Bankgeschäfte in Griechenland nur mit Einkommensnachweis

8. Juni 2012 / Aktualisiert: 24. September 2017 / Aufrufe: 4.997

In Griechenland müssen natürliche und juristische Personen zur Tätigung jeglicher Bankgeschäfte auch gegenüber den Banken ausnahmslos ihr Einkommen nachweisen.

In Griechenland sind fortan ausnahmslos alle Kunden der Finanz- und Kreditinstitute verpflichtet, ihre Einkommen auch gegenüber der Bank zu deklarieren, mit der sie zusammenarbeiten, und müssen aus diesem Grund das Original ihres Steuerbescheids des Finanzamts oder / und ihre Einkommensteuererklärung nebst dem Nachweis über die ordnungsgemäße Entrichtung ihrer Steuern vorlegen. Begründet wird diese Maßnahme mit dem Bestreben, auf Basis eines „Risikobewertungssystems“ all jene Bankkunden und Transaktionen ausfindig machen zu wollen, bei denen anhand gewisser Indizien irgend eine Form eventueller Steuerhinterziehung oder Legalisierung unversteuerter Gelder vermutet werden könnte.

Da diese Maßnahme in Ergänzung zu den bereits geltenden allgemeinen Bestimmungen über die Identifizierungspflicht bei Banken in Griechenland selbst auf einmalige Schaltergeschäfte wie beispielsweise die Bareinzahlung eines Bagatellbetrags zur Anwendung kommt, fühlen sich viele Bürger wieder einmal sinnlos von der allgegenwärtigen griechischen Bürokratie gestriezt. Anlässlich der zahlreichen alltäglich von Kunden der Mitgliedsbanken erhaltenen Anfragen informierte nun der Griechische Bankenverband mit einer Bekanntmachung vom 05 Juni 2012 sogar auch selbst das Geschäftspublikum, dass bereits seit März 2012 gemäß der ausdrücklichen Anordnung der Griechischen Bank (Akt Nr. 2652/2012 des Präsidenten der Griechischen Bank) obligatorisch gilt:

Keinerlei Bankgeschäft in Griechenland ohne Einkommensnachweis

  • Die Einkommen des eine natürliche Person darstellenden Kunden sind der Bank durch die Vorlage des Einkommensteuerbescheids zu deklarieren, der im Original beizubringen ist.
  • Die Einkommen des eine juristische Person oder Gewerbetreibenden darstellenden Kunden sind durch Vorlage seiner originalen Einkommensteuererklärung nachzuweisen, zusammen mit der Bestätigung über deren Abgabe und den Nachweis über die Entrichtung der Steuer.

Wer wiederum nicht gesetzlich zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, muss bei dem zuständigen Finanzamt eine eidesstattliche Erklärung nach Gesetz N. 1599/1986 abgeben und sich eine beglaubigte Kopie erteilen lassen, um diese bei der Bank vorzulegen.

Die Deklaration des Einkommens betrifft ausnahmslos alle Kunden der Banken, also sowohl Bestandskunden als auch Neukunden der Banken als auch jene, die sei es auch nur ein einziges einmaliges Bankgeschäft abzuwickeln haben.

Parallel müssen die Banken die Einkommen der natürlichen oder juristischen Personen verifizieren, sie mit den Steuererklärungen vergleichen und Archive führen.

Laut der Griechischen Bank zählen zu der Kategorie mit „hohem Steuerhinterziehungsrisiko“ folgende Kundengruppen:

  • Freiberufler und Selbständige, welche Inhaber oder tatsächliche Berechtigte von Konten sind, auf denen während des vergangenen Kalenderjahrs Beträge von mehr als 200.000 eingingen, und
  • die juristischen Personen, auf deren Konten die gesamten Guthaben oder Barabhebungen während des vergangenen Kalenderjahrs 300.000 Euro überstiegen.

Wie in der Anordnung des Präsidenten der griechischen Zentralbank ausdrücklich angeführt wird, müssen die Banken den zuständigen Behörden jede „unübliche oder verdächtige Transaktion melden, die Indizien oder Verdachtsmomente bezüglich der Ausübung von Steuerhinterziehung oder Legalisierung eines Vermögensvorteils daraus enthält„.

Ergänzend sei angemerkt, dass in Griechenland ein Bankgeheimnis inzwischen praktisch nicht einmal mehr auf dem Papier besteht, da die Banken verpflichtet wurden, sämtliche Kundendaten, Kontostände und -bewegungen, Kredite, Wertpapiergeschäfte und sonstige Transaktionen dem Finanzministerium zu übermitteln (siehe auch Finanzministerium in Griechenland will gläsernen Bürger).

