24-Tage-Programm für Griechenland

28. Juli 2012 / Aktualisiert: 29. Juli 2012 / Aufrufe: 9.349

Überschussländer haben sich ein weiteres Mal vor Entscheidung gedrückt

Frau Merkel steckt also in der Klemme. Wie auch die Regierungen der übrigen Überschussländer. Das große Dilemma ist: Werfen wir Griechenland aus dem Euro hinaus und tun wir für Italien und Spanien das, was wir bisher jedem der anderen Pleiteländer verweigern? Oder beginnen wir für alle den Prozess der Beschneidung ihrer Schulden (da es nicht möglich ist, unsere Schulden zu „schneiden“, aber z. B. nicht die von Irland)?

Die Substanz ist, dass sie ein weiteres Mal keine Entscheidung getroffen haben. Sie haben Angst, uns herauszuwerfen, sind aber auch nicht bereit, uns eine Gelegenheit zu geben, hinsichtlich der Verschuldung auf die Füße zu kommen, und führen uns somit praktisch tatsächlich in den Abgrund und folglich nach „draußen“. Das Manöver der Troika „Rückkehr im September“ lässt diese Erklärung zu: Den Überschussländern soll ein Vierteljahr gegeben werden, um ihre Strategie festzulegen. Zusätzlich soll Griechenland – auf eine weitere Aufschiebung der Todesstrafe hoffend – gezwungen werden, am 20. August für Seite der EZB einen Kredit aufzunehmen, damit die EZB nicht in die Lage gerät, ihr Image (gegenüber Rom, Madrid und Dublin) des rächenden Gläubigers zu verlieren. Da der Bericht der Troika sogar als Voraussetzung für die Freigabe der Rate gilt, ist offensichtlich, dass Druck auf den griechischen Staat ausgeübt wird, sich die 3,2 Milliarden … mittels kurzfristiger Anleihen auf den Märkten leihen soll. Und wer wird diese kaufen? Nur die griechischen Banken werden sich anbieten, sich selbst Geld bei der EZB leihend, oder die Griechische Bank (mittels ELA). Sollten sie auch dies nicht schaffen, wird uns der EFSF das Geld geben und auf unsere Staatsverschuldung aufschlagen. Unsere Partner ziehen jedoch die Schöpfung dieser Gelder von der EZB mittels der griechischen Banken vor. Warum? Weil sie vorziehen, dass wir diesen Betrag in dem Fall, wo sie uns hinauswerfen und wir unsere Schulden an Europa einseitig streichen, der EZB schulden (die es falls nötig druckt), anstatt es aus dem halbleeren EFSF zu schöpfen, aus dem sie recht oder schlecht Spanien und Italien bedienen müssen.

Ich bin müde es zu sagen, aber ich fürchte, es wiederholen zu müssen: Die Logik „wir gewinnen Zeit durch Kredite“ ist inzwischen völlig absurd. Nicht allgemein. Aber unter den konkreten Umständen (die seit geraumer Zeit für die griechische Wirtschaft gelten): Mit der Finanzierung seitens der Banken inexistent, dem „Wachstum“ bei -9%, den Steuereinnahmen im Keller und den Investitionen im Minus kommt „wir gewinnen Zeit“ alles noch verbliebene „ausgehen zu lassen“ gleich. Angesichts sogar der Tatsache, dass sich die Stimmen aus Berlin verstärken, welche den Hinauswurf Griechenlands fordern, ist die letzte Gelegenheit der Regierung der 24 August 2012. Ihr verbleiben also 24 Tage.

Denkt darüber nach. Wenn wir uns am 20. August erneut von der EZB (mittels der Banken) oder von dem EFSF Geld leihen, um die EZB zu bezahlen und ihr zu gestatten, weiterhin so zu tun, als ob ihre Währungspolitik (die seit geraumer Zeit umgestürzt worden ist) unberührt bleibt, werden wir danach einfach darauf warten, wann die Überschussländer darüber entscheiden werden, uns zu opfern oder nicht. Jeden verstreichenden Tag, im September, im Oktober usw. wird die griechische Wirtschaft weiter versinken (trotz des jüngsten Beschlusses der Europäischen Investitionsbanken), und die Stimmen, welche unsere Entfernung fordern, werden stärker werden. Das Ende wird nicht auf sich warten lassen, gleich wie ehrgeizige Anstrengungen das Finanzministerium unternehmen wird.

