Banken in Griechenland unter staatlicher Kontrolle

30. Mai 2012 / Aufrufe: 2.099

In Griechenland erhielten die Nationalbank, Eurobank, Alpha Bank und Piräus-Bank die ersten Gelder in Höhe von insgesamt 18 Milliarden Euro zu ihrer Rekapitalisierung.

Die Kontrolle der vier größten griechischen Banken geht auf den Staat über. Nach wochenlanger Verzögerung wurden am Freitag die Vereinbarungen über die Einbringung der ersten 18 Mrd. Euro durch die Finanzstabilisierungsfaszilität (FSF) unterzeichnet, die für die Ergänzung des durch den Schuldenschnitt (PSI) verloren gegangenen Eigenkapitals vorgesehen sind. Praktisch handelt es sich um eine Anzahlung, die im Rahmen des Hilfspakets in Höhe von insgesamt 50 Mrd. Euro bereitgestellt wird, welches in der Kreditvereinbarung vorgesehen ist, die das Memorandum begleitet.

Die Unternehmensleitungen der Griechischen Nationalbank (ETE / NBG), Alpha Bank, Eurobank (EFG) und Piräus-Bank unterzeichneten die einschlägigen Verträge mit der Europäischen Finanzstabilisierungsfaszilität (EFSF) und dem nationalen Stabilitätsfond (FSF), womit die verfügbare Hilfe zur Deckung der Verluste der Banken aus ihrer Beteiligung an dem Programm des Umtausches der griechischen Staatsanleihen freigegeben wurden. Mit dieser Kapitalspritze erreichen die Indizes ihrer Kapitaldeckung wieder die gestatteten Mindestwerte und verschaffen dem System ein signifikantes „Polster“ zur Bewältigung des Drucks, den die politische Unsicherheit an der Front der Einlagen schafft. Gleichzeitig wird nach einem mehrtägigen Ausschluss auch wieder der Zugang der vier Kreditinstitute zu den Mechanismen der primären Refinanzierung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sichergestellt.

Die Leitungen der Banken sind zuversichtlich, dass sich mit ihrer Rekapitalisierung das Marktklima verbessern und das Vertrauen der Anleger gegenüber der Branche gestärkt wird. Mit den 18 Mrd. Euro können sich die Anleger bezüglich der Absicherung ihrer Gelder wieder sicherer fühlen. Von der in Rede stehenden Tranche gingen 6,9 Mrd. € an die Nationalbank, 5 Mrd. € an die Piräus-Bank, 4,2 Mrd. € an die Eurobank und 1,9 Mrd. € an Alpha Bank.

Die nächsten Schritte

Das Selbe trifft jedoch nicht auch auf die Aktionäre zu, die sich trotz des vorläufigen Charakters des einschlägigen Verfahrens einen Schritt vor dem Verlust der Kontrolle ihrer Banken befinden. In der gegenwärtigen Phase erhielt die FSF keine Gegenleistung, was jedoch in einer zweiten Phase nach den Wahlen erwartet wird, da die endgültige Festlegung der Bedingungen der Rekapitalisierung noch anhängig ist. Konkret sind die Analogie der Stammaktien zu den Wandelanleihen, welche die FSF erhält, aber auch die Bedingungen der Rückzahlung der Hilfe seitens der selbigen privaten Aktionäre zu bestimmen.

Die anfängliche Planung sah die Realisierung der Pläne für die Kapitalspritze zur Wiederherstellung des Core Tier 1 auf das Niveau von 9% spätestens bis Ende des kommenden September vor. Die Verkündung der neuen Wahlen macht jedoch den Abschluss des Verfahrens unmöglich, welches selbst bis Ende des Jahres kaum abgewickelt werden kann. Die Festsetzung des Modus und der Kosten des Rückkaufs der Aktien von der FSF sowie auch anderer mit der Wiedererlangung der Kontrolle der Banken durch den privaten Sektor in Zusammenhang stehender Themen gestattet deren Vorständen nicht, im Ausland zu Präsentationen zur Akquise neuen Kapitals zu schreiten.

Wie Bankfunktionäre betonen, würde unabhängig von dieser Verzögerung das im Ausland über Griechenland geschaffene Klima nicht erlauben, investive Formationen zu tangieren. „Mit dem Landes-Risiko und der Unsicherheit über die Entwicklungen nicht nur in der griechischen Wirtschaft, aber auch der gesamten Eurozone im Zenit ist es gegenwärtig wirklich keine Zeit für Kapitalerhöhungen„, unterstreicht charakteristisch ein erfahrener Bankier.

(Quelle: To Vima)

  1. Mitteldeutscher
    30. Mai 2012, 20:37 | #1

    Eher umgekehrt: die reGIERung wurde privatisiert und nur die Veluste der Privatbanken (einschließlich der Nationalbank) „verstaatlicht“!

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