Griechenland unterhält Handelsbeziehungen zu 217 Ländern

30. März 2012 / Aktualisiert: 29. März 2018 / Aufrufe: 4.655

Entgegen der Ansicht, Griechenland exportiere primär Speiseöl, Zitrusfrüchte und Melonen, führen Mineralöl- und Aluminiumprodukte die Exportstatistik des Landes an.

Wer glaubt, dass Griechenland hauptsächlich Orangen, Zitronen, Speiseöl und Frischfisch auf die internationalen Märkte exportiert, liegt falsch! Eine jüngste Untersuchung des Panhellenischen Verbands der Exporteure (PSE) und des Zentrums für Exportuntersuchungen und -Studien (KEEM), welche die Exportleistungen des Landes in den beiden Jahren 2010 – 2011 vergleicht, widerlegt dieses Klischee mit Pauken und Trompeten.

Erdölprodukte (hier spielen allerdings hauptsächlich die hohen Preise eine Rolle), Aluminiumprodukte, spezialisierte Dienstleistungen und Technologieprodukte befinden sich ganz oben auf der Liste der griechischen Exporte, während die einen bemerkenswerten Anstieg verzeichnenden neuen Märkte zunehmend die griechischen Produkte aufnehmen.

Zuwächse bei Aluminium, Baumaterialien, Düngemitteln und Technologieprodukten

Laut der Untersuchung werden auf der Liste der 100 am meisten exportierten Produkte 15 neue Zugänge verzeichnet, die sich hauptsächlich auf Aluminiumprodukte, Baumaterialien, Düngemittel und Datenübertragungsgeräte beziehen. Erhöhte Exporte werden jedoch auch bei Erdbeeren, Räucherfisch, Flaschenwasser und Kinderspielzeug verzeichnet.

Unter den Top-100 des Jahres 2011 sind dagegen nicht vertreten: Bäckerei- und Zuckerprodukte, Pilze und Honigmelonen, Hormonpräparate, Sanitärartikel und Schiffe. Die Daten zeigen ebenfalls auch die Krise auf, welche die Branche der Textil- und Bekleidungsindustrie durchmacht, wobei Denim-Garne und nicht gewebte Bekleidung nicht präsent sind, während die Exporte gewebter Bekleidung – Stoffe und Pelz- und Lederprodukte die Lage ausgleichen.

Was die Top-Exportprodukte des Landes betrifft, gestaltet sich die Liste für 2011 folgendermaßen:

Rang
2011
Rang
2010
Produktbeschreibung Wert 2011
(Mio. Euro)
1 1 Mineralöle 6.366,2
2 6 Aluminiumplatten, -bänder und -blätter 562,5
3 4 Vertrauliche Produkte * 530,1
4 2 Medikamente 475,6
5 3 Fische, Frisch- oder einfache Kühlware 452,6
6 14 Eisen- und Stahlbarren 356,8
7 7 Rohre jeder Art 340,8
8 8 Gemüse, verarbeitet oder gekühlt 264,4
9 9 Aprikosen, Kirschen und Pfirsiche 251,2
10 5 Baumwolle 234,8
11 10 Feta und Hartkäse 234,2
12 12 Pelz- und Lederprodukte 215,9
13 11 Natives Olivenöl 211,1
14 23 Aluminiumlegierungen 204,4

* Bezüglich der sogenannten „vertraulichen Produkte“ benennt die Nationale Statistikbehörde (ELSTAT) weder Exporteure noch Produkte, zu denen laut Informationen u. a. Kohlendioxid, Methan und sogar auch militärische Waffen zählen sollen.
Quelle: PSE-KEEM (Die Angaben beruhen zum Teil auf vorläufigen Schätzungen)

Wie die Vorsitzende des PSE Frau Christina Sakellaridi erklärt, „zeigen die Daten, dass Griechenland Produkte sowohl Produkte hohen Qualitäts-, Know-how- und Innovations-Niveaus produziert als auch exportiert. Aus dem primären Sektor und den Agrarprodukten bis hin zu den neuen Technologien und Dienstleistungen ergeben sich Potentiale und Perspektiven, die geeignet sind, zu einer endgültigen Wandlung des Produktionsmodells des Landes zu führen.

