Wirtschaftskrise in Griechenland bietet nur Ausländern Gelegenheiten

27. Oktober 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.307

Von den Gelegenheiten, die sich in Griechenland eventuell infolge der Wirtschafkrise ergeben werden, scheinen die Griechen selbst weitgehend ausgeschlossen zu bleiben.

Ob und in welchem Umfang die tiefe volkswirtschaftliche Krise in Griechenland auch die vielbeschworenen „Gelegenheiten“ schaffen wird, mag dahingestellt bleiben. Sollten sich wirklich wie auch immer geartete Gelegenheiten einstellen, werden sie sich jedenfalls kaum zu Gunsten der einheimischen Bevölkerung ergeben, sondern von dieser auf die eine oder andere Weise zu bezahlen sein.

 Wie sich die Situation aus Sicht der Griechen darstellt, reflektiert Chefredakteur Panos Kolokotronis der griechischen Zeitung „Vradyni“ in einem Artikel, der am vergangenen Sonntag (23.10.2011) unter dem Titel „Δρυός πεσούσης … (πας ανής ξυλεύεται)“ publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Wenn eine Eiche fällt, gehen alle Holz sammeln

Es ist bekannt, dass jede wirtschaftliche Krise Gelegenheiten schafft. In dem Maß, in dem beispielsweise die griechische Regierung die Mehrheit der Steuerzahler wirtschaftlich aussaugt, ist offensichtlich, dass letztere – um zu überleben – nicht zögern werden, Teile ihres Vermögens zu verkaufen: Regierungsvertreter Theodoros Pangkalos hatte auf zynische Weise die Bürger indirekt zu Veräußerungen, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, indem er sagte, dass auch er selbst gezwungen sein wird, einen Teil seines Vermögens zu verkaufen um die neue Immobilienabgabe zu bezahlen.

Und wie in allen entsprechenden Fällen lauert der Käufer darauf, sein Vermögen zu den geringstmöglichen Kosten zu vergrößern. Und dies stellt tatsächlich eine Einkommensumverteilung dar. Erhöhung des Vermögens der Wenigen und schrittweise Verelendung der Meisten. Die Gelegenheiten im griechischen Inland beschränken sich dennoch auf genau diesen Punkt: Niemand kann seine gewerbliche Aktivität zu einem Zeitpunkt steigern, wo die Kaufkraft der Massen drastisch sinkt.

Die größten Gelegenheiten präsentieren sich – wahrscheinlich – den ausländischen Märkten. Es ist bekannt, dass beispielsweise mit der griechischen volkswirtschaftlichen Krise und der allgemeineren Instabilität des Euro die deutschen Exporte steil angestiegen sind, wie auch das Bruttoinlandsprodukt von Mitgliedsländern der Eurozone einen steilen Anstieg präsentiert, wie im benachbarten Bulgarien, das zu einer Stunde, in der es die Investitionen etlicher ausländischer Unternehmen empfängt, auch seine Exporte ansteigen sieht.

Schadenfreude über den wirtschaftlichen Zusammenbruch Griechenland

Es ist wiederum kein Zufall, dass etliche dieser Unternehmen griechische Firmen sind, die das steuerlich sichere Umfeld Bulgariens – und eines jeden Landes wie Bulgarien – der wirtschaftlichen Erstickung vorziehen, welche die Athener Steuerpolitik verursacht. Und Bulgarien verhehlt nicht seine Freude über den wirtschaftlichen Zusammenbruch Griechenland. Wie Simeon Djankov, Wirtschaftsminister der Regierung in Sofia, in einem Interview mit der deutschen Zeitung „Die Welt“ eingestand, „gibt es – obwohl es nicht schön ist – einen gewissen Grad der Schadenfreude (gegenüber Griechenland)“, weil die Griechen ein besseres Lebensniveau als die Bulgaren hatten.

