Finanzministerium in Griechenland ruft zur Nutzung der Quittungskarte auf

19. November 2011 / Aktualisiert: 28. Februar 2018 / Aufrufe: 903

Das Finanzministerium in Griechenland appelliert an die Bürger, sich die elektronische Quittungskarte zu besorgen und diese zur Erfassung ihrer Einkäufen zu nutzen.

Das griechische Finanzministerium hält an dem Plan fest, die globale Einführung und Nutzung der anfänglich irreführend als „Forokarta“ (wörtlich: Steuerkarte) und nunmehr zutreffender als „Quittungskarte“ bezeichnete elektronische Karte durchzusetzen (siehe auch Griechenland führt elektronische Umsatzkarte für Konsumenten ein), obwohl das Vorhaben abgesehen von allen übrigen Bedenken allein schon nur aus technischer Sicht reichlisch utopisch erscheint.

Jedenfalls ist die – kostenlose – elektronische „Quittungskarte“ inzwischen bei vielen Banken erhältlich und kann nach der Aktivierung überall benutzt werden, wo ein entsprechendes Lesegerät (Terminal / POS) zur Verfügung steht. Eine am 17.11.2011 über den Verteiler des Ministeriums für Verwaltungsreform und elektronische Regierungsführung verschickte Mitteilung wird nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben.

Quittungskarte

Die Quittungskarte ist ein nützliches Werkzeug in den Händen des Bürgers zur Sammlung der Quittungen, da sie uns jederzeit zu erfahren erlaubt, welche Ausgaben wir getätigt haben, und die zeitraubende Erfassung der Quittungen zu Ende des Jahres vermieden wird. Ihre Nutzung ist freiwillig und sicher, es werden nur der Gesamtbetrag einer jeden Quittung und nicht die Artikel erfasst.

Das Verfahren zur Aktivierung der Terminals (POS) ist in voller Entwicklung, und somit ist es noch ein häufiges Phänomen, dass der Händler die Karten nicht akzeptieren kann. Da sich dies jedoch mit schnellen Rhythmen ändert, ist es angebracht, dass wir Bürger uns von unserer Seite die Karten beschaffen und sie aktivieren.

Die Quittungskarte ist bei vielen Banken erhältlich, ist anonym und wird mittels eines einfachen und sicheren Verfahrens per SMS oder Internet mit der Steuernummer (AFM) des Konsumenten verknüpft,  ohne Mitwirkung einer Bank oder eines dritten Trägers.

Die Quittungskarte kann – sofern das POS-Gerät für ihre Annahme aktiviert worden ist – bei jedem Kaufgeschäft und unabhängig davon verwendet werden, ob es in bar, per Kreditkarte oder mit einer anderen Zahlungsweise erfolgt.

Ergänzend sei angemerkt, dass mit dem erwarteten neuen Steuergesetz alle Steuerpflichtigen ausnahmslos zu einer „bilanzierten“ Einkommensteuererklärung verpflichtet werden sollen. In der Praxis wird dies bedeuten, dass die Verwendung des Einkommens penibel nachgewiesen werden muss, da anderenfalls auf den Teil des Einkommens, dessen Verbleib nicht hieb- und stichfest dokumentiert ist, automatisch eine saftige Strafsteuer erhoben wird.

(Quelle: OpenGov.gr)

  1. KClemens
    19. November 2011, 21:57 | #1

    Ergänzend sei angemerkt, dass mit dem erwarteten neuen Steuergesetz alle Steuerpflichtigen ausnahmslos zu einer “bilanzierten” Einkommensteuererklärung verpflichtet werden sollen. In der Praxis wird dies bedeuten, dass die Verwendung des Einkommens penibel nachgewiesen werden muss, da anderenfalls auf den Teil des Einkommens, dessen Verbleib nicht hieb- und stichfest dokumentiert ist, automatisch eine saftige Strafsteuer erhoben wird.
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    das ist ja der feuchte traum jedes orwellisten.

    und so etwas ist mit den gesetzen der griechischen verfassung vereinbar? das kann ich mich beim besten willen nicht vorstellen. und falls ja, hoffe ich das spätestens bei EuGh schluß ist mit solch einem oder solchen gesetzen.

