Pfandleihen in Griechenland machen goldene Geschäfte

18. November 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 577

Die Wirtschaftskrise in Griechenland beschert den Pfandleihern goldene Geschäfte, da viele Bürger gezwungen sind, Schmuck und sonstige Wertgegenstände zu versetzen.

Eine Schuldenkette nimmt das ganze Land in den Würgegriff. Die Bürger testen alltäglich ihre Belastungsgrenzen unter ungekannten Umständen wirtschaftlicher Erstickung aus. Die Planung des Familienetats steht unter kontinuierlicher Revision, ohne dass leichte Lösungen verfügbar sind, wenn einer dem anderen schuldet. Die Situation bewegt sich auf einem gespannten Seil. Daten zeigen, dass sich der Anteil all jener verdoppelte, die mit der Zahlung ihrer Miete im Rückstand sind oder / und die Wohnung wechseln und dabei die Eigentümer auf unbezahlten Rechnungen für Strom und Wasser sitzen lassen.

Einer von zehn Bürgern vermag nicht den Nachhilfeunterricht seiner Kinder zu bezahlen. Sieben von zehn Anzeigen bei der Arbeitsaufsicht beziehen sich auf die Zurückhaltung fälliger Bezüge. Schätzungsweise 40.000 Unternehmen werden nicht in der Lage sein, ihre Verbindlichkeiten gegenüber den öffentlichen Versicherungsträgern in Ordnung zu bringen. Der Index der nicht versicherten Fahrzeuge ist während der letzten drei Jahre um 50% gestiegen.

Legale und illegale Pfandhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden

Was soll man zu den in die Höhe geschossenen ungedeckten Schecks, den in den roten Bereich geratenen Krediten bei den Finanzinstituten und den öffentlichen Einnahmen sagen, die einen Sommernachtstraum darstellen? Viele griechische Bürger sind verzweifelt. Und in ihrer Verzweiflung versuchen sie, ein Licht im Tunnel der Wirtschaftskrise zu finden. Was tun sie? Um eine Rate, den elektrischen Strom, den Englischunterricht des Kindes oder den Supermarkt zu bezahlen, verpfänden die meisten, was auch immer sie haben – wie beispielsweise Eheringe, Ketten, Schmuck, Edelsteine, Fernsehgeräte, Laptops, Möbel, Gemälde, Antiquitäten, persönliche Gegenstände, sogar auch Autos oder Boote.

An zentralen Stellen in Athen, in der Nähe von Metro-Stationen, aber auch in großen Städten in ganz Griechenland schießen jeden Tag die Pfandleihen wie Pilze aus dem Boden. Die – legalen und illegalen – Pfandhäuser in Athen, von der Ermou bis zur Kaningos und von der Patision bis zur Zinonos, in Zwischenetagen und im Tiefparterre von Wohnhäusern gelegen, verzeichnen einen kontinuierlich steigenden Verkehr ihrer Kunden. Das selbe Bild auch bei Pfandleihern, die mit ihren Läden in den alten Wohngegenden der Hauptstadt angesiedelt sind und verlegen erklären, goldene Geschäfte zu machen.

Woher stammt das Kapital, wohin fließen die ungeheuren Mengen an Gold?

Die Pfandleihen stellen die „frischeste“ Finanzierungsform dar, und zwar in einem völlig trüben Umfeld sowohl hinsichtlich der Frage, woher die neuen ehrgeizigen Pfandleiher das benötigte Kapital schöpfen, als auch, wohin speziell die ungeheure Menge an Gold fließt, die sich in ihren Händen konzentriert. (Anmerkung: Angesichts des aktuellen Booms der Pfandleihen und des vermuteten Ausmaßes der damit einhergehenden Schattenwirtschaft wurde inzwischen sogar eine diesbezügliche parlamentarische Anfrage eingereicht.)

Die Wirtschaftskrise und die schwierige Lage der Griechen führen letztere immer häufiger an die Tür einer Pfandleihe. Kreditkartenschulden, Darlehen, Spielsucht, Gesundheitsprobleme, sogar auch die Deckung alltäglicher Bedürfnisse wie der Ernährung zwingen viele Bürger, ihre geliebten Gegenstände zu versetzen, weil sie Bankdarlehen nicht in Anspruch nehmen wollen oder nicht (mehr) können.

Die Pfandleiher bewerben mit von Tür zu Tür verteilten und an den Windschutzscheiben von Autos angebrachten Flyern ihre Möglichkeit, „warmes Geld“ zu bieten – mit Gegenleistung natürlich den Goldschmuck, über den fast jede Familie verfügt. Bemerkenswert ist, dass die meisten Pfandleiher Gold und Silber bevorzugen und die Gegenstände häufig gar nicht mehr beleihen, sondern gleich bar ankaufen. Andererseits gibt es jedoch natürlich nach wie vor auch noch viele Pfandhäuser, die weiterhin Schmuck und in einigen Fällen sogar auch sonstige Wertgegenstände wie beispielsweise elektronische Geräte auf konventionelle Weise beleihen.

(Quelle: Vradyni)

  1. Roman
    19. November 2011, 15:47 | #1

    Üble Nummer

    Würde mich ebenfalls interessieren, wer da Gold und Silber abschöpft und zu welchen Preisen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich da jemand für den Zusammenbruch des FIAT wappnet.

    Andererseits kommen Meldungen bezüglich Goldmenge fast zweimal wöchentlich via RiaNovosti. Ich bezweifle allerdings, dass Gold alles, was da ist, ob real oder in Form von Wissen decken kann. Es sei denn, irgendjemand befielt es.

    An die Redaktion sei noch gesendet, dass sich die Armutsspirale in Deutschland auf ähnlichen Niveaus bewegt. Hier wird ebenfalls viel verkauft, Kinder müssen sich bei Kirche und Sozialverband ihr Frühstück abholen, die Zahl der seelisch Erkrankten erreicht Furcht einflößende Ausmaße. Die Suizidraten werden mit Hinweis auf „man will ja nicht noch anfeuern“, zurückgehalten.

    Also in gewisser Hinsicht geht es sehr vielen Deutschen auch echt dreckig. Gerade, wenn man die Bildung und die Kindeserziehung anschaut.

    Daher haben wir auch mit einem Problem zu kämpfen, dass wir Brain-Drain nennen.

    Meine Freunde sind auch schon weg, schade eigentlich.

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