Arbeitslosigkeit wird in Griechenland zum Alptraum

27. Dezember 2011 / Aktualisiert: 02. Januar 2012 / Aufrufe: 1.268

Das Institut für Arbeit der gewerkschaftlichen Dachorganisationen in Griechenland prognostiziert für 2012 einen Anstieg der realen Arbeitslosigkeit auf 28 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit in Griechenland hat dramatische Dimensionen angenommen, und unter anderem speziell in Nordgriechenland, wo die statistische Quote der Arbeitssuchenden bereits heute deutlich über 20%  liegt, gleicht die Arbeitsmarklage inzwischen einem wahren Alptraum.

Der steile Anstieg der Entlassungen und die zahlreichen Unternehmensschließungen ließen die Arbeitslosenquote in ganz Griechenland in die Höhe schießen: so befinden sich auf Basis der offiziellen Daten bezeichnenderweise allein im Gebiet von Attika rund 250.000 Personen außerhalb des Arbeitsmarktes (wozu anzumerken ist, dass die reale Anzahl der Arbeitslosen in Wirklichkeit sehr viel höher liegt).

Rückfall in die Verhältnisse der 50er Jahre

Der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Arbeit der GSEEADEDY Sawas Rombolis spricht von einem Rückfall in die 50er Jahre und betonte gegenüber der Tageszeitung To Ethnos, dass auf Basis der statistischen Daten die Arbeitslosigkeit – sofern auch die obligatorische „Arbeitsreserve“ bzw. Zwangsfreistellung einbezogen wird – 2012 bei 23% liegen wird. Gleichzeitig unterstreicht er jedoch, dass unter Einbeziehung all jener Personen, die nur ein oder zwei Stunden pro Woche beschäftigt sind, aus Enttäuschung die Suche nach Arbeit aufgegeben haben oder aus anderen Gründen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen bleiben, die reale Arbeitslosenrate im neuen Jahr 28% erreichen wird. Praktisch bedeutet dies, dass 2012 die Anzahl der Arbeitslosen 1,4 Millionen tangieren wird.

Es reicht anzuführen, dass sich die Arbeitslosigkeitsraten innerhalb von 5 Jahren verdoppelt haben, wobei das Problem hauptsächlich in den großen städtischen Ballungszentren sowie in konkreten Wirtschaftszweigen und Branchen (Bausektor, Handel, Textilindustrie usw.) besonders intensiv ist.

Zur selben Zeit, wo sich die Entlassungen von Arbeitnehmern vervielfachen, nehmen die unbezahlte Arbeit und die „flexiblen“ Formen der Beschäftigung die Form einer Lawine an. Vollzeitverträge werden in Teilzeitverträge oder in Jobsharing-Verträge umgewandelt, während sich speziell in Nordgriechenland inzwischen sogar neue Formen einer „Tauschwirtschaft“ zeigen und Unternehmen die Zahlung der Löhne oder aktuell auch des Weihnachtsgelds mangels Liquidität in Produkten und Waren vorschlagen.

Es sei daran erinnert, dass Bezahlungen in dieser Form in den 90er Jahren in Russland erfolgten, als das Land von dem IWF zerschlagen wurde. Ein Zufall? Wohl kaum.

(Quelle: To Pontiki)

  1. Rico Coracao
    28. Dezember 2011, 01:01 | #1
  2. Monalisa
  3. Apateonas
    28. Dezember 2011, 11:01 | #3

    @ Rico Coracao
    Was hat ihr Kommentar mit dem obigen Artikel zu tun?

    Dieses „paramithi“ wurde hier schon mehrfach behandelt:
    https://www.griechenland-blog.gr/2011/explosiver-bodenschatz-unter-epanomi-in-griechenland/5951/

    Können sie diese „Geschichte“ mit anerkannten, nicht „griechisch verschwörten“ Pressemeldungen belegen??

    Ich habe nur das gefunden:
    http://de.nachrichten.yahoo.com/griechenland-suche-nach-öl-und-gas-international-ausschreiben-202541184.html

    Man beachte den Wortlaut: „die Erkundung“, d.h. es ist nicht 100% erwiesen!

  4. Ottfried Storz
    28. Dezember 2011, 12:30 | #4

    Pro Grieche eine Verschwörungstheorie ?
    Könnte man mit Verschwörungstheorien Geld verdienen, wäre Griechenland das reichste Land der
    Welt.
    An der nördlichen Mittelmeerküste fand man in Dutzend Ländern kaum Öl, aber angeblich sollen ausgerechnet in Griechenland gigantische Vorkommen ungenutzt herum liegen.

