Finanzminister Rapanos stößt Banken-Domino in Griechenland an

24. Juni 2012 / Aufrufe: 1.117

Mit dem Bankier und Wirtschaftswissenschaftler Vasilis Rapanos in der Position des Finanzminister in Griechenland beginnt das Domino der Entwicklungen im Banksystem.

Für den gemäßigten und überparteilichen neuen Finanzminister selbst mag der Schritt von der Position des Präsidenten der stärksten Bankformation (Anmerkung: gemeint ist die Griechische Nationalbank / ETE) der Landes bis zum Ministersitz nicht groß erscheinen. Außer, dass er von ungeheurer Bedeutung ist. Und die Rede geht weniger um seinen persönlichen Weg von der Omonia bis zum Syntagma-Platz, als vielmehr darum, welche Gegebenheiten sich ändern, speziell da die Umstürze im Banksystem einfach … der Regierungsbildung harren.

So mögen derzeit die Entwicklungen in der Eurogruppe im Licht der Öffentlichkeit stehen, hinter den Scheinwerfern und ab den unmittelbar nächsten Tagen werden jedoch die Projektierungen beginnen, welche in dem griechischen Banksystem viel ändern werden. Und aus diesem Grund scheint die Wahl des Herrn Rapanos auf den ersten Blick eine gute Entscheidung zu sein – von den wenigen des Antonis Samaras. Schauen wir also, was sich ändern wird:

Die erwarteten Änderungen im Banksystem in Griechenland

ERSTENS. Es ändert sich die Besetzung der von Herrn Rapanos hinterlassenen Position. Die Position des Präsidenten der Griechischen Nationalbank (ETE) wird zu besetzen sein. Und dies wird ein Startpunkt für alle staatlichen und privaten Banken sein, zumal die konkrete Position die des mächtigsten Bankiers des Landes ist. Wird die neue Regierung eine andere Person in die Position des Präsidenten einsetzen oder auch dieses Amt dem geschäftsführenden Vorstand Apostolos Tamvakakis antragen? Oder wird sie vielleicht die gesamte Formation ändern?

Die Wetten fallen und steigen, zumal Herr Tamvakakis gute Beziehungen zu der PASOK-Partei unterhält und die Regierung unterstützt, während er selbst gewisse Brückenköpfe in das Umfeld des Herrn Samaras gelegt hat. Und natürlich hat er die diskrete Unterstützung des mächtigen Unternehmenskonzerns, der ihn bekannt gemacht hat (Eurobank, Familie Latsis). Ob sich dieses „Polster“ zusammen mit den Fakten seiner Amtszeit als genug erweist, wird sich in ungefähr einer Woche zeigen. Tamvakakis selbst begann jedenfalls seit gestern, mehr Leistung zu zeigen, indem er den anstehenden Verkauf des Hotelkomplexes „Asteras Vouliagmenis“ bekannt gab.

Kriterium für die endgültige Entscheidung wird auch die Balance zwischen den Funktionären, welche Antonis Samaras behalten werden wird, aber auch die Meinung des neuen Ministers sein, mit dem der geschäftsführende Vorstand der ETE bis vor wenigen Stunden eng zusammenarbeitete. Bei dem Puzzle ist nicht zu übersehen, dass seit einigen Tagen für die Position des Präsidenten der ETE der Name des A. Tourkolias erklingt.

ZWEITENS. Der Wechsel am Steuer der Griechischen Nationalbank wird, wenn er erfolgt, auch der Vorbote für den Austausch der Leitungen der staatlichen Banken sein, welche sich so wie so auf einem Kurs der Entwicklungen im Rahmen der Verfahren für ihre Rekapitalisierung befinden. Die neue Regierung wird den Modus zu bestimmen haben, mit dem dieses Verfahren zum Abschluss gebracht werden wird.

Diesbezüglich hat die Nea Dimokratia eine erklärte Position gegen die Verstaatlichungen der Banken, während auch der neue Minister als Bankier die Auffassung unterstützt hat, welche – wie im übrigen auch die Troika – möchte, dass die Banken privat bleiben. Die PASOK-Partei, die sich im Wahlkampf auf eine Rekapitalisierung mittels stimmberechtigter Stammaktien (also eine indirekte Verstaatlichung) bezog, wird folglich ihre Haltung ändern müssen … .

Hinsichtlich der personellen Änderungen wird vielleicht die erste die des Theodoros Pantalakis der Agrarbank (ATE) sein, der bereits früher seine Absicht durchsickern lassen hatte, sich im Fall des Wechsels des politischen Szenariums „zurückzuziehen“. Ein solcher Wechsel wird also möglicherweise in den nächsten Monaten verzeichnet und mit dem Schicksal der Bank im Rahmen der Rekapitalisierung in Verbindung gebracht werden.

DRITTENS. Außer dem günstigeren Klima, welches der Regierungswechsel hinsichtlich des privaten Status des Managements der Banken gestaltet, scheint dieser auch für die privaten Bankiers selbst positiv zu sein. Nach der Kollision von GAP (Anmerkung: gemeint Georgios Papandreou) und Venizelos mit den Bankiers (die mehr für die Ohren der Wähler erfolgte), spielen die „Neudemokraten“ (Anmerkung: gemeint ist die Nea Dimokratia) anders und zeigen ihren Freunden ihre Wertschätzung.

