Griechenland beharrt auf Volksabstimmung über Kreditabkommen

2. November 2011 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 632

Der griechische Premierminister Giorgos Papandreou beharrt auf der inzwischen vom Kabinett beschlossenen Volksabstimmung in Griechenland über das neue Kreditabkommen.

Hinweis / Nachtrag: Nach den stürmischen Entwicklungen des 03.11.2011 ist die gemäß dem Nachstehenden erst am Vortag beschlossene Volksabstimmung inzwischen endgültig vom Tisch.

Die Durchführung einer Volksabstimmung zum schnellstmöglichen Zeitpunkt – möglicherweise bis Ende des Jahres – beschloss das griechische Kabinett in seiner Marathon-Sitzung, die in den frühen Morgenstunden des Mittwochs (02.11.2011) endete. Einige Minister äußerten während der Sitzung Einwände, jedoch beharrte Regierungschef Giorgos Papandreou auf seinem Beschluss, die Bürger über die in Brüssel getroffene Vereinbarung über die Umstrukturierung der Schulden Griechenlands entscheiden zu lassen. Er stellte sogar klar, dass das Dilemma des Referendums nicht „diese oder eine andere Regierung“ sei, sondern „ja oder nein zu dem Abkommen„, „ja oder nein zu Europa„, „ja oder nein zum Euro„.

In ihren Erklärungen in den TV-Medien am Mittwochmorgen (02.11.2011) unterstützten sowohl der Außenminister Haris Kastanidis (im Morgenmagazin des Senders NET) als auch der Minister für landwirtschaftliche Entwicklung Kostas Skandalidis (im Morgenmagazin des Senders Mega), dass sich die Fragestellung auf das Kreditabkommen beziehen werde. Laut Herrn Kastanidis wird die Fragestellung lauten: „Akzeptieren Sie das Kreditabkommen? Ja oder Nein?“ Er selbst schien offen dagegen zu sein, möglicherweise die Frage „ja oder nein zum Euro“ zu stellen, und meinte, die Regierung könne nicht den Weg des Landes in Europa in Frage stellen.

Die Stellungsnahmen der Minister zum Referendum

Für die Durchführung einer Volksbefragung sprachen sich während der Kabinettsitzung in ihren Stellungsnahmen Michalis Chrysochoidis (Minister für periphere Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit), Christos Papoutsis (Minister für Zivilschutz), Dimitris Reppas (Minister für Verwaltungsreform und elektronische Regierungsführung), Panos Beglitis (Verteidigungsminister) und Giorgos Papakonstantinou (Minister für Umwelt, Energie und Klimawandel) aus. Außenminister Haris Kastanidis schloss nicht die Möglichkeit aus, dass die Volksabstimmung schon bald durchgeführt wird und nicht erst wie anfänglich erachtet nach Vollendung des Kreditabkommens in seiner Gesamtheit.

Auf der anderen Seite fragte sich – immer laut Informationen – Gesundheitsminister Andreas Loverdos, wie eine Volksabstimmung über eine fundamentale Frage erfolgen könne, die das Land für die nächsten 30 Jahre verpflichtet, und behielt sich vor, endgültig Stellung zu beziehen, nachdem vorher die Fragestellung bekannt gegeben wird, welche die Bürger mit dem Referendum zu beantworten aufgerufen sein werden.

Laut den selben Informationen verlangte Bildungsministerin Anna Diamantopoulou Erklärungen bezüglich der politischen Zweckmäßigkeit, der die Entscheidung für die Volksabstimmung in der gegenwärtigen Phase dient. Die Bildungsministerin soll die Ansicht geäußert haben, dass der Beschluss von dem Regierungsausschuss zu fassen gewesen wäre und die öffentliche Unterstützung des Referendums von den Amtsträgern der Regierung organisiert werden müssen hätte.

Verkehrsminister Giannis Ragkousis meinte seinerseits, dass das Land weder direkt noch indirekt auf Wahlen zusteuern darf, und betonte, dass wir uns nicht der Kritik bloßzustellen gestatten dürfen, in Zustände der Ungewissheit in Zusammenhang mit dem Euro und der Eurozone zu führen. Er fügte wiederum an, dass mit dem Beschluss zur Durchführung einer Volksabstimmung, bei der das Volk über die Bestätigung des Kreditabkommens entscheiden soll, zum ersten Mal offiziell eingestanden wird, dass ein Thema bezüglich der Legitimierung der Regierungspolitik besteht. Der Verkehrsminister verlangte ebenfalls, die Fragestellung und den Zeitpunkt für das Referendum offen zu lassen.