Die wirtschaftliche Krise bewirkt also Änderungen und schafft Gelegenheiten. Diese Gelegenheiten sind jedoch weniger für die Griechen als für die Ausländer, die aus wirtschaftlich stärkeren Ländern kommen – sogar die Wirtschaft von Skopje gilt als der griechischen überlegen. Es wird nicht nur irgend ein – staatliches oder nicht – Unternehmen sein, das in die Hände deutscher Unternehmer übergehen wird, sondern auch Häuser und „Filetgrundstücke“. Sogar selbst ein französischer oder britischer Rentner wird ein großes Ferienhaus auf einer der teuersten und international berühmten Inseln der Ägäis kaufen können – bei den Maklerbüros gehen bereits Angebote aus dem Ausland ein.

Ist dies das Griechenland der Zukunft, von dem der Premierminister träumt? Ist dies die gerechte Einkommensverteilung, die er versprach?

(Quelle: Vradyni)

  1. Ralf
    27. Oktober 2011, 07:42 | #1

    Griechenland kann man ohne weiters in einem Atemzug mit Bulgarien und Rumänien nennen. In allen drei Ländern ist die Steuerunehrlichkeit und die Korruption ähnlich stark ausgeprägt und alle sind seit Jahren Nettobezieher aus der EU. Im Unterschied zu Bulgarien hat Griechenland Jahre lang über seine Verhältnisse gelebt und durch den Euro die niedrigen Zinsen auf Kredite bekommen, die jetzt um 50% von der EU gestemmt werden.

    Wenn diese Situation nicht bestanden hätte, dann wäre Griechenland jetzt nicht auf so einem hohen Lebensniveau und eine Senkung des Lebensstandards wäre nicht so schmerzhaft wie das im Moment ist.

    Ich gebe allerdings zu, dass Bulgarien wirklich sehr verarmt ist im Gegenzug zu Griechenland, aber eben genau dieser Kontrast zwischen den beiden Ländern, die benachbart sind ist so krass.
    Ich war in den letzten 3 Jahren sicherlich 10mal in BG und 5mal in GR und die wirtschaftlichen Unterschiede sind wirklich dramatisch. Einkommen, Renten und Preise unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Wenn man in Sofia für einen Kaffee 1€ zahlt, dann sind es in Athen 6€. Das ist schon ein wahnsinn.

    Da die griechische Justiz und die Regierung die vielen Milliarden an Steuerschulden nicht eintreiben kann oder sogar will, müssen jetzt eben die kleinen Leute dafür zahlen. Der Lebensstandard in GR wird in den nächsten Jahren weiter sinken und die EU wird nicht ohne weitere Kürzungen und Reformen weiter Geld in GR stecken. Es werden leider noch viele Tränen fließen.

    Der Artikel zeigt aber auch, dass an allem natürlich wieder die Ausländer schuld sind und auch am meisten davon profitieren werden. Es bleibt jetzt abzuwarten, wer in den nächsten Jahren von den niedrigen Preisen profitieren wird und ob es wirklich die bösen Ausländer sind, oder vielleicht doch die Reichen steuerschuldenden Griechen, die ihr Vermögen jetzt noch weiter vergrößern.

    Die Griechen streiken und protestieren so oft und gegen alles, aber gegen die Reichen sehe ich keinen Streik. Warum wird hier nichts gemacht? Die Regierung und deren Presse verbreitet eben weiterhin das Märchen von den bösen Ausländern und Deutschen, sodass die kleinen Leute einen Schuldigen haben und nicht so sehr auf dier Reichen und Mächtigen im eigenen Lande sehen. Es ist traurig!

  2. Monalisa
    27. Oktober 2011, 08:34 | #2

    Der Beitrag heißt:
    „Wirtschaftskrise in Griechenland bietet nur Ausländern Gelegenheiten.“
    Hatten die Einheimischen nicht jahrelang genug Gelegenheiten? Oder haben sie lieber die Steuern hinterzogen und ihr Geld ins Ausland geschafft, anstatt es im eigenen Land zu investieren? Anscheinend haben viele Griechen kein Vertrauen in den eigenen Staat? In dem Beitrag soll mal wieder unterschwellig suggeriert werden, die Ausländer machten Griechenland platt. Nein, nein, das schaffen Griechen auch ohne fremde Hilfe locker selber und reißen andere mit in den Abgrund. Eigene Fehler einzugestehen ist für jeden sehr schwer, aber für viele Griechen einfach unmöglich. Die Schuld bei den Anderen zu suchen ist da wesentlich einfacher, nur leider hilft das überhaupt nichts, sondern verschlimmert die Situation mehr und mehr. Heute wurde beschlossen, Griechenland 50% seiner Schulden zu erlassen. Auch das wird nichts bewirken, solange sich in Griechenland diese Mentalität nicht ändert.