  2. Theodora
    20. November 2011, 01:20 | #2

    Im Moment tun mir wirklich alle einfachen Menschen in GR leid, die wenig Einkommen haben, und sowieso unter dem Existenzminimum leben.
    Diese ganzen Bonzen in der Politik tauschen nur untereinander die Posten aus und bereichern sich immer weiter.
    Ein Banksklave wurde Ministerpräsident. Was soll man davon nur halten?
    Italien wurde auch schon von einem Banksklaven übernommen.

    In ein bis zwei Jahren haben Banken und große Unternehmen die EU in der Tasche und dann werden die armen ausgebeutet so gut es nur geht.
    GR ist nur der Anfang.

  3. KClemens
    20. November 2011, 10:22 | #3

    @Theodora,

    die banken und die großen unternehmen haben die EU schon lange in der tasche. jetzt werden die lesten demokratischen und jeweiligen verfassungsrechtlichen hürden geschliffen.

    deutschland hat sich schon 2005 mit den hartz4-gesetzen als erstes land diesem diktat gebeugt. beteiligt an der ausarbeitung dieser gesetze waren u.a.: unternehmensberatung roland berger, mckinsey, ein personalvorstand der VW AG namens peter hartz, der später vor gericht stand und verurteilt wurde.

    und schon im jahr der einführung von hartz4, hat sich der damalige bundeskanzler gerhard schröder auf dem weltwirtschaftsgipfel in davos damit gebrüstet, den größten niedriglohnsektors europas geschaffen zu haben.

    und jetzt kommt hartz4 für alle europäer. sicherlich später, als von manch elitistem geplant, aber es kommt. und es wird unweigerlich dazu führen, daß in deutschland erneut die löhne sinken müssen, damit deutschland wettbewerbsfähig bleibt. denn nur die krankenschwestern, verkäuferinnen, kassiererinnen und friseurinnen (und ihre männlichen kollegen) für 2.50€ brutto arbeiten, können sie sich im internationalen wettbewerb bewähren.

    denn nur, wenn die löhne im binnenmarkt auf breiter front weiter massiv sinken, kann deutschland exportweltmeister bleiben.

    und wenn es für die märkte keine rechtlichen hürden, welcher art auch immer, mehr gibt, ist man am ziel.

    wer sarkasmus findet, darf ihn behalten.

  4. Ottfried Storz
    20. November 2011, 15:28 | #4

    Ich sehe das reichlich anders und kann nur darauf verweisen:
    Hat Griechenland Alternativen ?
    Das Land ist pleite, sobald es keine Kredite mehr bekommt.
    Und die benötigt es permanent, weil permanent mittelfristige Kredite auslaufen, die neu
    finanziert werden muss. Dies macht die Troika und zwar aktuell bereits fast 100 Mrd. Euro.
    Trotz Demokratie hat Griechenland enorm hohe Schulden gemacht und ist total unwirtschaftlich.
    In jedem Effizienzvergleich belegt es in der EU den letzten Platz, zusätzlich sogar noch bei
    der Korruption den letzten Platz. Trotz „griechischer Demokratie“ (oder wegen ?!).

    Pleite bedeutet: Alle Spareinlagen sind weg, es gibt auf Jahre keine Kredite mehr für Menschen und Firmen, der Einbruch der Wirtschaft wäre viel drastischer, als aktuell.

  5. Andreas
    20. November 2011, 17:40 | #5

    Wer nichts zu verbergen hat, hat auch keine Angst vor irgendeiner Quittungskarte.