Die Italiener sind unsere Freunde …

An der Spitze der Hauptziele der griechischen Exporte rangiert mit Abstand Italien, jedoch finden die griechischen Produkte auch bei den Deutschen Anklang, welche den zweiten Platz belegen. Einen bemerkenswerten Anstieg um 3 Positionen verzeichnete die benachbarte Türkei und verdrängte Zypern von dem dritten Platz der Rangliste. Ebenfalls setzte sich über ein weiteres Jahr der Anstieg der Schiffsbelieferungen an Drittländer fort, die international als ein besonderer Markt im internationalen Handel erachtet werden. Die Belieferungen rangieren inzwischen unter den ersten fünf Zielmärkten noch vor Bulgarien und den USA, die in der Sub-Kategorie der Märkte mit Importen aus Griechenland von über 1 Mrd. Euro folgen.

Die 10 Top-Zielmärkte der griechischen Exporte im Jahr 2011 waren:

Rang
2011
Rang
2010
Produktbeschreibung Wert 2011
(Mio. Euro)
1 2 Italien 2.123,8
2 1 Deutschland 1.763,5
3 6 Türkei 1.752,3
4 3 Zypern 1.367,7
5 13 Schiffsbelieferungen mit Drittländern 1.348,6
6 4 Bulgarien 1.239,2
7 7 USA 1.191,8
8 5 Vereinigtes Königreich 890,6
9 8 Frankreich 651,0
10 9 Rumänien 596,5

No. 1 beim Anstieg von Exporten: Usbekistan!

Der Wert der griechischen Exporte im Jahr 2011 stieg um 37% auf 22,451 Mrd. €, gegenüber knapp 16,392 Mrd. € im Jahr 2010. Die größten Anstiege der Exporte werden auf prozentualer Basis für folgende Länder verzeichnet:

  • Usbekistan (+ 1044%, auf gerade 7,9 Mio. €)
  • Argentinien (+ 645%)
  • Singapur (+ 470,6%)
  • Georgien (+ 434,1%)
  • Saudi-Arabien (+ 145%)
  • Südkorea (+ 143%)
  • Vereinigte Arabische Emirate (+ 123,9%)
  • Syrien (+ 109,8%)
  • Türkei (+ 104,2%)
  • China (+ 81,9%)
  • USA (+ 81%)
  • Ukraine (+ 75,7%)
  • Brasilien (+ 72,4%)
  • Israel (+ 67,1%)
  • Ägypten (+ 65,9%)

Rückläufig bewegten sich Griechenlands Exporte in 23 Länder der Welt, nämlich:

  • Jordanien (- 49,2%)
  • Nigeria (- 48%)
  • Bahrain (- 47%)
  • Philippinen (- 40%)
  • Island (- 35,7%)
  • Mexiko (- 32%)
  • Bahamas (- 31%)
  • Kasachstan (- 28%)
  • Libyen (- 23%)
  • Aserbaidschan (- 18,3%)
  • Irak (- 17,2%)
  • Katar (- 16%)
  • Schweiz (- 16%)
  • Marokko (- 14,5%)
  • Indien (- 12,9%)
  • Irland (- 11,2%)
  • Weißrussland (- 8,2%)
  • Schweden (- 6,2%)
  • Lettland (- 4,6%)
  • Südafrika (- 4%)
  • Japan (- 3,2%)
  • Deutschland (- 2%)
  • Rumänien (- 1%)

Insgesamt unterhält Griechenland mit insgesamt 217 Ländern Handelsbeziehungen. Detaillierte Informationen (auf Griechisch) bieten die einschlägigen Tabellen unter www.protothema.gr/files/1/2012/03/27/pse2.pdf

(Quelle: Proto Thema)

  1. Monalisa
    30. März 2012, 20:23 | #1

    Griechenland könnte noch wesentlich mehr exportieren, wenn die Paketgebühren nicht so unverschämt hoch wären.

  2. Michael
    30. März 2012, 21:14 | #2

    Breschnjew, Reagan und Honnecker stürzen über Zentralafrika mit dem Flugzeug ab. Ein Kannibalenstamm sammelt sie auf und bringt sie zum Häuptling. Dieser sagt: „Der, dessen Land ich kenne, den lasse ich laufen!“
    Breschnjew fängt also an: „Sowjetunion, großes Land, Sibirien….“
    Häuptling: „Kenne ich nicht, ab in den Kupferkessel!“
    Reagan macht weiter: „USA, Amerika, Dollar…“
    Häuptling: „Kenne ich nicht, ab in den Kupferkessel!“
    Honnecker hat mit seinem Schicksal schon abgeschlossen und sagt: „DDR, kleines Land…“
    Sagt der Häuptling: „DDR? DDR? ….ach ja, DDR! Große Solidaritätsspende bekommen, Kupferkessel dafür gekauft!“
    ….
    Aber wo ist Iran ? Das einzige Land, das Griechenland noch Öl liefert ?

