Ephraim, Vatopedi und Habgier eines Mönchs in Griechenland

28. Dezember 2011 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 1.183

Die in Zusammenhang mit dem Vatopedi-Skandal in Griechenland angeordnete Inhaftierung des Abts Ephraim bewirkte heftige Reaktionen im Inland als auch Ausland.

Die im Rahmen der in dem sogenannten Vatopedi-Skandal in Griechenland seit Jahren andauernden gerichtlichen Ermittlungen kurz vor Weihnachten (konkret am 23.12.2011) verfügte vorläufige Inhaftierung des Abts Ephraim (Εφραίμ) des Klosters Vatopedi der Mönchsrepublik Athos rangiert nach wie vor an der Spitze der aktuellen Tagesthemen.

Abgesehen von allen übrigen Aspekten (wie speziell auch der heftigen politischen Intervention aus Russland) kommentiert Lori Keza (Λώρη Κέζα) hinsichtlich der Sache als solcher die gegen den Abt des Klosters Vatopedi gerichtlich angeordnete Untersuchungshaft in einem am 27.12.2011 in der Zeitung To Vima publizierten Beitrag, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Immobilienskandal Vatopedi – Habgier eines Mönchs

Bevor wir uns in irgendwelchen Auslassungen über die vorläufige Inhaftierung (des Abts Ephraim) ergehen, müssen wir uns zusammenfassend die Sache in Erinnerung rufen:

Es gibt also einen See dort zwischen Xanthi und Rodopi, der dem Kloster Vatopedi gehört. Der See „gehört“ dem Kloster auf die bekannte Weise, sprich gemäß dem seit tausend Jahren aufbewahrten türkischen Zettel. Anmerkung: Der griechische Staat akzeptiert die Echtheit der „Goldenen Bullen“, weil auf solchen auch das Eigentum des ökumenischen Patriarchats in der Türkei basiert. Wo es bei den Eigentumsverhältnisse „hakte“: Der griechische Staat betrachtet alle Ufergebiete als staatliches Gelände. Es wurde also ein gerichtliches Verfahren angestrengt um zu sehen, wer bzw. was obsiegen wird, nämlich die „Goldene Bulle“ oder die (gesetzlichen) Bestimmungen bezüglich des öffentlichen Charakters des Sees.

Der griechische Staat verzichtete auf die Ansprüche und der See ging offiziell in das Eigentum des Klosters über. Der einzige erzielbare Profit bestand darin, weiterhin Geld von den Fischern einzutreiben! Das Gebiet steht unter dem Schutz des Ramsar-Abkommens und darf nicht bebaut werden. Es handelt sich um eine dermaßen schöne Landschaft, dass möglicherweise sogar der atheistische Besucher an die Existenz Gottes glauben wird. Ein idealer Ort für Meditation und Gebet. Aber, von wegen, nachdem das Kloster zum Eigentümer des Sees wurde, beschloss es, ihn loszuwerden. Es gab ihn an den Staat zurück, im Tausch gegen ein Gebäude von 20.000 qm in der Lage Thrakomakedones und eine Fläche von 860 Hektar bei Ouranopouli (auf Halkidiki) – welche Immobilien an Offshore-Gesellschaften gingen.

Bei diesem ganzen Verfahren fehlen für den Transfer notwendige Unterlagen, werden Akte wie die Veröffentlichung der Beschlüsse im Regierungsanzeiger unterlassen und erfolgen Telefonate seitens Karamanlis‘ „Pfarrerskinds“: „Helft etwas nach, um dem „alten Mann“ (sprich Abt) zu helfen“. Der „alte Mann“ bzw. Abt, der gar nicht einmal so „alt“ (nämlich heute fünfundfünfzigjährig) ist, geht im „Maximou“ ein und aus (Anmerkung: das Gebäude „Megaro Maximou“ beherbergt das Büro des jeweiligen Premierministers). Der Abt Ephraim war ein regelnder Faktor im politischen Leben, jedoch bezieht sich der Beschluss über seine Inhaftierung weder auf seine politische Rolle, noch auf seine Popularität in den weltlichen Kreisen, und auch nicht auf seinen Einfluss auf die Russen.

