Die kritischsten Wahlen in Griechenland

23. Mai 2012 / Aktualisiert: 17. Juni 2012 / Aufrufe: 509

Autor: Michalou

Die kritischsten Wahlen in Griechenland … schön, wir schreiben auch mal Blödsinn, damit die Zeit vergeht … .

Das Volk hat gesprochen und die Löwen zu Hühnchen gemacht … . Die Bemühungen der politischen „Leuchten“ um die Bildung einer Vasallen-Regierung fielen ins Leere … . Diesmal fruchteten die – von wo auch immer kommenden – Erpressungen jedoch nicht. Das Panikgerede des Staatspräsidenten, der das Thema einer „nationalen Bedrohung“ stellte, damit eine Regierung zur Realisierung des Memorandums gebildet wird, sprich dass sie uns weitere 11,5 Mrd. Euro aus den Taschen ziehen, und der Rekapitalisierung der Banken mit den 50 Mrd. Euro, ist verflogen.

Als sein Mitstreiter stand ihm auch der Präsident der sogenannten Griechischen Bank, Provopoulos, zur Seite, der betonte, dass „allein gestern 800 Millionen Euro (700 in bar und 100 in Anleihen) von den griechischen Banken abgezogen wurden„. In der kritischsten Periode des Landes interessiert sich das politische Establishment, welches das Land in diese Lage gebracht hat, nur für sein Überleben … . Antonis, Beni und ein Ausbund von Technokraten beharren darauf, zu unserem Wohl“ zu regieren und haben unsere Spucke offensichtlich als Nieselregen aufgefasst.

Und in all diesem Klima der Panikmache natürlich auch wieder die Statements des Herrn Schäuble und anderer Nachfahren der SS, dass z. B. Deutschland einen fertigen Plan habe … (Frage des Autors: sind auch Backöfchen vorgesehen?). Sie sagen, unser Ausscheiden aus dem Euro vorbereitet zu haben, und sonstiges derartiges Zeug. Es gibt jedoch auch Analysen wie jene von Mark Grant, dem Autor des berühmten Buches „Out of the Box“, in dem er meint, Europa könne schließlich Griechenland gar anbetteln, das Geld zu nehmen, damit nicht ganz Europa zerstört wird. Er führt sogar an, dass die Gesamtverschuldung unseres Landes 1,3 Billionen Dollar betrage, was 40,60% des BIP Deutschland entspricht!

Andererseits führt die JP MORGAN an, dass die unmittelbaren Verluste eines Ausscheidens Griechenlands den Betrag von 400 Mrd. Euro erreichen würden !!! Natürlich würde es auch für Griechenland Konsequenzen geben, die jedoch so oder so über unserem Kopf schweben. Zur selben Zeit schreibt sogar Reuters … Wenn sie Griechenland aus dem Euro „herausdrücken“, werden die Folgen für Europa unberechenbar sein … . Griechenland, als kleine periphere Wirtschaft der Eurozone, wird sich irgendwann – vielleicht nach einem Jahr – wieder aufraffen, wann sich jedoch die Eurozone erholen wird, ist ungewiss.

Bringen wir es also zu Ende, machen wir die Wahlen und setzen wir einen Anfang … wir haben viel Arbeit vor uns, und je länger wir es hinauszögern, um so mehr werden wir nachher geradezubiegen haben … .

(Quelle: To Pontiki)

  1. Werner Ernst
    23. Mai 2012, 10:18 | #1

    „Schäuble und anderer Nachfahren der SS … (Frage des Autors: sind auch Backöfchen vorgesehen?)“

    Mich würde ernsthaft interessieren, ob diese immer öfter auftauchenden saudummen Nazi-Sprüche die Meinung des griechischen Volks wiedergeben oder nur zum lustigen Stilmittel der Phrasendrescher in den einschlägigen griechischen Medien gehören.

