Statistische Daten Griechenlands waren nicht verfälscht

21. November 2011 / Aktualisiert: 25. August 2015 / Aufrufe: 1.385

Die Europäische Kommission gesteht ein, dass die volkswirtschaftlichen Daten, auf deren Basis Griechenland in die Eurozone aufgenommen wurde, doch nicht verfälscht waren.

Griechenland steht in Europa und der ganzen Welt in dem Ruf, seine statistischen Angaben verfälscht zu haben, um im Jahr 1999, als über seinen Beitritt zur Eurozone entschieden wurde, ein geringeres volkswirtschaftliches Defizit auszuweisen. Die Europäische Kommission gesteht inzwischen allerdings ein, dass Griechenland die Voraussetzungen für seinen Beitritt zu der Eurozone damals tatsächlich erfüllt hatte, wogegen Frankreich, Spanien, Portugal und möglicherweise sogar auch Deutschland sich für ihren Beitritt zum Euro logistischer Alchemie bedienten.

Die Datenbank AMECO der Generaldirektion für wirtschaftliche und finanzielle Angelegenheiten (DG ECFIN) der Europäischen Kommission zeigt, dass Griechenland ein Defizit der Zentralregierung in Höhe von 3,07% des BIP für das Jahr 1999 hatte, in dem auch über seine Beteiligung an der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) entschieden wurde, um dieser zwei Jahre später beizutreten. Die erst Jahre später rückwirkend hervorgerufene Überschreitung der Defizitgrenze beruht auf der Änderung der Weise der Verbuchung militärischer Ausrüstungen während der volkswirtschaftlichen Inventur im Jahr 2004 unter Finanzminister Giorgos Alogoskoufis.

Geänderte Buchung der Rüstungsausgaben erhöhte Defizit rückwirkend

Bis 2004 wurden die Verteidigungsausgaben im Etat verbucht, wenn die Übergabe der militärischen Ausrüstung erfolgte. Mit der Neuberechnung wurde jedoch die Weise der Verbuchung geändert, indem die Aufwendungen im Jahr der Vertragsabschlüsse verbucht wurden, was zum Ergebnis hatte, dass Aufwendungen in vergangene Jahre transferiert wurden und somit das Defizit des Jahres 1999 rückwirkend auf über 3% des BIP stieg.

Die Ironie bei der Sache ist, dass laut einer in dem Thema bewanderten Volkswirtin die Eurostatt anwendet die Methode anwendet, gemäß welcher die Ausgaben für militärische Ausrüstung bei deren Übernahme im Haushalt verbucht werden. Griechenland hat jedoch während der ganzen Zeit nicht die Verbuchung der Aufwendungen gemäß der selben Methode verlangt, um den Ruf des Landes los zu werden, das die anderen betrogen hat, um in die WWU zu gelangen.

Beitritt zur Währungsunion mit zweierlei Maß

Es ist anzumerken, dass Frankreich, das den Euro 1999 einführte, im Jahr 1997, in dem über seine Teilnahme am Euro entschieden wurde, im Vergleich zu Griechenland ein höheres Jahresdefizit hatte: Frankreichs Neuverschuldung belief sich in dem konkreten Jahr auf 3,31% des BIP. Die revidierten Daten zeigen jedoch auch ebenfalls, dass im Jahr 1997 weder Spanien noch Portugal das volkswirtschaftliche Kriterium für die Beteiligung am Euro erfüllten. Vorstehende Länder führten den Euro 1999 ein, also zwei Jahre vor Griechenland. Für 1997 betruf das Defizit Spaniens 3,37% und Portugals 3,38% des BIP. Noch beeindruckender ist der Asteriskus, der in der AMECO neben dem Namen Deutschlands steht, worauf sich Kostas Simitis in der „Le Monde“ überhaupt nicht bezog (siehe Griechenlands Schwert ist eine Wasserpistole).

Laut der AMECO belief sich also das volkswirtschaftliche Defizit Deutschlands im Jahr 1997 auf 2,64% des BIP. Bei der Berechnung wurden jedoch nicht die mit der Wiedervereinigung Deutschlands in Verbindung stehenden Schulden und die von der Bundesregierung 1995 übernommenen Vermögensteile einbezogen, die sich auf 116,3 Mrd. Euro belaufen. Darin enthalten sind die allbekannte Privatisierungsgesellschaft „Treuhand“, die „Deutsche Kredit Bank“ und die Wohnungsbaugesellschaften der DDR.

Wahrscheinlich hat Deutschland all dies ausgeklammert, weil anderenfalls sein Defizit möglicherweise über 3% des BIP gestiegen wäre. Das Defizit der Zentralregierung musste in dem Jahr, in dem der Antrag des an dem Beitritt zur Währungsunion interessierten Landes untersucht wurde, jedoch obligatorisch unter 3% des BIP liegen. Das volkswirtschaftliche Kriterium war eins der Kriterien, welche die Beitrittskandidaten auf Basis des Maastrichter Abkommens erfüllen mussten.

