Jawohl Frau Merkel, wie sie wünschen …

21. Juli 2012 / Aufrufe: 2.120

Laut dem Wirtschaftwissenschaftler Sawwas Rompolis ist die Katastrophe in Griechenland das Ziel des Memorandums und nicht etwa nur ein unliebsames Ergebnis.

In Griechenland mag viel über die zeitliche Verlängerung der Umsetzung der Memorandums-Verpflichtungen geredet werden, die Regierungspartner mögen sich gegenseitig darüber in den Haaren liegen, wann diese zu diskutieren sei, aber es ist mehr als offensichtlich, dass diese Diskussion des Inhaltes entbehrt.

Genau dies schrieben wir zum ersten Mal nicht als die Regierung Samaras das (schwarze) Schicksal des Landes übernahm, sondern bereits zu der Zeit, als Venizelos – das Finanzministerium mit dem Ziel übernehmend, ebenfalls Neuverhandlungen zu führen – die unverschämten niedrigeren Funktionäre der Troika „herauswarf“. Um sie dann monatelang anzubetteln, zurückzukehren und ihr gottgefälliges Werk fortzusetzen … .

Warum entbehrt jedoch die Diskussion des Inhaltes? Allgemein gesagt, weil die europäischen „Partner“, Gläubiger und Aufseher Griechenlands darauf beharren, keinerlei „Zugeständnis“ wenn schon nicht an die griechische Gesellschaft, so zumindest an die ihnen gefälligen Regierungen zu diskutieren?

Die Katstrophe ist keine ungewollte Folge, sondern Ziel des Memorandums

Noch schlimmer, sehen sie nicht die Ergebnisse der bisherigen Umsetzung des – laut des Ansicht der meisten Analytiker der Welt missglückten – wirtschaftlichen Rezepts des Memorandums? Und trotzdem, ihre Ergebnisse sind offensichtlich. Betrachten wir sie mittels einer zusammenfassenden Beschreibung, die der Wirtschaftswissenschaftler Sawwas Rompolis in einem Interview mit der Zeitung „Die Zeit“ darlegt:

  1. Das BIP ist seit 2008 um insgesamt 22% gesunken – ein um 10% höherer Satz als jener, den die öffentlichen Gläubiger Griechenlands vorsahen. Gleichzeitig sind die Löhne um bis zu 30% gesunken. Wird auch die Erhöhungen der direkten und indirekten Steuern einbezogen, sank das durchschnittliche Familieneinkommen in Griechenland im Verhältnis zu 2008 um 50%. Die Kaufkraft ist auf das Niveau der zweiten Hälfte der 70er Jahre geschrumpft.
  2. Das durchschnittliche Nettoeinkommen in Griechenland „belief sich 2008 auf 1.200 Euro, nun liegt es bei 700 Euro„.
  3. Hinsichtlich der angeblichen Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung mittels der umgesetzten Politik der „internen Abwertung“:
    Der Fall Griechenlands beweist, dass dies erwiesenermaßen falsch ist. Während die Produktivität in der Periode des Höhepunktes von 2005 bis 2008 um 6% stieg, sank sie in der Krisenperiode seit 2008 bis 2011 um 5,6%. Und obwohl die Lohnkosten in Griechenland um 8% sanken, stieg die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands nicht an. Das Gegenteil trifft zu: Das Volumen der Produktion in Griechenland nahm um 12% ab.
    Während die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft nicht zunimmt, die Arbeitslosigkeit ohne Grenze sprunghaft ansteigt und jährlich 60.000 Unternehmen schließen, wachsen inmitten einer internen Abwertung die Unternehmensgewinne an, manchmal sogar imposant. Warum?
  4. Während in der Konjunkturphase 2005 – 2008 die Unternehmensgewinne konstant blieben oder bestenfalls einen leichten Anstieg verzeichneten, steigen sie seitdem kontinuierlich in die Höhe. (…)
    Die verbleibenden Unternehmen konzentrieren höhere Gewinne. Anstatt wegen der niedrigen Löhne die Preise zu senken, wandelten die Unternehmen die niedrigen Arbeitskosten in eine Erhöhung ihrer Gewinne um. Dies ist der wirkliche Grund, warum die Preise in Griechenland nicht sinken. Für den Arbeitnehmer ist diese Politik auf vielerlei Weise katastrophal, da er sieht, dass sich sein Einkommen konstant verringert, während die Preise weiterhin steigen und er obendrein gezwungen ist, noch mehr Steuern zu zahlen.
    Zusätzlich betreffen Teilzeitbeschäftigung, Zeitarbeit, illegale und unversicherte Beschäftigung inzwischen 50% aller Beschäftigten. Es handelt sich um ungefähr 900.000 von den insgesamt 1,8 Mio. Arbeitnehmer des privaten Sektors. Die Arbeitslosenquote wird außerdem bis Ende des Jahres auf 25% steigen.
    Solange die Troika ihre eigenen Fehleinschätzungen nicht eingesteht, wird sich nichts ändern. Derweilen trägt sie 70% der Verantwortung für die heutigen Probleme in Griechenland, die griechische Seite dagegen bestenfalls 30%.