    Ich habe diese Karte bereits seit Wochen, aber bisher noch keinen Laden gefunden, der damit umzugehen weiss. In welcher Weise soll den diese Karte im Sinne der Reichen und korrupten Politiker sein? Die haben doch am meisten zu verbergen. Ausserdem kostet die Karte nichts, und kann somit auch Armen nicht direkt schaden. Wenn doch die Gegner nur einmal so Ehrlich waeren, wirklich zu sagen warum sie sosehr dagegen sind…

    Und Harz4, da bin ich mir sicher waere etwas fuer das viele hier in Griechenland dankbar waeren. Immerhin bekommt man Harz4 auch noch nach dem Ablauf des Arbeitslosengeldes, wenn es sein muss ein Leben lang.
    Was das im uebrigen mit der Quittungskarte zu tuen hat, wissen im uebrigen auch nur Konspirationstheoretiker, und die sind ja bekanntlich von Allem und Jedem das Opfer.

  6. Theo Plastes
    21. November 2011, 02:20 | #6

    Das dümmste Schaf im ganzen Stall läuft stolz freiwillig voraus zum Schlachthof.

    Lebt das Schaf hinter dem Mond? Verpflichtende Kartenzahlung wird, wie alles, schleichend in kleinen Schritten, mit Karotte und Peitsche eingeführt. Wegen „Steuergerechtigkeit“ werden die Überwachungsmöglichkeiten ausgeweitet, schließlich haben brave Schafe nichts zu verbergen. Aber dann, irgendwann, viel Spaß dabei, von der Beschwerdestelle des Finanzamts (Richter? wer zuviel Zeit und Geld hat) die Kartensperrung wegen echter, vermeintlicher, vermuteter oder zukünftiger Zahlungsrückstände oder Missetaten wie „Herabwürdigung des Vereinheitlichten Quittungskarten-Zahlungsssystems“ erfolgte Kartensperrung aufheben zu lassen.

    Griechenlands Versklavung ist nur die Blaupause. Alle Völker, die sich nicht aufraffen, das Joch der Banksterherrschaft abzuwerfen, werden Opferschafsherden sein. Tauscht oder zahlt in bar, wo ihr könnt, sonst werdet ihr es bald, wenn überhaupt, nur noch gegen happige Strafaufschläge dürfen!

  7. Christina
    21. November 2011, 03:47 | #7

    Schon mal was von Datenschutz gehört? Dieser naive Satz „ich habe nichts zu verbergen“ öffnet Missbrauch Tür und Tor.

    Der Staat darf Einkommen und Vermögen besteuern, das ist sein gute Recht, denn er muss Gemeinschaftsaufgaben finanzieren. Und ich als Steuerzahlerin muss wahrheitsgemäße Angaben machen, um meinen adäquaten Anteil beizutragen.

    Aber was, bitte schön, gehen den Staat meine Ausgaben an? Ob ich mein Geld für Lebensmittel oder einen neuen Kühlschrank ausgebe, ob ich es auf der Spielbank verjuxe, es in die Spendendose einer gemeinnützigen Organisation stopfe oder zerreisse und in Piräus ins Hafenbecken schmeiße, ist ganz allein meine Sache und geht keinen Staat der Welt etwas an.

    Was also sollen diese ganze „bilanzierte Einkommenssteuer“ und diese „Quittungskarte“? Es geht doch nur um Kontrolle, in einem umfassenden Sinne. Wie von KClemens oben schon gesagt: Orwell lässt grüßen.

    Mit der ganzen Quittungssammelei oder Quittungskarte wird jeder Kunde zum unfreiwilligen Helfer der Steuerfahndung gemacht, denn nur darin kann der Sinn und Zweck bestehen: zu kontrollieren, ob der Verkäufer auch ordnungsgemäß Quittungen ausstellt. Ist das mein Problem?

    Nix da, der griechische Staat kommt nicht darum herum, seine Finanzverwaltung und seine Steuerfahndung zu modernisieren und effektiver zu gestalten. Das muss er schon selbst machen, statt seine Bürgerinnen und Bürger als Steuerspitzel zu missbrauchen.

    Ich bin gespannt, was Gerichte noch zu diesem fragwürdigen Vorgehen sagen werden.

