Begründung der Inhaftierung des Abts Ephraim in Griechenland

30. Dezember 2011 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 618

Der Gerichtsbeschluss über die Inhaftierung des Abts Ephraim des Vatopedi-Klosters in Griechenland charakterisiert den Mönch als Person mit Hang zu krimineller Aktivität.

Die Berufungsrichter, die über die vorläufige Inhaftierung des Abts Ephraim entschieden, lasten dem Abt des Klosters Vatopedi in der Mönchsrepublik Athos die affektierte Planung und Ausführung von Straftaten an und charakterisieren ihn als Person mit Hang zur kriminellen Aktivität. Die Begründung des Beschlusses (Nr. 3682/2011), in welcher der Position der zuständigen Untersuchungsrichterin stattgegeben wird, die sich für die vorläufige Inhaftierung aussprach, führt an, dass der Abt Ephraim „eine Person mit Hang zur kriminellen Aktivität als Element seiner Persönlichkeit sei und geschickt und methodisch agiere„.

Die Richter erachten ebenfalls, dass die Gefahr der Ausübung neuer Straftaten existent sei: „… angesichts dessen, dass der Angeklagte, der führendes Hirn und Inspirator der obigen Handlungen war, weiterhin den Status des Abts des Vatopedi-Klosters beibehält, besteht die Gefahr, dass er seine Eigenschaft wieder zur Verübung anderer mit denen verwandter Handlungen nutzt, die ihm mit der Anklageschrift begangen zu haben angelastet werden„. Weiter betonen sie, dass die Angelegenheit der Eigentumsverhältnisse der Ufergebiete und die Klagen des griechischen Staates zur Wiedererreichung seines Eigentums an Immobilien anhängen, die gegen den Vistonida-See getauscht wurden.

Richter sehen Gefahr der Ausübung weiterer Straftaten

Wie in dem Beschluss angeführt wird, „… ist, wenn der Angeklagte auf freien Fuß gesetzt wird, sehr wahrscheinlich, dass er auch andere Verbrechen begeht, da der Rechtsstreit mit dem Fiskus über die strittigen Ländereien weitergeht, wobei auch sein gezeigtes außerordentliches Talent in der Ausarbeitung der strittigen Straftaten und die Begabung theatralischer Überzeugungskraft bei diversen Personen mit verschiedenen Zuständigkeitsbereichen zur Berücksichtigung kommt„.

Die Berufungsrichter betonen, dass Ephraim seine Taten anhaltend ab Ende Dezember 2001 bis 2008 ausübte und es fertig brachte, juristische Berater und Beisitzer des staatlichen Rechtsbeirats zu überzeugen, für das Kloster vorteilhafte Beschlüsse über dessen Eigentümerschaft an dem See und den Ufergebieten zu erlassen, Staatsekretäre, Ministerialbeschlüsse zur Genehmigung der Gutachten zu erlassen und keine Besitzrechte des Staates an diesen Flächen zu erheben, Minister, Beschlüsse über den Tausch des Sees und der umliegenden Ländereien zu erlassen und dieses Verfahren der staatlichen Immobiliengesellschaft (KED) mit sich zur Bebauung oder touristischen Nutzung anbietenden öffentlichen Immobilien anzutragen. In dem Beschluss wird ebenfalls angeführt, dass der Abt „sich bereits mit der Auffindung solcher Immobilien befasst hatte„, und betont, dass sowohl die zuständigen Bediensteten der KED und die zuständigen Beamten des Ministeriums für Agrarentwicklung als auch die Notarin, welche die einschlägigen Verträge errichtete, „überzeugt“ wurden, dem Kloster sogar auch mit Forstimmobilien und Immobilien von archäologischem Interesse zu dienen.

Bezüglich der Notarin wird gar angeführt, dass sie dazu gebracht wurde, wahrheitswidrig auszuweisen, dass der See und die umliegenden Flächen dem Kloster gehören und die zum Tausch vorgesehenen Immobilien unter die Agrargesetzgebung und nicht unter die Forstgesetzgebung fallen.

Uneinigkeit zwischen Untersuchungsrichterin und Staatsanwalt

Dem von Ephraim vor dem Rat der Berufungsrichter vorgebrachten Argument, er könne nicht in Untersuchungshaft genommen werden, weil auch die Minister nicht belangt werden, die als Mittäter oder Urheber beteiligt gewesen sein sollen, wurde nicht von den Berufungsrichtern akzeptiert, die sich der gemeinsamen Überzeugung der Untersuchungsrichterin, aber auch des Staatsanwalts anschlossen, dass zu Lasten des Abts ernsthafte Indizien für seine Schuld hervorgehen. In dem Beschluss wird angeführt, dass in dieser Hinsicht keine Meinungsverschiedenheit zwischen der Untersuchungsrichterin Irini Kalou und dem Staatsanwalt Panagiotis Matzounis bestand.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, der die Verhängung einschränkender Auflagen gegen den Abt verlangte, stellte jedoch weder „persönliches Eigeninteresse“ noch „kriminellen Hang“ des Angeklagten fest, da – wie er betont – „seit der Vollendung seiner Handlungen, die er begangen haben soll, ungefähr dreieinhalb Jahre verstrichen sind, ohne dass eine weitere kriminelle Aktivität hervorgeht„. Er erachtete ebenfalls, dass Ephraims Ziel der Wiederaufbau und der Glanz des Klosters waren.

