Bier trinken und Griechenland retten

2. Juli 2012 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 1.798

Autor: Giorgos Nikolopoulos

Thema: Initiative zur Senkung der Verschuldung Griechenlands

Mit dem Volkan-Bier aus Santorin verfolgte Peter Nomikos nicht nur, dass wir einfach ein schmackhaftes Bier genießen. Er überlegte sich, dass wir sowohl trinken als auch gleichzeitig das Land retten, Schluck für Schluck. Sie lachen? „Indem sie das Bier kaufen, helfen die Konsumenten Griechenland, ohne dass es sie etwas kostet. Mit jedem Schluck tragen sie zur Senkung der Verschuldung bei. Wir haben reales Geld für die Rettung des Landes investiert„, erklärte er im Februar bei Athens Voice.

Wie genau Griechenland gerettet werden würde, wie die Verschuldung verschwinden werden würde, das war damals unklar. Die Erklärung ging damals in den Kleinmeldungen unter, vielleicht weil niemand dem Herrn Nomikos glaubte. Niemand? Fast niemand. Vangelis Marinakis, Präsident des Fußballvereins PAE Olympiakos, gab am Dienstag (26 Juni 2012) bekannt, die Verschuldung für 50 Griechen – Fußballspieler und Personal des Vereins – aufzukaufen, indem er griechische Staatsanleihen im Wert von 1,4 Millionen Euro erwirbt. Er führte sogar an, dass dies über die NRO Greece Debt Free (GDF) erfolgte, eine innovative Bewegung seines Freundes Peter Nomikos, eine „signifikante Initiative zur Minderung der griechischen Verschuldung„, welche der Olympiakos unterstütze. „Ich will ihre Freiheit kaufen„, verriet er Herrn Nomikos.

Wie zu erwarten war, „zwang“ die Schenkung des Präsidenten des Olympiakos Dutzende griechische Massenmedien, der Greece Debt Free Platz zu widmen, die meisten unter Hymnen und euphorischen Kritiken. Die Zeitung „Kerdos“ gratulierte herzlich zu der Initiative, der vielleicht „letzten Gelegenheit“ für das Land, auf „Sofokleousin.gr“ wurde geschrieben, dass somit alle „effektiv zur Reduzierung der öffentlichen Verschuldung beitragen“ können, während in „Ta Nea“ ein einschlägiger Artikel beherbergt wurde.

Was genau macht jedoch die Organisation Greece Debt Free und warum vertritt sie, das Land retten zu können? Die Begründung ist simpel: Wenn wir als Land eine Schuld von ungefähr 300 Milliarden Euro haben, „entsprechen“ jedem Griechen ungefähr 30.000 Euro als „persönliche“ Verschuldung. Wenn also jede Griechin und jeder Grieche griechische Staatsanleihen im Wert von 30.000 Euro kaufen würde, würde das Land in einer Nacht gerettet werden. (Der geniale Plan der Greece Debt Free nimmt sogar an, jeder von uns würde nur 3.000 – 4.000 Euro zahlen, weil die griechischen Obligationen auf dem sekundären Markt viel billiger gehandelt werden.)

Misstrauische Zeitgenossen könnten dagegen halten, dass die Kinder und Greise nicht zahlen können werden. Wie auch die Millionen armer Griechen ebenfalls nicht zahlen können werden. Dass diejenigen, die Millionen zahlen könnten, Marinakis und Nomikos, in Wirklichkeit jeder ungefähr 100.000 Euro gegeben haben. Dass es besser wäre, die möglichen Gelder gingen an wohltätige Zwecke, direkt an alle, die bedürftig sind. Dass die Preise der Obligationen sich wieder dem Nennwert nähern würden, wenn das Vorhaben glückt und die Greece Debt Free griechische Obligation im Wert von vielen Milliarden zu kaufen beginnt, und wir jeder näher bei 30 Tausendern zahlen werden müssen.

All dies sind begründete Argumente. Und trotzdem wäre es wieder eine sympathische Initiative. Vielleicht gutmütig, wahrscheinlich hoffnungslos naiv, völlig ineffektiv, jedenfalls erwähnenswert. Peter Nomikos würde so etwas wie Petsalnikos in der Business-Version sein, mit der entsprechenden Initiative des damaligen Parlamentspräsidenten für den – in die Hose gegangenen – Fonds zur Unterstützung Griechenlands. Jedoch ist er das nicht. Weil Peter Nomikos Geschäftsmann ist. Und objektiv bewirbt er mit der Greece Debt Free wunderbar sein Produkt.