  2. Roditisa
    23. Mai 2012, 21:08 | #2

    @Werner Ernst
    Den meisten Leuten in Griechenland ist gar nicht bewusst, wie schockierend fuer Deutsche diese Phrasen sind. Man hoert auch Witze ueber den Holocoust oder wird mit Hitlergruss salutiert, ohne, dass dies immer boese gemeint ist. Insofern sind solche Bemerkungen nicht so schlimm gemeint, wie wir Deutsche sie auffassen. Die meisten Leute haben nie Fotos von den Toten in den Lagern gesehen, geschweige denn eines besucht. Viele Griechen gehen davon aus, dass die Verbrechen, die von Deutschen waehrend des 3. Reichs veruebt wurden auch nicht schlimmer sind, als die der Osmanen zwischen 1550 und 1920.

    Ausserdem publiziert „Pontiki“ Satire und nutzt daher gerne extreme Vergleiche, um zu provozieren. Man sollte das also nicht zu ernst nehmen. Es ist ein Seitenhieb, aber nicht so boese gemeint, wie es ankommt.

  3. Ariadne
    24. Mai 2012, 13:13 | #3

    @Roditisa
    Wenn sich die Leute in GR nicht bewusst sind, was sie da tun, was heisst das dann im Klartext? Und – sind sich diese Leute dann bewusst, was auf dem Spiel steht? Oder ist ihnen auch nicht bewusst, wen oder was sie am 17. Juni wählen werden?
    Oskar Lafontaine und Dirk Müller haben das gestern bei Anne Will sehr eindrücklich beschrieben. Unter anderem auch die Angstmacherei, die v.a. von den Banken betrieben wird. GR kommt mir vor wie ein armer Mann, der eine reiche Frau heiraten will. Die Ansprüche dieser „Frau“ zu befriedigen, führt auf Dauer unweigerlich zu Problemen.

  4. Roditisa
    25. Mai 2012, 23:45 | #4

    @Ariadne
    Ist man sich in Deutschland bewusst, was es fuer einen Italiener bedeutet, wenn man ihn als Mafioso tituliert? Wir Deutsche spielen damit auf Unehrlichkeit an, fuer einen Italiener bedeutet es „Terrorist und Massenmoerder“.
    Der Nazi als Steretyp gilt in den meisten Laendern nicht als Inbegriff des Voelkermordes, sondern versinnbildlicht negative Eigenschaften, die als typisch deutsch gelten: Ueberheblichkeit, Obrigkeitsliebe, die Tendenz, Regeln zu befolgen, ohne ihren Sinn zu hinterfragen, Taktlosigkeit,… Er trat schlicht an die Stelle der Pichelhaube.

    Ich bin immer wieder erschuettert, dass man ueberhaupt fragen kann, ob sich die Leute hier bewusst sind, was auf dem Spiel steht. Denken sie, die Leute hier tanzen nur Syrtaki und trinken Ouzo?
    Vielleicht beantwortet es Ihre Frage, wenn ich erwaehne, dass man sich zur Zeit mit Freunden haeufig darueber unterhaelt, ob man naechstes Jahr noch Auto fahren kann, oder das Benzin dann unbezahlbar sein wird, ob man vielleicht zu Verwandten aufs Land ziehen sollte, um zumindest einige Lebensmittel selbst anzubauen, ob man wohl in 2 Jahren wohl noch eine Krebsbehandlung bekommen kann, ob es im September Schulbuecher geben wird, dass xy nach Deutschland, Daenemark, England,… geht, dass man die Steuern nicht zahlen kann und Angst hat, die Wohnung zu verlieren.