  3. Andreas
    27. Oktober 2011, 09:36 | #3

    Ein Artikel der gleich mit drei Einschraenkungen beginnt ‚eventuell‘ ’scheinen‘ und ‚weitgehend‘

    Der Autor will sich blos nicht festlegen (und somit verantwortlich machen) fuer das was er da sagt!
    Alles rein harmlose Reflek-/Spekulation…

    „Es ist bekannt, dass beispielsweise mit der griechischen volkswirtschaftlichen Krise … die Deutsche Exporte steil angestiegen sind “ Von welcher ‚Industriellen Volkswirtschaft‘ ist da eigentlich die Rede? Und offensichtlich ist das nur Einer von Vielen solchen Fakten.

    “Filetgrundstücke” offenbar wie bei uns in Skufaika (Illegal im Wald dicht bei Rafina), wo ein Grundstueck 1800,- Euro pro m2 kosten soll (Soviel wie im Zentrum von Muenchen).

    „Sogar selbst ein französischer oder britischer Rentner wird ein großes Ferienhaus auf einer der teuersten und international berühmten Inseln der Ägäis kaufen können“
    Na pfui, wo wir doch nur die Reichsten der Hollywood szene auf unsere Inseln lassen wollen.
    Aber einen dicken (Auslaendischen) 4×4 fuer jeden Griechischen Rentner, das biteschoen schon!

    Schade eigentlich das so ein tolles Forum wie der Griechenland-Blog viel zu haefig ‚Vradyni‘ als Informations quelle benutzt.

    Warum uebersetzt eigentlich niemand mal einen Artikel wie diesen? http://www.kathimerini.gr/4dcgi/_w_articles_kathpolitics_2_23/10/2011_1296597
    Das waere doch mal was.

  4. Ausgenz
    27. Oktober 2011, 11:09 | #4

    Den Zeitungen und Medien- auch Internet- als sog. Vierte Gewalt im Staat kommt
    in dieser Zeit eine besondere Rolle zu, die sie in ihrer Mehrheit in keinster
    Weise gerecht wird. Populismus macht sich hier breit, die ich verstehen kann,
    aber nicht billige.
    Bei den Zeitungen geht es um Auflagenstärke und auch ums Überleben so
    mancher Zeitung.Man bemüht in den Überschriften Ängste und arbeitet
    mit Ausdrücken aus dem 2.Weltkrieg, man warnt vor Übernahmen aus Deutschland,
    Bulgarien usw . Wichtiger wäre es gerade jetzt zum Aufbruch zu blasen
    anstatt Ängste und Feindbilder zu schüren.
    Jetzt bietet sich für Griechenland die Chance, einen ehrlichen und gerechten Staat
    zu schaffen.

  5. Theo Fillette-Eau
    27. Oktober 2011, 15:33 | #5

    Achtung, nicht hupen, Vradini träumt von ausländerfreien Strandvillen und Filetgrundstücken! Wieder einmal versucht der Herr Chefredaktor, seiner Leserschaft einzureden, es gälte, wenn man nur fest genug daran glaubt, in Griechenland eine spezielle Ökonomielehre. Bitte noch ein oder zwei Semester bis zur Exportreife weiterentwickeln, Resteuropa stellt dafür gerne Kredite zur Verfügung.

  6. Monalisa
    27. Oktober 2011, 16:09 | #6

    Gelegenheiten im eigenen Land zu investieren gab es in Griechenland die letzten Jahre wohl genug. Viele Griechen haben in den letzten Jahren, trotz riesiger Steuerschulden, aber lieber Milliarden Euro ins Ausland geschafft. Wieso haben diese kein Vertrauen in Ihren Staat?

