Selbsternannte Hüter der öffentlichen Ordnung in Griechenland

19. März 2012 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 2.730

Mit der explodierenden Kriminalität als Anlass machen sich in Griechenland verschiedene Gruppierungen stark, als Hüter der öffentlichen Ordnung aufzutreten.

In den letzten Tagen gab es eine besondere Projektion verschiedener Organisationen, die zur Bildung von Bürgerwehren aufrufen, um – wie argumentiert wird – „die Bürger zu schützen, welche der Staat auf Gedeih und Verderb den Gangstern ausgeliefert hat„. Über Webseiten laden sie die Griechen ein, ihren Kräften beizutreten und an organisierten Ausbildungsaktionen teilzunehmen, um bereit zu sein, dem Chaos gegenüberzutreten, das – wie betont wird – „vor den Toren lauert„.

Es handelt sich um eine gefährliche Entwicklung, die auch der Minister für Zivilschutz, Herr Michalis Chrysochoidis verurteilte, der auf die Frage bezüglich der Bürgerinitiativen zur Bildung von Bürgerwehren entgegnete, dass für die Sicherheit der Bürger die Polizei und die von der Verfassung vorgesehenen Behörden zuständigen Behörden zuständig sind. „Niemand sonst ist berechtigt, Waffen einzusetzen oder Selbstjustiz zu üben„, äußerte er charakteristisch. Zu dem selben Thema ordnete der Staatsanwalt des Landgerichts Nikos Antonarakos am vergangenen Donnerstag (15 März 2012) eine dringende Voruntersuchung über Aktivität und Funktion dieser „Organisationen“ an.

Die ganze Situation verströmt ein Aroma anderer Epochen. Viele nehmen an, dass diese Phänomene jenen entsprechen, die sich in Deutschland in den 30er Jahren zeigten, bevor Hitler an die Macht aufstieg. Andere betonen, dass in Krisenzeiten die Zunahme der Fremdenangst und der Aufstieg der dieser hauptsächlich Ausdruck verleihenden Rechtsextremisten eine natürliche Folge sei. Schließlich gibt es etliche Stimmen, die betonen, dass wenn der Staat schläft, der Schattenstaat aufwacht. Erleben wir also, wie das Ei der Schlange ausgebrütet wird?

Georgios Anestopoulos alias der „Falke der Ägäis“

Eine dieser in Rede stehenden Gruppen, die mit der Bekundung in Erscheinung traten, „die Bürger vor der Gnade und Ungnade der Gangster schützen zu werden„, und sich im Visier der Untersuchungen befindet, nennt sich „Patriotische Bürgerwehr“ (PP, griechisch: Πατριωτική Πολιτοφυλακή / ΠΠ). Ihr Sprecher ist Georgios Anestopoulos, der ebenfalls auch als „Falke der Ägäis“ unterzeichnet. „Die Zivile Bürgerwehr“ ist eine von den (griechenlandweit) hunderten Gruppen von Reservisten, die mit der einen oder anderen Weise, Physiognomie und Formation ihre militärische Ausbildung sogar auch in ihrem zivilen Leben fortsetzen„, meint er.

Wie der Sprecher der PP erklärt, besteht der Ehrgeiz der Organisation darin, in Kriegszeiten „eine organisierte Bürgerwehreinheit aus nicht Einberufenen und Frauen zurückzulassen, welche zum Schutz der Zivilbevölkerung vor den ausländischen feindlichen Truppen beitragen können„. Er betont jedoch, dass „die Beteiligung an der Unterdrückung der Protestbewegungen des Volkes niemals in unseren Absichten lag und auch niemals liegen wird„.

Bereit, „nötigenfalls den Antigriechen zu begegnen

Die Ansichten des Herrn Anestopoulos sind intensiv von Verschwörungstheorien geprägt. Er versichert: „Wir haben keinerlei Absicht, die Rolle des selbsternannten Retters zu übernehmen, sondern ziehen vor – wenn und sofern notwendig – für die „kritische Stunde“ bereit zu sein, um unsere Familien (und unsere Bevölkerung) vor dem Krieg (innerhalb der Mauern) zu schützen, den sich gewisse „Nicht- und Anti-Griechen“ gegen unser Volk zu entfesseln anschicken, anstatt uns wehrlos wie der Hund im Weinberg abschlachten zu lassen, zu einem Zeitpunkt, wo der Staat alltäglich seine Unzulänglichkeit hinsichtlich des Schutzes unseres Volkes beweist.

