Ehemaliger Premierminister Griechenlands verunsichert Märkte

24. Mai 2012 / Aktualisiert: 25. Mai 2012 / Aufrufe: 635

Die eigenwillige Interpretation eines Interviews des abgedankten kommissarischen Premierministers Griechenlands Lukas Papadimos versetzte die Finanzmärkte in Unruhe.

Unruhe auf den internationalen Finanzmärkten verursachten die willkürlich aus dem Zusammenhang gelöster Äußerungen des ehemaligen kommissarischen Premierministers Griechenlands Lukas Papadimos gegenüber der Agentur DJ Newswire, da sie willkürlich als Bestätigung interpretiert wurden, dass es Vorbereitungen für des Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro gebe. Herr Papadimos eilte sich, mit neueren Erklärungen klarzustellen, was er wirklich meinte.

Die anfängliche Äußerung des Herrn Papadimos lautete: „Auch wenn unwahrscheinlich ist, dass dieses Szenarium realisiert wird, und es weder für Griechenland noch für andere Länder wünschenswert ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Vorbereitungen erfolgen, damit die möglichen Auswirkungen eines Ausscheidens Griechenlands aus den Euro gedämpft werden.“ Parallel unterstrich Herr Papadimos in seinem Interview, „die Gefahr, dass Griechenland den Euro verlässt, ist real und hängt praktisch davon ab, in wie weit das griechische Volk die weitergeführte Umsetzung des Wirtschaftsprogramms stützen wird„.

Euro-Austritt Griechenlands nicht ausgeschlossen, jedoch unwahrscheinlich

Das Interview erblickte das Licht der Öffentlichkeit um ungefähr 22:00 Uhr (griechische Ortszeit). Anfänglich wurden nur zwei Zeilen publiziert, die – wie sich zeigte – ausreichten, um Unruhe zu verursachen: „Ehemaliger Premierminister Griechenlands Papadimos: Die Gefahr des Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro ist real“ und „Ehemaliger Premierminister Griechenlands Papadimos: Untersuchung von Vorbereitungen auf ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro.

Wie die internationalen Medien übertragen, bewegte sich bis zu dieser Stunde die Wall Street mit positiven Rhythmen, kaum war jedoch das Interview des Lukas Papadimos veröffentlicht, gab der Dow Jones um 100 Punkte nach. Herr Papadimos reagierte umgehend und versuchte, mit seinen neueren Erklärungen gegenüber dem CNBC die Dinge klarzustellen. Wie er betonte, liegt ihm keine konkrete Unterrichtung darüber vor, ob Länder oder europäische institutionelle Organe Vorbereitungen für das eventuelle Ausscheiden des Landes aus dem Euro treffen.

Lukas Papadimos merkte gegenüber dem CNBC an, „nicht die Möglichkeit ausschließen zu können„, dass von Ländern wegen der bestehenden erhöhten Angst einschlägige Vorbereitungen getroffen werden, drückte jedoch seine Zuversicht aus, „es sei unwahrscheinlich, dass der Austritt des Landes aus dem Euro realisiert wird„. Ebenfalls sprach er von einem „unerwünschten Szenarium„.

Die Märkte scheinen jedenfalls von den Erklärungen nicht beruhigt worden zu sein, da – wie die Analytiker anmerken – der Euro in Asien auf den tiefsten Stand der letzten 21 Monate fiel und die asiatischen Börsen einen Sturz verzeichneten. Parallel befand sich der Euro am Mittwoch mit 1,1642 auf einem 4-Monats-Tief, während bei den meisten europäischen Börsen sinkende Tendenzen herrschen und „Futures“ einen fallenden Sitzungsbeginn an der Wall Street zeigte.

Was der ehemalige griechische Premier Lukas Papadimos wirklich sagte

In dem – nach seinem Amtsabtritt als Premierminister in der vergangenen Woche ersten – gegebenen Interview erklärte Herr Papadimos, die Aufgabe des Euro werde „katastrophale“ Folgen für Griechenland, aber auch breite Auswirkungen auf die übrige Eurozone haben. „Obwohl unwahrscheinlich ist, dass ein solches Szenarium realisiert wird, und es weder für Griechenland noch für andere Länder wünschenswert ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Vorbereitungen zur Beschränkung der möglichen Auswirkungen aus dem Euro-Austritt Griechenlands getroffen werden.

