Taliban der EU töten die Griechen

4. Mai 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 781

Kurz vor den Parlamentswahlen in Griechenland im Mai 2012 dreht sich die öffentliche Diskussion paradoxerweise primär um illegale Immigranten und infizierte Prostituierte.

Obwohl sich kontinuierlich die Stimmen und Anzeichen mehren, dass die Griechenland von IWF, Troika und Gläubigern aufgezwungene neoliberale Sparpolitik zum Scheitern verurteilt ist und der wie auch immer geartete Ausgang der anstehenden Parlamentswahlen das Schicksal des Landes auf jeden Fall für viele Jahre oder sogar Jahrzehnte bestimmen wird, stehen in der öffentlichen Diskussion paradoxerweise illegale Immigration, HIV-positive Prostituierte und parteipolitische Hahnen- und Schaukämpfe im Vordergrund.

Der Journalist Giorgos Papasotiriou betrachtet in seinem am 02 Mai 2012 in der Zeitung “Vradyni” publizierten Leitartikel, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird, die Situation aus seiner persönlichen Sicht und kommt zu dem Schluss, dass die Wahlen in Griechenland und noch vielmehr in Frankreich äußerst kritisch sind.

Die Taliban der Europäischen Union töten die Griechen

„Die Taliban der E.U. töten die Griechen“, erklärt zum wiederholten Mal Daniel Cohn-Bendit bezüglich der brutalen Sparsamkeit, die sie Griechenland auferlegen. Aber warum Taliban? Weil von der in Europa und der ganzen Welt ausgeübten derzeitigen neoliberalen Politik manche materiell (Gewinn) und andere ideologisch und politisch profitieren. Letztere sind die fanatischen Politiker, ein Mikro-Kosmos, der sich aus zynischen, gefühllosen Menschen rekrutiert, welche gegen Kummer und Schmerz, die sie hunderten Millionen Arbeitslosen und Armen aufzwingen, abgeschottet sind.

Aber an welchen „Gott“ glauben diese Fanatiker? An den Neoliberalismus, die selbstgeregelten Märkte – die wir zu „beschwichtigen“ schulden -, die noch größere Kumulierung von Reichtum in den Händen Weniger, die aus den Opfern der Arbeitnehmer hervorgeht, also mit den Kürzungen der Löhne, Renten, medizinischen und pharmazeutischen Versorgung, der Sozialleistungen, sprich des neoliberalen Wohlfahrtstaats. Jetzt werden alle staatlichen Hilfen zu den Unternehmen und speziell den Banken verlagert (wie die letzten 50 Mrd. Euro für letztere, die das griechischen Volk mit hohen Zinsen bezahlen wird).

Paradoxerweise bricht das politisch vorherrschende neoliberale Modell als Wirtschaftsmodell trotz des Gekreisches seiner politischen Diener zusammen. Die Eurozone knirscht, die Verschuldung der USA hat 358% des BIP erreicht, während die Produktionsblase in China (dreifach größer als die der USA) Luft zu verlieren beginnt. Die nächste große Krise steht vor den Toren. Trotzdem fahren die Neoliberalen der deutsch-französischen Achse, aber auch Griechenlands darin fort, die „Einfrierung der Ausgaben“ und Senkungen der Löhne und Renten, also Sparsamkeit in der Sparsamkeit vorzuschlagen und in den sicheren „Tod“ zu führen!

Neoliberales Wirtschaftsmodell zur Bereicherung der Wenigen

Sie sind sogar dermaßen fanatisch, dass sie trotz des vollständigen Misserfolg des Experiments in Griechenland keinerlei Spielraum für Manöver lassen. Anstatt dass die Diskussion über die Wahlen am Sonntag auf Basis des zentralen Themas – der Wirtschaft – und der Frage erfolgt, ob es ein anderes überlebensfähiges Modell gibt, der Krise zu begegnen, dreht sie sich somit um ein ernsthaftes – allerdings verschlepptes – Problem, die Immigration. Im Schatten dieses großen Problems bestehen die „Fanatiker“ auf der Verwaltung des zusammenbrechenden neoliberalen Wirtschaftsmodells und beharren dabei auf dem üblichen barbarischen Einbahnstraßen-Sparkurs.

Dies ist jedoch eine Lüge. In der Wirtschaftsgeschichte ist die amerikanische Lösung des Jahrzehnts von 1930 bekannt (Keynes – Roosevelt). Diese Lösung wird heute von jenen abgelehnt, welche Kurt Vonnegut „… psychopatische Persönlichkeiten, also Menschen ohne Gewissen, ohne Gefühl des Erbarmens oder der Scham …“ nannte. Nur dass diese Persönlichkeiten gar nicht so psychopathisch, sondern völlig neoliberale Pragmatiker sind, die tatsächlich weder ein Herz noch Gefühle haben.