  8. Ralf
    21. November 2011, 14:49 | #8

    Griechische Steuern kann man in Zukunft nur noch über große Kontrolle eintreiben! Die Realität zeigt doch, dass es anders einfach nicht geht! Die Bevölkerung läßt ihrer Regierung einfach keine andere Chance.

    Wieder gibt es hier nur Beschwerden… kann nicht jemand mal schreiben, wie der Staat auf anderem oder besserem Wege zu seinen Einnahmen und somit zur Staatsfinanzierung kommen kann????

  9. Andreas
    21. November 2011, 17:36 | #9

    Wenn man 10 Euro im Laden bezahlt, werden 2,30 Euro Merwertsteuer faellig.
    Kriegt man keine Quittung, (Wie leider immernoch sehr oft), verdient der Haendler dieses Geld.
    Nicht nur macht er den Profit alleine (mir hat noch kein Haendler jemals angeboten diese Summe zu teilen), sondern da der Staat nun weniger Steuern einnimmt, werden am Ende wieder neue Steuergesetze faellig um diesen Mangel auszugleichen. Diese neuen Steuern bezahlt dann auch wieder der mit, der nicht auf seine Quittung besteht.

    Da die meisten Kaefer diesen Doppelten Beschiss (des Haendlers) leider meistens nicht realisieren (wollen), muss der Staat Ihnen einfach einen (noch staerkeren) Grund geben sich um diese Quittungen zu kuemmern.

    Die simple erste Logik reicht offenbar nicht.

  10. KClemens
    21. November 2011, 21:04 | #10

    Andreas :Wer nichts zu verbergen hat, hat auch keine Angst vor irgendeiner Quittungskarte.Ich habe diese Karte bereits seit Wochen, aber bisher noch keinen Laden gefunden, der damit umzugehen weiss. In welcher Weise soll den diese Karte im Sinne der Reichen und korrupten Politiker sein? Die haben doch am meisten zu verbergen. Ausserdem kostet die Karte nichts, und kann somit auch Armen nicht direkt schaden. Wenn doch die Gegner nur einmal so Ehrlich waeren, wirklich zu sagen warum sie sosehr dagegen sind…Und Harz4, da bin ich mir sicher waere etwas fuer das viele hier in Griechenland dankbar waeren. Immerhin bekommt man Harz4 auch noch nach dem Ablauf des Arbeitslosengeldes, wenn es sein muss ein Leben lang. Was das im uebrigen mit der Quittungskarte zu tuen hat, wissen im uebrigen auch nur Konspirationstheoretiker, und die sind ja bekanntlich von Allem und Jedem das Opfer.

    Warum ich gegen eine solche Karte bin? Wie schon Christina ausgeführt hat, es geht den Staat absolut nichts an, wo man welche Ausgaben tätigt.

    Und wieso werden die Kunden gezwungen Quittungen zu sammeln, wenn der Verkäufer seiner Pflicht nicht nachkommt. Ich kenne mich im griechischen Steuerrecht nicht aus, gibt es dort keine Vorsteuer/Umsatzsteuerverrechnung?

    Und werden in Griechenland keine elektronischen Kassen in den Geschäften geführt?

    Und was Hartz4 betrifft. Ich weiß nicht, wie gut Sie um diese Sozialleistung Bescheid wissen. Daher ein paar kurze Informationen.

    Hartz4 ist ArbeitslosengeldII.

    ArbeitslosengeldI bekommt man für 12 Monate. Danach fällt man automatisch in Hartz4. Um in Genuß dieser „Luxusapanage“ zu kommen, muß man offenlegen, über welche Vermögenswerte man verfügt. Angesparte Guthaben, für die Rente oder die Ausbildung der Kinder muß bis auf einen kleinen Restbetrag (250€ pro Lebensjahr) erst einmal verwendet werden. Finanzielle Verluste, die beim vorzeitigen Auflösen von Versicherungen, etc. anfallen, hat der künftige Hartz4-Empfänger hinzunehmen. Der Erstantrag für Hartz4 besteht aus ca. 16 Seiten und ähnelt teilweise verblüffend den Vermögenslisten, die die Juden in Nazideutschland ausfüllen mussten, bevor sie aus Deutschland „ausreisen“ konnten.