  7. Ottfried Storz
    27. Oktober 2011, 22:55 | #7

    Was für eine schräge Denke der Chefredakteur (!) von Vradyni hat.
    Griechenland ist aktuell mit rd. 150 Prozent des BIP verschuldet,
    mittlerweile ganz überwiegend im Ausland.
    Die Anleihen halten mittlerweile überwiegend die Mitglieder der „bösen“ Troika.
    Und nun werden Griechenland auch noch 50 Prozent seiner gemachten Schulden erlassen !
    Zur Erinnerung: Es handelt sich um ca. 170 Mrd. Euro.

    Und den Chefredakteur besorgt und stört, das möglicherweise einige „Häuser und “Filetgrundstücke“ an ausländische Eigentümer verkauft werden.
    Die volkswirtschaftliche und politische Kompetenz des Chefredakteurs ist erschreckend niedrig.

  8. Apateonas
    27. Oktober 2011, 23:07 | #8

    Es wäre schön, wenn der Hr. Kolokotronis seine Depressionen mal in fachlich kompetente Hände leiten würde, anstelle diese „relitätsverlustigten“ Artikel zu verfassen.
    Oder mein Tipp für ihn:
    3 Minuten Selbsthilfe sind besser als 3 Wochen Selbstmitleid!
    Mit den Worten des „richtigen“ Kolokotronis:
    „Lieber Gott beschütze mich vor meinen Freunden, denn meine Feinde kenne ich“
    Haben sie dieses Zitat jemals gehört, Hr. Panos Kolokotronis ?
    Wenn nicht, DANN LERNEN SIE DARAUS!

    @ Andreas
    Gibts doch:
    http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite3_4_23/10/2011_411485

  9. Lina
    29. Oktober 2011, 15:34 | #9

    @ Ralf
    Brainwashing in Deutschland wirkt, mein Lieber. Das führt dann zu solchen bornierten Kommentaren, wie Ihren.

    „Griechenland kann man ohne weiters in einem Atemzug mit Bulgarien und Rumänien nennen. In allen drei Ländern ist die Steuerunehrlichkeit und die Korruption ähnlich stark ausgeprägt und alle sind seit Jahren Nettobezieher aus der EU.“

    Die größten Steuerbetrüger finden Sie in Deutschland. Die richtig „Steuer-Füchse“ hinterziehen nicht einfach nur illegal Steuern – nein, sie werden auch noch von staatlicher Seite gedeckt.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=9704

    Auf der anderen Seite gibt es ganz legale Methoden, Steuern zu hinterziehen: z.B. indem man einen offshore trust gründet. Oder eine Stiftung, wie die Bertelsmann-Stiftung. Die sorgt nicht nur dafür, dass die reiche Familie nicht nur keine Steuern zahlen muß, sie „berät“ auch die Regierung in allen Belangen und BEKOMMT dafür auch noch Steuergeld.

    Dann gibt es noch die Politiker und Abgeordnete. Während der einfache griechische Politiker sich ein „Fakelaki“ unterm Tisch zuschieben läßt, um irgendeinem Wirtschaftsboss einen Gefallen zu tun, hält der deutsche Politiker eine „Rede“ in dieser Firma. Wieviel er für diese „Rede“ in den A…. gesteckt bekommt, muß er nicht preisgeben. Er ist nur verpflichtet zu sagen, dass es „mehr als 7.500 €“ waren. WAS er dann mit dem Geld macht, durch welche Kanäle es ins Ausland fließt….who knows, who cares?

    Wenn er dann viele, viele Reden gehalten hat und Gesetze im Sinne der jeweiligen Wirtschaft (siehe Möwenpick-Partei!!!) durchgedrückt hat, wird er belohnt, indem er einen Vorstandsposten o.ä. in der Wirtschaft bekommt.

    Da Griechenland und Bulgarien aber kleine Länder sind – Dörfer gemessen an Deutschland – SIEHT JEDER DEPP die Machenschaften der Politiker und Korruption. Ausserdem ist keine nennenswerte Industrie vorhanden, die die Presse derart im Griff hat, wie in Deutschland, um all dese Schweinereien zu vertuschen.

