 Arbeitsplätze und mittelfristig 90.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Das BIP wäre im Durchschnitt kurzfristig 1,7% und langfristig 2% niedriger„, führt der Bericht an.

Das Szenarium der Verwertung des privaten Vermögens des Staates gibt dagegen ein im Durchschnitt um etwa 2% höheres BIP im Verhältnis zur der Angleichung ohne die Verwertung, und für einen langen Zeitraum verleiht es dem BIP sogar eine Erhöhung in der Größenordnung von 3%. Die Beschäftigung während der Perioden, in denen die Tätigkeit unter der kombinierten Auswirkung des Konsums und der Investition beschleunigt wird, schafft 140.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Mit dem Ende des Programms stabilisiert sich die Beschäftigung auf einem Niveau, welches 90.000 neuen Arbeitsplätzen entspricht.

(Quelle: Imerisia)

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