Warum beharren sie also? Ganz einfach, weil – wie wir viele Male erklärt haben – diese Katastrophe das Ziel des Memorandums und nicht etwa das „ungewollte“ Ergebnis ist. Die zentralen Prioritäten sind zwei:

  • Die Absicherung der Kredite um jeden Preis und über einen möglichst langen Zeitraum, auch wenn die vollständige Verpfändung der Wirtschaft, des Vermögens und der selbigen Griechen notwendig sein wird.
  • Die Umwandlung – in völliger Entsprechung zu dem obigen Ziel – des griechischen Volkes in Arbeitssklaven, ohne Rechte, den Launen der Gläubiger unterworfen und eingeschlossen in Sonderwirtschaftszonen, sogar auch wenn diese Praxis die nationalen Themen untergräbt und verpfändet, wie im Fall Thrakiens oder – zukünftig – auch der Inseln der Ägäis.

Ungefähr so interpretiert wird auch der … Orakelspruch Merkels bezüglich einer Lösung des griechischen Problems bis zu den kommenden Wahlen in Deutschland.

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  1. Monalisa
    21. Juli 2012, 11:47 | #1

    Sorry, das Memorandum kann so falsch und kontraproduktiv sein wie es will, hat aber nie und nimmer das Ziel Griechenland zu ruinieren. Herr Sawwas Rompolis sollte sich das mal zu Gemüte führen und keine Verschwörungstheorie gegen Griechenland in die Welt setzen.
    http://www.scribd.com/doc/99210338/Das-Euro-Desaster
    Es ist einfach zu spät. Die Karre steckt zu tief im Dreck. Egal was man jetzt unternimmt, es wird eine Katastrophe geben. Nicht nur in Griechenland auch in Deutschland. Durch seine familiäre und landwirtschaftliche Struktur wird Griechenland besser durch die nächsten Jahre kommen, als das hochtechnisierte Deutschland. Mal sehen welche Kommentare dann aus Griechenland kommen?