Immobilien sollen auf Druck der Regierung getauscht worden sein

In dem Versuch, die ihm angelasteten schweren Anschuldigungen zurückzuweisen, argumentierte Ephraim vor der Untersuchungsrichterin, dass die Immobilientausche von der damaligen Regierung der Nea Dimokratia (ND) auferlegt wurden und mehr oder weniger eine Einbahnstraße darstellten: „Wir wollten die Immobilientausche nicht, aber sie wurden uns von der damaligen Regierung auferlegt, damit die lokalen Träger zufriedengestellt werden, die uns dort nicht haben wollten …

Auf die Frage der Untersuchungsrichterin, warum sie die Tausche nicht abgelehnt hätten, nachdem sie diese nicht wollten, antwortete der Angeklagte: „Unsere Rechtsberater überzeugten uns, dass wir keinen anderen Ausweg hatten, weil wir anderenfalls langjährige Konflikte haben würden, was wir nicht wünschten.“ Ephraim meinte ebenfalls, dass seine Motive immer „edel“ und ohne die Absicht waren, den Staat zu betrügen: „Wir hatten immer edle Beweggründe. Wir wollen auf empirische Weise in der ganzen Ökumene die Wahrheit der Orthodoxie bezeugen, und alle Patres und ich opfern uns Tag und Nacht demütig für das Volk Gottes auf. Wir haben in keiner Handlung von uns eigennützige Antriebe und versuchen mit unseren bescheidenen Kräften, den sich uns nähernden Menschen Trost zu spenden.

Bezüglich seiner Besuche im Megaro Maximou schließlich argumentierte Ephraim, dass diese zum Zweck der Zustellung von Einladungen erfolgten und seine Unterhaltungen mit Ioannis Angelou, dem ebenfalls in der Sache angeklagten Stabsleiter des damaligen Premierministers Konstantinos Karamanlis, sich auf Themen in Zusammenhang mit der Tradition von Athos und nicht dem Kloster bezogen, außer nur einmal, als er ihm Beschwerden über die Regierung und deren Weigerung ausdrückte, ihnen die Verwaltung des Sees zu geben, jedoch ohne dass jener (I. Angelou) irgendein Interesse zeigte.

Ephraim, der am Morgen des 28. Dezember 2011 in die Haftanstalten Korydallos eingewiesen wurde, wird in Zelle 2 des sechsten Flügels der Strafvollzugsanstalt einsitzen. Er äußerte den Wunsch, in der Zelle allein zu sein, um seine religiösen Pflichten auszuüben und zu beten, welchem Begehren von der Gefängnisdirektion stattgegeben wurde.

(Quelle: in.gr)

  1. Schluss mit lustig
    30. Dezember 2011, 18:34 | #1

    Wir leben seit 8 Monaten in Griechenland – Davor waren wir die letzten
    25 Jahre in vielen Staaten Europas – USA – und den arabischen Ländern
    eingesetzt.
    Was wir hier in Griechenland erleben ist unglaublich.
    Genau so wie die Geschichte über den
    ehrenwerten Kirchenmann, verhält sich die Mehrheit der Griechen im
    Umgang mit Ihrer momentanen Situation. Durch den betrügerisch
    gegaunerten EU Beitritt glaubt man nun an eine Art kollektive
    Zwangsadoption welche den Griechischen Bürger auf Ewigkeit berechtigt
    sich selbst zu alimentieren. Mit welcher Dekadenz und selbstgefälliger Ignoranz
    der Umgang mit den bestehenden Problemen angegangen wird ist nicht
    nachvollziehbar.
    Betrügereien gehören hier zur Tagesordnung und zum guten Ton.
    Wir haben unsere Konsequenzen daraus gezogen.
    Ab 02. Januar arbeitet für uns kein Grieche mehr.

  2. Der Patriarch
    31. Dezember 2011, 10:08 | #2

    Sind in Griechenland nicht die Regierenden die Marionetten
    der orthodoxen Kirche.
    Wenn alle Heiligen und Scheinheiligen in Griechenland inhaftiert
    würden die an einem Verbrechen an Ihrem Volk schuldig sind,
    würde Kreta als Gefangeneninsel nicht ausreichen.

  3. DeSuchende
    1. Januar 2012, 12:59 | #3

    @ Schluss mit lustig
    In welcher Branche arbeiten sie in Griechenland?

  4. Schluss mit lustig
    1. Januar 2012, 18:45 | #4

    @DeSuchende
    Globalisierung, Innovationsmanagement, Sourcingmodelle und Seed Capital

  5. Christos
    2. Januar 2012, 21:41 | #5

    @Der Patriarch
    Zu Satz eins: Ja, aber umgekehrt ist es genauso: GLAUBEn Sie mir.
    Zu Satz zwei: Gut gegeben – vielen Dank für diese Steilvorlage!
    Christos

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