Solidarität mit den Bevölkerungen Griechenlands organisieren

19. April 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 340

Eingereicht von: iaourti iaourtaki

Thema: Parlamentswahlen in Griechenland kosten 50 Millionen Euro

Tut mir bitte den Gefallen und kontrolliert die Wut – lasst sie aber nicht an eurer Seele fressen, da ist es dann besser sie mit Hass zu vermengen – und lasst Euch nicht erwischen. Überlegt Euch bitte, dass die Krise in Griechenland bereits 2008 los ging – mit Vorlauf: dem Feuer von 2007. Nicht von ungefähr waren an der Dezemberrevolte 2008 so viele Kids beteiligt, weil sie gesehen haben, welche Wirkung die Immobilienkrise auf die Hypotheken ihrer Eltern und Großeltern hatte, die sie teilweise aufnehmen mussten, nur um die Nachhilfe zu bezahlen. Hypotheken auf Häuser und Wohnungen, die man sich als “Gastarbeiter” mit zwei 8-Stunden-Jobs in krassen Fabriken (weil die Leute den Krach, der dort herrschte, sich gar nicht mehr vorstellen können, hören sie heute ihre Plastikmusik) erschunden hatte. Aber auch die Polizeimorde an zwei Flüchtlingen in der Petrou Ralli kurz vor dem Dezember spielten eine Rolle, nicht von ungefähr waren viele “Migranten”-Kids am Aufstand beteiligt und zeigten Fahne gegen den Rassismus.

Der Mordanschlag auf Konstantina Kouneva am 23.12.08 und die Versuche, die Zeugen_innen des Mordes an Alexis einzuschüchtern – die Frau, die den berühmten Handyfilm veröffentlicht hatte, wäre fast in der Klapper gelandet, und ein Freund von Alexis, der mit ansehen musste, wie er hingerichtet wurde, war aus Angst bis zum Prozess abgetaucht und dieser Prozess fand genau genommen überhaupt nur statt, weil Alexis’ Mutter gekämpft hat wie eine Löwin – führten in der Folge zu einem Erstarken bewaffneter Gruppen, die fast alle komplett abgeräumt wurden. Alexis‘ Mörder wäre heute längst wieder auf der Straße – wie sein Komplize, der aus humanitären Gründen entlassen wurde und seine 10 Jahre nur zu maximal einem Drittel abgesessen hat – oder könnte sich in der Mani verstecken, wenn damals nicht Solidarität dafür gesorgt hätte, dass der Fall nicht wie andere vertuscht oder lächerlich gemacht worden wäre.

Ich werde nichts gegen Guerilla-Aktivitäten sagen, aber es sieht schwerstens danach aus, dass es a) bei der heutigen Überwachung extrem schwer ist, nicht erwischt zu werden und b) auffällt, dass immer dann Leute pünktlich verhaftet wurden, wenn ein landesweiter Aktions- oder Streiktag anstand. Vielen, die nicht auswandern wollen oder können, wird zwar mittlerweile ziemlich egal sein, ob sie sich in den Schlangen der Suppenküchen einreihen müssen oder im Knast weiter kämpfen und darauf hoffen, von der Bewegung herausgeholt zu werden, aber man muss versuchen, seine Gefühle zu kontrollieren und überlegt zu agieren; dabei ist es ziemlich egal, ob militant oder friedlich, solange es sich nicht gegenseitig ausschließt.

Jede/r, so wie sie/er kann!

Das, was man auf jeden Fall tun kann, ist für Informationen zu sorgen, das Netz zu durchforsten und über Kämpfe zu berichten, vor allem auch von den kleinen und den in den kleinen Städten, denn genau so was gibt Leuten in Deutschland, die nicht in den Metropolen leben, Beispiel und Mut.

Ein ziemliches Manko der letzten Jahre ist, dass quasi alle widerständigen Texte, die aus Griechenland kommen, zuerst ins Englische und dann ins Deutsche übersetzt werden. Warum? Haben die 500.000 Griechen_innen, die in Mitteleuropa leben, kein Interesse, keine Zeit, keine Lust oder wollen sie nichts mit Revolutionären zu tun haben? Es geht soviel bei dieser Art der Übersetzung verloren.

Allerdings gibt es auch andere Beispiele, die Mut machen. In Düsseldorf gab es eine spontane Kundgebung vor der lokalen Filiale der Süddeutschen Zeitung, weil die, obwohl sie jahrelang die einzige war, die detailliert über die Siemens-Schweinereien berichtet hatte, auf einmal bestimmte Sachen mies verdrehte. 200 Leute waren dort, Infos dazu gibt es auf Occupy Düsseldorf, und Düsseldorf ist – nicht nur damit – die Sperrspitze der noch kleinen Solidaritätsbewegung in Deutschland.

Mensch sollte sich einfach mal in Infoläden schlau machen, wie in den 70er / 80er Jahre die Lateinamerikasolidarität entstanden ist, aus den Fehlern lernen und dann versuchen, das heute auf Griechenland umzusetzen. Dabei ist es wichtig zu begreifen, dass es keinen Sinn macht, immer wieder damit anzufangen, dass all das, was Griechenland erlebt, auch bald in Deutschland passiert, weil es längst und viel länger schon stattfindet. 10 Millionen arbeiten unter absolut miesen Arbeitsbedingungen, und davon ist der größte Teil alleinerziehend. Nicht von ungefähr kam der abgeknallte Vorschlag von IWF-Thomsen, 100-400 Euro-Jobs in Griechenland einzuführen – natürlich ohne Hartz 4 -, als ob das Tagelöhnertum nicht längst Realität wäre, und nicht umsonst hetzte die IWF-Tante Lagarde gegen die faulen Südländer, ohne zu raffen, dass dazu eigentlich auch Südfrankreich und nur Süditalien gehört.

Aber, wenn Griechenland denn eh schon deutsche Medizin verpasst bekommt, warum nicht mal eine – völlig reformistische – Kampagne und Bewegung starten, mit der simplen Forderung nach Sozialhilfe für Griechenland? Das Geld ist dafür da, denn die 12 Mrd. Euro aus den EU-Struktur und -Sozialfonds werden einfach nicht abgerufen.

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