    Und die Obrigkeitshörigkeit des „Deutschen an sich“ tut ihr Übriges zum ganzen, verlogenen Spiel. Wacht endlich auf, verdammt noch mal! Seht der Wahrheit ins Auge, bevor es für alle zu spät ist, sonst werdet Ihr in 10 oder 20 Jahren wieder einmal sagen: „DAS haben WIR NICHT gewußt“, wie damals…..1945!

    Dass Deutschland tatsächlich der größte Nettozahler in der EU ist, stimmt. Das wird auch ganz schön breitgetreten. Was aber die Öffentlichkeit NICHT erfährt, ist, dass DEUTSCHE Firmen davon am meisten profitieren. Welches Land bekommt z.B. die höchsten Argrar-Subventionen? (googlen Sie mal!) Ja, Deutschland. Ist das der Bauer, bei mir um die Ecke?? (Ich lebe in D) NEIN. Es ist COCA-COLA Deutschland. Sollte das nachdenklich stimmen?

    Nach WELCHEN Kriterien werden EU-Gelder vergeben? Ist da eine Transparenz? NEIN. Also noch mal. Wie werden EU-Gelder z.B. nach Griechenland vergeben? Nehmen wir einmal ein Projekt: Eine Autobahn soll gebaut werden. Die EU vergibt ein Teil der Gelder. Den anderen Teil über nimmt der griechische Steuerzahler. Die Strasse wird gebaut von Hochtief (ja, ich weiß, jetzt ein spanisches – aber damals ein deutsches Unternehmen). Dann soll diese Autobahn sich „rechnen“ – also verlangt man vom griechischen Steuerzahler eine Maut-Gebühr, die sich mittlerweile kein SCHWEIN mehr leisten kann……

    Soll ich jetzt auf Siemens zu sprechen kommen? Oder auf die Rüstungsindustrie? Oder, oder, oder…..?

    Ist Ihnen klar, dass in Europa mittlerweile Art von Unternehmens-Faschismus etabliert worden ist? Ist Ihnen klar, dass sie die EU-Politik in den Klauen der Finanaz-Industrie befindet? Nein? Dann laden Sie sich das hier runter, lesen und staunen Sie:

    http://www.alter-eu.org/book/bursting-the-brussels-bubble

    Und wer profitiert vom griechischen „haircut“, das in den deutschen Medien als Erfolg zelebriert wird? NA? WER schon?

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=11127

    Es ist schon grotesk, was sich hier abspielt:

    Während die Titanic auf den Eisberg zufährt, schreien die in der ersten Klasse, dass die dritte Klasse die Schuld trägt und dass sie sich gefälligst zu disziplinieren hat. Doch der Kapitän…..der führt auf dieser Titanic die Befehle des Reeders aus. Und der ist gegen den Untergang versichert. Wetten?!

  10. Lina
    29. Oktober 2011, 15:40 | #10

    P.S.

    Wenn Sie jetzt einwenden sollten:
    deutsche Ärtzte bekommen keine „fakelakia“, dann muß ich Ihnen Recht geben. Deutsche Ärtze betuppen die Krankenkassen und machen gemeinsame Sache mit Pharmakonzernen.

    Wer wird im Endeffekt beschissen? Der einfache, lohnabhängige Arbeitnehmer.
    Und der wird gerade in Griechenland derart drangsaliert, dass man schon über finanzielle Gewaltausübung sprechen kann.

  11. Lina
    29. Oktober 2011, 15:44 | #11
  12. Lina
    29. Oktober 2011, 15:48 | #12

    Und ein letztes P.S.:

    Quizfrage:
    Was verbindet den ehemaligen amerikanische Botschafter in Deutschland, Murphy – den ehemaligen griechischen Finanzminister Papakonstantinou und den jetzigen EZB Chef Draghi?

    Antwort:
    Alle drei waren einmal leitende Angestellte der Firma Goldmann Sachs.

  13. Lina
    29. Oktober 2011, 15:55 | #13

    Das kann ich mir nicht verkneifen:

    Die FAZ, die ach-so-seriöse Zeitung, hinter der jeweils ein „kluger Kopf“ stecken soll, gibt hier glasklar eine Anleitung zur Steuerhinterziehung?

    Für Hinz oder Kunz? Nein…..der ist ja bekanntlich kein „kluger Kopf“!