  2. V99 %
    21. Juli 2012, 12:13 | #2

    Warum spricht der Autor in der Ueberschrift Frau Merkel an? Sollte es nicht besser Jawohl Frau Lagarde, Herr Barroso und Herr Dhragi heißen? Dass Die Katstrophe keine ungewollte Folge, sondern Ziel des Memorandums waere kann wohl so nicht stimmen. Was auch immer die Verfasser des Memorandums im Sinn hatten, so waere ihnen mit einer Katastrophe nicht gedient („Die Umwandlung ..des griechischen Volkes in Arbeitssklaven, ohne Rechte..“). Wo er „Das durchschnittliche Nettoeinkommen in Griechenland “belief sich 2008 auf 1.200 Euro, nun liegt es bei 700 Euro“ gefunden hat, wuerde mich interessieren?!? „Während die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft nicht zunimmt… wachsen inmitten einer internen Abwertung die Unternehmensgewinne an, manchmal sogar imposant. Warum?“ „Die verbleibenden Unternehmen konzentrieren höhere Gewinne. Anstatt wegen der niedrigen Löhne die Preise zu senken, wandelten die Unternehmen die niedrigen Arbeitskosten in eine Erhöhung ihrer Gewinne um.“ Warum? Koennte eventuell an dem kapitalistischem „Patriotismus“ der Firmeninhaber liegen… Was seine „Analysen“ fuer Italien und Spanien angeht, hat er vielleicht Recht, vorausgesetzt er hat das richtige „gottgefaellige Orakel“ (ich dachte, er ist Wirtschaftwissenschaftler..) gefragt 😀
    Er nennt folgende Aussagen kurz hintereinander: „Zusätzlich betreffen Teilzeitbeschäftigung, Zeitarbeit, illegale und unversicherte Beschäftigung inzwischen 50% aller Beschäftigten.“
    Und: „Derweilen trägt sie (die Troika) 70% der Verantwortung für die heutigen Probleme in Griechenland, die griechische Seite dagegen bestenfalls 30%.“ 😀
    Die Vorhersage, dass der Herbst heiss wird, bedarf keines Wirtschaftwissenschaftlers.
    Wollen wir hoffen, dass das Urteil des Bundesverfassungsgericht über die Legitimitaet des Fiskalpakts und des staendigen Europäischen Stabilitaetsmechanismus (ESM) negativ ausfaellt.
    So und wie immer: Das ist meine Kurzanalyse des Artikels. Ich moechte niemand damit persoenlich Angreifen oder beleidigen. Auch stimme ich mit dem Hr. Rompolis darin ueberein, dass es hauptsaechlich um die Rettung der Banken geht und dass das Memorandum einen erheblichen Anteil an der schlechten Lage Griechenlands hat. Allerdings verteilt sich die „Schuldfrage“ meiner Meinung nach nicht 70% zu 30% sondern eher 50% zu 50% (Troika zu griechische Regierung und deren gewaehlte(!) Vertreter) Der einfache Arbeiter ist ueberall in der EU zum „Bankensklaven“ degradiert worden, auch Dank der Regierung von Fr. Merkel!

  3. Alexander
    21. Juli 2012, 15:14 | #3

    Ich denke, dass diese Analysen zu kurz greifen, es sind immer die Anderen schuld und die eigenen Verfehlungen werden gerne ausgeblendet. Das das derzeitige Rezept der Austerität nicht funktioniert, ist jedem halbwegs intelligenten Deutschen klar, nur leider ist keiner von diesen Leuten in einer Position, wo er etwas ändern könnte, anstelle dieser Leute, haben wir eine Physikerin, die korrupter und dümmer als alle bisherigen Marionetten ist.

    Nichts desto Trotz, muss man auch ganz klar sagen, dass viele Dinge durch die Griechen selbst fabriziert wurden. Nach wie vor, wurde der riesige Wasserkopf von Verwaltung nicht zurückgebaut, die immense Korruption wurde nicht nur von den Reichen begangen, sondern von jeder gesellschaftlichen Klasse in Griechenland. Dazu kommt, dass die letzten Jahre (vor 2008) die Griechen durch die zinsgünstigen Kredite massiv über ihre Verhältnisse gelebt haben. Anstatt das Geld in Infrastruktur und Aufbau von Industrie etc. zu stecken, wurde es in Konsum und dunklen Kanälen gesteckt, so wie Prachtbauten, die kaum jemandem nutzen.

    Was jetzt passiert, ist nichts anderes als eine Anpassung der Wirtschaft an die griechische Realität. Früher konnte durch die Drachme abgewertet werden, genau so wie die Lira und der Peso, durch das Eurokorsett, ist dies nicht mehr möglich, daher werden die wirtschaftlichen Messgrößen wie Löhne etc. angepasst.