(Quellen: Imerisia, Hellenic Bank Association)

  1. Super
    8. Juni 2012, 09:58 | #1

    super!!!!

    macht doch ALL Eure Geschäfte nur noch in Bar, OHNE Bank! Sonst wird dieser Schwachsinn bald in der ganzen EU die Regel sein

  2. der Küchenchef
    8. Juni 2012, 11:20 | #2

    Was soll denn die Aufregung? Wenn du mit einer Bank in Deutschland Geschäfte machen willst, dann mußt du auch hier deinen Einkommensnachweis und noch mehr vorlegen, ist doch nicht neu. Deiner Hausbank, die dein Girokonto führt hast du sogar deinen Lohn und deine Guthaben „Abgetreten“, schon vergessen? das hat jeder der ein Konto wo hat unterschrieben. Also bloß keine Panik machen. Super hat da schon ddie richtige Idee, nur Bares ist Wares- Heil und Segen euch allen

  3. Schwurbelstein
    8. Juni 2012, 11:24 | #3

    Und um diese Flutwelle von Erlärungen, Bescheinigungen u. Nachweisen zu
    überprüfen, Weiterzumelden, Auszuwerten, zu Archivieren usw. werden sie wieder eine Heerschar von Beamten und anderen unproduktiven Bediensteten brauchen, die alle wieder vom Pleitestaat (oder von EU-Hilfs äh Geldgeschenken) bezahlt werden müssen! Hoffentlich finden die Griechen Mittel u. Wege, diesem bürokratischen Unfug ein Schnippchen zu schlagen!

  4. Bavaria
    8. Juni 2012, 14:31 | #4

    @der Küchenchef
    Ich habe bei meiner Hausbank noch nie einen Einkommenssteuerbescheid vorlegen müssen, außer ich will einen Kredit. Finanzämter, Sozialämter und Arbeitsagentur haben ausserdem das Recht, meine Konten zu durchleuchten, ohne dass ich jemals etwas davon erfahre. Das ganze ist also nur die Ausgeburt eines kranken Bürokratenhirns, auf keinen Fall aber ein effektives Mittel zur Steuerhinterziehungsbekämpfung.

  5. Holger Lippert
    8. Juni 2012, 15:24 | #5

    …da wird der Bock mal wieder Gärtner: denn durch wen (wenn nicht per Alukoffer) sind ganze Hundertschaften an Milliarden in die Schweiz und in den Rest der Welt gelangt? Wer macht den Verschiebebahnhof “von-EU-an-EU“? Wer braucht für Steuerauskünfte über Großkunden bis zu einem Jahr – oder schweigt gleich ganz? Ganz richtig: Der Bock, der jetzt bei jeder Bagatell-Überweisung den Gärtner machen soll…

  6. Michael
    9. Juni 2012, 01:41 | #6

    Kostas Normalos wird seine Einkommenssteuer sowieso sofort vom Einkommen abgezogen. Für kleine Konten nutzt das nichts. Aber für mittlere Einkommen kann es hilfreich sein. Die großen dürften sowieso ins Ausland getürmt sein. Da kann man höchstens, das käme auf die Verfassung an, pfänden, enteignen. Sonst eben Zwangshypotheken oder Geldscheine, wie gehabt, mittig durchschneiden. Eine Hälfte zum Bezahlen, die andere als Athenas-Schatzbrief auf ein Sperrkonto, bis das Problem gelöst ist, dann Rückzahlung/Tilgung.

    Es ist aber falsch, zu behaupten, die Steuersünder wären der Kern des Problemes. Auch nicht die Staatsschulden.

    Kern des Problems ist, dass Griechenland schlicht nicht wettbewerbsfähig ist. Damit steht es auch keineswegs allein. In Cypern, Portugal und Spanien sieht es auch heute nicht besser aus. Cypern ist als Art der Steueroase unter den klassischen Mittelmeeranrainern ein Sonderfall und könnte der Pleite noch entkommen. Dazu muss es aber seine mit Griechen Anleihen belasteten Banken zu einem Firmensitz in Griechenland verhelfen.

    Totsparen würde in die Diktatur führen. Aber Sozialismus ist die Diktatur des Pöbels und heißt Armut für alle. Erstmal wird noch gerettet, bis die Großkonzerne und Banken den letzten investierten €uro rausgezogen haben. Das war es dann. Macht Nägel mit Köpfen, glaubt aber lieber nicht, dass der Sozialismus eine Lösung sein könnte. Gute Ratschläge dürften heuzutage unbezahlbar sein. Derzeit erscheint keine einzige der im Angebot befindlichen Lösungen für Griechenland und die Griechen hilfreich. Es gäbe noch eine, die würde auch unangenehm.

  7. Lothar
    10. Juni 2012, 10:16 | #7

    @der Küchenchef
    Bei welcher Bank bist Du, wo man den Steuerbescheid vorlegen muss wenn man z.B. 10 Euro auf z,B, ein Sparbuch ein- oder auszahlt? Da würde ich aber mal schnell wechseln. Meine Bank wollte einmal einen Steuerbescheid bei der Hausfinanzierung.

    Vor allem was soll das? Dadurch werden (unkontrollierbare) Bargeschäfte doch noch gefördert. Das schlägt dem Bürokratie-Fass doch nun wahrlich den Boden aus. So etwas können sich nur kranke Hirne griechischer Politiker ausdenken, die um jeden Preis ausländische Inverstoren und Touristen abschrecken wollen. Aber man braucht sie ja nicht, „Merkel“ zahlt doch.

    Und dann noch: Was ist an Geldautomaten? Ist dort eine Kamera / ein Scanner, wo man den Steuerbescheid davorhalten muss ? Oder werden Geldautomaten abgeschafft? Wundern würde mich das nicht. Finsterstes Mittelalter. Und Touristen, die sich auf Geldautomaten verlassen, werden auch nicht erfreut sein. Vielleicht liest man ja bald in den Reisekatalogen: „Für Bargeldabhebungen mit Kreditkarten bitte Ihren Original-Steuerbescheid mitnehmen“. Da kommt betimmt keiner mehr.

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