Ausländer bei Immobilienkauf in Griechenland getäuscht

14. Januar 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.885

In Griechenland wird zahlreichen Ausländern bewusst, dass sie beim Immobilienkauf getäuscht wurden und Immobilien mit rechtlichen Mängeln erworben haben.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns mit der polynomiellen griechischen Gesetzgebung beschäftigen. Außerdem ist auch diese zwischen all den anderen griechischen „Produkten“ ein Teil einer umfangreichen Liste der unzähligen Hobbys der Politiker. Und wie wir ebenfalls betont haben, beruht das gesetzgeberische Wirrwarr auf der Sportart des schnellen Geldes und der Abzocke, der sich viele und sogar mit ausgezeichneten Leistungen widmen! So geschah es auch mit dem Gesetz N. 4014/2011 über die Regulierung der Schwarzbauten und die Ausübung der daraus entspringenden Aufgaben und Pflichten des Architekten.

Was also los ist? Es wird zu einem außerordentlich hohen Anteil (der gemäß den ersten Anzeichen 90% der Fälle zu übersteigen scheint) beobachtet, dass mit der griechischen Mentalität und Realität unvertraute Ausländer hauptsächlich in der Provinz mit vielen (baurechtlichen) Verstößen behaftete Immobilien kauften, über deren Existenz sie nicht nur nicht informiert waren, aber auch keinerlei Argwohn hegten, obwohl während des Verfahrens des Kaufgeschäfts Makler, Rechtsanwälte, Architekten, Notare und in etlichen Fällen auch öffentliche Behörden involviert waren.

Immobilienkäufern wurden Rechtswidrigkeiten verschwiegen

Heute befinden sich diese Menschen (soweit sie über das Gesetz informiert wurden) vor einer Situation, die sie als für ihre Heimatländer und speziell jene, in denen das Eigentum ein heiliges Recht darstellt und von dem Staat geschützt und effektiv kontrolliert wird, unvorstellbar nicht zu begreifen vermögen. Und das Thema ist nicht nur finanziell (Geldstrafen, Architekten-Honorare usw.), sondern hauptsächlich ein Thema des Prinzips – und hier liegt der Punkt, wo es sich in ein Thema der Glaubwürdigkeit unseres Landes verwandelt.

Die ausländischen Eigentümer wehren sich dagegen, zu zahlen, gleich ob die Geldstrafe 500 Euro oder 50.000 Euro beträgt, weil sie erachten, dass sie – obwohl sie rechtmäßig handelten – ohne jeglichen Schutz durch den griechischen Staat betrogen wurden, obwohl sie als Ausländer sogar durch spezielle Bestimmungen der griechischen Verfassung geschützt werden. Es handelt sich um klein- und mittelständische ausländische, ehrbare und nichts ahnende Bürger, die hauptsächlich kleine Wohnungen und Häuser zu dem Zweck kauften, jedes Jahr während der Periode ihrer Urlaube die Schönheit der griechischen Landschaft, der Strände und der Inseln des Landes zu genießen, und viele von ihnen in der Erwartung, mit dem Eintritt in den Ruhestand dauerhaft im Land zu verbleiben.

Dieser wirklich der Entwicklung dienende Markt erlitt abgesehen von dem Fehlen eines nationalen Grundbuchs fortwährende Rückschläge durch die Einschränkung der Bebauung außerhalb eines Bebauungsplans, die nationale Flächennutzungsordnung des Ministers Souflias, Dutzende von Steuern, die aktuelle Abzocke mittels der DEI und jetzt das Thema der Legalität der Immobilien, welches das in Rede stehende Gesetz mit Getöse aufwarf und in Kürze – sofern nicht reagiert wird – den Grabstein für das einzige „exportfähige“ Produkt dieses Marktsektors und die Bauaktivität darstellen, die so wie so bereits schwer geprüft ist.

