Schwarzarbeit in Manufakturen in Griechenland

15. April 2012 / Aufrufe: 908

Manufakturen sind in Griechenland Nester der Schwarzarbeit, in denen illegale Immigranten zu asiatischen Löhnen und ohne Versicherung ausgebeutet werden

Zu Beginn des Jahrzehnts 1990 stellte die Bekleidung eine der wichtigsten Branchen der griechischen Wirtschaft dar, mit einem großen Anteil an der Produktion, der Beschäftigung und den Exporten. Seitdem führte die Konkurrenz, welcher die griechischen Produkte sowohl auf dem griechischen als auch dem europäischen Markt aus den Drittländern (hauptsächlich aus der Türkei, Pakistan, Indien, China) begegneten, den Zweig in eine Schrumpfung von bis zu 50%. Laut den Angaben des Verbands der Produzenten von Konfektionsbekleidung (SKEE) sank der Umsatz allein im Jahr 2010 um 16%.

Etliche Industriebetriebe und Manufakturen schlossen oder wanderten in Nachbarländer wie Bulgarien und die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Mazedonien ab. „Bankrotte“ Unternehmen der Branche setzen die Produktion mit unversicherten Arbeitnehmern – in der Regel Ausländern – fort, ohne Belege auszustellen und ohne Steuern zu entrichten. Laut den Daten der Kontrolleure der IKA werden rund 50 solcher Manufakturen in den Athener Stadtbezirken Kato Patisia, Nea Ionia, Filadelfia und Peristeri betrieben.

Diese Manufakturen befinden sich im Visier der gemischten Staffeln der Dienststelle für Sonderkontrollen der IKA (EYPEA/IKA-ETAM), der Einheit der Arbeitsinspektoren und der SDOE. Die gemischten Staffeln wurden mit dem Gesetz 3996/2012 zur „Neugestaltung der Einheit der Arbeitskontrolleure“ geschaffen.

Alles hängt von der Schnelligkeit und der Überraschung ab

Die Agentur AMNA beobachtete einen solchen Einsatz der gemischten Staffel in Patisia und Nea Ionia. Der Einsatz begann nachmittags am Dienstag der Karwoche (10 April 2012) um 15:00 Uhr, im Beisein eines Richters und unter Mitwirkung von Polizeikräften unter der Leitung des Unterleiters des Polizeireviers Patisia.

Alles hängt von der Schnelligkeit und der Überraschung ab„, sagen die Kontrolleure und merken an: „Diese Manufakturen kommunizieren miteinander. Sie arbeiten hinter verschlossenen Türen, wobei alle mit Kameras zur Außenüberwachung ausgestattet sind.

In der Vergangenheit waren auf die Kontrolleure während der Dauer der Kontrollen sogar Angriffe ausgeübt worden. Sie bauen sehr auf die Mitwirkung der Polizei und speziell des Reviers von Patisia, in dessen Bezirk auch die meisten Vorfälle verzeichnet werden.

Nicht ein einziger legaler Arbeitnehmer

Das erste „Ziel“ liegt in Rizoupoli. Das erste Stockwerk des Gebäudes beherbergt eine Kirche und im Erdgeschoss befindet sich ein Spielzeuggeschäft. Der zweite Stock scheint verlassen zu sein, als jedoch das Schloss aufgebrochen wird, tut sich eine reguläre Manufaktur mit ungefähr 30 Nähmaschinen auf. In der „Manufaktur“ arbeiten 23 ausländische Männer. Auf die Fragen der Polizisten und der Kontrolleure antworten sie, weder griechisch zu sprechen noch den Namen des Verantwortlichen des „Unternehmens“ zu kennen. Die anschließende Überprüfung wird zeigen, dass alle unversichert sind, während 10 keine Erlaubnis für Arbeit oder Aufenthalt im Land haben. In den verschlossenen Schubladen eines Schreibtisches, die aufgebrochen werden, entdecken die Kontrolleure einen unbenutzten Lieferschein, der zum Eigentümer führen wird. Die Daten der Beschäftigten werden aufgenommen, und wer keine Papiere hat, wird in die „grüne Minna“ geführt.