    Selbst nach Schmuckstücken aus Erbschaften und „wertvollen“ Haushaltsgegenständen und „wertvoller“ Kleidung wird gefragt. Das soll man alles dem Jobcenter angeben, damit die dann am besten noch festlegen, was gefälligst von Omas Schmuck zu verkaufen ist, damit man der Allgemeinheit nicht zur Last falle.

    So werden ganz besonders Menschen in der Altersgruppe 50+ ganz schnell ihrer Ersparnisse, die sie sich durch ihre Arbeit erspart haben, beraubt. Ach ja, das besondere „Highlight“ habe ich vergessen. Sie müssen jede, noch so schlecht bezahlte Arbeit annehmen, auch wenn diese möglicherweise nicht legal ist. Lotterien oder ähnliches per cold call in Callcentern gehört dazu. Es gab auch schon Jobcenter, die Frauen die Hartz4-Leistung streichen wollten, weil sie sich geweigert haben, im Rotlichtmileu einen Job anzunehmen.

    Jede „Verweigerung“ der Mitwirkung kann Kürzungen des Hartz4-Geldes in kompletter Höhe bedeuten.

    Da reicht schon die Aufforderung, sich eine billigere Wohnung zu suchen. Wenn man die nicht findet, hat man nicht mitgewirkt und schon können einem mal so locker 30% gekürzt werden.

  11. Elgreco
    22. November 2011, 09:43 | #11

    @KClemens

    Dann sollten Sie aber auch erwähnen , das neben Hartz4, es auch, für die meisten, viele Zuschüsse und Sachleistungen zusätzlich gibt. Ich kann in meinem Umfeld ihnen genug Beispiele nennen, die mit Hartz4 besser da stehen, wie so mancher Arbeitnehmer der 40 Stunden in der Woche arbeiten muß. Da kommt eine alleinstehende Mutter mit Kind auf min. 1300 Euro netto. Ein Ehepaar mit 2 Kindern über 2100€ netto in Monat ( Hartz4+Zschüsse).
    In Griechenland gibt es nach Ablauf des Arbeitslosengeldes nichts mehr. Ich finde schon, daß es ein kleiner unterschied ist. Deshalb verzeihen sie mir, wenn es um Hartz4 geht, mir nicht wirklich die tränen in den Augen kommen wollen.

  12. KClemens
    22. November 2011, 12:19 | #12

    Elgreco :@KClemensDann sollten Sie aber auch erwähnen , das neben Hartz4, es auch, für die meisten, viele Zuschüsse und Sachleistungen zusätzlich gibt. Ich kann in meinem Umfeld ihnen genug Beispiele nennen, die mit Hartz4 besser da stehen, wie so mancher Arbeitnehmer der 40 Stunden in der Woche arbeiten muß. Da kommt eine alleinstehende Mutter mit Kind auf min. 1300 Euro netto. Ein Ehepaar mit 2 Kindern über 2100€ netto in Monat ( Hartz4+Zschüsse). In Griechenland gibt es nach Ablauf des Arbeitslosengeldes nichts mehr. Ich finde schon, daß es ein kleiner unterschied ist. Deshalb verzeihen sie mir, wenn es um Hartz4 geht, mir nicht wirklich die tränen in den Augen kommen wollen.

    Hier irren Sie leider. Ich kenne in meinem Umfeld auch etliche H4-Bezieher. Darunter auch Paare und Alleinerziehende mit Kindern. Bitte glauben Sie mir, da ist niemand dabei, der auch nur ansatzweise solch hohe Leistungen bekomme.

