Sparmaßnahmen in Griechenland gefährden Schulsystem

16. August 2011 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 1.105

In Griechenland zeichnen sich für das Schuljahr 2011 – 2012 infolge der aufgezwungenen radikalen Sparmaßnahmen katastrophale Verhältnisse in den öffentlichen Schulen ab.

Laut der Einschätzung des Staatsekretärs des Bildungsministeriums Vasilis Koulaidis „wird das kommende Schuljahr aufgrund der wirtschaftlichen Krise das schwerste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg sein, und während seiner Dauer werden sich große Lücken einstellen„.

Wie der Staatssekretär gegenüber der Zeitung „To Vima“ erklärte, stellen das größte Problem die zu erwartenden Ausfälle bei der Besetzung der Lehrkraftstellen dar. „In diesem Jahr wird es ungefähr 600 Neueinstellungen geben, während noch gar nicht feststeht, wie viele Lehrer sich pensionieren lassen und aus dem Dienst ausscheiden werden„.

Lehrer in Griechenland quittieren scharenweise den Dienst

Es sei daran erinnert, dass im vergangenen Jahr rund 11.000 Lehrkräfte den Dienst quittierten und für das laufende Jahr mit über 12.000 Abgängen gerechnet wird, da sich die Lehrer sputen, ihre Pensionsansprüche zu sichern und aus dem öffentlichen Dienst auszuscheiden.

Erklärend ist anzumerken, dass die griechischen Lehrer scharenweise in die Pension eilen, da sich gemäß einer von dem Zentrum für Studien und Dokumentierungen (KEMETE) durchgeführten Studie ihre Einkommensverluste während der kommenden Jahre auf das Eineinhalbfache der Abfindung für den Dienstaustritt summieren werden.

Wir müssen übermenschliche Anstrengungen unternehmen, um die Lücken zu stopfen und die Versetzungen des Personals mit chirurgischer Akribie zu handhaben„, betont Staatssekretär Vasilis Koulaidis, der sich einerseits zuversichtlich zeigt, dass all dies bis zum Beginn des neuen Schuljahres geschafft werden könne, andererseits jedoch auch die Schwierigkeiten des Vorhabens eingesteht.

Angesichts der besonders geringen Anzahl der Neueinstellungen sprechen die Vertreter der Lehrkräfte von einer ungekannten Schrumpfung des Bildungswesens und gehen davon aus, dass viele Schulen zur Aufnahme des Betriebs gezwungen sein werden, ohne die notwendige Anzahl an Grund- und Oberschullehrern sichergestellt zu haben.

Der Generalsekretär der OLME Themis Kotsyfakis stimmt den Prognosen des Staatssekretärs Koulaidis darin zu, dass das kommende Schuljahr besonders schwer sein wird und erachtet, dass die Probleme ab dem ersten Moment des neuen Schuljahrs auftreten werden und sich das Werk der Lehrkräfte außerordentlich schwierig gestalten wird.

Verzögerungen bei der Auslieferung von Schulbüchern in Griechenland

Lücken wird es jedoch auch bei der Bereitstellung der Schulbücher geben, da bei dem Verlagsträger für Lehrbücher große Verzögerungen beobachtet worden sind.

Staatssekretär Koulaidis versichert, dass die Schüler die notwendigen Bücher erhalten werden, jedoch laut seiner Erklärung zu Beginn des Schuljahrs die Bücher mit dem anfänglich behandelten Lehrstoff und die übrigen Bücher im weiteren Verlauf des Schuljahres zur Auslieferung kommen werden.

Schulbeginn in Griechenland mit Protestaktionen und Streiks

Mit Beginn des neuen Schuljahrs wird es allerdings möglicherweise auch zu Problemen seitens der Lehrkräfte kommen. Am 03. August 2011 beschloss der Dachverband der Lehrer Griechenlands Dauerstreikaktionen mit Beginn des Schulbetriebs am 12. September 2011 und stimmt seine Aktionen auch mit dem Dachverband der Oberschullehrer (OLME) ab, um eine gemeinsame „Aktionsfront“ zu schaffen.

Art und Dauer der Streikaktionen der Lehrkräfte sollen in Abstimmung mit der OLME, aber auch mit der ADEDY gegen Ende August 2011 endgültig bestimmt werden. In einem offenen Brief des Dachverbands der Lehrkräfte an Premierminister Jorgos Papandreou wird sogar betont, dass „die Lehrer keine weiteren Beschneidungen ihrer Gehälter ertragen und etwas derartiges einen Casus Belli darstellen werde„.