Landwirtschaftsminister Kostas Skandalidis stellte seinerseits das Thema der mangelnden Informierung der Regierungsmitglieder über die Volksabstimmung und soll betont haben: „Wir hätten informiert sein müssen um homogen und nicht überrascht voranzuschreiten„.

Einstimmiger Beschluss zur Durchführung der Volksabstimmung

Laut der offiziellen Bekanntmachung, die einstimmig von allen Mitgliedern der Regierung genehmigt wurde, vereinbarte das Kabinett, dass eine Volksabstimmung erfolgt, und drückte seine absolute Unterstützung in dem Verfahren des Vertrauensvotums an die Regierung sowie auch in der Umsetzung der Beschlüsse vom 26. Oktober aus.

Wie Regierungssprecher Ilias Mosialos anführte, ist die Grundvoraussetzung für die schnellstmögliche Durchführung der Volksabstimmung die Darlegung der Basismerkmale der mit der EU erzielten Vereinbarung über die griechische Verschuldung, damit auch die einschlägige Frage klar formuliert wird, die den Bürgern zur Beurteilung gestellt werden wird.

Mit der Gesamtheit der zu klärenden technischen Abläufe, dem Zeitpunkt der Durchführung des Referendums und der Fragestellung wird sich ein Ministerausschuss befassen, der seine Vorschläge relativ schnell dem Kabinett vorlegen wird, damit – sofern möglich – die Bürger bis Ende des Jahres in der Volksabstimmung entscheiden.

„Ja“ oder „Nein“ zum Euro

In seiner Rede während der mehrstündigen Kabinettsitzung schloss der Premierminister erneut die Möglichkeit vorgezogener Wahlen aus und führte an, dass „wir in eine Situation der Gefahr und des Bankrotts gezogen werden könnten„.

Der Premierminister stellte klar, dass das Dilemma des Referendums nicht „diese oder eine andere Regierung„, sondern „ja oder nein zum Abkommen„, „ja oder nein zu Europa„, „ja oder nein zum Euro“ sei. Dagegen betonte er, „die Volksabstimmung wird einen klaren Auftrag darstellen und eine klare Mitteilung innerhalb und außerhalb Griechenlands über unseren europäischen Kurs und unsere Teilnahme am Euro sein„.

Weiter führte Herr Papandreou an, dass das Ziel der Regierung in der gegenwärtigen Phase die Auszahlung der 6. Rate im November sei, damit eine signifikante Verstärkung der Liquidität des Marktes erfolgt – was bedeutet, dass die Regierung ihre Verpflichtungen nicht im „Leerlauf“ angehen kann.

Partner werden Griechenland respektieren und stützen

Der Premierminister erkannte an, dass die Partner in Zusammenhang mit dem Referendum besorgt sind und sich wünschen würden, dass in Griechenland alles ruhig ist. Er betonte jedoch, dass alle einschlägig informiert waren und „die Bemühungen des Landes respektieren und stützen werden„.

Herr Papandreou bezog sich ausführlich auf den Entschluss zur Volksabstimmung und die damit hervorgerufenen Reaktionen und betonte, dass dieser Beschluss auf der Basis der Forderung und der Notwendigkeit gefasst wurde, dass das Land voranzuschreiten hat. Außerdem sind, wie er äußerte, die Volksabstimmungen in den Wahlverpflichtungen der PASOK-Partei enthalten und stellen auch ein von der Verfassung vorgesehenes höchstes demokratisches Verfahren dar.

Bezüglich der Reaktionen auf das Referendum sprach Herr Papandreou von „unerhörtem Geschwätz und blindwütigen Reaktionen, die das Recht des griechischen Volkes unterminieren wollen“. Und fügte an, dass diejenigen, die sich widersetzen, „ein Gefühl von Gefahren schaffen wollen, also dass Gefahren bestehen, wenn das griechische Volk sich äußert“, und charakterisierte diese Auffassung als „antidemokratisch“.

Attacke gegen „etablierte Interessen“ und Oppositionsparteien

Herr Papandreou übte schärfste Kritik an wirtschaftlichen und anderen Interessen, aber auch Parteien der Opposition und speziell der Nea Dimokratia (ND). „Ein erheblicher Teil der politischen Welt unternahm zusammen mit etablierten Interessen jede Anstrengung, die Ergebnisse des Gipfeltreffens zu demontieren„, betonte er und wies darauf hin, dass keiner der politischen Führer Stellung zu der Substanz des Beschlusses benommen hat. Ebenfalls fügte er an, dass alle die Umsetzung der Vereinbarung wollen, sich jedoch hinter der Regierungsmehrheit verstecken und überall Auflösung verursachen.