Bezüglich der Ausbildung, welche die Mitglieder erhalten, erklärt er, dass es sich grundsätzlich um eine „Grundausbildung“ (Basis Soldierung) handelt, und merkt an: „Es gibt jedoch eindeutig die Miniaturstruktur eines regulären Militärs. Jeder und jede, analog zu seinen / ihren Qualifikationen und Fähigkeiten auf dem Sektor, wo er / sie die beste Leistung erbringt. Und natürlich bilden die fähigsten und spezieller Ausgebildeten die Elitetruppe der Spezialkräfte.

Die größte Bedrohung ist laut Herrn Anestopoulos die übermäßige Anzahl der illegalen Immigranten. Auf die Frage, ob die Griechen sich wie von dem Vorsitzenden der LAOS-Partei Herrn Georgios Karatzaferis vorgeschlagen bewaffnen müssen, um der steigenden Kriminalität zu begegnen, antwortet er: „Natürlich, allerdings unter Voraussetzungen. Wenn jemand einen psychisch instabilen Charakter hat, kann und darf er natürlich keine Waffe tragen, und das kann diagnostiziert werden. Und natürlich bedarf es einer außerordentlich sorgfältigen Ausbildung des Bürgers in der Benutzung der Waffe, bevor jemandem gestattet wird, sie frei zur Selbstverteidigung zu besitzen.

Auf den Hinweis, dass wir in unkontrollierte Umstände zu gleiten drohen, wenn die Bürger das Recht in die eigenen Hände nehmen, antwortet er sogar: „Wenn der Staat sich im Schutz des Bürgers und seines Besitzes als unzulänglich erweist, sind solche „Entgleisungen“ leider unvermeidbar„, und fügt an, dass das Volk ein Sprichwort habe: „Lieber im Geleit von Gendarmen als von Pastoren.

„Verteidigungslinie“ der Nationalen Gesellschaft

Die „Zivile Bürgerwehr“ erklärt auf ihrer Webseite, der Nationalen Gesellschaft zur Verfügung zu stehen, wenn und sofern sie gerufen wird. Was ist jedoch die Nationale Gesellschaft?

Wie Herr Nikolaos Argyropoulos als Verantwortlicher für Kommunikation und Organisation erklärt, ist sie „eine bürgerliche, nicht gewinnorientierte Gesellschaft. Sie hat den Zweck, die Rechte der Griechen zu verteidigen, die niemand verteidigt„. Die Gesellschaft machte ihre Aktivität am 11 März 2012 bei einer Veranstaltung im Kriegsmuseum öffentlich bekannt. „Die Nationale Gesellschaft ist keine Partei, sie ist eine Verteidigungslinie gegen die grobe staatliche Willkür, welche die Griechen heimsucht, gegen alles, was unsere Mitbürger plagt, seien es Gesetze oder Ministerialbeschlüsse oder Willkürlichkeiten staatlicher Amtsträger und Bediensteter„, betont er.

Eine der ersten Handlungen der Nationalen Gesellschaft war „die Strafanzeige, die gegen den Präsidenten der Republik Herrn Karolos Papoulias und den ehemaligen Premierminister Herrn G. Papandreou mit der Beschuldigung der Aufhebung der Verfassung und des Hochverrats erstattet wurde. Beide verletzten die Artikel 37 und 38 der Verfassung, die über die Besetzung des Amtes des Premierministers etwas anderes bestimmt als diese beiden Politiker getan haben„.

Zu dem Thema der Zivilen Bürgerwehr meint Herr Argyropoulos, „sie ist ein sehr bedeutsames Element zur Verteidigung der Rechte der Griechen. Sie machen Kurse in Erster Hilfe und Zivilschutz im Fall außerordentliche Bedürfnisse und Zustände„, während er betont, gegen „alle, die zur Bewaffnung der Bürger aufrufen“ zu sein. „Wir erachten dagegen, dass die griechische Bürgerwehr dafür Sorge tragen muss, die Waffen einzusammeln, welche dort draußen in Umlauf sind und sich in den Händen der Gangster befinden.