  3. V99 %
    31. März 2012, 10:01 | #3

    Das sind interessante Listen. Positiv faellt auf, dass in der Liste der Importeure ausgerechnet Deutschland und die Tuerkei auf Platz 2.+3. stehen. Sind also doch nicht so „Griechenlandfeindlich“, wie so oft behauptet. Aber auch andere „Feinde“ GRs sind dort zu finden, wie USA und Frankreich. Man sollte sich besser mehr auf positive Handelsbeziehungen konzentrieren und diese foerdern, Anstelle von Vorurteilen. Das ist ein positiver Ansatz um schneller aus der Krise zu kommen. Ich habe vor kurzem einen bekannten arbeiterfreundlichen deutschen Unternehmer, im Fernsehen, sehr positiv ueber seine griechischen Geschaeftspartner reden hoeren, das wollte ich hier auch mal erwaehnen.
    Was mir nicht so in der Exportliste gefaellt sind die Punkte vertrauliche Produkte und Medikamente. In anderen Berichten, heisst es, dass Waffen an Lybien, noch unter Gaddafi, geliefert wurden. Und die Medikamente lassen vermuten, dass da die zu billigen Produkte, Zwecks hoher Gewinne, lieber ins Ausland verkauft werden, als der eigenen Bevoelkerung zur Verfuegung zu stellen.
    Insgesamt, weiter so. Der Export muss auch von der Regierung gefoerdert werden.

  4. Elgreco
    2. April 2012, 13:38 | #4

    @ v99 Ich halte mal fest :

    80 Mio. Deutsche kaufen Waren in Wert von 2 Milliarden Euro von Griechenland.
    11 Mio. Griechen kaufen von Deutschland waren in wert von 5 Milliarden Euro.
    Was macht dieses pro Kopf aus ??? Ich will nicht verallgemeinern, aber ist das die
    deutsche Griechenlandliebe von der du sprichst ?

    Mal vereinfacht ausgedrückt : Griechenland fabriziert jedes Jahr durch den Handel mit Deutschland
    3 Milliarden Euro Handelsdefizit.
    Handelsdefizit = Neuverschulung + Zinsen.
    Die Griechen investieren quasi , auf kosten ihrer eigenen Wirtschaft und Staatsverschuldung in deutsch Arbeitsplätze. Wer ist der größere Freund ( Sicherlich auch Dummkopf ), der, der Profitiert oder der, der Opfert ???

    Für die griechische Wirtschaft ist der Export wichtig aber zweitrangig, zu viele Marktanteile haben Produzierende Inländische Unternehmen in Griechenland selbst verloren. Viel einfacher und wichtiger ist es, das Inländische Unternehmen wieder in Griechenland investieren, ihre Produktpaletten erweitern und neue Bereiche erschließen. Und so Marktanteile zurückgewinnen und den eigenen Binnenmarkt stärken. Wo kann man besser investieren als in den einheimischen Markt, den man kennt? Wieso muß selbst der Schafskäse aus dem Ausland kommen ??? Das jährliche Handelsdefizit muß abgebaut werden.

    Das kann man aber nur erreichen wenn die Politik den eigenen Markt stärker schützt (Steuererleichterung für in Griechenland produzierte Waren, Beschränkungen) .
    Die Bevölkerung , ein Bewußtsein für Made in Greece entwickelt . Made in Greece = Sichere Arbeitsplätze, Zukunft, Qualität, Wohlstand.
    Und die Industrie und Handel für konkurrenzfähige erschwingliche Preise sorgen = Verzicht auf Max. Profit / Inovationen

  5. Ottfried Storz
    2. April 2012, 16:00 | #5

    @Elgreco:
    Du irrst bei deiner sehr vereinfachenden Analyse „Handelsdefizit = Neuverschuldung + Zinsen“:
    Es gibt zwischen Deutschland und Griechenland einen Überschuß im Handelsbereich.
    Dieser umfaßt jedoch nur den Güteraustausch, nicht die Finanzmittel.
    Diese setzen sich aus einer Vielzahl von Quellen zusammen, z.B. Überweisungsplus von in Deutschland lebenden Menschen nach Griechenland, Kohäsionsmittel und andere Fördermittel, die Deutschland Griechenland via EU anteilig überweist.

    Losgelöst davon ist der Schluß jedoch richtig, das Griechenland sein erhebliches Handelsdefizit durch Aufbau/Ausbau der Inlandsindustrie verringern muß.

    Vollkommen irrig ist jedoch der Folgeschluß, das Griechenlan die Binnenproduktion durch Steuererleichterungen oder Beschränkungen schützen müsste.
    Dies verstößt gegen EU- und WTO-Regularien und würde schnell erhebliche Bestrafungen nach sich ziehen.