Der Premierminister beschied in alle Richtungen und betonte, dass „wir beschlossen haben, dass rechtliche Ordnung gegenüber der Rechtlosigkeit vorherrscht, die sich speziell auf die großen Interessen und verschiedene Privilegierte bezieht„, und diese Anstrengung die breite Unterstützung des griechischen Volkes benötigt.

Herr Papandreou stellte ebenfalls die Frage: „Was hat sich geändert und brachte die anderen Parteien sowie auch die meisten Massenmedien dazu, gegen diesen Vorschlag zu toben, der zumindest in Ruhe und Nüchternheit zu diskutieren gewesen wäre?“ – und gab auch selbst die Antwort: „Es ist klar, was sich geändert hat. Grundsätzlich wurde ein neuer Kredit vereinbart, gewisse Bankiers machen sich Sorgen, gewisse Massenmedien sind überschuldet, während parallel die Untersuchung der Guthaben in der Schweiz voranschreitet. Alle, die auf den Bankrott des Landes spielten, haben begriffen, dass sie ihr Geld verloren haben – und das selbe auch alle, die auf die Rückkehr zur Drachme setzten. Für all diese wurde die Volksabstimmung plötzlich etwas Schreckliches und Furchtbares wurde. Die Opposition, die glaubte, dass wir es bei dem Gipfeltreffen nicht schaffen würden, und auf unseren Fall hoffte, sieht, dass sie sich mittels der Volksabstimmung in der Ecke wiederfinden kann, weil sie nicht kommt, um positiv beizutragen. All diese fürchten das Volk. Sie sprechen angeblich im Namen des Volkes, fürchten jedoch sein Urteil„.

Über die Guthaben griechischer Bürger in der Schweiz

Der Premierminister bezog sich auch auf die Initiative der Regierung, die Guthaben von Griechen in der Schweiz zu besteuern, und betonte, dass es sich um dem Volk „gestohlenes Geld“ handelt.

Die Wette der Regierung – führte er ebenfalls an – ist, die Gesellschaft zu ändern, und dies ist außer der Rettung des Landes vor dem Bankrott die historische Herausforderung, die – wie er sagte – fast vollendet worden ist. Und er fügte an, dass in Zusammenhang mit der Initiative bezüglich der Volksabstimmung bereits Beistandserklärungen sowohl von Regierungen als auch von Führern anderer sozialistischer Parteien vorliegen.

Er betonte ebenfalls, dass die Turbulenz auf den Märkten vorläufig sein wird und ergänzte, dass die Genehmigung des neuen Abkommens per Volksabstimmung zugunsten Griechenlands sein wird, weil „alle mobilisiert werden, damit die Beteiligung des privaten Sektors erfolgreich ist„.

Der Premierminister beschuldigte schließlich ND, LAOS und Dora Bakogianni, „sich an den Grenzen einer institutionellen Entgleisung zu bewegen„, indem sie unverhohlen Abgeordnete der PASOK-Partei ermuntern, die Regierung bei dem Vertrauensvotum am Freitag zu stürzen. „Es ist nötig, dass wir diesem historischen Moment alle mit Verantwortung begegnen„, endete er.

Erneute Sitzung des Zentralkomitees der PASOK-Partei

Bei der Kabinettsitzung wurde ebenfalls eine erneute Sitzung des Zentralkomitees der PASOK-Partei beschlossen, mit Gegenstand die politischen Initiativen, welche die Regierung bis zur Durchführung des Referendums gemäß den Vorschlägen zu ergreifen hat, welche die Abgeordneten einreichen werden.

Während der Sitzung des Kabinetts erfolgte eine detaillierte Diskussion über die heftigen Entwicklungen im Zentralkomitee der PASOK-Partei nach der Erklärung der Frau Apostolaki, sich angesichts des kritischen Wahlgangs für das Vertrauensvotum an die Regierung als unabhängig zu erklären.

Wie Regierungssprecher Mosialos äußerte, zeigte sich die Regierung geschlossen und betonte, dass die Abgeordneten der PASOK-Partei der Regierung ihr Vertrauen aussprechen werden. Bezüglich der Haltung der Oppositionsparteien gefragt, kommentierte er sogar: „Wozu ihre Angst? Erst wollten sie das Kreditabkommen nicht und jetzt wollen sie, dass es genehmigt wird„.