    Anbei ein Rechner, aus dem Sie sehen können, welche Summe ein Paar mit 2 Kindern in etwa erhält. In etwa deshalb, weil es zu den Wohnkosten keine einheitliche Regelung gibt.

    http://www.forium.de/alg2/output

    Anhand dieses Rechners können Sie auch sehen, daß das Kindergeld, entgegen der weit verbreiteten Annahme von der Gesamtsumme der Leistungen wieder abgezogen wird. Mit anderen Worten. Kindern, deren Eltern Hartz4 bekommen, haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Kindergeld, das laut BVerfG jedem Kind zusteht.

    Es werden „angemessene“ Wohnkosten für eine „angemessen“ große Wohnung übernommen.
    Leider ist nirgendwo definiert, was denn „angemessen“ tatsächlich ist.

    Eine alleinstehende Person mit einem Kind (7-13 Jahre) bekommt lt. diesem Rechner übrigens 917€.

    http://www.forium.de/alg2/output

    Auch die Sonderleistungen bekommt man nicht einfach „so“. Die müssen jedesmal neu beantragt werden, und werden oft genug einfach nicht gewährt. Auch dann nicht, wenn es entsprechende Gerichtsurteile dazu gibt.

    Im Grunde genommen gibt es keine einheitliche Regelung für Leistungen aus Hartz4. Das ist das größte Problem. Denn ein Antrag in München kann anders beschieden werden als in Berlin oder Köln. Das heißt, es gibt für diese P ersonen keine grundlegende Rechtssicherheit. Das ist das größte Manko bei Hartz4.

    Und dann dürfen Sie nicht vergessen, daß Leistungen aus Hartz4 erst dann gewährt werden, wenn man sich vorher schon von seinem „Vermögen“, daß man sich erarbeitet hat, so weitgehendst getrennt hat, daß man so da steht, wie jemand, der noch nie gearbeitet hat. Auch und gerade dann, wenn man vielleicht selbst schon 30 Jahre oder länger gearbeitet hat. Und damit schon erkleckliche Summen in die Sozialkassen gespült hat.

    Und die Tatsache, daß man hier über den Umweg Hartz4 den Unternehmen milliardenfache heimliche Lohnsubvention gewährt. Das heißt Unternehmen können ohne Not Stundenlöhne von 5€ oder weniger zahlen, denn sie wissen ja, daß sich ihre Angestellten, das vom Staat aufstocken lassen können.

    Gerade dieser Zustand ist derart unerträglich, daß ich absolut kein Verständnis für eine Politik habe, die es sich gefallen lässt, daß die Unternehmen hinterrücks so die Sozialkassen plündern können. Frau Merkel sollte also das Gefasel von den schwäbischen Hausfrauen sein lassen und erst mal ihr Haus in Ordnung bringen, bevor sie anderen Ländern bestimmen will, wofür und für wen Gelder ausgegeben werden sollen und für wen nicht.

  13. Andreas
    22. November 2011, 13:01 | #13

    @ KClemens Ich lese gerade http://www.hartz4.net/ man sogar 21 tage bezahlten urlaub mit Harz 4 machen darf. Ausserdem gibt es einen nach jahren gestaffelten freibetrag fuer ein eigenes vermoegen, der sich nach dem alter der antragsteller richtet, und maximale ersparnisse bis 50,000 Euro tolleriert.

    Ausserdem finde ich es normal, das ein sozialstaat natuerlich wissen will was und wieviel jemand wirklich noetig hat, bevor er sozialleistungen ausschuettet.
    Wuerden Sie jemanden durchfuettern nur weil der vorgibt es noetig zu haben?

    Aber all das hat ja wol wenig mit dem urspruenglichen artikel zu tun, auf den ich mich bezigen habe.

    In Griechenland finded sich naemlich immer ein magischer trick, nachdem grundsaetzlich die anderen die schuldigen sind. Jetzt heist es sogar, die politiker sind schuld an den vielen schwarzbauten, da die gesetze einfach nicht gut genug waren. Was fuer ein witz. Ich bin Architekt in Griechenland und kenne mich da zufaellig aus.

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