Neues Verfahren zur Erteilung von Baugenehmigungen in Griechenland

23. Februar 2012 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 2.574

In Griechenland treten ab März 2012 neue Bestimmungen bezüglich der Beantragung und Erteilung von Baubewilligungen und Baugenehmigungen in Kraft.

Wer ab dem 01. März 2012 und danach in Griechenland bauen will, muss insgesamt fast 30 verschiedene Unterlagen zusammentragen, um die Bewilligung und die Genehmigung zum Bau eines Gebäudes zu erwirken. Gemäß dem Ministerialerlass, der in Spezialisierung des Gesetzes 4030 über den neuen Erteilungsmodus der Baugenehmigungen erging, sind für die Baubewilligung 13 und für die Baugenehmigung 15 Unterlagen, Studien und Abläufe notwendig – und das zu einem Zeitpunkt, wo das anfängliche Ziel des Ministeriums die Vereinfachung des Verfahrens der Erteilung von Baugenehmigungen war.

Die Baubewilligung wird innerhalb von fünf Werktagen ab der Einreichung der Unterlagen, nach der Kontrolle der Angaben und sofern sich diese als korrekt erweisen erteilt. Die Kontrollfristen können jedoch um 20 Tage verlängert werden, wenn dies von dem Bauamt für notwendig erachtet wird. Die Geltungsdauer der Bewilligung beträgt für Gebäude mit einer Gesamtfläche von bis zu 2.000 qm ein Jahr und für zwei Jahre für Gebäude mit einer Fläche von mehr als 2.000 qm zwei Jahre. Ergänzungen und Korrekturen können innerhalb von zwei Monaten ab der Antragstellung erfolgen.

Beantragung von Baubewilligung und Baugenehmigung in Griechenland

Die Baugenehmigung wird innerhalb von zwei Tagen ab der Einreichung der erforderlichen Unterlagen und Studien erteilt und gilt für vier Jahre ab ihrer Erteilung. Für die Errichtung eines oder mehrerer Gebäude mit einer Gesamtfläche von über 5.000 Quadratmetern beträgt die Geltungsdauer sechs Jahre. Für Abrisse, Aushebungen, Gestaltungsarbeiten und Fällungen von Bäumen werden gleichzeitig eine die Bewilligung und die Baugenehmigung mit einer Geltungsdauer von einem Jahr erteilt.

Die Verantwortung für die Kontrolle des Bauprojekts wird eine neue Einheit von Bauinspektoren übernehmen, die mit privaten Ingenieuren besetzt werden wird.

Konkret sind für die Erteilung einer Baubewilligung bei dem zuständigen Bauamt folgende Unterlagen einzureichen:

  1. Antrag des Eigentümers
  2. Erklärungsformular über die Beauftragung fachlich zuständiger Ingenieure und die Übernahme der Verantwortung durch diese für die Erstellung der Studie des konkreten Projekts.
  3. Formular nebst zusammenfassender Tabelle mit den gestatteten und realisierten Elementen des Bauplans und einer Tabelle zur Aufführung der Genehmigungen anderer Träger oder Ämter in Zusammenhang mit der Funktionalität und den Anforderungen der Sondergebäude.
  4. Kontrollblatt.
  5. Topographischer Plan in zwei Ausführungen.
  6. Bauplan in zwei Ausführungen.
  7. Die von den Baubestimmungen des Bezirks oder anderen geltenden Bestimmungen analog zu der Lage, der Größe und der Nutzung des Projekts vorgesehenen Genehmigungen anderer Träger.
  8. Genehmigungen anderer Träger oder Behörden (Kulturministerium, DEI u. a.) in Zusammenhang mit der Funktionalität und den baukonstruktiven oder anderen Anforderungen der Sondergebäude.
  9. Eigentumstitel und aktuelle Besitzbescheinigung oder Grundbuchauszug für jede Immobilie. Für die Flüchtlingssiedlungen ist eine Bescheinigung der zuständigen Dienstselle des Ministeriums erforderlich, welches die Überlassungsurkunde ausgegeben hat, dass die Abtretungsurkunde oder die Möglichkeit zur Parzellierung nicht widerrufen wurde.
  10. Bescheinigung der zuständigen Grundbuchstelle, sofern das Gebiet unter Katastrierung steht oder das Grundbuch vollendet worden ist.
  11. Unterlagen, welche die Legalität eventuell bestehender Gebäude bescheinigen.
  12. Einheitsformular für die Baubewilligung und Baugenehmigung, auf dem in dem Feld der Baubewilligung die Daten des Projekts eingetragen sind.
  13. Beleg über die Entrichtung der Beiträge und Abgaben für die Ingenieursleistungen.