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/recht-steuern/steuertipp-sieben-tipps-fuer-eine-steuerliche-selbstanzeige-1256632.html

  14. Lina
    29. Oktober 2011, 18:50 | #14

    Und weil ich so schön in Fahrt bin, hier ein Artikel der „Welt“, großer Bruder der BILD. Die Überschrift allein reicht:

    „Deutschland wird nun selbst zum Hedgefonds“
    http://www.welt.de/finanzen/article13686537/Deutschland-wird-nun-selbst-zum-Hedgefonds.html

    Ein umgangsprachliches Wort für Hedgefonds ist Heuschrecke. Was Heuschrecken anrichten, sollte allgemein bekannt sein.

    Und noch was @ Ralf:

    „Wenn man in Sofia für einen Kaffee 1€ zahlt, dann sind es in Athen 6€. Das ist schon ein wahnsinn.“

    Ein Wahnsinn ist, dass Sie Sofia mit Athen vergleichen.

    Haben Sie schon einmal in Rom, in der Nähe des Colosseums einen Kaffe getrunken? Oder am Petersplatz in Rom? Oder am Markusplatz in Venedig? 25,- Euro für 2 Tassen Kaffe.
    Warum ich das erwähne? Der kulturelle Reichtum Athens übertrifft noch den von Rom und Venedig.

    Haben Sie einmal einen Kaffe in Berlin getrunken? In der Nähe der Museumsinsel? Zugegeben: Man muß keine 25,- Euro für zwei Tassen bezahlen. Dafür sind aber auch die Kunstwerke, die es zu bestaunen gibt, wie z.B. im Pergamonmuseum, oder die schöne Nofretete im Ägytischen Museum, ziemlich billig „erworben“ worden……Aber in Berlin gibt es eine tolle Standrundführung, die ich JEDEM Touristen und Einheimischen ans Herz lege: die führt zu den Lobbyisten, die sich um den Reichstag herum angesiedelt haben.
    (Näheres dazu auf http://www.lobbycontrol.de )
    Die sollten Sie einmal mitmachen. Es lohnt sich!

    Was gibt es in Sofia so Tolles zu bestaunen? Meinen Sie etwa das griechische Erbe aus der Antike? Oder meinen Sie die orthodoxen Kirchen? Oder meinen Sie die Moscheen aus der osmanischen Zeit?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sofia#Antike

    @ Andreas
    Das mit den illegalen Grundstücken finde ich schlimm. Aber was legitimiert Ihrer Meinung nach die Höhe des Preises eines Grundstückes? Die Nähe zu BMW etwa?
    Heißt es nicht in Makler-Kreisen „Es ist die Lage, die Lage, die Lage?“ Nun…..schauen Sie sich die herrliche Lage Griechenlands an. Und schauen Sie sich die Schönheit der einzigartigen Landschaft an, und den fruchtbaren Boden, der die Menschen in Krisenzeiten ernähren kann. Dann werden vielleicht auch Sie verstehen, warum Ihre Vorfahren für dieses Stück Land Ihr Leben geopfert haben!

    Über die strategische Wichtigkeit will ich erst gar nicht anfangen zu sprechen. Und auch nicht über das Öl- und Gasvorkommen im Mittelmeer auch nicht. Aber schauen Sie sich an, wo Libyen liegt und sein Öl aus welchem Meer fördert.

  15. Ralf
    31. Oktober 2011, 08:37 | #15

    @Lina:

    Vielen Dank für Ihre detaillierten Ausführungen! Meiner Meinung nach sind Sie zu emotional bei diesem Thema und schon wieder machen Sie den Fehler, dass Sie vom Thema abweichen. Die Seite heißt „Griechenland-Blog“ und nicht „Deutschland-Blog“ und ist somit gedacht um uns Deutschen die Probleme des Landes nahe zu bringen, aber eben auch um über Probleme des Landes zu diskutieren.