Kann etwas geschehen? Hier wo wir angelangt sind, bin ich mir nicht sicher. Unsere einzige Hoffnung ist ein 24-Tage-Programm, das heute beginnen muss. Was es beinhalten wird? Folgende einfache Dinge: Die Regierung hat das Plenum des Parlaments auch innerhalb dieser 24 Tage in Betrieb zu halten um alle Reformationen durchzubringen, von denen sie erachtet, dass sie geschehen müssen. Nicht weil sie irgendeine Bedeutung haben. Sie haben keine, weil sie nicht die geringste Hoffnung haben, den in Entwicklung befindlichen Zusammenbruch umzukehren, der auf einem rein finanztechnischen Strudel der Verschuldung – Rezession – Banken beruht. Warum ich dann eine solche parlamentarische Hyperaktivität vorschlage? Aus rein kommunikativen Gründen: Um Europa zu sagen: „Ihr wolltet Reformen? Bitteschön!“ Parallel hat die Regierung – um den 5. oder 10. August – bekanntzugeben, dass der griechische Staat sich aus Gründen der Ethik und Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern der Überschussländer am 20 August nicht einen einzigen Euro leihen wird, wenn nicht vorher, sei es auch grundsätzlich, eine neue Vereinbarung abgeschlossen wird, welche den heutigen katastrophalen Kurs umkehren wird, der uns sowohl in den Bankrott als auch aus dem Euro hinausführt. Z. B. haben wir Herrn Rösler Folgendes zu sagen: „Da Sie erklären, uns aus dem Euro hinauszuwerfen, mit welchem Recht werden wir uns von Ihnen 3,2 Mrd. Euro angesichts der Tatsache leihen, dass wir keinen Euro haben werden, um Sie zu bezahlen?

Das in Rede stehende 24-Tage-Programm hat zwei Zwecke: Erstens, die Münder all jener zu schließen, die darin fortfahren, sich auf das Unvermögen der griechischen Regierung zu beziehen, „Reformen“ durchzusetzen. Zweitens, Frau Merkel und die übrigen Führer der Überschussländer eine Stunde früher zu beschließen zu zwingen, was sie mit Griechenland machen werden. Wenn unsere Regierung bekannt gibt, die unsererseits der EZB geschuldeten 3,2 Mrd. einseitig „umzuschulden“, werden die Partner gezwungen sein, in jenem Augenblick zu entscheiden, entweder die Umstrukturierung unserer Verschuldung abzuschließen oder uns zum Ausgang zu führen (und unwissentlich das Ende des Euro herbeizuführen). Entgegen der vorherrschenden Ansicht (die besagt, je länger sich diese Entscheidung hinauszögert, desto besser) ist die Realität, dass die Möglichkeit, uns aus dem Fenster zu werfen, um so größer ist, je länger sie die Entscheidung hinauszögern.

(*) Die EZB behauptet offiziell, diese Gewinne an die sie bildenden Zentralbanken zur erstatten, und jene handeln nach freier Entscheidung. Einige (z. B. die französische) zahlen sie tatsächlich an Griechenland zurück. Anderes tun es jedoch nicht. Allein der Umstand, dass der insolvente griechische Staat sich mitten im Sommer diese zusätzlichen 900 Millionen Euro leihen muss, stellt einen Tadel bezüglich der europäischen Solidarität dar.

(Quellen: Protagon.gr, 23 crucial days for Greece)

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  1. Zolman
    28. Juli 2012, 02:19 | #1

    Interessanter Artikel,Danke.

    Ehrlich gesagt,kann ich mir nicht vorstellen, das GR „hängen“ gelassen wird.
    Und die Rückkehr zur Drachme? Was für ein Chaos!