Wie das geht? Herr Nomikos ermuntert – mit der Unterstützung auch des PAE Olympiakos – alle Griechen, massenhaft Produkte GDF (Greece Debt Free) zu kaufen zu beginnen, Produkte welche verpflichtet sein werden, die Hälfte ihrer Gewinnen für den Aufkauf von Obligationen abzuführen, und von der Organisation eine spezielle Zertifizierung erhalten. Das einzige Problem? Das einzige Produkt, welches bisher die einschlägige Zertifizierung erhalten hat, ist sein eigenes neues Produkt. Das Volkan-Bier wird somit bekannt und erhält gratis positive Erwähnungen in der Presse. Kurz gesagt, solange nicht auch andere entsprechende Produkte in Erscheinung treten, ruft Herr Nomikos uns auf, damit zu beginnen, fanatisch sein Bier zu kaufen, wenn wir Patrioten sind. Ist das ein Plan zur Rettung des Landes? Oder ein Werbetrick? Trink Bier, rette das Land …

PS: Das Thema erscheint fast so unglaublich, dass es das Interesse auch der ausländischen Medien erregte. Nicht mit den unüberlegten Hymnen der griechischen Medien, sondern zwischen Ernst und Spaß. Der Artikel in der englischen Online-Ausgabe des „Spiegel“ hat die (spöttische) Überschrift „Neues Projekt zur Rettung Griechenlands“ und beginnt mit der Frage „… are you serious?“, während er auch über die Steuerbefreiungen all jener erfahren möchte, die ihr Geld spenden. Das Wall Street Journal konzentriert sich auf den „gebräunten“ reichen Unternehmer mit den hautengen Jeans, dem das Rudern gefällt, führt das Bier Volkan an und schließt mit einer einschlägigen Erklärung des Vangelis Marinakis: anything “is worth trying”. Wirklich alles, zum Teufel?

Quelle: Protagon.gr
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

  1. Steuerzahler
    2. Juli 2012, 21:45 | #1

    Soviel Bier können die Griechen wohl kaum trinken, um damit das Land aus der Pleitesituation zu holen! Aber immerhin ein Ansatz.

  2. Jörg
    2. Juli 2012, 22:58 | #2

    Aber ich verspreche ab nächste Woche dabei zu helfen !

  3. Griechenfan
    2. Juli 2012, 23:31 | #3

    @Steuerzahler
    Aber klar koennen wir das. Unendlich viel. Wieso eigentlich „Steuerzahler“? Gehen Sie davon aus, dass es hier keine steuerzahlenden Menschen gibt? Wer davon kommt sitzt in den hoeheren Etagen und nicht „die normalen Buerger“.

  4. Griechenfan
    2. Juli 2012, 23:34 | #4

    @Jörg
    Ich helfe auch dabei. Aber ist es denn in den Laeden ueberall erhaeltlich oder muss ich mir mein Faesschen organisieren? Lach. Finde ich Klasse. Auf zur Bierparty am Strand. Lasst das Faesschen rollen fuer „Griechenland“. In dem Sinne: „Prost“

  5. V99 %
    2. Juli 2012, 23:36 | #5

    Netter Versuch, wenn da nicht nicht noch ein paar mehr Details im Artikel stehen wuerden, die hier nicht erwaehnt wurden. Der Hr. Nomikos ist naemlich Reederei Erbe und lebt nicht etwa in Griechenland. Dazu hat er die Stiftung im US-Bundesstaat Delaware gegruendet und hat eine interessante Begruendung auf Lager: „In Griechenland koennte ich nicht sicher sein, dass das Geld unberuehrt bliebe. Ausserdem hat die Gruendung einer US-Stiftung den Vorteil, dass amerikanische Steuerzahler die Spende von der Steuer absetzen koennen. Das ist ein Anreiz für die wohlhabende griechische Diaspora in den USA.“
    Weiter oben antwortet er auf die Frage: „Waere es nicht einfacher, wenn die Griechen einfach ihre Steuern zahlten?“
    „Der Unterschied ist, dass man bei Steuern nicht weiß, wofuer sie verwendet werden. Es gibt in Griechenland ein grundlegendes Misstrauen gegenueber dem Staat, und ich will nicht so tun, als koennte ich diese Kultur veraendern. Aber die Griechen sind auch gluehende Patrioten, und dieses Gefuehl sollten wir nutzen.“ ????
    Wenn das nicht Paradox ist…oder will er an das schlechte Gewissen der griechischen Auslands-Reeder appelieren? Es sei auch noch erwaehnt, dass der grosszuegige Spender Vangelis Marinakis nicht nur Praesident des Fußballvereins PAE Olympiakos ist, sondern auch ein in Griechenland ausgezeichneter Reeder speziell fuer Oel-Produkte («Tanker Company of the Year 2011»). Also ich trinke jetzt lieber noch ein griechisches Bier mit weniger bitterem Beigeschmack (ΕΡΜΙΣ), gibt es uebrigens bei LIDL 😀