    Letzten Endes, gibt es verschiedene Möglichkeiten aus der Abwärtsspirale heraus zu kommen.
    Raus aus dem Euro, rein in die Drachme + radikalen Schuldenschnitt -> Hohe Inflation, hohe Zinsen am Kapitalmarkt (siehe Argentinien), Entwertung der Erspanisse, Neuanfrang
    Im Euro und weiter wie bisher -> Weitgehende Verelendung der Gesellschaft, Ressentiments gegen Ausländer, ähnliche Entwicklungen wie 1923 in Deutschland mit der Folge der Nazifizierung
    Parallelwährung einführen-> Griechen bleiben im Euro, eine schneller umlaufende Parallelwährung würde die Wirtschaft anwerfen, bei gleichzeitiger Sparmöglichkeit im Euro, Folgen könnten höhere Inflation bedeuten, wenn es keinen freien Wechselkurs zum € gibt.

  4. heho
    21. Juli 2012, 16:27 | #4

    Als ich den Artikel von dem Wirtschaftswissenschaftler Herrn Sawwas Rambolis gelesen hatte, sind mir die Haare zu Berg gestanden. Der größte Teil was er schreibt ist großer Unsinn. Die Griechen sollten zuerst, die über 300 Milliarden Euro, welche im Ausland auf den Banken, deponiert sind, von den eigenen Landsleuten zurück holen und auch den sogenannten Unnahbaren in die Taschen greifen, nicht bei den „Kleinen Leuten“.
    Die Griechen sollten sich einmal Gedanken machen, warum SIE die ERSTEN waren, welche von den AMERIKANISCHEN RATINGSAGENTUREN angegriffen wurden. Es geht nur bei den Amerikanern darum ihre eigene Finanzschwäche zu vertuschen und den Euro zu schwächen.
    Wenn Herr Sawwas Rambolis glaubt, daß wenn unsere Bundeskanzlerin nicht mehr gewählt wird, dann wird es für Griechenland besser. Er wird sich Täuschen.
    Er wird sich noch mehr irren, daß dann Griechenland noch einen einzigen Cent von anderen Ländern bekommen wird. Dies bedeutet den „Finanziellen Untergang Griechenlands“
    Die Zeit ist vorbei, daß die gebratenen Tauben, aus der EU, den Griechen noch in den Mund fliegen

  5. Heinz
    21. Juli 2012, 16:39 | #5

    @Alexander

    Nur als Ergänzung: Wem würde es nützen, die Drachme wieder einzuführen?

    Nicht dem normalen Arbeitnehmer, der sich etwas angespart hat und sein Geld auf dem Sparkonto hat. Auch nicht dem Reichen, der sein Geld im Lande ließ, bei einer griechischen Bank. Denn: Euro würde durch Umrechnung in den Wert der Drachme Geldenwertung in dramatischer Höhe bedeuten, weil sich keine entsprechenden Gegenwerte finden lassen und/oder mit sich anschließender Inflation, wenn zuviel schwarzes Geld unterwegs ist.

    Dem Steuerhinterzieher nutzt es allerdings schon, wenn er seine Kohle in der Schweiz etc. gebunkert hat. Dann gibt’s keine automatische Umrechnung. Und er kann billig einkaufen gehen, in Griechenland, z.B. Immobilien, Aktien, etc.

    Dass viele Menschen in Griechenland genau vor dieser Entwicklung Angst hatten, zeigt die Tatsache, dass Milliardenbeträge in den letzten Monaten aus den Banken gezogen wurden. Der Euro in der Hand ist halt doch besser als die Drachme auf der Bank.

    Und was die Verelendung angeht: Wenn die Drachme kommt, geht das sehr viel schneller. Aus den beschriebenen Gründen. Durch den Euro wird noch ein relatives Gleichgewicht gewahrt werden können. Wie sich die Drachme genau entwickelt, also wie weit abwärts das alles geht, weiß doch kein Mensch, weil dafür einfach zu viele volkswirtschaftlichen Daten ganz fehlen oder die vorhandenen nicht mal das Papier taugen, auf dem sie stehen.