Für die Erteilung einer Baugenehmigung sind bei dem zuständigen Bauamt folgende Unterlagen einzureichen:

  1. Antrag auf Baugenehmigung, nach der Erteilung der Baubewilligung und innerhalb deren Geltungsdauer.
  2. Architektonische Studie.
  3. Statische und bodentechnische Studie, sofern erforderlich.
  4. Studien über elektromechanische Einrichtungen.
  5. Studie über die Gebäude-Energiebilanz.
  6. Studie über den Zeitplan der Projektausführung. 7. Studie über Installationen und Abwasserentsorgungen.
  7. Studie über aktiven Brandschutz.
  8. Studie über Gasbrennstoff.
  9. Eidesstattliche Erklärung aller Studien ausführender Ingenieure.
  10. Plan und Akte über Sicherheit und Gesundheitsschutz des Projekts.
  11. Notarielle Deklarierung der vorgesehenen Fahrzeugstellplätze und Bescheinigung über ihre Transkription im Hypothekenregister oder Einreichung bei den Grundbuchamt. Im Fall einer finanziellen Abgeltung wird anstatt der Deklarierung der Beleg über die Entrichtung der geforderten Abgabe eingereicht.
  12. Begründungsbericht nach Paragraph 1 des Artikels 3 des wie geltenden Gesetzes N. 1577/1985.
  13. Gebäudepass. Der Zeitpunkt für den beginn der Einreichung der konkreten Unterlage wird per Beschluss des Umweltministers bestimmt werden.
  14. Spezielle Formular über den Etat des Projekts und Belege über die Entrichtung jeglicher Steuern, Gebühren und Abgaben sowie auch die entsprechenden Studienhonorare des oder der Architekten für die eingereichten Studien.
  15. Die Kopien der genehmigten Baubewilligung, auf denen in dem Feld der Baugenehmigung die Daten eingetragen sind.

Alle Einzelheiten des neuen Modus der Erteilung und Erneuerung von Baugenehmigungen wurden im Regierungsanzeiger B‘ 251 / 13.02.2012 publiziert.

Quellen: To Vima)

  1. Christina
    23. Februar 2012, 01:13 | #1

    Sagt mal, soll das jetzt Realsatire sein? Das sind keine Baubestimmungen, sondern Bauverhinderungsbestimmungen. Und wer noch niemals mit griechischer Bürokratie zu tun hatte, findet hier ein grandioses Beispiel, wie die Menschen von Pontius zu Pilatus gejagt werden, ihre Tage mit Behördengängen verschwenden müssen, und warum sie noch Prämien dafür bekommen haben, wenn sie pünktlich zur Arbeit erschienen sind. Der griechische Staat erstickt an sich selbst, und nicht an irgendwelchen Merkozys.
    Ich habe ja auch etwas gegen die Zersiedelungen der griechischen Landschaften, aber darum geht es ja gar nicht. Gleichzeitig fehlt jetzt offenbar die Prüfbescheinigung des Umweltamtes, die bisher erforderlich war.
    Dafür wird jetzt statt staatlicher Kontrolle genau wie im Steuerbereich ein Spitzelsystem installiert, nach dem nicht die Empfänger einer Zahlung den Nachweis des Erhalts (Einkommenssteuererklärung!) erbringen müssen, sondern die Zahler zu Kontrolleuren ihrer Zahlungsempfänger gemacht werden.
    Boa, ist mir schlecht. Hallo Herr Ex-Betrüger, ich glaube, ich brauche jetzt auch mal ein Glas Whiskey.
    Dank an die Administratoren für die Übersetzung. Ich hätte bei meinem Griechisch wahrscheinlich den ganzen Tag über dem Lexikon gesessen.

  2. Yoss Neuman
    23. Februar 2012, 05:23 | #2

    wenn das eine reform sein soll, werden wir uns ja an weiteren skurrilitäten „erfreuen“ können, es gibt ja noch viel zu tun, um den staatsapparat ja nicht zu reformieren.
    viel gelegenheit für schmiergeld! kurbelt die wirtschaft garantiert nicht an! hoher personalaufwand, wenig nutzen. einer der vielen kleinen regelkreise, die diesen staat zuverlässig an die wand fahren.

  3. Maria P.
    23. Februar 2012, 09:25 | #3

    Päpstlicher als der Papst!!!
    Übertriebener gehts wohl nicht und noch mehr Abzocke; noch mehr Kontrolleure, Studien, Komissionen usw. Es ist nicht nur, dass man Griechenland „erpresst“, Griechenland erpresst auch seine Bevölkerung!

  4. Papas
    23. Februar 2012, 10:14 | #4

    Puuuuhh………das Studium dieser Unterlage , heftig !!!
    Wer hat jetzt noch lust in Griechenland etwas auf die Beine zu stellen???
    Da bleibt einem ja das Hirn stehen, bei so viel Bürokartie !
    Wer hat jetzt noch das Verlangen in Griechenland zu investieren?
    Also ich möchte jedem nur abraten.
    Lieber nach Afrika, da gibt es weniger Bürokratie……………

    Was machen die Griechen nur wenn alle Beamten gekündigt wurden ?
    Vermeintlich gekündigt!

    Also so kann man einen Staat auch verschlanken!
    Leider haben wir nicht die entsprechende Sichtweise um dies zu verstehen.

    Armes Griechenland !

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