Zur Essenz: Die dreisitzige Kammer des Berufungsgerichts beschloss die vorläufige Inhaftierung des Abts wegen der ihn belastenden Beschuldigungen bezüglich der Anstiftung zu Betrug, Geldwäsche und Erwirkung unwahrer Bescheinigungen. Wir werden überhaupt nicht auf die Diabetes und Bandscheibenleiden umfassende theatralische Inszenierung eingehen. Was überrascht, ist die Massenreaktion zu Gunsten des Angeklagten. Wir übergehen den rechtlichen Part, vergessen die verlorenen gegangenen Unterlagen, die umgangenen Verfahren, die erfolgten Urkundenfälschungen. Wir können jedoch nicht das Gesamte, das Aushecken des teuflischen Plans über den Tausch eines Sees gegen Immobilien vergessen, die dutzende Millionen Euro wert sind.

Aus welchem konkreten Grund wurde der Abt Ephraim zum Mönch? Um sich zu bereichern, um sich Vermögen anzueignen, um das Volk zu übervorteilen? Es ist paradox, dass die Gläubigen die Gier, die Bereitschaft, sich – sei es auch zu Gunsten des Klosters – alles unter den Nagel zu reißen, zu vergeben sputen. Normalerweise hätten all jene, die in den Kirchen ein- und ausgehen, sich bekreuzigen und Athos besuchen, bezüglich einer Person vorsichtig sein müssen, die keinerlei Anzeichen der Beherrschung zeigt. Der Abt Ephraim agierte als Nimmersatt, was nicht mit den Grundsätzen seines Bekenntnisses vereinbar ist.

Wenn seine Anhänger schon nicht die rechtliche Seite der Sache zu begreifen vermögen, sollen sie zumindest bei dem Status verbleiben: er ist ein Abt, nicht ein Händler in (dem Athener Nobel-Vorort) Kolonaki.

(Quelle: To Vima)

  1. Monalisa
    28. Dezember 2011, 20:43 | #1

    Ich werde aus der ganzen Sache nicht schlau. So wie ich das mitbekommen habe, haben sich der Abt und seine Mönche keinen aufwändigeren Lebensstil geleistet, oder sich persönliche Vorteile verschafft. Ich denke, es ging eher darum, das Kloster, welches sie vor einiger Zeit im maroden Zustand übernommen haben, wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Jesus hätte das mit Sicherheit nicht gut gefunden. Noch schlimmer finde ich, wie sich die Politiker über den Tisch ziehen lassen, oder selber mitgespielt haben. Den Abt hat man jetzt am Wickel, gegen die verantwortlichen Politiker geht man aber anscheinend nicht vor. Für die soll die Sache verjährt sein?

  2. muss sowas sein………
    28. Dezember 2011, 20:47 | #2

    Egal wie man zur Kirche steht –
    persönlich hab ich eher ein Problem damit, wenn man sich so bereichert und doch genau weiß,
    daß die Anzahl der Menschen in Griechenland ständig steigt,
    was Armut und Not betrifft.
    Und das mit den „göttlichen 10 Geboten“ in Einklang zu bringen, hilfe – das fällt mir wirklich schwer!