(Quelle: in.gr)

  1. Weisemutter
    3. November 2011, 07:04 | #1

    Mir tun die Griechen nur noch leid. Sie werden jetzt wochenlang einer Gehirnwäsche unterzogen. Geht des Referendum knapp aus, egal wie, so wird es eine Schlacht geben, jeder gegen jeden. Unfrieden wird in die Familien getragen. Die Armut wird um sich greifen und der letzte Russe wird auch lieber woanders Urlaub machen.

  2. Monalisa
    3. November 2011, 10:41 | #2

    Bis zur Volksabstimmung will man auch dem letzten Griechen klar machen, was eine Pleite bedeutet. Von was will der Staat im Dezember die Gehälter seiner Angestellten bezahlen. Unterm Tannenbaum wird es düster aussehen, auf den Straßen dafür um so heller brennen.

    Warum setzt man jetzt den Menschen die Pistole auf die Brust?
    Warum eröffnet man ihnen keine Perspektive?
    Warum sagt man ihnen nicht, auch wenn ihr aus der Eurozone ausscheidet haben wir einen Plan B, die Europäische Union lässt euch nicht alleine?
    Mittlerweile ist jedem Griechen klar, dass es ohne Reform nicht geht.
    Aber jedem Europäer müsste auch klar sein, ohne gegenseitige Hilfen funktioniert Europa nicht, mit oder ohne Euro.

    Warum also diese üble Erpressung?

    Man denkt wohl, es ist einfacher die Griechen, als das Finanzsystem an die Kandare zu legen.

    Das ist keine Demokratie, das ist Finanzdiktatur!

    Bei der HRE-Bank verrechnet man sich eben mal um 55 Milliarden Euro und kein Hahn kräht danach. Aber durch die Einbehaltung der nächsten Rate von ein paar Milliarden Euro lässt man die Griechen voll ins Messer laufen, damit sie klein bei geben. Sauerei!

    Schaun mer mal, welch revolutionäre Veränderungen der G 20 Gipfel für unser Finanzsystem bringt. Wetten, dass die Ackermänner die Politiker wieder in die Tasche stecken?

  3. Roman
    3. November 2011, 11:50 | #3

    So oder so, es kann für das griechische Volk eigentlich nur besser werden.
    Ich finde das Referendum gut. Es hätte etwas früher kommen sollen. Nun wirkt es auf die anderen Europäer etwas eigenartig. Warum mussten denn erst hunderte Demonstranten und Polizisten verletzt werden, bevor solche Entschlüsse fallen? Warum musste wochenlang gestreikt werden, bevor die Regierung begreift, dass das Volk auf dem Zahnfleisch kaut?

    Andererseits ist dieses Manöver in einem speziellen Kontext überaus interessant. Im Militärischen. Griechenland wird, was Waffen aus Deutschland angeht, geradezu verwöhnt. Schließlich ist Griechenland ja DIE Bastion gegen die Türkei. Da wurden etliche Milliarden in diverse Wehrtechnik investiert. Verträge über Wartung und Lieferung von Ersatzteilen sollten ebenfalls unterzeichnet worden sein. Allein diese Verträge reichen wahrscheinlich in den jährlichen Milliardenbereich. Ja nun? Kann es denn in europäischem Interesse sein, dass man Griechenland und damit DAS Bollwerk gegen die Türken einfach fallen lässt?

    Ich denke nicht.

    Und in dieser Hinsicht ist mir die gesamte Berichterstattung bezüglich Griechenland suspekt.

    Was wird damit bezweckt? Auch wenn Griechenland recht klein und unbedeutend scheint, hat es das Potential, die gesamte Eurozone in den Abgrund zu ziehen.

    Die Art und Weise, wie GR seine finanzielle Situation bilanziert und geschönt hat, dürfte in ähnlicher Form auch in Frankreich, Spanien und Großbritannien vorzufinden sein.

    http://www.rayservers.com/images/ModernMoneyMechanics.pdf

    Ich möchte ebenfalls zu bedenken geben, dass unser derzeitiges Wirtschafts- und Handelssystem aus Zeiten des kalten Krieges stammt. Damals ging es darum, den „Anderen“ wirtschaftlich zu ruinieren. Finanzprodukte dienten als Waffen, als finanzielle Massenvernichtungswaffen gegen den Warschauer Pakt oder gegen die NATO.