    Auch die Begründung des Autors für das Nichtfördern des Öls und Gas ist kurios:
    „Ganz einfach weil GR von Verräter regiert wird bzw. regiert worden ist!“
    Mein Erleben der Politiker ist total anders: Wenn es dort Ölvorkommen gäbe, dann wären die bereits längst gefördert – und das meiste Geld unversteuert ausserhalb des Landes. Denn griechische Politiker und vermögende Griechen würden keine Möglichkeit auslassen, sich zu bereichern.

    Klar steigt die Arbeitslosigkeit, wenn kreditfinanzierter Konsum nicht mehr möglich ist und die Regierungen es bevorzugen, Verbrauchssteuern und Kleinsteuern im Wochentakt zu erhöhen bzw. neue zu erfinden.
    So ganz nebenbei: Die hohe Arbeitslosigkeit kann sich mittel- undl langfristig kaum verbessern, wenn Ineffizienz und Unternehmerunfreundlichkeit so bleiben. Griechenland belegt im Länderranking der Weltbank hier den letzten Platz aller (!) EU-Staaten. Bei „Starting a Business“ weltweit Nr. 135 und bei „Protecting Investors“ sogar nur Nr. 155. Siehe
    http://www.doingbusiness.org/rankings

    Jede mittlere und grössere potenzielle Auslandsinvestor kennt diese Zahlen – und macht deshalb einen Riesenbogen um Griechenland. Das wird sich erst ändern, wenn Korruption (auch hier letzter Platz in der EU, noch hinter Rumänien und Bulgarien !) und Ineffizienz sich dramatisch verbessern. Ich kann jedoch kaum Änderungen erkennen.

  5. ouzo12
    28. Dezember 2011, 13:44 | #5

    Teilzeit, Jobsharing, Leiharbeit, befristete Beschäftigung und daraus resultierend sogar unentgeltliche A. oder Schwarzarbeit. Und natürlich Steuern, Steuern und nochmals Steuern, Armut, Obdachlosigkeit, moralischer und infrastruktureller Verfall. Willkommen in den feuchten Träumen von Rechenschiebern. Nun zeigt sich, dass die Länder Südeuropas in der Hand von kriminellen Bankenregierungen sind, die über vollkommen irrwitzige Maßnahmen die Länder über Jahre wenn nicht sogar Jahrzehnte knechten werden. Dahinter steckt nicht der Versuch der Schwächung der Eurozone als Ganzes sondern vor allem das Brechen des politischen Widerstands dieser schon seit langem als “unbequem“ eingestuften Länder und der Zurückdrängung ihrer kulturellen Eigenheiten.
    GR braucht keine höheren Steuern. Es braucht ein absolutes MINIMUM an Steuern, es braucht mutige, unabhängige Entscheider und Investoren sowie politische Konjunkturprogramme. Nur wenn Kapital reinkommt und investiert wird, entsteht Arbeit. Und wer arbeiten kann, kann Familie gründen, kann konsumieren und das Geld wieder in den Geldkreislauf zurückführen. Mit diesem Geld können Unternehmer neue Produkte herstellen und Bedürfnisse befriedigen, die wiederum neue Arbeitsplätze und neuen Konsum erzeugen. DAS ist der eigentliche Weg und DAFÜR brauchen wir Menschen mit Sachverstand, die von Politik und Finanzunternehmen unabhängig sind und Entscheidungswillen mitbringen. Offensichtlich wird dieser Weg aber nicht verfolgt, denn es besteht das Ziel, den gesamten Süden Europas arm und damit in Abhängigkeit zu halten. Man hat offensichtlich erkannt, dass die rohstoffarme Mitte/der rohstoffarme Norden Europas (ausgenommen vielleicht Norwegen) langfristig gesehen gegenüber dem rohstoffreichen und sonnendurchfluteten Süden das Nachsehen haben wird. Also werden jetzt in einer gezielten Aktion Abhängigkeiten ud Knebelverträge geschaffen. Zudem dürfte ein starkes GR dem europäisch-Amerikanischen Ziel einer militärisch erstarkten TR als Ordnungsmacht in dieser Region im Wege stehen.

  6. Ottfried Storz
    28. Dezember 2011, 17:57 | #6

    @ouzo12
    Mit dieser originellen Mischung gebührt dir der Preis für „Verschwörungstheorie des Tages“ !
    Für solch abstruse Ideen muss man gedanklich noch tief im sozialistischen 70er Jahre „Schwarzweiß“-Denken stecken, was in Deutschland fast verschwunden ist.

    Schwach ist diese Theorie u.a. in den Punkten „Geographie“ und „Rohstoff“-Kenntnisse.
    Irland ist ebenfalls massivst betroffen, liegt aber auf meinen Karten im Norden. Malta ist hingegen nicht betroffen, liegt aber meines Wissens nach noch südlicher ….