    Ich hoffe, das die Venunft siegt, aller sogenannter Überschussländer und weitere Hilfen gegeben werden.
    Aber es muss tatsächlich ein Umdenken in GR stattfinden.

    MfG Zolman

  2. G.Jeorga
    28. Juli 2012, 11:32 | #2

    Sehr geehrter Herr Varoufakis,
    gute Analyse der Fakten ausserhalb Grichenlands.
    Hier geht es auch darum ,dass in Griechenland solche Veränderungen stattfinden, dass Firmen überleben, und neue gegründet werden können. Aber wer macht das???
    Solange Finanzbeamte, sogenante EFORIAKI, schalten und walten wie ihre Tasche es erfordert, kommt keiner nach GR und es bleibt alles am Boden wie Sie sagen.

  3. Wufko
    28. Juli 2012, 11:52 | #3

    Dieser Beitrag könnte von Merkel oder sonst einer(m) Politverräter stammen.
    Griechenland ging es gut, würden sich die sogenannten NWO Bangster raushalten.

  4. Hans Maier
    28. Juli 2012, 12:35 | #4

    Hm, nach Varoufakis liegt es also allein an anderen, vor allem an Deutschland, dass Griechenland dort ist, wo es ist.

    Das ist natürlich völliger Unsinn. Und solange Griechenland nicht akzeptiert, dass es sich selbst dorthin gebracht hat, und auch nur selbst wieder von dort wegkommen kann, gibt es keine Hoffnung.

  5. Tim
    28. Juli 2012, 15:12 | #5

    Der Autor hat eine voellig falsche Wahrnehmung der Realitaet –
    Deutschland sieht er als Ueberschussland, so als ob es etwas zu verteilen gaebe. Er vergisst wohl, dass auch Deutschland mit ueber 80% seines BSPs verschuldet ist und noch deutlich von einem ausgeglichenen Haushalt entfernt ist…

  6. RS
    28. Juli 2012, 15:26 | #6

    Bis Griechenland nicht ernsthaft versucht die ins Ausland transferierten Vermögen der Oberklasse mit *allen* Möglichkeiten einzuziehen kann Ich irgendwelche Anstrengungen GRs in dieser Misere sowieso nicht ernst nehmen. Die politischen Spiele bzgl. dem Euro, Italien, Spanien usw. sollten bei der griechischen Situation doch wirklich zweitrangig für die Griechen sein.

  7. Martin Rapp
    28. Juli 2012, 15:35 | #7

    Den Euro zerreißt es.
    Das Europa der Vaterländer wird wieder kommen.

    Gegen die Natur des Menschen kann man keine Politik machen.

  8. 28. Juli 2012, 16:24 | #8

    Am 04.06.2012 sprach wir mit Seiner Exzellenz, Herrn Jorge Jurrado, dem Botschafter der Republik Ecuador in Deutschland, mit Herrn Jürgen Kaiser vom Verband Erlassjahr und mit Herrn Thodoros Paraskevopoulos von der griechischen Partei Syriza. Die Sendung geht vor allem den Fragen nach, welche Erfahrungen es gibt mit souveränen Schuldenreduzierungen in Staaten ohne eine eigene nationale Währung. Und es geht darum, wie man ein gerechtes Maß findet zwischen den Rechten der Gläubiger und den Rechten der Einwohner.



  9. Anna
    28. Juli 2012, 18:12 | #9

    GR ist Opfer und Schuld sind immer die anderen. Wie wäre es, sich mal von der Opferrolle zu verabschieden und eben nicht wie das Lamm vor dem Schlachter zu zittern, sondern gezielt und geplant den „Ausstieg“ eigenmächtig vorzubereiten?

