Neue Vorschriften für Inkassounternehmen in Griechenland

7. Februar 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 562

In Griechenland sollen neue strengere Vorschriften die Verbraucher vor rechtswidrigen Praktiken und Übergriffen durch Inkasso-Unternehmen und Gläubiger schützen.

Inkassounternehmen in Griechenland haben sich fortan an neue Betriebsregeln zu halten. Das Arbeitsministerium gab am 05. Februar 2012 Klarstellungen zu den Bestimmungen des neuen Gesetzes, wozu der Generalsekretär der staatlichen griechischen Verbraucherzentrale Dimitris Spyrakis erklärte, dass die neuen Vorschriften konkrete Einschränkungen einführen und Kontrollmechanismen etablieren, die den Respekt der Persönlichkeit der Bürger vor Belästigungspraktiken stärken.

Es sei daran erinnert, dass die Praktiken gewisser Inkasso-Büros, wie beispielsweise massiver Telefon-Terror gegen Gläubiger und deren Verwandte, Missbrauch persönlicher Daten, gesellschaftliche Denunzierung, Amtsanmaßung usw., wiederholt die zuständigen Behörden auf den Plan gerufen hatten (siehe auch Inkassofirmen in Griechenland im Visier der Justiz).

Die wichtigsten Änderungen des Gesetzes 4038/2012 im Überblick:

1) Die Inkasso-Gesellschaften dürfen die telefonischen Kommunikationen zur Informierung des Schuldners über eine fällige Forderung nach dem Verstreichen von zehn Tagen ab dem Tag beginnen, an dem die Forderung fällig wurde.

2) Es werden konkrete Zeiten (09:00 bis 20:00 Uhr) für die Kommunikation mit dem Schuldner festgelegt, die auf die Werktage beschränkt ist.

3) Die Kommunikation wird aufgezeichnet und für ein Jahr aufbewahrt, damit im Fall einer Beschwerde die Verletzung des Gesetzes überprüft wird. Der Inhalt der Aufzeichnung kann nicht zu Lasten des Schuldners verwendet werden. Der Schuldner wird über die Aufzeichnung und deren Zweck informiert.

4) Die Anbieter von Telekommunikationsdiensten schulden, ohne Belastung dem Schuldner oder – nach Beschwerde des Schuldners – der Verbraucherzentrale innerhalb von zehn Tagen ab Antragstellung eine Aufstellung mit den einschlägigen Aktivitätsdaten der Telefonverbindungen sowie auch die Kenndaten des Inhabers des Telefonanschlusse zu erteilen, von dem die Kommunikation mit dem Schuldner erfolgte, um eine Beschwerde über die Verletzung des Gesetzes zu überprüfen.

5) Die Inkasso- bzw. Informationsunternehmen sind verpflichtet, ein elektronisches Archiv der Telefonate mit dem Schuldner zu führen, zu denen sie zu dessen Informierung schreiten, und diese Daten dem Schuldner oder der Verbraucherzentrale auf Verlangen zur Verfügung zu stellen.

6) Die Bestimmungen zum Schutz der Schuldner kommen nicht nur auf die Inkasso- bzw. Informationsunternehmen, sondern auch auf die Gläubiger selbst (z. B. Kreditinstitute) zur Anwendung, wenn sie zu wiederholter Informierung schreiten.

7) Außer der in dem einschlägigen Register der Verbraucherzentrale registrierten Informationsgesellschaft ist es jeder beliebigen anderen natürlichen oder juristischen Person untersagt, zur Informierung von Schuldnern zu schreiten.

8) Es wird die Möglichkeit zur Verhängung von Sanktionen, unter anderem auch seitens der Datenschutzbehörde, gegen alle – und nicht nur Informationsunternehmen – sichergestellt, welche die gesetzlichen Bestimmungen missachten.

Ergänzend sei angemerkt, dass die Verbraucherzentrale (Γενική Γραμματεία Καταναλωτή) dem Ministerium für Arbeit und Sozialversicherung untersteht.

(Quelle: Vradyni)

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