    Und das Portugal, Spanien, Italien und Griechenland „rohstoffreich“ sein sollen, halte ich für eine sehr originelle Behauptung, für die mir auch nach sehr langen Nachdenken jeglicher Beleg fehlt. Soweit ich weiß, haben die im Norden liegenden Norwegen, England und Niederlande grösser Erdöl- und Erdgasvorkommen, nicht jedoch Südländer.
    Reich sind die Südländer höchstens am Rohstoff „arbeitsloser Jungakademiker“ (Griechenland, Italien und Spanien haben höchste Jungakademikerarbeitslosigkeit), weil Arbeitsrecht kaum Kündigungen möglich macht und Jobs eh nur über Beziehungen erhältlich sind.

    In Griechenland kommt auch die nächsten Jahr kein Kapital rein, weil es total ineffizient, nicht reformfähig und höchstgradig korrupt ist.
    Wie ich schrieb: Letzter Platz in Europa in Studie zu Unternehmensattraktivität.

  7. Der Patriarch
    28. Dezember 2011, 20:35 | #7

    Mein Bruder versucht seit 14 Monaten ein Solarfeld in GR aufzubauen und mit der DEI einen
    Vertrag zu schließen. Es sollte ein Vorzeigeprojekt für zukünftige Investoren sein.
    Am 15. Januar ist Schluss – Nie wieder wird mein Bruder oder meine Familie einen Cent in diese Bananenrepublik investieren. Als Grieche der in seinem Heimatland investieren wollte
    wurde er bitterlichst enttäuscht. In Afrika wurde dasselbe Projekt in 2 Monaten realisiert – weiter werden folgen. Raus aus GR ist die Devise– der letzte soll das Licht ausmachen.

  8. Medley
    29. Dezember 2011, 16:40 | #8

    @ ouzo12

    „…und der Zurückdrängung ihrer kulturellen Eigenheiten.“

    Welche „kulturellen Eigenheiten“ meinten sie denn? Die Eigenheit der hellenischen Korruption oder die der grieschischen Vettern- und Schuldenwirtschaft? Na, da wollen wir doch alle mal hoffen, dass diese Folklore recht bald abgeschafft wird.

    „…gegenüber dem rohstoffreichen und sonnendurchfluteten Süden das Nachsehen haben wird.“

    Griechenland ist reich an „Rohstoffen“? Welche sind das denn? Olivenöl, Fetagas oder die angebrannte Gyrosfleischkohle vom „Zur Akropolis“-Restaurant um die Ecke? Na, also wirklich.

  9. admin
    29. Dezember 2011, 17:36 | #9

    Hirnlose Pöbelein und Polemik einer sachlichen Argumentationen offensichtlich unfähiger Kommentatoren sind hier unerwünscht, bitte respektiert die Netiquette.

    BTW: http://www.rechtsanwalt-griechenland.de/blog/rohstoffvorkommen-in-griechenland/

  10. Medley
    29. Dezember 2011, 19:55 | #10

    @Admin

    Vielen Dank für die Blumen. Nun gut. Rohstoffe besitzt, mit Ausnahme des Vatikanstaates, ausnahmslos jedes Land. Maßgeblich kommt es allerdings auf die vorhandene Menge und
    die daraus resultierende Bedeutung für die jeweilige nationale Volkswirtschaft, bzw. für das jährliche Bruttosozialprodukt des betreffenden Landes an, ob diese Bodenvorkommen dann auch extra erwähnenswert erscheinen, so wie User „Ouzo12“ das in seinem Posting ja explizit tut/tat.

    Hier also die Fakten:

    Exportgüter Griechenlands: 51% Industrieerzeugnisse, 20% Nahrungsmittel und Getränke, 12% Mineralölerzeugnisse, 5% Rohstoffe und Halbfertigprodukte, 4% Bergbauprodukte und Mineralien

    – Die exportierten Rohstoffe(plus Bergbauprodukte und Mineralien minus Halbfertigprodukte) machen weniger!!! als 9% aller heimischen Exportgüter aus.

    Importgüter Griechenlands: 39% industr. Konsumgüter, 24% Kapitalgüter, 13% Nahrungsmittel, 12% Brenn- und Schmierstoffe, 11% Rohstoffe

    Quelle: http://www.europa-infoshop.de/Die_Union/Lander/EU-Mitgliedsstaaten/Griechenland/griechenland.html

    Fazit: Bei 11% importierten Rohstoffen an allen eingeführten Waren ergibt sich
    also so für Griechenland ein Rohstoffhandelsdefizit von mindestens -2,0 Prozent. Der „rohstoffreiche Süden“ ist also, zumindest was Griechenland betrifft, mitnichten
    in der Lage mit seinen vorhandenen Bodenvorkommen das Ruder seines Krisenschiffes herumzureissen, so wie User „Ouzo12“ das erhofft. Muss man ja doch zugeben, oder?

    Ps. „Mineralölerzeugnisse“= Kunststoffe, Benzin, Dünger, usw.

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