    Dieses System und dessen finanzielle Massenvernichtungswaffen existieren noch immer und keiner fragt sich eigentlich. warum.

    Ich denke, wir werden gerade schmerzlich darauf hingewiesen, dass wir in Bringschuld sind. Wir werden darauf vorbereitet, zukünftig in Kriege zu ziehen.

    Nicht ohne Grund warnte Polens Finanzminister vor einem Krieg in Europa.

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/693275/Polens-Finanzminister-warnt-EU-vor-Krieg

    Und, weil ich eigentlich keine Lust mehr zu Schreiben habe, noch hinterher.

    Ihr Griechen: Ihr solltet zusehen, dass genug Fisch in euren Gewässern ist, dass ihr in konstruktive Gespräche mit den Türken kommt und dass kein Politiker euch spalten kann.
    Um die Leute, die euer Land verraten haben, könnt ihr euch immer noch mal kümmern. Ich an eurer Stelle, würde diese Leute aus dem Land jagen.

    Da kommt eine Menge auf euch zu. Ach ja, auf uns ebenfalls, weil unsere Politiker und Oligarchie ebenfalls einen feuchten Furz auf uns hält.

  4. Starter
    3. November 2011, 11:59 | #4

    Es ist traurig zu sehen, wie Griechenland sich selbst zugrunde wirtschaftet. Es scheint mir immer mehr so, als würde nur ein kompletter Zusammenbruch eine Chance für den Neubeginn schaffen. Die einzige Chance, die ich noch sehe ist kein Schuldenschnitt sondern eine Aussetzung von Zinsen und Tilgung für 10 Jahre wäre nötig. Dazu Rückkehr zu Drachme, deren Kurs aber festgesetzt und gestützt werden muß. (wie in der Schweizer Notenbank derzeit mit dem Wechselkurs verfährt). Nur dann hat die griechische Wirtschaft wieder eine Chance auf Wettbewerbsfähigkeit zunächst im eigenen Land, dann im Ausland. Nach 10 Jahren kann man dann entscheiden, wie es weitergeht.

    Wie aber soll das Problem der komplett aus dem Ruder gelaufenen Bürokratie angegangen werden? Ein Beispiel halte ich für symptomatisch: In Deutschland wird das Verteidigungsministerium von 3000 Mitarbeitern auf ca. 2000 verkleinert. In Griechenland aber beschäftigt das Verteidigungsministerium schon alleine 17.000 zivile Mitarbeiter. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Land. Die wenigen „leistungsfähigen“ Produzenten, die das Volkseinkommen erwirtschaften sollen, werden vor der Bürokratie erdrückt.

    Vielleicht hilft doch nur der Zusammenbruch?

  5. Ausgenz
    3. November 2011, 14:32 | #5

    Ein Problem ist die große Anzahl der griechischen Staatsangestellten.
    Das viel größere Problem ist aber, dass dieser Beamtenapparat nicht
    loyal zu ihren jeweiligen Regierungen steht, ineffektiv ist und oftmals die Leistung verweigert.
    An diesem ineffektiven Beamtenapparat wird sich auch nach dem sich
    anbahnenden Sturz vom Papandreou nichts ändern und auch eine
    Koalitionsregierung wird scheitern.Es hilft nicht, Gesetze zu verabschieden, wenn diese nicht von den Beamten auch durchgesetzt werden.
    Hinzu kommt noch, dass viele Staatsdiener zudem noch käuflich sind.
    Hier Ordnung zu schaffen ist die vordringlichste Aufgabe.
    Leider ist kein Land in Sicht .

  6. Monalisa
    3. November 2011, 17:55 | #6

    Alles Schnee von heute Vormittag. 16:15 Papandreou hat das Referendum abgesagt. Nea Dimokratia (ND) und PASOK wollen eine Übergangsregierung aufstellen.

  7. Roman
    3. November 2011, 18:15 | #7

    @ Monalisa
    Zusammen lässt es sich eben leichter eine Formulierung für das Niederschießen des eigenen Volkes formulieren.

    Interessant fand ich die Forderung von Samaras: dass eine Übergangsregierung das Land bis zu vorgezogenen Neuwahlen führen soll. Aus der Partei hieß es, dass die Übergangsregierung nicht aus Politikern, sondern aus Experten bestehen solle. Neuwahlen sollte es demnach bereits im Dezember geben.