    Das Land braucht einen kompletten Neustart. Und wird hoffentlich das nächste Mal so schlau sein, mehr produzieren und weniger verwalten zu wollen. Viele Griechen entziehen ihrer Regierung und ihrem Staat bereits seit Jahren ihr Vertrauen und ihre Solidarität. So kann das nicht mehr werden .. und Schuld am Scheitern sind dann natürlich die anderen. Vielleicht sollte man den Herrn mal darüber aufklären, dass auch D über beide Ohren verschuldet ist und nur sehr begrenzt Milliarden aus dem eigenen Sozialstaat abziehen kann. Hier leben nämlich auch Menschen, die in 10 Jahren Anspruch auf Rente erheben werden.

  10. RC
    28. Juli 2012, 18:32 | #10

    @Martin Rapp
    Dein Wort in Gottes Ohr. Ich wünsche es mir von Herzen für alle Menschen Europas. Damit mein bayerisches Bier so schmeckt wie es soll. Damit eine Margherita in Neapel mehr Geschmack entfacht, als jeder Schweinebraten. Damit der Kaffee in Italien wieder 50 Pfennig kostet und ich dafür 10 am Tag dort trinken werde. Damit wir in Spanien im Urlaub wieder täglich eine Wassermelone verspeisen anstatt Coke Zero zu schlürfen. Damit es aus Holland wieder guten Käse und Gloks statt Grocs gibt. Und Tulpen statt seelenloser Gurken und Tomaten, die den Namen nicht verdienen. Ja, und dann gibt es noch ein paar Billionen Gründe mehr, unter anderem meine Kinder.

  11. 29. Juli 2012, 11:21 | #11

    Alles Rausschmeißen, cutten oder neue drucken wird nichts helfen – es erhöht nur die Fallhöhe weiter.
    Der EURO muß weg! Sofort. Europa muß sich seiner selbst annehmen, um den Wettwerb mit China u.a. wieder aufzunehmen; der droht nämlich verloren zu gehen.
    Der Euro muß sofort und geregelt – solange das überhaupt noch geht – weg!

    caw

  12. γιαούρτι γιαουρτάκι
    29. Juli 2012, 13:39 | #12

    @Anna
    Deutschland soll mal zuerst schön seine Altschulden an Griechenland begleichen – 162 MRD vor Zinsen. Reparationen die nie bezahlt wurden und die vertraglich fest gelegt wurden. Im Vertrag stand, daß diese Schulden, die übrigens auch noch von Griechenland halbiert wurden, nach der Wiedervereiterung bezahlt werden. Damit sie nicht bezahlt werden müssen, nannte Kohl die Wiedervereiterung Beitritt und damit dabei Frankreich die Fresse hält, bekam Mitterand seinen Euro. Darunter sind sogar Kriegszwangsanleihen, die selbst das 3.Reich angefangen hatte zurück zu zahlen, während die BRD darüber nur arrogant und widerlich lacht, genau wie es sich als allergrößtes Kriegsopfer begriffen hat, das dann durch Marshallplan und legalisierte europaweite Plünderungen der Infrastruktur und Arisierungen zum fantastischen Wischiwaschi wurde.
    Bei einem derartigen Reparationsbetrug ist es kein Wunder, daß es sich als Opfer in Stellung bringt, am besten noch voll rassistisch antigermanistisch verfolgt.

  13. Ottfried Storz
    29. Juli 2012, 14:21 | #13

    Das Thema „angeblicher“ Kriegssrestchulden-Rückzahlung ist völkerrechtlich seit Jahrzehnten abgehandelt.Außer einigen griechischen Zeitungen, die zudem völlig falsche Inhalts- und Zustandsbeschreibungen geben, wird das deshalb nirgendwo mehr behandelt. Dann jedoch immer mit völligen Überzeichnungen der Größenordnungen.