  6. V99 %
    3. April 2012, 00:57 | #6

    @ Elgreco
    Die „Hochrechnung“ oder Verallgemeinerung entbehrt jeglicher Logik.
    Ich habe auch nicht behauptet, dass ein Land, das von GR Gueter bezieht es deshalb „lieben“ muss. Den Rest hat Ottfried Storz schon erklaert.
    Kannst du mir sagen, woher es kommt, wenn ich in einem griechischem Supermarkt, z.B. Scheibenkaese kaufen moechte, und mir das guenstigste Produkt aussuche, es dann umdrehe, um zu sehen, wo es herkommt, es nie aus GR stammt? An den langen und teueren Lieferwegen? An den zu hohen Lohnkosten? An den patriotischen Unternehmern, die fuer lau arbeiten? Warum haben die inlaendischen Unternehmen wohl so viele Marktanteile verloren? Weil die boese Troika Kaesesteuern erhebt? Weil die so in GR geliebte Politik den inlaendischen Markt nicht genuegend schuetzt? Auf die Antwort bin ich gespannt..

  7. Elgreco
    3. April 2012, 09:13 | #7

    @ Ottfried
    Ich glaube sie überschätzen die Summe an Überweisungsplus von in Deutschland lebenden Menschen nach Griechenland, Kohäsionsmittel und andere Fördermittel. Außerdem lassen sie vollkommen außer acht, daß dieses nicht nur von Deutschland nach Griechenland, sondern auch umgekehrt der fall ist. Genug Griechen investieren auch in Deutschland.
    Griechenland bekommt etwa 2 Milliarden Euro an Kohäsionsmittel und andere Fördermittel aus der gesamten EU jährlich. Den Deutsche Anteil dürfte sie sich gern selbst ausrechnen.
    Deutschlands Beitrag an die EU liegt bei 24 Milliarden, jedoch fließt ein Großteil wieder zurück ins Land, was viele gerne übersehen. Zieht man all dies ab bleibt lediglich eine Summe von 8 Milliarden die Deutschland zahlt, dem gegenüber steht ein EU Handelsüberschuß von 80 Milliarden. Vereinfacht Deutschland wird um 80 Milliarden reicher, auf kosten der anderen EU Staaten mit Handelsdefizit. Europa mit gemeinsamer Währung funktioniert nur dann, wenn man bemüht ist dieses auszugleichen. Was man auch gerne übersieht, Europas Zahlmeister sind an Pro Kopf Belastung die Belgier, Deutschland ist lediglich im Mittelfeld.

    Fakt ist 50 Milliarden fließen von außen nach Griechenland, dem stehen jedoch 70 Milliarden, die daß Land verlassen. Macht ein Defizit von 20 Milliarden, solange dieses nicht abgebaut wird, Blutet das Land langsam aus, und wird immer ärmer oder man gleicht dieses Defizit durch neue Kredite aus, was gemacht wurde, um den Markt zu stützen. Man kann es aber auch als Chance sehen. Das Exportvolumen Griechenland liegt gerade mal bei 20 Milliarden. Im Ausland ist es sehr schwierig und teuer Marktanteile zu gewinnen. Im Inland deutlich einfacher. Das Geld ist da, es muß nur im Inland bleiben und zirkulieren. Deshalb für Griechenland ist der Binnenmarkt wichtiger als der Export.

    Deutschland beugt nach belieben EU- und WTO-Regularien, weshalb sollte der Griechische Staat dieses nicht machen wenn es zu seinen Lasten ist und zu Vorteilen anderer. Oder ist diese Prozedur die sich die griechische Bevölkerung ergehen lassen muß mit EU- und WTO-Regularien vereinbar ? Möglichkeiten gibt es genug die eigene Wirtschaft zu stützen.

    @ V99
    Vielleicht sollten sie sich mit der Materie und den Zahlen näher befassen, und nicht nur den Teil sich anschauen, die ihre polemischen Thesen unterstützen, ihr anliegen ist offensichtlich. Der Europäische Markt hat sich, zu Gunsten der Export starken Länder, in den letzen Jahren extrem verändert und geöffnet. Wieso haben den so viele Länder Schwierigkeiten und stagnieren ? Griechenland ist nicht das einzige Land mit Schwierigkeiten.

  8. Die Krämerfrau
    3. April 2012, 17:23 | #8

    @V99 %
    Wer sich in Griechenland Scheibenkäse im Supermarkt – am besten bei der überteuerten Lidlmafia kauft – sollte sich eventuell mal einen Reiseführer suchen oder ein Messer, um den Käse zu schneiden,

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