Europäische politische Führer haben ein klares Signal mit zwei Aspekten gesendet: Griechenland muss in der Eurozone bleiben, und das Land muss seine Verpflichtungen respektieren. Somit ist die Gefahr, dass Griechenland den Euro verlässt, real und hängt praktisch davon ab, in wie weit das griechische Volk die Fortsetzung der Umsetzung des Wirtschaftsprogramms stützen wird„, äußerte Herr Papadimos und merkte an: „Ich teile die Ansicht, dass, falls Griechenland einen Zahlungsstopp verkündet und aus dem Euro ausscheidet, die Auswirkungen für die Eurozone – ihr Finanzsystem, aber auch die reale Wirtschaft – äußerst schwerwiegend und die diesbezüglichen Kosten signifikant und weitreichend sein und auch Wirtschaften außerhalb der Eurozone in Mitleidenschaft ziehen werden.

Das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro bringt keine Vorteile

Laut Herrn Papadimos persönlich bewegen sich die Kosten eines eventuellen Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone zwischen 550 Milliarden und 1 Billion Euro und beziehen sich sowohl auf die Märkte als auch das Phänomen der Übertragung der Krise von einem Land zum anderen, welcher Umstand die reale Wirtschaft beeinträchtigen wird.

Es gibt keinen Vorteil aus einem eventuellen Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro, meinte Herr Papadimos, da die Auswirkungen aus der direkten Abwertung der neuen Währung den im Außenhandel existierenden Wettbewerbsvorteil neutralisieren würden. Seines Erachtens wird ihm Fall des Ausscheidens aus dem Euro der Rhythmus der Inflation beschleunigt werden, die realen Einkommen werden schrumpfen, dass Banksystem wird sich unter einem extremen Druck befinden und der Ausschluss Griechenlands von den internationalen Kapitalmärkten wird lange anhalten. Die öffentliche Verschuldung des Landes wird steigen, da sie fortan in der neuen Währung ausgedrückt sein wird und dann zur Stabilisierung des Wechselkurses und der Bändigung der Inflation höhere Zinsen erforderlich sein werden.

Bestimmte mir zu Augen gekommene Berechnungen zeigen auf, dass die Inflation auf 30% oder sogar auch auf 50% angeheizt werden könnte …„, äußerte Herr Papadimos und betonte, dass dieser inflationäre Strudel sämtliche kurzfristigen Vorteile annullieren würde, die es bei der Wettbewerbsfähigkeit hinsichtlich der Preise aus der Abwertung der neuen Währung geben gäbe. „Insgesamt wären die wirtschaftlichen Folgen … katastrophal. Zusätzlich wären die politischen und gesellschaftlichen Folgen eines Ausscheidens aus dem Euro schwer und langfristig„, erklärte der ehemalige Premierminister.

(Quelle: in.gr)

  1. Michael
    24. Mai 2012, 20:27 | #1

    Griechenlands Ausscheiden aus dem Euro bringt den Griechen keine Vorteile. Das wäre vornehm zurückhaltend formuliert. Wohl gäbe dieses Ausscheiden der Griechen den „Rest-„€uropäern deutlich bessere Chancen zur Stabilisierung der Lage schwacher Länder.

    Netto hat Griechenland seit 2002 vom €uro nur profitiert, jetzt ist die Rechnung fällig gestellt. Entweder die Griechen zahlen oder nicht.

    Die extrem geringe Begeisterung der überwiegenden Mehrheit der €uropäer, sogar ihrer meisten Politiker (das bedeutet enorm viel) und der weltweiten Investoren für Griechenlands Bürger dürfte mit den Händen zu greifen sein. Griechenland hat jetzt 2 Jahre lang die Märkte und andere wirtschaftlich schwächere Länder regelrecht tyrannisiert. Diese Veranstaltung wird entweder mit der kommenden Wahl sofort enden, oder, wenn die Griechen nach dem nächsten 100 Mrd. € Rettungspaket betteln. Also 2014, wenn in Griechenland kein Wunder geschieht. „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ David Ben Gurion.

    Nichts ist unmöglich, hört auf euch selbst dafür zu bemitleiden, dass ihr die Steuerzahler anderer €-Länder penetrant beklaut habt, räumt euren Laden auf ! Sonst habt ihr die Drachme und die damit verbundenen Konsequenzen.

  2. Lucy Sky
    25. Mai 2012, 09:54 | #2

    @Michael
    „Netto hat Griechenland seit 2002 vom €uro nur profitiert, jetzt ist die Rechnung fällig gestellt. Entweder die Griechen zahlen oder nicht.“
    Die griechischen BUERGER haben nicht viel von dem Teuro gehabt, ausser billigen Krediten! Ich hoere seit Jahren: „Mit der Drachme ging es uns gut.“

    „Die extrem geringe Begeisterung der überwiegenden Mehrheit der €uropäer, sogar ihrer meisten Politiker (das bedeutet enorm viel) und der weltweiten Investoren für Griechenlands Bürger dürfte mit den Händen zu greifen sein.“
    Zu viel Propaganda in BILD und FOCUS gelesen? Die Wut auf die BUERGER ist das Ergebnis gezielter Propaganda der Medien. Hat ja in DE frueher auch schon geklappt!