  6. fuffich
    3. Juli 2012, 00:41 | #6

    Die sollen mal einen LKW Testbier schicken. Erinnert mich an Messina Pilsener, das der Sizilianer gerne zur Pizza trinkt. Klappt leider nicht in Deutschland, weil der Kunde meistens deutsche Pizza futtern will und keine italienische. Das machen dann die Türken, so wie die Albaner Gyro Pita.
    Griechisches Bier: Mythos ist überbewertet, ALFA schmeckt ganz gut und der geniale Kronkorken eröffnet Kult in Punkläden weltweit, aber am besten ist FIX. Das kann man als Sponsor für weltweite Fahrradkurierrennen nehmen, denn die fahren fast alle FIXED; in Griechenland übrigens auch immer mehr…

  7. Alekos
    3. Juli 2012, 01:07 | #7

    @V99 %

    Der griechischen Sprache mächtige Leser werden festellen und bestätigen, dass der obige Beitrag eine getreue Übersetzung der griechischen Quelle darstellt. Die angeblich unterschlagenen Details stammen explizit aus anderen – internen und externen – Quellen, die der Vollständigkeit halber akribisch verlinkt sind.

    Was die Argumentation bezüglich des Sitzes der GDF betrifft, ist diese zumindest insofern schlüssig, als damit sichergestellt wird, dass die Gelder nicht wieder direkt in die Taschen der „bekannten Unbekannten“ fließen, deren Passnummern vorzugsweise mit DE beginnen – sofern sie denn überhaupt fließen sollten … .

    Im übrigen und in diesem Sinn: gut Suff, prost! – auf dass die atavistischen Bedürfnisse befriedigt und parallel die letzten grauen Zellen eliminiert werden, bevor sie gar ein Eigenleben zu entwickeln beginnen … .

  8. Jörg
    3. Juli 2012, 07:13 | #8

    Also vielleicht sollte man jetzt mal runter kommen und die ganze Sache nicht zu ernst nehmen ! Mal keine verschwörungstheorien kein Bürgerkrieg keine Hetzereien gegen wen auch immer ! In dem Sinne auf einen schönen griechischen Sommer gerne auch mit Musik von theodorakis Prost

  9. V99 %
    3. Juli 2012, 18:52 | #9

    @Alekos
    Wenn man den obigen Artikel ganz liest und der englischen Sprache maechtig ist, kann man sogar die angegebenen Quellen (Der Artikel in der englischen Online-Ausgabe des “Spiegel” hat die (spöttische) Überschrift..) verstehen 😀
    Eigenartiger Weise beginnt weder eine deutsche Passnummer mit DE, noch eine griechische nur mit GR. Und dass Menschen mit deutschem Pass unkontrolliert in griechische Bankkonten greifen koennen ist schlichtweg ohne griechische Hilfe wohl kaum moeglich.
    Wenn ich den letzten Satz auf den obigen Artikel anwende, will der Hr. Nomikos mit seinem Bier in erster Linie griechische Gehirne schaedigen, oder?
    Ich verzichte gerne auf persoenliche Anspielungen und Wuensche allen einen schoenen Sommer in GR ! 😀

  10. eímaste óloi éllines
    4. Juli 2012, 11:16 | #10

    wenigstens versucht hier jemand etwas zu bewegen und ich bin auch der meinung, daß die im ausland lebenden griechen ruhig ein wenig patriotismus der „alten“ heimat gegenüber zeigen kann. es ist leider so, das es heute griechenland ist und morgen der rest der eu, wenn nicht etwas einschneidendes passiert.

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