    Ansonsten ist es kurios, das Faktenbeiträge vom admin gelöscht werden, solch offensichtlich eindeutige Verstöße gegen die Boardregeln unbeanstandet bleiben:

    (Zitat) „Dies betrifft speziell, jedoch nicht ausschließlich Kommentare, welche:

    – fäkalsprachlichen, blasphemischen, antisemitischen, vulgären usw. Ausdrücken durchsetzt sind;
    sich unsachlich, polemischem, verleumderisch, verletzend oder beleidigend gegen andere Personen wenden oder geeignet sind, ein Klima allgemeiner Beschimpfung, Spannung und Verunglimpfung herbeizuführen;“

  14. γιαούρτι γιαουρτάκι
    29. Juli 2012, 15:25 | #14

    @γιαούρτι γιαουρτάκι
    Hier werden die deutschen Schulden exakt aufgeführt:
    http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=6965
    Übersetzung unter common-license im ersten Link:
    http://www.argolis.de/Glezos_Nafplio/index.htm
    Der französische Regierungsberater Jacques Delpla kommt auf 575 MRD:
    http://oecafe.wordpress.com/2011/06/27/deutschland-hat-eine-historische-schuld/

  15. γιαούρτι γιαουρτάκι
    29. Juli 2012, 15:48 | #15

    @Ottfried Storz
    Also, bitte, wir wissen doch alle, daß Deutschland nach dem Krieg verdient hätte, zerschlagen und unter seinen Opfern aufgeteilt zu werden: Israel auf deutschen Boden wäre doch supi und Sinti & Roma hätten auch einen eigenen Staat!
    Stattdessen führt man sich beim Thema Reparationen auf wie die Türkei bei Völkermorden: Abstreiten und ins Irrenhaus wünschen, und regt sich dann noch über historische Uniformen der Kundusmassenmörder auf.

  16. Ottfried Storz
    29. Juli 2012, 15:48 | #16

    Wie geschrieben: Das Thema “angeblicher” Kriegssrestchulden-Rückzahlung ist völkerrechtlich seit Jahrzehnten abgehandelt. Die Vertragsbruch-Behauptungen sind zuden unzutreffend.
    Grundsätzlich: Mit gleicher Argumentation könnte Griechenland von der Türkei Billiarden fordern, als Wiedergutmachung (inklusive der Zinsen) für Kriege, Ausbeutung etc in den letzten tausend Jahren. Oder Deutschland von Italien, als Rechtsnachfolger der Römer, die Deutschland mehrere Jahrhunderte ausbeutete. Oder Südamerika von den Spanier, für die Ausbeutung von 15 Jhd bis 19. Jhd etc etc etc.

  17. Anna
    29. Juli 2012, 22:14 | #17

    an γιαούρτι γιαουρτάκι:
    Deutschland wird seine „Strafe“ für die mangelhafte und fehlgerichtete EURO-Politik bald erhalten. Wenn GR schlau ist, ist es bis dahin raus aus der Nummer und versucht sich neu zu organisieren.

  18. Heinz
    30. Juli 2012, 12:13 | #18

    @Anna

    Dann wird es wohl aber bei dem Versuch bleiben. Bei der Unfähigkeit der Politiker und Behörden.

  19. γιαούρτι γιαουρτάκι
    30. Juli 2012, 12:50 | #19

    @Ottfried Storz
    Es hat sich nichts geändert: Die Morde gegen Griechen und Türken durch den Verfassungsschmutz und immer dieselben Lügen – „Wir ham von nix gewußt“ „Wir ham alles bezahlt“ „Eigentlich ham wir auch gar nix gemacht, is schon so lange her“ und dann rum jammern, wenn vom 4.Reich die Rede ist. Der Vergleich römisches und 3. Reich ist übrigens eindeutig Nazipropaganda. Damit spucken Sie auf einem Blog über Griechenland den Opfern ins Gesicht.

  20. mazu
    30. Juli 2012, 15:34 | #20

    @γιαούρτι γιαουρτάκι
    Immer wieder toll zu sehen, wie super der Euro uns zusammenschweisst.
    Man könnte bei solchen Kommentaren glatt denken, das der 2te Weltkrieg erst vor wenigen Wochen zu Ende gegangen ist.
    Letztlich alles wie gehabt, nur verborgen unter Tonnen von Geld.
    Und jetzt, wo es immer enger wird, werden die Seidenhandschuhe ausgezogen, und mehr oder weniger offen verkündet: Geld her Deutschland, das sind unsere Reparationszahlungen, egal was wir bisher behauptet und unterschrieben haben, und wir bestimmen, was Ihr zahlt.
    So langsam habe ich echt Lust, bei der nächsten Bundestagswahl die Partei mit dem N vorne anzukreuzen.