  6. Ottfried Storz
    21. Juli 2012, 17:12 | #6

    Völlige falsche Situationsanalyse:
    Troika gibt Ziele vor, die Umsetzung und vor allen Ausgestaltung übernimmt die Regierung.
    Das der Beamtenabbau, Privatisierung und Steigerung der Investitionsattraktivität fast nicht voran kommt, liegt an der griechischen Regierung, nicht an Frau Merkel. Das deshalb – und weil Einziehung hinterzogenen Vermögens – nicht voran kommt, iegt an der griechischen Regierung, nicht an Frau Merkel.
    Völlig falsch ist auch die angebliche Prioritäten-Beschreibung, das „griechischen Volkes in Arbeitssklaven“ zu wandeln. Für wen denn „Arbeitssklaven“ ?!? Für Frau Merkel ?
    Irgendwie hat es der Autor nicht mitbekommen, das ganz Asien auch bei einer Lohnviertelung Griechenlands Produkte kostengünstiger und qualitativ hochwertiger herstellen wird. Es würde ja ausreichen, wenn Griechenland ihr tradionell extrem hohes Exportdefizit (ca. 2,5-3 mal mehr Importe als Exporte) verringern würde.

  7. Konstantin
    21. Juli 2012, 17:56 | #7

    Japan hätte sich damals aus fast kaputt gespart, jeder weiß nun das ewige Einsparungen ohne Förderung der Wirtschaft und damit Schaffung von Arbeitsplätzen zwangsweise in die Pleite führen muß. Da gibt es kein wenn und kein aber, daß ist logisch nachvollziehbar.

    In dem Artikel stört mich vor allem der Angriff auf Frau Merkel, nicht das ich sie mag oder das ich sie von der Leistung her als gut beurteilen könnte. Aber die Troika vertritt die EU und die EU ist nicht nur Frau Merkel.

    Ganz fehlt in dem Artikel die Schuld der Politiker in Griechenland. Sie haben Auflagen unterschrieben, Geld bekommen und diese nicht eingehalten, darüber hinaus haben sie noch um die 70.000 neue Staatsdiener eingestellt, anstatt ab zu bauen.

    Das Griechenland ein Billigproduktionsland mit niedrigen Gehältern werden soll ist offensichtlich. Jedoch könnten die Politiker auch mal versuchen das Land auf Vordermann zu bringen. Das geht nicht indem man sich die Taschen vollstopft. Millionäre Steuerfrei lässt, Gelder im Ausland deponiert und veruntreute Gelder nicht wieder eintreibt.

    Obwohl offensichtlich viele Büger in Griechenland für den Euro sind, ist genau dieser der Untergang für Griechenland.
    Griechenland als exportschwaches Land, was sehr viel importiert, auch Dinge die es selbst produzieren könnte, verzichtet mit dem Euro auf die einzige Möglichkeit die es hätte, die Währung gemäß der Leistungsfähigkeit auf und ab zu werden.
    Es gibt Argumentationen das die Griechen ihr Geld verlieren würden oder das Dinge mit der Drachme kaum noch bezahlbar sind. Aber genaus so ist es auch bei Beibehaltung des Euros, er verliert ständig an Wert und Kaufkraft.
    Habe in Deutschland eine Sendung gesehen wo ein Griechischer Reder sich freute für die Chinesen die Werftarbeiten übernehmen zu können, er hatte auch einen Termin mit der Task Force der Troika, klar das er für den Euro ist, nur die Steinreichen profitieren davon.
    Und anstatt nun die Schuld bei Merkel, EU oder sonstwo zu suchen, sollten die Politiker und deren Medien erstmal dafür sorgen das jeder in Griechenland Steuern bezahlt und nicht nur die Armen oder Mittelständler.

    Was Griechenland wirklich fehlt sind Politiker und eine Verwaltung die auch was können und für das Land arbeiten. Die ganze Korruption muß aufhören, auf allen Ebenen.