Defizite und Überschüsse der Zentralregierungen Europas

Land / Gebiet 1999 1997
EU (27 Länder) – 0,98% – 2,64%
EU (15 Länder) – 0,86% – 2,56%
EU (17 Länder) – 1,41% – 2,74%
EU (16 Länder) – 1,41% – 2,74%
EU (12 Länder) – 1,38% – 2,73%
Belgien – 0.64% – 2,25%
Bulgarien 0,10% 0,83%
Tschechien – 3,71% – 3,80%
Dänemark 1,34% – 0,60%
Deutschland ** – 1,46% – 2,64%
Estland – 3.46% 2,16%
Irland 2,72% 1,12%
Griechenland – 3,07% – 5,89%
Spanien – 1,42% – 3,37%
Frankreich – 1, 76% – 3,31%
Italien – 1,73% – 2,67%
Zypern – 4,32% – 5,01%
Lettland – 3,86% 1,48%
Lithauen – 2,82% – 11,74%
Luxemburg 3,40% 3,66%
Ungarn – 5,41% – 5,87%
Malta – 7,74% – 7,70%
Holland 0,41% – 1,25%
Österreich – 2,31% – 1,81%
Polen – 2,31% – 4,63%
Portugal – 2,69% – 3,38%
Rumänien – 4,41% – 4,42%
Slowenien – 3,05% – 2,37%
Slowakei – 7,42% – 6,31%
Finnland 1,56% – 1,42%
Schweden 0,92% – 1,54%
Großbritannien 0,92% – 3,17%
Island 1,15% – 0,03%

** In der Berechnung ist nicht die Übernahme von Schulden und Vermögensteilen durch die deutsche Bunderegierung im Jahr 1995 in Höhe von 116,3 Mrd. Euro enthalten.

Quelle: Eleftherotypia

  1. Ottfried Storz
    21. November 2011, 17:06 | #1

    Der Artikel dient wohl der Ehrenrettung Griechenlands.
    Dutzende extrem relevanter Fakten werden jedoch nicht erwähnt, so dass ein völlig falsches Bild über das Ausmaß der Täuschung und/oder Datenungenauigkeit bezüglich der BIP-Verschuldung Griechenland entsteht.
    Bereits 2002 meldete die europäische Statistikbehörde Eurostat Zweifel an Griechenlands Angaben zu den Vorjahren. Nicht nur die hier erwähnten Militärausgaben waren nicht einbezogen, sondern auch umfangreiche Kosten für das Gesundheitswesen wurden nicht berücksichtigt.
    2006 überprüft Eurostat erneut die Defizitzahlen Griechenlands der vergangenen Jahre und korrigiert die griechischen Angaben für 2004 von 6,9 % auf 7,8 % und für 2005 von 4,5 auf 5,2 % BIP-Neuverschuldung.
    Dann wurde es auf griechischer Seite „kurios“: Zur „“Datenoptimierung“ werden ab 2006 illegale Geldflüsse mit in das BIP eingerechnet, etwa aus Zigarettenschmuggel, Prostitution und Geldwäsche. Durch diese einzigartig neue Berechnungsgrundlage stieg das griechische BIP plötzlich um 25,7 Prozent gestiegen – und die Verschuldung Griechenlands fiel von 107,5 Prozent auf 90 Prozent des BIP.
    Das ganze Ausmaß der bewußten Täuschung über das Ausmaß der Verschuldungstäuschung wurde nach dem Regierungswechsel im November 2009 bekannt. Bis zu diesem Zeitpunkt verkündete die alte Regierung ein Defizit von nur 3,7 Prozent. Heraus kam jedoch ein Defizit von 15,4 Prozent für 2009 !
    Siehe
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Staatsverschuldung_in_Europa.png&filetimestamp=20110724182051

  2. Elgreco
    21. November 2011, 18:19 | #2

    „Die Europäische Kommission gesteht ein, dass die volkswirtschaftlichen Daten, auf deren Basis Griechenland in die Eurozone aufgenommen wurde, doch nicht verfälscht waren.“

    Was ist daran nicht zu verstehen ?

    Es geht hier nicht um 2004, 05 oder sonst was, vielleicht sollte man die Bilanzen der anderen Staaten genau so akribisch wie die der Griechen untersuchen. Ich bin mir sicher da läßt sich interessantes finden, besonders von solchen die al lautestens schreihen.

  3. Christina
    21. November 2011, 19:40 | #3

    Schon der Aufhänger sieht mir eher nach einem Fake aus:

    „Die Europäische Kommission gesteht ein, dass die volkswirtschaftlichen Daten, auf deren Basis Griechenland in die Eurozone aufgenommen wurde, doch nicht verfälscht waren.“

    Ich habe jetzt fast eine Stunde nach einer Quelle für diese Behauptung gesucht und nicht den geringsten Beleg gefunden.

  4. Ralf
    22. November 2011, 07:38 | #4

    Ich kann mich Christina nur anschließen. Ich habe seit gestern Abend im Internet weitere Artikel zu diesem Thema gesucht und zwar nicht auf Deutsch sondern auf Englisch, Französisch und Spanisch, aber ich habe nichts gefunden.
    Wenn jemand etwas gefunden hat, dann bitte hier den Link dafür geben!!!

    Falls sich keine finden, dann geht es in der Tat nur darum das Ehrgefühl der Griechen zu puschen und die Zeitungsauflage zu steigern. Es wäre dann nur Propaganda!

    Trotzdem will ich nicht zu schnell urteilen und warte erstmal ab, ob es noch weitere Artikel und Links zu diesem Thema geben wird…

  5. Elgreco
    22. November 2011, 08:49 | #5

    Gilbt es eine offizielle Seite/Stelle, die diesen Artikel bestätigt ? Link ???
    Wenn ja, dann stellt sich schon die Frage wieso erst jetzt so eine Aussage zu tage kommt.

  6. Veronika Wiedemann
    22. November 2011, 23:23 | #6

    Ein paar negative Zahlen,
    ein paar negative Worte,

    so schnell kann die Stimmung über Menschen – ein ganzes Land – kippen,
    ob das wohl immer gerechtfertigt ist?

    Wie oft „irren“ sich Politiker mit den Zahlen – und so…., 😉 – naja, dann kann ich das nicht mehr so ernst nehmen und mich einfach nur wundern……

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