  21. Frank
    30. Juli 2012, 16:10 | #21

    Ich hatte bisher einen gewissen Eindruck, dass Griechen davor zurückschrecken an ihren Staat Geld (Steuern) zu zahlen, weil dieser mit dem Geld seiner Bürger nicht gut umgeht. Für diese Haltung habe ich Verständnis. Hab ich das etwa falsch verstanden?
    Dann frage ich mich doch, wie kann man dann erwarten, dass Deutsche Geld an den griechischen Staat geben?
    Man hat doch bisher gesehen, was mit dem Geld passiert ist: Angeblich geben wir Geld aus um Griechenland zu helfen. Aber was passiert mit dem Geld … es wird an ausländische Banken weiter gegeben. Die Not leidende griechische Bevölkerung bekommt davon nichts zu sehen.
    Von meiner Seite aus gebe ich als Deutscher gern Geld, um Griechen zu helfen … aber für die Menschen, nicht für den griechischen Staat oder Banken.

  22. Roditisa
    30. Juli 2012, 16:12 | #22

    @Hans Maier
    Ich kann Ihre Interpretation des Artikels nicht wirklich nachvollziehen. Welche Umstände Griechenland in die derzeitige Situation gebracht haben, wird in dem Artikel doch gar nicht analysiert, sondern es geht um die Situation, wie sie sich jetzt im Moment darstellt und um die Spielräume, die die verschiedenen Akteure nun zur Verfügung haben.

    Herr Varoufakis hat absolut Recht, dass es eigentlich kaum mehr eine Rolle für den Verbleib oder den Austritt Griechenlands aus dem Euro spielt, was die griechische Regierung im Monat August beschliessen wird. Die zentralen Entscheidungen, die die Entwicklung dahingehend beeinflussen werden in anderen Positionen gefällt, naemlich im deutschen Parlament und von der deutschen Regierung, in Karlsruhe, bei der EZB, beim IWF, in der Europäischen Kommission,…

    Es spielt aber natürlich für die Bevölkerung eine Rolle,ob die wichtigen Reformen durchgeführt werden, denn davon hängt ab, ob sich das Land in einem oder zwei Jahrzehnten wieder berappeln kann, oder endgültig durch Vetternwirtschaft in einem System stecken bleibt, das wirtschaftliches Wachstum praktisch unmöglich macht.

    Ich finde es übrigens auffallend, dass besonders deutschsprachige User in verschiedenen Foren beosnderen Wert darauf legen, auf die Schuld Griechenlandes hinzuweisen. Ganz küchenpsychologisch vermute ich (selbst Deutsche), dass wir aufgrund unserer eigenen Geschichte immer dann besonders froh sind, wenn wir bei anderen eine Schuld für Mißlingen ausmachen können. Haben wir das denn nach 70 Jahren noch so nötig?

  23. V99 %
    30. Juli 2012, 16:14 | #23

    Yanis Varoufakis wirft den Banken vor, an Zinsen zu verdienen. Nicht dass ich fuer das Bankensystem Stellung nehmen will, aber wer sich viel Geld leiht, zahlt nunmal Zinsen, was ist daran neu oder Ungerecht? Als sich Griechenland Milliarden Euros zu einem minimalem Zinssatz leihen konnte hat er sich ja auch nicht beschwert. Und wenn er sich noch so gut mit dem Geldverkehr auskennt, hat er doch, wie so einige seiner Landsleute, nicht verstanden, welche Marionettenrolle eine Fr. Merkel spielt. Auch er, wie andere seiner Kollegen, versteht unter Philipp Rösler eine fuer seine Aussagen serioese Person, waehrend alle Comedians Deutschlands sich ueber Hr. Roesler koestlich amuesieren 😀