Das, was also die heutigen und morgigen Regierungen erkennen müssen, ist die Rechnung, die sie zu zahlen aufgefordert sein werden, wenn ihnen diese von dem Europäischen Gerichtshof zugehen wird, da bereits etliche Eigentümer die Anfechtungsverfahren in Gang gesetzt haben. Speziell für Kreta, wo das Problem intensiver zu sein scheint, haben internationale Veröffentlichungen und elektronische Beiträge sogar begonnen, den Immobilienmarkt im Land in den dunkelsten Farben zu skizzieren und rufen die Bürger auf, sich anderweitig zu orientieren.

Damit wir uns nicht mit Überraschungen konfrontiert finden, wäre es also gut, im Rahmen des in Rede stehenden Gesetzes zur Einführung spezieller Bestimmungen zum Schutz der ausländischen Besitzer von Immobilien in Griechenland zu schreiten.

(Quelle: Vradyni, Autor: Takis Kobras, deutsche Übersetzung: griechenland-blog.gr)

  1. harald8484
    15. Januar 2012, 23:19 | #1

    Hände weg von einem Immobilienkauf in Griechenland. Mir ist es genauso wie im Artikel beschrieben ergangen. Habe bereits 4500 Euro plus Architektenhonorar für die „Legalisierung“ bezahlt, von der niemand zu sagen vermag, was nach 30 Jahren sein wird. Des weiteren werden Ausländer – auch wenn sie „non-Greek tax resident „sind – mit allen (un)möglichen Sonderabgaben und Steuern schikaniert. Niemand kann zur Zeit genaue Auskunft geben, was / wie / wann / womit berechnet wird und was zu zahlen ist.

  2. Schumacher
    16. Januar 2012, 10:29 | #2

    hallo harald8484,
    auch ich bin betroffen. architekt war da, habe 14.000,– EURO (incl. architekthonorar) zu bezahlen, allerdings noch nicht bezahlt. wie du angemerkt hast, weiss jeder etwas und keiner was genaues. sind z.b. bauten aus 1991 den heutigen regelungen unterworfen? damalige baugenehmigungen könnten ja ganz anders gewesen sein. ich habe ein haus aus dieser zeit im jahre 2007 gekauft. mein rechstanwalt hatte die angelegenheit geprüft und hätte meines erachtens feststellen müssen, daß abweichungen von baugenehmigung zu bauausführung bestehen. d a f ü r hat er doch die 1.500,– EURO bekommen.
    sollten wir eventuell zu einer interessengemeinschaft aufrufen um gemeinsam etwas zu unternehmen?
    alle betroffene bitte melden!
    der (noch) griechenlandfan

  3. Andreas
    16. Januar 2012, 13:23 | #3

    Ist schon lustig, da realisiere ich als deutscher Architekt der in Griechenland lebt + arbeitet zum ersten Mal, das es hier tatsaechlich keine neutrale Anlaufstelle gibt, um vor dem Kauf diese Dinge abzugleichen. Das verrueckte ist, bisher war das auch in Niemandes Interesse.

  4. miks
    16. Januar 2012, 15:11 | #4

    habe vor 2 jahren eine immobilie in patras gekauft .alles kein problem!

  5. aftoforakias
    16. Januar 2012, 15:58 | #5

    endlich mal wieder coole geschaefte für arme griechen…hehe

  6. lucy sky
    17. Januar 2012, 09:28 | #6

    @Schumacher
    Ich bin schon ueber 14 Jahre in GR und werde auch trotz aller Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten Griechenlandfan bleiben. Die Griechen stehen vor den gleichen Problemen, haben aber den Vorteil, das System zu kennen, da sie ein Teil davon sind. Ohne meinen griechischen Mann haette ich vielleicht auch schon aufgegeben.

  7. Roland Lampp
    17. Januar 2012, 11:50 | #7

    Ich habe fuer 4 qm Dach ueber 5000.- Euro bezahlt. Ich moechte mich der Klage am Europ. Gerichtshof anschliessen. Wer weiss Rat ?

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