    Wissen Sie denn, wer Venizelos wirklich ist? Wer Tsipras, Samaras, Papariga?
    Die meisten Leute, die ich kenne, wissen nicht, wen sie waehlen sollen. Alle sind schlecht. Waehlt man nun die alten Eliten und gibt ihnen die Moeglichkeit, auch ihre lezten Schaefchen ins trockene zu bringen und noch eine Weile das Volk in Geiselhaft zu nehmen? Oder riskiert man mit Tsipras, dass neue Gesichter einfach nur die alten Strukturen uebernehmen? KKE und Chrisi Avgi sind kaum wahelbar. Tsipras hat den Vorteil, dass er noch keine Gelegenheiten hatte, die Waehler zu betruegen, was ihn glaubhafter macht als all die alten Hasen, die seit Jahren nicht dem Land dienen, sondern ihrer Partei und ihrem Klientel.

  5. Ariadne
    26. Mai 2012, 08:20 | #5

    @Roditisa
    Sie haben sicherlich insofern recht, dass es schwierig ist, zwischen Pest und Cholera zu wählen. Ehrlich gesagt wüsste ich als Griechin auch nicht, wem ich meine Stimme geben sollte. Aber da müssen sich die Griechen an die eigene Nase fassen. Das hat niemand anders verschuldet!
    Überheblichkeit, Obrigkeitsliebe (Autoritätsgläubigkeit), Taktlosigkeit, die Tendenz Regeln zu befolgen, ohne ihren Sinn zu hinterfragen – das alles habe ich in Griechenland mehrfach und immer wieder erlebt! Einer meiner Nachbarn hier ist ein sehr bekannter griechischer Schauspieler. Wo immer er auftaucht, fallen die Griechen auf die Knie!
    Aber auch die Nöte der griechischen Normalbevölkerung sind mir durchaus bewusst. Aber die Griechen sind nicht das einzige Volk, dass durch dieses Tal der Tränen hindurch muss. Wie man so schön sagt: There is no such thing as a free lunch! Irgendwann kommt der Kellner mit der Rechnung, auch wenn es manchmal etwas dauert.

  6. Roditisa
    28. Mai 2012, 15:19 | #6

    @Ariadne
    Man kann alle Eigenschaften, die stereotyp bestimmten Gruppen zugreschrieben werden in allen anderen Menschengruppen wiederfinden. Daher spricht man von Stereotypen und nicht von Qualitaeten. Ich habe einen wunderbaren Automechaniker hier, der alles, was meine kritischen Eltern bisher in Deutschland erlebt haben an Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Organisation uebertrifft. Dennoch werden diese Eigenschaften in der ganzen Welt eher von einem Deutschen erwartet, als von einem Griechen. Stereotype haben ihre Wurzeln in frueheren Erfahrungen und auch wenn wir Deutsche gerne davon ausgehen, dass uns kaum noch etwas mit dem preussischen Kaiser und dem Dritten Reich verbindet, so koennen wir doch wenig dagegen tun, dass im kollektiven Gedaechtnis unserer Nachbarn und Freunde die damaligen Generationen Spuren hinterlassen haben. Bemerkungen aus Deutschland, man solle doch Inseln verkaufen, haben nicht gerade dazu beigetragen, fruehere Wunden vergessen zu machen.

    Es ist wirklich schade, dass die Medien die Stimmung zwischen den beiden Laendern so vergiftet haben, dass jeder immer sofort meint, klar stellen zu muessen, dass er nicht alleine fuer die Misere verantwortlich ist.

    Ansonsten finde ich die Schuldfrage wenig zielfuehrend, es geht um Loesungen nicht um Suehne.

  7. Lucy Sky
    28. Mai 2012, 17:38 | #7

    @Ariadne
    „There is no such thing as a free lunch! Irgendwann kommt der Kellner mit der Rechnung, auch wenn es manchmal etwas dauert.“
    Nochmal, fuer alle, die es immer noch nicht verstanden haben: FUER DIE MEISTEN GRIECHEN GAB ES SOWAS WIE „free lunch“ UEBERHAUPT GAR NICHT! ABER SIE SIND ES, DIE DIE RECHNUNG ZAHLEN MUESSEN!

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