(Quelle: To Vima)

  1. Maria
    16. August 2011, 19:37 | #1

    Geht es darum zu protestieren oder einfach nicht arbeiten wollen?Langsam fällt mir den Verständnis für so solche „Aktionen“!
    Wenn die Lehrer protestieren wollen, warum tun sie es nicht jetzt? Warum mussen immer wieder die Kinder, die Leidtragender der Situationen sein? Reicht es nicht, dass die Kinder, wenig von iher Kindheit haben weil eben dieser Lehrer, nicht nur ständig streiken wie auch so schlecht unterrichten sodass, die Kinder gezwungen werden, Nachmittags, privat Unterricht zu nehmen um überhaupt was zu lernen!
    Es reicht! Proteste sind richtig aber nicht auf Kosten der Gesellschaft!

  2. Xristos
    16. August 2011, 22:48 | #2

    Ach Maria, frag doch mal, wo die ganzen Strafgelder, die angeblich gegen korrupte „Staatsdiener“ verhängt wurden, denn geblieben sind. Davon hätte man, wenn man gewollt hätte, ganze Jahrgänge Lehrtätigkeit bezahlen können. Aber, wo ist denn jetzt die Kohle?
    Nee, wenn die Lehrer jetzt den Dienst quittieren, dann, weil Sie , s.o. : Zitat: „da sich die Lehrer sputen, ihre Pensionsansprüche zu sichern und aus dem öffentlichen Dienst auszuscheiden. “ Haha – die, die streiken, sichern sich also nebenbei noch Ihre Pensionen.
    Pensionen sind richtig, aber nicht auf Kosten der Gesellschaft – so wird ein Schuh draus!

  3. Rollato Rentier
    17. August 2011, 03:39 | #3

    Es ist Zeit, dass Schüler und Eltern sich diese streikenden Jugendverderber vorknöpfen und sie mit äußerster Entschlossenheit und Härte dazu zwingen, ihre Arbeit zu machen, und zwar allein im Rahmen ihrer Staatsanstellung, nicht als wandelnde Bildungssabotage vormittags und privater Hinzuverdienst nachmittags. Jammert nicht, Kämpft!

  4. White Tower
    17. August 2011, 14:42 | #4

    Als Lehrer , sprich Bildungsbeauftragter , hat man Vorbild für Kinder und Jugend zu sein. Streiks sind da ein falsches Signal , was soll aus den Jugendlichen werden , die bereits jetzt schon das/ein falsch(s) Signal empfangen . . .???

  5. Waldemar
    17. August 2011, 22:30 | #5

    Wer „berechtigte“ Streikgründe hat soll das tun. Gleichzeitig ist die Bildung der Kinder keine Nebensächlichkeit sondern mit verlaub das wichtigste was die griechische Regierung ab sofort „GEWÄHRLEISTEN MUSS“ wenn das Land nicht untergehen soll. Wenn die Menschen freundlich gebeten werden mit zu denken wie dieses Ziel realisiert werden kann ist das okay. Ansonsten bleibt die Verantwortung bei den Politikern. Man kann es nicht häufig genug sagen…. Die Zeit drängt. Deshalb ist es nötig teilweise neue Wege zu gehen. vielleicht möchten auch pensionierte Lehrer und andere wenigstens übergangsweise ehrenamtlich mithelfen oder sind alle verdammt faul und egoistisch. Ich glaube nicht. Im übrigen müssen die Lehrer tatsächlich in der Lage sein die Kinder ausreichend zu bilden (dafür werden sie von den Steuern bezahlt) so das zusätzlicher Unterricht nur im Notfall nötig ist.

  6. Waldemar
    17. August 2011, 22:39 | #6

    „Ach Maria, frag doch mal, wo die ganzen Strafgelder, die angeblich gegen korrupte “Staatsdiener” verhängt wurden, denn geblieben sind. Davon hätte man, wenn man gewollt hätte, ganze Jahrgänge Lehrtätigkeit bezahlen können. Aber, wo ist denn jetzt die Kohle?“

    Frage an die griechische Regierung: Wo sind die Strafgelder geblieben? Ich schlage vor ein Konto dafür einzurichten und mit diesem Geld die Schulen zu unterstützen.

  7. 22. August 2011, 10:24 | #7

    Ein Schulsystem das den Schülern den Kopf verdreht und nationalistisches Gedankengut unterjubelt…

    http://www.aimpress.ch/dyn/trae/archive/data/200012/01207-006-trae-ath.htm

    Alexis Heraclides is Associate Professor of International Relations at the Panteion University in Athens

    „Well before the upsurge of Greece ultra-nationalism, which manifested itself during the first part of the 1990s with the Greek-Macedonian dispute over „the name of Macedonia“ and more recently with the hysterical fundamentalist nationalism of the Orthodox Church of Greece, nationalist sentiments were instilled in Greece by way of the most traditional and effective method: namely primary and secondary education (and in some cases even at university level)“

Kommentare sind geschlossen