Zweite Station, in Kato Patisia. Der Eckladen in der Straße Ippolytou ist eine Metzgerei. Sie scheint leer zu stehen und die Kontrolleure sind nachdenklich. Die zusammengelaufenen Nachbarn behaupten, der Geschäftsraum stehe seit vergangenem Jahr leer. Schließlich erfolgt der Einsatz. Das Schloss gibt nicht nach und es werden Brechstangen eingesetzt. Als erste treten die Polizisten und der Richter ein. Der Laden ist tatsächlich leer, jedoch in der Tiefe des Raums gibt es ein Loch, das in den Keller führt. Ohne Belüftung und unter tragischen sanitären Verhältnissen arbeitet dort eine weitere „Manufaktur“, die Damenbekleidung und Tischdecken fabriziert. Hier arbeiten ohne Versicherung 10 Ausländer, von denen 8 illegal sind. Die Kontrolleure finden keine Unterlagen, sind jedoch sicher, dass der Verantwortliche gefunden werden wird.

Der dritte Einsatz erfolgt gleichzeitig in zwei benachbarten Kellerräumen im selben Bezirk, in der Straße Navarchou Votsi. In dem einen arbeiten 5 Ausländer ohne Versicherung, 4 sind illegal. Im zweiten gibt es 6 Nähmaschinen, jedoch haben die Beschäftigten es geschafft, aus dem Toilettenfenster ins Freie zu gelangen, wobei sie Jacken und Schuhe zurückließen. Die Schreie einer alten Frau im Erdgeschoss des Nachbarwohnhauses mobilisieren die Polizisten, die einen der Arbeiter verhaften, der sich in der Wohnung der Frau versteckt hatte.

Die Kontrolleure glauben, dass den Manufakturen Bescheid gesagt worden ist. „Bis zum Morgen werden sie umgezogen sein„, sagen sie uns. Um die Betriebe ausfindig zu machen, arbeiten die Kontrolleure rund um die Uhr, unter Nutzung ihrer privaten Fahrzeuge und auf eigene Kosten. Eine kleine Zulage von etwa 100 Euro im Monat, die sie früher als Wegegeld erhielten, ist gestrichen worden.

„Pleite-Betriebe“ hinterziehen Steuern und Versicherungsbeiträge

Es ist 5 Uhr nachmittags und die Fortsetzung des Einsatzes wird auf einen anderen Tag verschoben. Die „hochgenommenen“ Betriebe schienen alle die selbe „Firma“ zu beliefern. Es geht um ein Unternehmen, das Insolvenz angemeldet hat und dem Fiskus bereits etwa 1 Mio. Euro schuldet. Die Kontrolleure sagen, dass es nicht der einzige Fall sei. Diese Gesellschaften schaffen kleine Manufakturen, welche unversicherte und meistens illegale Immigranten beschäftigen, Syrier, Bangalen und Pakistaner. Die Syrier gelten sogar als ausgezeichnete Näher. Für die Firmen, welche Produkte zu asiatischen Löhnen fabrizieren, sind die Gewinne groß. Groß sind auch die Verluste an Steuern und Abgaben für den Fiskus. Laut Angaben des Arbeitsministeriums übersteigen die Verluste aus der ungemeldeten Arbeit 6 Milliarden Euro jährlich.

Die Bilanz ist jedenfalls reichhaltig. In den 4 Unternehmen in Patisia und Nea Ionia wurden 43 unversicherte ausländische Arbeiter gefunden und 28 von ihnen verhaftet, weil sie sich illegal im Land aufhielten, und Geldstrafen von insgesamt 21.500.000 Euro verhängt. Früher am Morgen war in einem Unternehmen für Telemarketing und Handel mit Haushaltsgeräten die Beschäftigung 30 unversicherter Arbeitnehmer festgestellt und eine anfängliche Geldstrafe in Höhe von 23.000 Euro wegen Verletzungen der Versicherungsgesetzgebung verhängt.

Mit dem Beginn der Aktion machen sie sich aus dem Staub

Diese Unternehmen werden legal gegründet„, betont gegenüber der AMNA der Leiter der Sonderdienststelle für Versicherungskontrollen Attikas, Markos Tountas, und merkt an: „Sie werden von irgend einem legalen Ausländer vertreten, der nach Abwicklung der Betriebsaufnahme verschwindet. Danach werden weder Abgaben noch Steuern entrichtet. In der Vergangenheit erfolgten auch bei der Aufnahme des Betriebs eines Unternehmens Kontrollen sowohl durch das Finanzamt als auch die IKA, mit dem Abbau des Personals können jedoch nicht mehr in allen Fällen Kontrollen erfolgen. Es entstehen Lücken, die von gewissen Personen ausgenutzt werden.