  3. Apateonas
    28. Dezember 2011, 23:58 | #3

    Aktuelle Pressemeldungen sprechen von einer Summe von 100 Millionen Euro, die gewaschen worden sein soll…! Wenn das annähernd stimmt, frage ich mich wieder mal: Warum muss die griechisch orthodoxe Kirche eigentlich keine Steuern zahlen? Da mir diese Frage bis jetzt keiner so richtig beantwortet hat, habe ich das hier gefunden:
    http://videos.arte.tv/de/videos/euro_krise_griechisch_orthodoxe_kirche_muss_steuern_zahlen-3277852.html

    Um mich meinen Vorrednern anzuschliessen möchte ich mal Jesus zitieren:
    „Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern 2 und sprach: Auf Mose’s Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. 3 Alles nun, was sie euch sagen, daß ihr halten sollt, das haltet und tut’s; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht tun: sie sagen’s wohl, und tun’s nicht.“ Mat. 23:2

  4. Ottfried Storz
    29. Dezember 2011, 09:07 | #4

    Ist es eine Überraschung, wenn im korruptesten Land der EU (nach Transparency International) so etwas bekannt wird ?
    Auch die Höhe überrascht Insider nicht, denn es gab auch hunderte Großaufträge des Staates, bei denen zwei- bis dreistellige Millionenbeträge an Bestechungsgeld flossen.
    Ich kann mich bislang in keinem Fall an Verurteilungen irgendwelcher Politiker erinnern.
    Gute Artikel hierzu:
    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36145/1.html

    http://www.cicero.de/weltbuehne/geschaeftst%C3%BCchtige-moenche-vom-berg-athos-unheilige-heilige/47631?print

  5. Maria
    29. Dezember 2011, 19:10 | #5

    @ Apateonas
    Keine Kirche zahlt Steuer, egal wo…

  6. muss sowas sein………
    29. Dezember 2011, 21:21 | #6

    Weiß zwar nicht wo „Transparency International“ immer die „genauen Daten“ hervorzaubert,
    nur weiß man auch, daß Papier geduldig ist –
    also wenn ich mir da die Nachrichten von DE angucke…, da weiß ich nicht wirklich –
    ob da Deutschland so abgeschlagen ist, was Korruption oder Vetternwirtschaft betrifft……. oder haben wir da manchmal so ein Kurzzeitgedächtnis?
    Vielleicht sollten wir eher mal an die Menschen (die breite Bevölkerung) denken, die nicht in den Genuß der Millionenbeträge gelangt sind – und die am Ende doch sie Suppe auszulöffeln haben,
    denke – das würde keinem schmecken, wenn es ihn selbst betrifft.

  7. Apateonas
    30. Dezember 2011, 14:27 | #7

    @ Ottfried Storz
    Danke für den SEHR interessanten Artikel auf http://www.cicero.de !
    Wenn man den liest fragt man sich was dieser Abt Ephraim mit Christus gemeinsam hat…NICHTS!
    Zitat:
    „Doukas (Vertreter des Finanzministeriums) hält die Brüder inzwischen nicht mehr so sehr für raffinierte Betrüger als vielmehr für die verschlagensten Geschäftsleute, mit denen er je zu tun gehabt hatte. „Ich sagte ihnen, am besten sollten sie das Finanzministerium übernehmen“, erzählt er.“
    „…Deshalb befragte ich ein paar nach dem Zufallsprinzip ausgewählte vermögende Griechen, die ihr Geld im Immobilien- oder Finanzgeschäft gemacht hatten. Sie setzten den Wert der Immobilien und Finanzanlagen der Mönche irgendwo zwischen 700 Millionen und 1,5 Milliarden Euro an. Dieser Wert war aus dem Nichts erwachsen, seit das Kloster unter neuer Leitung stand. Dabei hatte es anfangs ausschließlich mit Vergebung gehandelt.“

    @ Maria
    Wer Geschäfte in solchem Umfang betreibt, muss keine Steuern bezahlen, NUR weil auf dem Etikett „Kirche“ drauf steht??? Ich kann die Empörung in weiten Teilen der Bevölkerung sehr gut verstehen!

  8. Maria
    30. Dezember 2011, 19:59 | #8

    @ Apateonas
    …nur nicht missverstehen, ich bin auch dafür, dass die Kirche Steuer zahlt, denn wer Geschäfte macht soll zur Kasse gebeten werden, mit oder ohne Kutte!

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