Energiemarkt in Griechenland erstickt in Schulden

5. Mai 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 3.803
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Infolge der Liquiditätskrise auf dem Energiemarkt in Griechenland wurden Erzeuger elektrischer Energie aus erneuerbaren Energiequellen seit Monaten nicht bezahlt.

Der Energiemarkt befindet sich an den Grenzen des Zusammenbruchs. Wenige Tage nach der für Rechnung der Energieregulierungsbehörde durchgeführten Studie traten auch die Vertreter der Träger Erneuerbarer Energien (EE) in Erscheinung, um das Problem zu bestätigen, und lasten dem griechischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimawandel (YPEKA) eine signifikante Verzögerung bei der Diagnose des Problems an.

Die Vertreter der EE-Träger attackierten die politische Führung des YPEKA, weil das Ministerium nicht die tatsächlichen Gründe des Problems zu erkennen vermochte, welches die kontinuierlich steigenden Unsicherheiten in der Branche der elektrischen Energieversorgung sind. Dies hat zur Folge, dass auf dem Markt bereits ein großer Liquiditätsmangel und erhebliche Verzögerungen bei der Bezahlung der Erzeuger bestehen.

Umwandlung der Energielieferanten zu Steuereintreibern

Wie während einer Pressekonferenz der Griechische Verband der Stromerzeuger aus Erneuerbaren Energiequellen, der Griechische Wissenschaftsverband für Windenergie, der Verband der Photovoltaik-Energieerzeuger und der Griechische Verband der Hydroelektrischen Kleinkraftwerke betonten, sahen alle das Problem des Liquiditätsmangels des damaligen DESMIE kommen, wogegen das Ministerium eine langes Tauziehen der Diskussion nur um die erneuerbaren Energiequellen (EE) begann.

Das gesamte Problem des Kassendefizits in der ganzen Kette des Energiemarkts ist um ein Vielfaches größer als das Defizit des EE-Sonderkontos„, führten die EE-Verbände unter anderem an und unterstrichen, dass die Situation auch durch die Kopplung der Stromrechnungen an die bekannte Steuer-Abzocke auf die Immobilien und die Umwandlung der Öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI) in einen Mechanismus zur Steuereintreibung belastet worden ist.

Laut den beigefügten Angaben gestalten sich derzeit die unbezahlten Stromrechnungen auf 1,2 Milliarden Euro, gegenüber 819 Millionen Euro Ende 2011. Werden die Verbindlichkeiten der großen und kleinen privaten Versorger berücksichtigt, erhöht sich der an die DEI geschuldete Gesamtbetrag auf ungefähr 1,5 Milliarden Euro, während die Schulden an Erzeuger elektrischen Stroms aus regenerativen Energiequellen (die seit Januar 2012 nicht bezahlt worden sind!) weitere 162 Millionen Euro betragen.

Vorschläge zur Linderung des Liquiditätsmangels auf dem Energiemarkt

Um das Problem anzugehen, schlagen die vier Träger unter anderem folgende Eingriffe vor:

  1. Bezahlung der Energie aus erneuerbaren Energiequellen für wenigstens einen Monat, damit es eine minimale Liquiditäts-Spritze auf dem Markt gibt.
  2. Vollumfängliche Informierung der Träger des Markts über alle arithmetischen Fakten des Problems.
  3. Befreiung der DEI von ihren Zuständigkeiten als Steuereintreiber.
  4. Radikale Revision und Erleichterung der überdimensionalen Steuerbelastung, die in den beiden letzten Jahren auf die elektrische Energie verhängt worden ist.
  5. Erforschung der Möglichkeit zur Nutzung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) mittels der griechischen Mittelfristigen Finanzierungsstützung zur Verstärkung des elektrischen Systems, gemäß den Vorlagen der Refinanzierung des Banksystems.
  6. Erforschung der Möglichkeit zur Gewährung von Sicherheiten aus dem Mechanismus zur Bezahlung der EE-Erzeuger, damit das „Landes-Risiko“ (country risk) normalisiert und die Finanzierung erleichtert wird.

(Quelle: Vradyni)

  1. Uri125
    6. Mai 2012, 03:40 | #1

    Das sind die Folgen der Poltik von EU , EZB und IWF. Das kaputtsparen hat einen ganzen Staat in die Krise gestürzt mit desaströsen Folgen für Bürger und Gemeinwesen.
    Statt Billonen an die Banken zu vertreilen, die dann mit hohen Zinsen Mrd. Gewinne machen, hätte man das Geld besser den Staaten selber geben sollen. Target 2 nützt eben nur den Banken auf Kosten des Steuerzahlers. Durch die von Draghi angeschobene Inflationspolitik, die auch hier schon anfängt durchzuschlagen. Der ESM VErtrag wird uns den Rest geben.

  2. Leser
    6. Mai 2012, 07:22 | #2

    Uri125 :
    Das sind die Folgen der Poltik von EU , EZB und IWF.

    Nein, das sind erst einmal die Folgen, die eintreten, wenn man über Jahrzehnte hinweg mehr Geld ausgibt als man hat. Und das gilt keineswegs nur für Griechenland. Das gilt genauso auch für Deutschland oder die USA, die unfaßbare $16 Billionen Schulden haben – 50 % davon allen in den letzten knapp vier Jahren unter Obama.

    Wer nur Geld ausgibt, das er hat, muß sich weder Spardiktaten von EU und IWF noch irgendwelchen anderen Gläubigerauflagen beugen.

  3. Heinz
    6. Mai 2012, 14:46 | #3

    @Uri125

    Das hat doch eher damit zu tun, dass jemand etwas bestellt und verbraucht hat, aber anschließend nicht bezahlt. So kann natürlich nichts funktionieren.

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