Herr Tountas glaubt, dass die Schaffung einer einheitlichen Dienststelle mit Kontrolleuren, Polizisten und Justizbeamten zur Bekämpfung der „schwarzen“ Arbeit die Resultate vervielfachen könnte, da sie die Probleme der Koordination zwischen den Dienststellen lösen würde.

Im Fall einer Kontrolle in Thessaloniki in einem – und zwar sogar luxuriösen – Striptease-Betrieb konnten wir die Mädchen nicht finden, obwohl wir sicher waren, dass sie drin waren. Während der Dauer der Kontrolle machte ein uns begleitender Beamter der Einheit für Verbrechensverhütung und -bekämpfung (OPKE) einen Wandspiegel aus, der nicht bis zum Boden reichte. Als wir ihn zerbrachen, fanden wir zwölf Frauen, die auf einem Raum von 2 Quadratmetern zusammengepfercht waren.

Herr Tountas fügt an, dass die Kontrollen in vielen Fällen häufig behindert werden, wenn es keine Polizei gibt, und betont: „Obwohl es eine Gesetzgebung gibt, wonach die Behinderung einer Kontrolle eine schwerste Geldstrafe nach sich zieht, ist sie nicht in Kraft gesetzt worden, weil kein einschlägiger Ministerialbeschluss ergangen ist.

Die gemischten Kontrollstaffeln der Dienststellen werden die Kontrollen fortsetzen, erklärt gegenüber der AMNA der Leiter der IKA, Rovertos Spyropoulos, und fügt an, dass von der Gesamtheit der Ausländer, die sich legal oder illegal im Land aufhalten, nur 300.000 versichert sind und Beiträge zahlen. „Wir leben in einer Periode, in der sich die schwarze Arbeit ausbreitet. Wir wollen jedoch bekannt machen, dass gleichzeitig auch die Kontrollen der zuständigen Dienststelle der IKA intensiviert werden. In diesem Wettkampf werden wir die uns zur Verfügung stehenden Kräfte aufstocken. Wir sind entschlossen, die Ausbreitung des Phänomens der schwarzen Arbeit nicht zu erlauben, und wir werden es schaffen.

(Quelle: Newsbeast.gr)

  1. Stavros
    15. April 2012, 10:16 | #1

    Schwarzarbeit = Kontrollen = nur zum lachen !!!!!!!!

    Wenn ich diese Zeilen lese muss ich mich krümmen vor lautem lachen !
    Die sogenannten Beamten(Einheimische) wissen genau wer und wo Schwarzarbeit produziert wird, denn sie bedienen sich ja mit Schweigegeldern !!!
    Das habe ich zur genüge erlebt (live), wie meine Freunde sich und ihre Familien NUR SO am überleben halten können.
    Mich kotzt die Scheinheiligkeit an die man aus diesem Bericht lesen kann!
    Praktisch jedes Hotel hat Schwarzarbeiter, denn sonst könnten sie NICHT die“ All Inklusive-Preise pro Tourist und Tag von 12.50Euro – 15.50 Euro anbieten“, damit sie überhaupt ihre Betten füllen können!
    Seit einigen Jahren ist ja Patras von billigen Arbeitskräften überschwemmt;fahre da am Hafen entlang und du kannst zu jedem Preis Leute anstellen! Das weiss doch jeder in Griechenland; aber eben die Scheinheiligkeit von den Behörden ist zum kotzen.
    Das habe ich zur genüge erlebt und ich könnte dutzende Hotels nennen; aber die machen nur das was alle machen müssen zum überleben!
    Zuerst MUSS man ALLE koruppten Beamten entfernen und den Beamtenstatus sofort löschen und 50% der sogenannten Beamten sofort kündigen.
    Ich würde sogar Belohnungen denjenigen zahlen ,welche klipp und klar sagen welchem Beamten ich bestechen/bezahlen musste! MUSSTE damit ich und meine Familie überleben kann!

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