    @γιαούρτι γιαουρτάκι
    Danke fuer die Linkliste. Einer der weiterfuehrenden Links ist sehr interessant, weil er die vertraglichen Zusammenhaenge sehr gut erklaert. Nachdem ich mir das durchgelesen habe, sehe ich durchaus ein Verpflichtung der „BRD“ von restlichen Reparationen. Was mir nicht gefaellt ist die Pauschalisierung einer Nachkriegsgeneration. Ausserdem tragen USA, Frankreich, UDSSR etc. auch eine Mitschuld an den verschleppten Reparationen Griechenlands. Was ist mit all den deutschen die gegen den Faschismus gekaempft und vielleicht sogar im KZ dafuer umgekommen sind? Was ist mit den Halbgriechen (deutsch/griechisch), sind die jetzt zu 50% Taeter und zu 50% Opfer? Welche „Schuld“ traegt ein lange nach dem Krieg in Deutschland geborenes Kind? Welche Schuld hat ein deutscher Soldat, der der die Wahl hatte zu toeten, oder Hingerichtet zu werden? Was wuerde sich in Griechenland aendern, wenn die Reparationen bezahlt wuerden? Keine Steuerhinterziehung mehr, keine Vetternwirtschaft, keine Auslandsschwarzgeldkonten, kein ueberfetterter Staatsapparat, keine ueberzogenen Militaerausgaben mehr und nur noch ehrliche Politiker? Ich fuehle mich zu 90% nicht Schuldig, da ich Faschismus hasse. Es sagte mal jemand: „Wer von euch ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein…“

  24. Heinz
    30. Juli 2012, 16:22 | #24

    @γιαούρτι γιαουρτάκι

    Frage: Geht’s nicht noch ein bißchen schlimmer. Nehmen Sie auch zur Kenntnis, dass da im Moment mehrere Untersuchungsausschüsse installiert sind? Und mit Nazipropaganda sollte man sich auskennen. Außerdem hat Storz die beiden „Reiche“ nicht miteinander verglichen.

  25. Roditisa
    30. Juli 2012, 16:36 | #25

    @Ottfried Storz
    Es mag sein, dass ich Opfer von Fehlinformationen bin, aber meines Wissens wurde 1942 von Griechenland ein Zwangskredit an Deutschland unterzeichnet und gezahlt, der nie getilgt wurde. Dieser Kredit fällt nicht unter das Abkommen hinsichtlich der Reparationen, da es sich um einen Kredit handelt und Griechenland sofort bei den ersten Nachkriegsverhandlungen klar stellte, dass dieser Kredit gesondert behandelt werden sollte. Italien hat seinen Teil dieses Kredits an Griechenland schon lange zurück gezahlt, Deutschland weigert sich seit Jahrzehnten ohne rechtliche Grundlage, dies zu tun. In den 60er Jahren hat Deutschland sogar behauptet, die griechische Regierung hätte freiwillig auf das Geld verzichtet, was sich später als Lüge entpuppte.

  26. Xristos
    1. August 2012, 00:18 | #26

    @Anna
    Liebe Anna,
    die Strafe wäre doch, dass Deutschland und der EWF und alle anderen Geldgebern ihre Kohle zurückbekommen. Na, dann mal los! Raus aus der Nummer – klar, gehe ich zu meiner Bank und reiche einen Scheck ein, um meine Schulden loszuwerden. Aber auf welches Konto bitte wird der Scheck gezogen?

  27. Xristos
    1. August 2012, 00:47 | #27

    @γιαούρτι γιαουρτάκι
    Hi Yogurtaki,
    wenn es ein Schreibfehler war, war der wenigstens äusserst gelungen:
    …daß diese Schulden, die übrigens auch noch von Griechenland halbiert wurden, nach der Wiedervereiterung bezahlt werden…
    Wiedervereiterung trifft es auf den Punkt – den für unsere „neuen Bundesländer“ werden wir noch länger zahlen müssen als für GR. Chapeau!

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