    Das es in Deutschland selbst genug Probleme gibt ist mir als verantwortlichem Bürger und Steuerzahler durch aus bekannt, aber es sind nun einmal Deutschland und ich als Steuerzahler, die für Griechenland zahlen müssen und nicht anders herum. Mich würde einmal interessieren ob denn die Griechen ähnliche (im Verhältnis zur Einwohnerzahl) Summen an Deutschland zahlen würden, wenn unser Land durch Korruption und Misswirtschaft in Schieflage geraten würde. Würde Griechenland dann auch so zahlen? Ich glaube nicht, ginge auch gar nicht, da der griechische Staat bezüglich des Einnahmenproblems dazu gar nicht in der Lage wäre.

    Da Sie schon so viel geschrieben haben, bitte ich Sie höflich doch auch einmal auf meine letzten drei Absätze (im oberen Kommentar) genauso detailiert einzugehen und zwar in Reflektion Ihres Heimatlandes. Auf Ihre Antwort bin ich jetzt schon gespannt!

  16. Lina
    31. Oktober 2011, 16:45 | #16

    @ Ralf

    Was Gegenteil von emotional ist rational. Um rational urteilen zu können, sollte man ALLE Aspekte eines Themas kennen und allen voran: die ZUSAMMENHÄNGE.

    „Die Seite heißt “Griechenland-Blog” und nicht “Deutschland-Blog” und ist somit gedacht um uns Deutschen die Probleme des Landes nahe zu bringen, aber eben auch um über Probleme des Landes zu diskutieren.“

    Glauben Sie tatsächlich, dass man in der heutigen, globalisierten Welt, über Märkte und Volkswirtschaften sprechen kann, so als ob kein Zusammenhang bestehen könnte? Glauben Sie tatsächlich dass man Europa losgelöst von Deutschland – und seine Rolle dadrin – betrachten kann?

    Verstehen sie die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge? Verstehen Sie den Unterschied zwischen Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft?! Diese beiden Dinge werden in letzter Zeit sehr gerne in der deutschen Presse vermischt.

    Zu ihren Absätzen:

    „Die Griechen streiken und protestieren so oft und gegen alles, aber gegen die Reichen sehe ich keinen Streik. Warum wird hier nichts gemacht?“

    Das ist definitiv falsch! Was sagt Ihnen der Satz, der mittlerweile in ganz Südeuropa zu hören ist; „Wir zahlen nicht für Eure Krise“. WER meinen, Sie ist DAMIT gemeint? Der heilige Geist?!

    Und jetzt erklären Sie mir einmal bitte, bitte ganz RATIONAL, wie der einfache Grieche an das Geld des reichen Griechen kommen soll, das off-shore liegt? Genau so wie das des reichen Deutschen? Warum konnte Flick soooo viel Geld an den Steuerbehörden VORBEI ausser Landes schaffen? Und welche Macht hat der einfache deutsche Steuerzahler das zu ändern? Ist doch unmöglich, oder etwa nicht? Wie und warum sollte das der griechische Arbeiter und Angestellte schaffen?!!!!!

    „Die Regierung und deren Presse verbreitet eben weiterhin das Märchen von den bösen Ausländern und Deutschen, sodass die kleinen Leute einen Schuldigen haben und nicht so sehr auf dier Reichen und Mächtigen im eigenen Lande sehen. Es ist traurig!“

    Diese gesamte Aussage kann man umdrehen: Ersetzen Sie das Wort „Ausländer“ durch „Südländer“ und schon haben Sie die gleiche Volksverdummung, die in Deutschland betrieben wird! JA, ES IST TRAURIG!

    Und noch etwas:
    Sie zahlen GAR NICHTS für Griechenland. Sie stabilisieren nur mit Ihrem und MEINEM Steuergeld die deutsche Industrie und die deutschen Banken.

    Der nächste Schritt, der jetzt in Deutschland folgen wird ist: Einführung des Mindestlohns. Griechenland wurde gezwungen auf 400,- Euro runter zu gehen! In Deutschland kann ich mir vorstellen, dass man auf 600,- runtergeht und dann im übernächsten Schritt wegen „Arbeit muss sich lohnen“ Hartz IV abschaffen wird.

    Die Schuldigen haben wir schon: Die faulen Südländer!