  8. tabascofan
    21. Juli 2012, 20:39 | #8

    Warum hört man sowas nie aus den anderen Ländern – Spanien, Portugal, Italien… – Frau Merkel sei schuld an der ganzen Misere, die Deutschen wollen Arbeitssklaven, das Land unterjochen, eine Verschwörung ist im Gange…
    Ein befreundeter griechischer Geschäftsmann erzählte mir, früher seien die Amerikaner an allem schuld gewesen, jetzt seien es eben die Deutschen. „Wir Griechen brauchen immer einen Schuldigen von ausserhalb, Selbstkritik ist nicht unsere ganz große Stärke.“

  9. Willi F. Gerbode
    21. Juli 2012, 20:40 | #9

    Ich möchte den Analysen von MONA LISA bis KONSTANTIN in vollem Umfang zustimmen, würde aber gern noch einige detaillierte Anmerkungen zu den Ausführungen von Rampolis machen, um Licht in seine merkwürdige Gedankenführung zu bringen:

    Zu den Punkten 1) und 2): Absolut korrekte Darstellung!

    Zu 3): Wettbewerbsfähigkeit und Produktionsvolumen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das Volumen sank auch deshalb, weil ein gehöriger Teil der arbeitsintensiven Produktion, z.B. der Textilindustrie, nach Bulgarien verlagert worden ist, weil dort die Löhne in der Industrie deutlich niedriger lagen und liegen als in Griechenland (B: ca. 3,50€/ Stunde).

    zu 4): Bezeichnender Weise gibt es in diesem Punkt keinerlei Angaben über angeblich gestiegene Unternehmensgewinne. Die angeblich gestiegenen Unternehmensgewinne sind aber nur möglich, wenn die Nachfrage zumindest gleich bleibt. Jeder Unternehmer strebt aber danach einen maximalen Gewinn zu erzielen. Außer auf einem monopolistischen Markt kann er das aber nur, wenn er die ersparten Kosten durch sinkende Preise an seine Kunden weitergibt, um somit den Umsatz zu steigern und damit das Gewinnvolumen. Eine Kostensenkung geht mit einer verbesserten Konkurrezfähigkeit einher. Der Gewinn pro Stück ist für den Unternehmenserfolg kein ausreichender Indikator.
    Da aber die Konsumgüternachfrage in GR durch Arbeitslosigkeit und die Investitionsgüternachfrage durch einen Rückgang der Ausstattungsinvestitionen gesunken ist, übt das einen Druck auf die Preise aus. Da GR wegen einer im internationalen Vergleich niedrigeren Produktivität die Waren in der Vergangenheit zu teuer produzierte, war die Industrie kaum konkurrenzfähig. Ein Grund für die chronisch negative Handelsbilanz. Niedrigere Löhne würden in der Exportindustrie daher auch zu niedrigeren Preisen griechischer Waren führen – Währungskursrelationen spielen natürlich beim Export eine zentrale Rolle, außer im Handel mit den EU-Ländern.

    Völlig Recht hat Rompolis in dem Punkt, dass die Troika Interesse hat, GR in der Lage zu halten, den Schuldendienst leisten zu können. Das ist schon länger bekannt. man spricht in dem Zusammenhang von einem Plan B des Bundesfinanzministeriums. Da eine Totalabschreibung der Kredite teurer wäre als eine weitere Finanzierung des Schuldendienstes GRs (klingt absurd, dürfte aber korrekt sein), ist in der Diskussion lediglich 80% der vereinbarten Tranchenhöhe zu zahlen. Das entspricht der Höhe des griechischen Schuldendienstes. Hinter diesem Plan B, der wohl eintritt, wenn GR die TROIKA-Auflagen nicht in akzeptablem Maße erfüllt, wird gleichzeitig der Druck auf die gr. Regierung erhöht, die verabredeten Sparmaßnahmen umzusetzen (gleichzeitig der Druck auf die anderen Länder unter der Kuratel der Troika).