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenland1612.html

    Ich denke, jetzt sollte jedem Bürger der EU klar sein, dass man gefälligst das Maul zu halten hat, wenn die Oligarchie entscheidet.

    R.I.F. Demokratie

  8. Roman
    3. November 2011, 19:12 | #8

    Einen habe ich noch:

    Premierminister Papandreou tauscht kurz vor der Vertrauensabstimmung die gesamte Militärführung aus – ein Zeichen dafür, dass er einen baldigen Machtverlust fürchtet.

    Der Generalstabschef sowie die Kommandeure der Landstreitkräfte, der Marine und der Luftwaffe wurden durch Offiziere ersetzt

    http://www.welt.de/politik/ausland/article13694648/Papandreous-Manoever-und-die-Angst-vor-dem-Ende.html

    Da frage ich mich also, ob denn nicht vielleicht trotzdem ein Putsch angedroht wurde.

    So kann ich mir auch erklären, warum er sehr kurzfristig vom Referendum abgelassen hat.

  9. CYR
    3. November 2011, 22:59 | #9

    Papandreou ist nicht weiter als ein Koloniallwarenlaufbursche, dazu da die Rechnung zu präsentieren.

  10. Apateonas
    3. November 2011, 23:32 | #10

    Was für ein schwachsinniges Schmierentheater wird uns wohl noch präsentiert werden?
    Papanreou hat dem Ansehen von Griechenland mit diesem peinlichen Verhalten dermaßen geschadet, daß ihm und jedem seiner Nachfolger jetzt niemand mehr auf der internationalen Bühne glauben wird!
    Das Kindergartenverhalten von der Opposition ist genauso peinlich und Inhaltslos. Ich frage mich ernsthaft, was diese Leute studiert haben?? Kinderpsychologie??

    @ Roman
    Wie bitte soll Griechenland ein „Bollwerk gegen die Türken“ darstellen??
    Die wollen doch gar nicht einmarschieren, wenn sie dieses Irrenhaus so sehen, wie es sich gerade darstellt! Hört doch endlich auf mit diesen „Verschwörungstheorien“ von 1828!

  11. Ottfried Storz
    4. November 2011, 01:08 | #11

    Nach diesen Chaosmonaten mit Nichterfüllung der Verpflichtungen, Abreise Troika, Schulenhalbierung/haircut-Vereinbarung, Referendum ohne Rücksprache mit Geldgebern etc, begleitet von destruktiver verantwortungsloser Opposition, ist jedem verantwortlichen Politiker der anderen EURO-Länder klar, das man mit Griechenlands Regierungen – egal ob Pasok oder/mit ND – nichts anfangen kann.
    Das Fazit dürfte lauten: Griechenland kaum mehr Geld leihen.
    Ein wenig Geld höchstens bei Nachweis der Einhaltung von Einsparungen, Mehreinnahmen und Reformen.

  12. Harald
    4. November 2011, 10:50 | #12

    Chaos in Griechenland. Jeder gegen Jeden. In Griechenland streiten Regierung und Opposition um den richtigen Kurs zur Euro-Rettung. Die Ereignisse überschlagen sich: Oppositionsführer Samaras einigt sich zuerst mit Premierminister Papandreou und fordert ihn dann doch zum Rücktritt auf. Und das Volk, ja das Volk hat diese Regierung gewählt. Also darf es sich nicht beklagen und muss leiden. Am Beispiel Griechenland kann man sehen, sie ein Land wirtschaftlich zu Grunde gerichtet wird. Griechenland wird noch über Jahrzente hinaus pleite sein. Mir tun die armen Menschen richtig leid.

  13. Roman
    4. November 2011, 13:14 | #13

    @ Apateonas

    Wie bitte soll Griechenland ein “Bollwerk gegen die Türken” darstellen??
    Die wollen doch gar nicht einmarschieren, wenn sie dieses Irrenhaus so sehen, wie es sich gerade darstellt! Hört doch endlich auf mit diesen “Verschwörungstheorien” von 1828!

    Die griechischen http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Streitkr%C3%A4fte#Ausr.C3.BCstung verfügen über 700 Fluggeräte, 5000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 400 Artilleriesysteme, 400 Luftabwehrsysteme und 120 maritime Waffensysteme.

    Ich denke nicht, dass ich hier VT´s salbadere. Ich denke auch nicht, dass meine Einschätzung zur Rolle Griechenlands gegenüber der Türkei völlig abwegig ist.
    Wie die Völker der beiden Nationen das allerdings sehen, interessiert die jeweiligen Regierungen nicht.

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