    Wie WAHRHEIT ist aber eine ganz ANDERE und zwar rein RATIONALE:

    Europa konkurriert mit China, Indien und Brasilien. Wie die Arbeitsbedingungen und die Löhne dort aussehen, muss ich nicht erwähnen, aber genau DAS nennt man in Arbeitgeberkreisen „Wettbewerbsvorteil“. Den muss sich Europa – sprich Deutschland (Griechenland hat keine nenneswerte Exportindustrie, die mit China konkuriert) wieder zurückholen.

    So einfach ist das. Klartext:
    Löhne runter, Staatskosten runter, Hosen runter, damit die „konkurenzfähigkeit“ unserer Produkte auf dem Weltmarkt erhalten bleibt.

    Und es wird immer mehr Reiche geben in Europa, die sich abschotten werden vom Heer der Armen. Aber eins haben sie drauf: Sie wissen genau, wie man die Menschen gegeneinander aufhetzt, nur um von sich selber abzulenken.

  17. Ausgenz
    31. Oktober 2011, 18:09 | #17

    Der weltweit sehr geschätzte , emeritierte Professor der
    Philosophie, Christos Giannara, darf zwar in der Kathimerini
    gelegentlich schreiben (siehe Sonntagsausgabe 30.10.11, Seite 21),
    findet aber im eigenen Land kaum Gehör.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Christos_Yannaras
    Stattdessen lassen sich die Leute von Karatzaferis und
    seinem Heimatsender berieseln und sein Gedankengut
    breitet sich wohl immer mehr in der Bevölkerung aus.
    Wäre schön, lieber Herr Moderator, wenn Sie der Intelligenz
    des Landes gelegentlich auch mal ihre Stimme verleihen würden.

  18. Ralf
    1. November 2011, 09:54 | #18

    @ Lina

    Vielen Dank für Ihre ausführlichen Ausführungen. Es ist immer wieder interessant Ihre „erfrischende“ Art zu lesen. Sicherlich kann man Ihnen nicht abstreiten, dass Sie sich auskennen und sich auch dementsprechend ausdrücken können.

    Trotz oder genau deswegen möchte ich noch gerne Sie direkt ansprechen und Sie nach Ihrer Sichtweise der folgenden Fragen bitten:

    1. Selbst in den „goldenen Jahren“ als es dem griechischen Volk wirklich sehr gut ging und sich der Lebensstandard immer weiter verbesserte hatte Griechenland Staatsdefizite. Der Staat kann aber nur soviel ausgeben, wie er einnimmt. Das wird auch nicht in Deutschland eingehalten, aber wie soll das denn jetzt die nächsten Jahre werden oder in 10 Jahren wenn das Land wieder auf den Beinen ist? Wie kann die Einnahmenseite aufgestellt werden, so dass die Steuern auch fließen?

    2. Sie haben weiter oben geschrieben, dass Griechenland viele Kulturschätze hat. Das stimmt, denn das Land ist meiner Meinung nach das schönste in Europa, aber Schönheit alleine reicht nunmal nicht aus um auch wirtschaftlich zu funktionieren. Der Tourismus ist nur eine Einnahmenquelle, kann aber diesen momentanen hohen Lebensstandard für das ganze Land nicht garantieren. Wie kann die Griechische Wirtschaft wieder auf die Beine kommen?

    3. Sie haben selbst die Konkurrenz mit den Schwellenländern beschrieben. Das ist in einer globalisierten Welt leider so. Aber auch Griechenland muss sich diesem Wettbewerb stellen und da kenne ich keine wirklich wichtigen Industriebetriebe, die ähnlich wie unter 2. eine Rolle spielen können um das BIP von Griechenland zu erhöhen. Tourismus und Binnennachfrage können hier nicht alleine Punkten. Wie soll GR somit seinen Lebensstandard halten oder wie rechtfertigt sich dieser Lebensstandard?

    4. Wie sehen Sie das jetzt von Papandreou angestrebt Volksreferendum zur „Rettung“? Ich finde dies einen clevern Schachzug von diesem Machtpolitiker. Wenn es nicht durch geht ist GR pleite und wenn es durch geht, dann kann keiner hinterher sagen „Ihr seit Schuld“.

    Ich bitte Sie höflich mir Ihre Sichtweise der Dinge darzulegen!

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