    Merkels Äußerungen zum Zusammenhang der Oktoberwahlen 2013 in D und der Schuldenkrise sind nur logisch. Das Verständnis der Deutschen für weitere Zahlungen der Eurozone an die Krisenländer schwindet zusehend – und damit die Chance Merkels, die Wahlen wieder zu gewinnen. Die hohe Wertschätzung, die die Kanzlerin in der deutschen Bevölkerung genießt (ca. 65 % pro Merkels Krisenmanagement), ist ein geliehenes Vertrauen, das in dem Maße abnimmt, wie die Eurokrise von Gipfel zu Gipfel ungelöst weiterläuft und immer neue Mrd. erfordert.
    Bisher haben die Verfasssungsrichter alle Maßnahmen der Regierung im Zusammenhang mit der Schuldenkrise durchgewunken. Da man bei der Aufgabe des No-Bail-Out, eine grundlegende Aussage des Maastrichter Vertrages, im Frühjahr 2010 nicht bereits stopp! gerufen hat, ist es unwahrscheinlich, dass die Verfassungsrichter den ESM stoppen oder noch weiter verzögern.
    Die Unruhen infolge der drastischen Sparmaßnamen in Spanien, aber auch Italien, dürften von der Politik erwartet und in kauf genommen worden sein. Sie haben nichts mit der Frage zu tun, ob Spaniens banken die Rekapitalisierung direkt oder über die Regierung des Landes erhalten. Der einzige Grund für die direkte Rekapitalisierung ist, dass das Geld nicht negativ in der Leistungsbilanz auftaucht, anders gesagt: als Staatsschuld. Durch die Bürgschaft des Staates ist lediglich die Haftung gewährleistet, die im Falle der Zahlungsunfähigkeit SP allerdings ohnehin witzlos wäre.

    Gewerkschaften in Italien und GR dürften ähnlich ticken. Mich wundert sehr, dass Rampolis da einen Unterschied macht. Es ist zudem anzunehmen, dass SYRIZA mit Tsipras und den Gewerkschaften schon die entsprechenden außerparlamentarischen Protestaktionen besprochen hat. Er hat dies unmittelbar nach der Wahl als reaktion auf das Koalitionsangebot von Samarás und Venizélos angekündigt, als er davon sprach, dass man inner- wie außerparlamentarisch einen harten Oppositionskurs fahren werde.

    Die Zukunftsprognosen des Volkswirtschaftlers Rompolis sind beim besten Willen nichts Neues. Das wurde oben schon gesagt. Der heiße Herbst, den er prognostiziert, dürfte angesichts der zunehmenden Verelendung weiter Bevölkerungsteile heißer werden, als bisher in D diskutiert wird. Der Direktor der SOS-Kinderdörfer Georg Protopápas hat bereits in einem Interview mit den Verfassern des Artikels „Im freien Fall“ (Süddeutsche Zeitung, 20.2.2012) die folgende Befürchtung geäußert: „Das Schlimmste kommt noch. Griechenland wird überschnappen.“

  10. Brand
    23. Juli 2012, 14:04 | #10

    Griechenland wird wohl kein Geld mehr bekommen, die Pleite und Einführung der Drachme wird kommen und dem Tourismus wieder auf die Beine helfen.

  11. Demir N.
    23. Juli 2012, 23:58 | #11

    Die Menschen in Europa haben nicht über, sondern (zwangsweise) unter ihren Verhältnissen gelebt. (gemessen an der Produktivität) Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Die (neoliberale) Angebotspolitik führt geradewegs in den Abgrund, wie wir gerade erleben dürfen. Matthias Elbers und seine Anhänger merken überhaupt nicht, wie sie Merkel und Co. „kritisieren“ und gleichzeitig nach dem Munde reden. Es reicht halt einfach nicht Herrn Sinns „Gedanken“ unter anderem Titel nochmal neu zu veröffentlichen. Die Krise sollte man auch im Kapitalismus selbst suchen und nicht in irgendwelchen Handelsbilanzen. (Stichwort: Tendenzieller Fall der Profitrate) Irgendwann werden auch Sinn und seine Jünger auf den Trichter kommen…

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