Sie vergessen nicht, dass die Alpha Bank speziell und mutig sowohl die Perspektive des Verbleibs im Euro als auch gewisse der zentralen Wahlkampflinien der Partei unterstützte. Die Familie des Ioannis Kostopoulos, der Beziehungen zu dem neuen Premierminister unterhält, wird somit signifikant im Rampenlicht aufgewertet. In dem neuen Umfeld aufgewertet sein wird aber auch Michalis Sallas der Piräus-Bank, der seit Jahren als enger Gesprächspartner des neuen Premierministers gilt. Auch die Eurobank sorgte jedoch in letzter Zeit dafür, ihre Beziehungen zu dem „neudemokratischen“ Lager wiederherzustellen, welcher Vorgang in einem erheblichen Maß erfolgreich vollendet wurde.

VIERTENS. Mit einem Bankier zum Leiter, der seine politischen Wurzeln im System Simitis hat, von Samaras unterstützt wird und die Duldung der Herren Venizelos und Kouvelis hat, ist mehr als offensichtlich, dass die Rekapitalisierung systemisch erfolgen wird. Die praktischen Bedingungen der Rekapitalisierung sind allerdings noch nicht geklärt worden. So wie auch noch nicht geklärt worden ist, welche Banken rekapitalisert werden.

Derzeit besteht diese Sicherheit allerdings nur für die vier großen Banken (ETE, Alpha, Eurobank und Piräus-Bank), während die beiden kleineren staatlichen Banken eine eigentümliche Besorgnis durchleben. Agrarbank (ATE) und Postbank (TT) werden auch am nächsten Tag sicher überleben, aber auf welche Weise??

Fusionen im Bankensystem Griechenlands

Griechische Bank (TTE) und Finanzstabilitätsfazilität (FSF) erachten, dass es noch zu früh sei, um jegliche Rückschlüsse zu ziehen (zumindest bis die Buchprüfungen bei den großen „4“ abgeschlossen wird), jedoch verbergen ihre Funktionäre nicht, dass am Folgetag Fusionen erfolgen werden. Zusammenschlüsse, welche natürlich nicht zum Zweck haben, noch größere Defizite zu schaffen, sondern Skalenerträge zu gestalten. Es wird kein Stein auf dem anderen stehen bleiben …

Und aus diesem Grund werden die Fusionen fallweise und auf Basis der speziellen Umstände und Fakten untersucht werden. Es können also nicht die großen Super-Formationen (wie jene der Alpha mit der ETE oder der Eurobank, was einmal im Gespräch war), sonder andere sein, die sogenannten „überkreuzten“, welche größere Banken mit kleineren vereinigen, deren Profil für eine „Ehe“ passt.

Auf dem Tisch befindet sich natürlich auch die Überlegung bezüglich der Vereinigung der kleineren Banken, welche noch über positives Eigenkapital verfügen, zu einer großen gesunden Bank. Außerdem steht auch dieses Szenarium seit zwei Jahren bzw. der Epoche in Rede, als die Proton Bank zwischen Verschleiß und Unzerstörbarkeit schwankte. Der Unterschied ist natürlich, dass die Hauptrolle in den Entscheidungen nicht mehr die Vorstände spielen werden, sondern die FSF, die in der Rolle des Hauptaktionärs fungieren wird.

Wenn Sie immer noch nicht verstanden haben, wie bedeutsam die Banken für die neue Regierung sind und warum ein Bankier das Finanzministerium übernahm, lesen Sie, was er selbst vor wenigen Tagen in seinem Vortrag bei der ETE sagte:

Wir glauben zutiefst, dass Griechenland die Möglichkeiten hat, aus der Krise zu gelangen, und in dieser Bemühung kann das Banksystem eine katalytischre Rolle spielen. Es ist klar, dass die Rückkehr der Wirtschaft in eine Bahn des Aufschwungs nicht aus der expansiveren volkswirtschaftlichen Politik hervorgehen kann. Die einzige Möglichkeit zur Finanzierung des Aufschwungs ist die mittels des Banksystems. Deswegen ist es auch erforderlich, dass das Banksystem seine Funktion im Rahmen der europäischen und internationalen Regeln fortsetzt, auf Basis der effizienteren Verwaltung der Aktiva und Passiva und unter Respektierung nicht nur der Kreditnehmer, aber auch der Anleger, welche uns ihre Einlagen anvertraut haben, sowie auch seiner hunderttausenden Aktionäre.

(Quelle: To Pontiki)

  1. Zwingmann
    24. Juni 2012, 07:47 | #1

    Sie verfügen offenbar über profunde Kenntnisse der griechischen Situation.
    Bei Ihrem Artikel fehlt nur noch ein Punkt: Eine Darstellung der Anteilseigner der
    privaten griechischen Notenbank. Ich höre ab und zu, dass bei der
    Griechischen Notenbank Goldman Sachs über die meisten Anteile verfügt.
    Pardon, für mich ist das eine Degradierung, wenn der Präsident der Notenbank auf
    einmal Finanzminister wird. Was verstehe ich nur nicht???

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