    „Diese Veranstaltung wird entweder mit der kommenden Wahl sofort enden, oder, wenn die Griechen nach dem nächsten 100 Mrd. € Rettungspaket betteln.“
    DIE GRIECHEN betteln nicht, die wollen gar kein Rettungspaket. WIR WOLLEN EUER GELD NICHT!

    „Nichts ist unmöglich, hört auf euch selbst dafür zu bemitleiden, dass ihr die Steuerzahler anderer €-Länder penetrant beklaut habt, räumt euren Laden auf !“
    Ich habe niemanden beklaut, das ist eine Frechheit! Jetzt kannst du sagen, dass ich keine Griechin bin, dann sag ich: mein Mann und mein Sohn haben niemanden beklaut und meine Schwiegereltern und … auch nicht. Aber WIR muessen zahlen!!!!
    Du kannst uns nicht mit den Superreichen und den Dieben im korrupten griehischen System in einen Topf werfen! Oder glaubst du, die reichen Reeder oder korrupten Politiker lesen deinen Kommentar?

  3. Ariadne
    25. Mai 2012, 19:38 | #3

    Wo ist meine Anwort an LucySky geblieben? Welche Regeln soll ich denn jetzt schon wieder verletzt haben, ausser dass ich meine Meinung dazu geäussert habe? Und das in korrekter Art und Weise! Es ist echt nicht zu glauben, welche Manipulation hier stattfindet! Falls dieser Blog von Griechen/innen betrieben wird, wundert mich auch bezügl. Griechenland nichts mehr! Desaster, Manipulation und Unfähigkeit, soweit das Auge reicht! Ihr scheint überhaupt nichts verstanden zu haben in diesem Land.

  4. admin
    25. Mai 2012, 20:21 | #4

    @Ariadne
    Kommentare mit Angriffen und Beleidigungen gegen andere Kommentatoren werden einfach nur noch unbesehen gelöscht, und die unflätige Tirade geben wir gerne zurück.

  5. Roditisa
    25. Mai 2012, 22:37 | #5

    @Michael
    Nein, Griechenland hat nicht nur profitiert. Es sind zwar Gelder ins Land geflossen, aber vieles davon wurde zweckentfremdet und die Bevoelkerung hat vom Euro vor Allem den Nachteil, dass durch die geflossenen Gelder die Regierungen lange unerkannt voellig unverantwortlich und kurzsichtig wirtschaften konnten. Ohne den Euro waeren die Regierungen gezwungen gewesen, eine bessere Wirtschaftspolitik zu machen, mehr Steuern einzutreiben, …

    Die pauschale Unterstellung „die Griechen“ haetten die Steuerzahler anderer Laender beklaut, weise ich zurueck. Entweder die griechischen Regierungen haben heimlich und von der EU unerkannt ueber Jahre mit falschen Zahlen agiert, dann konnten selbstverstaendlich auch die Waehler nichts davon wissen und sind dementsprechend ebenso Opfer wie die Steuerzahler anderer Laender, oder aber es war ein offenes Geheimnis, dann tragen alle Regierungen der EU die gleiche Verantwortung, weil sie nichts unternommen haben.

    Ich finde es sehr bedauerlich, wie die Buerger befreundeter Laender gegeneinander ausgespielt werden und schon vergessen ist, dass Europa zuerst einmal in grosse Schieflage geriet, weil einige Banken unser aller Geld missbraucht hatten, um damit Gluecksspiel zu treiben. Ein Teil dessen, was heute die Staaten in Europa an Schulden haben, sind Schulden der Banken, die gerettet wurden, weil sie angeblich zu gross waren, als dass man ihren Konkurz haette riskieren duerfen. Darueber regen Sie sich nicht auf, obwohl all das Geld, um das es Ihnen so leid tut, gar nicht bei den griechischen Buergern ankommt, sondern sofort zu den Banken wandert. Sehen sie sich mal die Gewinne der Haushalte in Europa seit 2002 an, und die der Banken, der grossen deutschen Unternehmer,…

  6. Ariadne
    26. Mai 2012, 08:02 | #6

    @admin
    Ich habe in meinem Kommentar niemanden beleidigt! Aber offensichtlich wird man hier nur dann zugelassen, wenn man dümmlich polemisiert. Die Wahrheit und die Fakten werden in diesem Blog unterdrückt. Aber eben: Das intellektuelle Niveau dieses Blogs wird von der admin vorgegeben. Reine Willkür hier, diese Plattform für nichtssagende Polemik!

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