Die „psychopathischen“ Taliban der Wall Street, von Frankfurt, Berlin, Paris und Brüssel sind absolute Rechner und Rationalisten. Weil die Sparsamkeit letztendlich gewaltsam sein und die realisierten Einnahmen wegen der verursachten brutalen Rezession eliminieren mag, ihre Absurdität jedoch nur die „Unteren“ betrifft, während sie sich für die „Oberen“ auf weltweitem Niveau auszahlt. Auf nationalem Niveau ist sie – hauptsächlich für periphere Länder wie Griechenland – jedoch irrational, weil sie ein ganzes Land, ein ganzes Volk auslöscht. Deswegen sind die Wahlen in Griechenland und noch vielmehr in Frankreich besonders kritisch … .

(Quelle: Vradyni)

  1. muss sowas sein………
    5. Mai 2012, 09:55 | #1

    Erschreckend – einfach erschreckend – was da abgeht…
    Milliardengeschäfte, egal wie die Bevölkerung oder Umwelt darunter zu leiden hat, werden ohne Rücksicht und ohne Mitleid zum Wohle der wenigen sehr Reichen getätigt und das ganz legal,
    die Kleinen werden oft für Nichtigkeiten bestraft – die Großen kaufen sich frei, meist müssen sie dafür keinen Cent bezahlen.
    Tut mir leid, wenn diese Gerechtigkeit = Euro bedeutet, dann kann ich nur hoffen,
    dass sie ganz böse scheitern werden, denn wie im Artikel gesagt, es ist unmenschlich, ohne jegliches Gefühl und ohne Herz, – Rücksicht oder Respekt vor anderen – das kann ich nicht erkennen, trotz des viel gepriesenen „Hilfspakete“!
    Es so unter diesem Namen zu verpacken, ist schon allerunterste Schublade.

    Kampf ohne Waffen um an das zu kommen, was Reichtum und Macht (Gier) bedeutet, das ist wohl die moderne Kriegsführung und erinnert mich an Einnahme der Länder, ganz bequem – ohne Waffen –
    im Sinne vom „3. Weltkrieg“.
    Die Menschen wurden „angefüttert“ – alles wäre ja so günstig und easy… sogleich wurden danach die Rahmenbedingungen vom täglichen Leben viel teurer und die Bevölkerung konnten ihren Zahlungsbedingungen nicht mehr nachkommen, so wurde ein ganzes Volk (nicht nur Griechenland) in immense Schulden gestürzt, und so kann ganz legal über ein Land verfügt werden.

    Nur hoffe ich ebenso, dass die Menschen sich nicht verleiten lassen von Menschen die sich als „Führer“ bezeichnen und gewalttätige Übergriffe gegenüber anderen als ebenso legal ansehen,
    dann führt das genauso in eine Sackgasse, denn auch davon ist keine Gerechtigkeit und keinerlei Respekt vor der Bevölkerung zu erwarten, im Gegenteil –
    dann beginnen die Raubzüge von neuem, mit Gewalt und Unterdrückung – denn auch sie werden von Macht und Gier geleitet,
    ich zumindest bin davon überzeugt, denn in der Vergangenheit wie Gegenwart haben wir nichts erfahren können, was der großen Bevölkerung geholfen hätte,
    Not und Elend standen immer am Ende solcher „Diktatoren“.

    Wünsche mir sehr, dass die Griechen mit den morgigen Wahlen eine positive Veränderung verzeichnen können.

  2. Heinz
    5. Mai 2012, 21:48 | #2

    @muss sowas sein………

    Da zu vermuten ist, dass sieben bis acht Parteien über die 3% kommen werden, sollten wir gespannt sein, welche Koalitionen sich da bilden werden.
    Da außerdem zu vermuten ist, dass die ND die stärkste Partei wird und damit gleich mal 50 Sitze (Wahlrecht) zugeschlagen bekommt, wird es interessant sein, zu erkennen, nach welcher Seite das Pendel ausschlägt. Nach rechts zu den Braunen oder nach links. Daran wird das griechische Volk erkennen dürfen, wie die nächsten 20 Jahre aussehen werden.
    Unter der Knute der Radikalen oder unter gemäßigten Bedingungen. Die finanzielle Zukunft wird auf beiden Seiten die gleiche sein.
    Sollte jemand den Traum gehabt haben, dass man auch ohne Rückzahlung schuldenfrei werden könne, der wird dann eines Besseren belehrt.

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