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  1. Griechin62
    19. März 2012, 00:53 | #1

    Das ist das, was uns in Griechenland noch gefehlt hat, damit unser Glück perfekt wird!!!

    Man schimpft über Deutschland, wir kramen in den alten Geschichten rum, verlangen, dass alte Rechnungen von der Nazizeit bezahlt werden und gleichzeitig lässt die Regierung es zu, dass griechische Neonazis in GR für öffentliche Ordnung sorgen!? Wenn solche Gruppierungen Macht bekommen, dann wäre das Chaos perfekt!!
    Vielleicht sollten wir alle unsere Grenzen mit Minen versehen, damit uns keiner mehr stört und wir in aller Ruhe schön unser eigenes selbstzerstörerisches Süppchen kochen können!! Vielleicht bekommen wir auch eine Hitlerfigur, die uns aus der Krise bringt, das wäre doch passend in dieser Krisensituation!? Oder??

    Ich bin schockiert!! Was passiert hier eigentlich, wann hört es auf und wann kommen wir zur Besinnung????

  2. 19. März 2012, 09:41 | #2

    Der Mensch ändert sich wohl nie. Ersten durchblickt er die wahren Gründe der Krisen nie oder kaum, und zweitens kommt das Fressen bei ihm immer vor der Moral. Jaja. Der Mensch. So ist er halt. Leider. So wird wieder ein Holocaust kommen und keiner will davon gewusst haben. Der Mensch scheint verdammt zu sein sein schreckliches Schicksal auf ewig zu wiederholen.

  3. V99 %
    20. März 2012, 14:07 | #3

    Erschreckend!
    „Erleben wir also, wie das Ei der Schlange ausgebrütet wird?“
    Was soll dabei heraus kommen, wenn rechtsextreme verschwoerungsglaeubige minenlegende „Patrioten“ wie Hr. Anestopoulos in schwarzen „Uniformen“ durch die Strassen patroullieren und wahllos Migranten zusammenschlagen?
    Ist damit der Punkt erreicht, der die eigene Unfaehigkeit, die Grenzen zu sichern, Jagd auf Auslaender machen zu duerfen, legalisiert?
    Lernt aus der Geschichte! Gebt Rechtsextremismus KEINE Chance! Nazis RAUS!

  4. Heinz
    21. März 2012, 11:52 | #4

    Dummheit kennt und hat keine Grenzen, was sich hier wieder bestätigt.

  5. King Balance
    21. März 2012, 15:17 | #5

    „Als nächstes wird der Staatsmann billige Lügen erfinden, die die Schuld der angegriffenen Nation zuschieben, und jeder Mensch wird glücklich sein über diese Täuschungen, die das Gewissen beruhigen. Er wird sie eingehend studieren und sich weigern, Argumente der anderen Seite zu prüfen. So wird er sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen, dass der Krieg gerecht ist und Gott dafür danken, dass er nach diesem Prozess grotesker Selbsttäuschung besser schlafen kann.“ –Mark Twain – ‚Der geheimnisvolle Fremde‘

  6. Fassmann
    21. März 2012, 23:10 | #6

    Und wenn die lieben Gutmenschen sich ein wenig von ihrer absoluten Empörung erholt haben, wollen sie ganz doll feste nachdenken und überlegen wer die Ursache für diese beschriebenen Ereignisse gesetzt hat, ja?

  7. Christian
    22. März 2012, 16:00 | #7

    @Fassmann
    Der beste Kommentar, danke. Aus Gutmenschensicht ist wohl die Bürgerwehr für Überschuldung, Pleite, illegale Einwanderung und Ausländerkriminalität verantwortlich. Wer sich wehrt und für sein Land/Freiheit/Eigentum einsetzt, ist ein Nazi? Soll das Land verlassen? Übrigens hatte Mark Twain leidenschaftliches Verständnis für den amerikanschen Krieg gegen die Indianer (das waren auch alles Nazis, da sie sich ihr Land nicht freiwillig abnehmen ließen).

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