Griechenland steht ein Jahrhundert der Sparsamkeit bevor

11. August 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.040

In Griechenland stellt sich zunehmend die Erkenntnis ein, dass dem Land trotz aller Maßnahmen und Hilfsaktionen eine harte und lange Durststrecke bevorsteht.

Entgegen allen mehr oder weniger „blauäugig“ oder sogar auch sträflich leichtfertig und zweckdienlich gestellten Prognosen haben weder die von der „Troika“ (IWF, EZB, EU) aufgezwungenen Maßnahmen noch die wie und wann auch immer beschlossenen Hilfsmaßnahmen zu einer Verbesserung der Lage Griechenlands geführt, sondern drücken das Land immer tiefer in den Strudel der Rezession und damit einhergehenden gesellschaftlichen und politischen Destabilisierung.

Die trügerische Ruhe der „Sommerpause“ vermag keinesfalls darüber hinwegzutäuschen, dass Griechenland nicht nur ein „heißer Herbst / Winter“, sondern ein langer und sehr harter Weg bevorsteht. Einschlägige Überlegungen stellt auch der (unbenannte) Autor eines Artikels an, der am 08. August 2011 in der griechischen Tageszeitung „Vradyni“ unter dem Titel „EFIMERA“ publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

OECD-Generalsekretär Angel Gurría dementiert „Schönredner“

All Jene – in ihrer Mehrzahl Abgeordnete und Wähler der PASOK-Partei -, die weiterhin argumentieren, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung bald einstellen wird, dementierte nun OECD-Generalsekretär Angel Gurría in seinem Interview, das er einer Sonntagszeitung gab. Relativ belanglos ist dabei seine Äußerung, dass Griechenland aufgrund der Ergebnisse (der Umsetzung des mittelfristigen volkswirtschaftlichen Rahmenprogramms) und nicht der Bekanntmachungen beurteilt werden – was im übrigen selbstverständlich ist.

Der Generalsekretär des OECD stellte jedoch klar, dass „sich eine (ganze) Generation dem Kampf gegen die Verschuldung verschreiben werden muss.“ Und wenn wir ehrlich sein wollen: es wird nicht nur eine Generation sein, die zu kämpfen haben wird. Alle folgenden Generationen werden sich „ändern“ müssen, wie zutreffend der Premierminister angekündigt hatte, der jedoch natürlich von der volkswirtschaftlichen Krise nicht besonders betroffen zu sein scheint. Leider bezahlten in diesem Land immer die Geringverdiener und Kleinrentner die Zeche eben genau deswegen, weil die Führungen unfähig waren, eine starke Wirtschaft zu schaffen.

Reduzierung des öffentlichen Sektors schafft keine Arbeitsplätze

Wenn also der schlimmste Tag im Leben der Bildungsministerin Anna Diamantopoulou laut ihrer eigenen Aussage der Tag war, an dem der Premierminister die Zuflucht des Landes zu dem Internationalen Währungsfond bekannt gab, wie wird sie dann reagieren, wenn die (Massen-) Entlassungen auf dem öffentlichen Sektor beginnen werden? Angesichts der Tatsache, dass die Ministerin bereits bei der Aussicht auf die Auflösung des öffentlichen Sektors in ein Lächeln verfällt, wird sie wahrscheinlich in Beifall ausbrechen.

Wie Anna Diamantopoulou in einem Interview an eine Sonntagszeitung äußerte, „erträgt das Land nicht mehr den aufgeblähten öffentlichen Sektor, der die Rezession und die Arbeitslosigkeit auf dem privaten Sektor verstärkt“. Als ob sich Arbeitsplätze auf dem privaten Sektor auftun würden, wenn der griechische Staat reduziert wird! Speziell bezüglich der Pädagogen charakterisiert sie deren Reaktionen angesichts der Tatsache als begründet, dass sie die am niedrigsten vergüteten staatlichen Beamten darstellen.

Wie jedoch der Generalsekretär des OECD sagte (siehe weiter oben), ist nicht das, was wir bekannt geben, sondern das, was wir tun von Bedeutung. Und angesichts dessen, was speziell die Regierung und die Ministerin allgemeiner handelt, müssen sich wahrscheinlich die Pädagogen um ihre Zukunft und alle übrigen um die Zukunft der Bildung sorgen.

Sozialversicherung in Griechenland droht Zusammenbruch

„Die Versicherungskassen werden in eine ausweglose Lage geraten, wenn sich 2012 nicht die Wirtschaft erholt“, erklärte neulich der Minister für Arbeit und Sozialversicherung Jorgos Koutroumanis und ließ indirekt durchklingen, dass auch weitere Opfer seitens der Versicherten erforderlich sein werden, damit das System nicht zusammenbricht. Und dies, weil es nach den letzten internationalen Entwicklungen außerordentlich schwierig erscheint, dass die volkswirtschaftliche Krise im nächsten Jahr abgeklungen sein wird – und zwar speziell für Griechenland, das ein weiteres Jahrhundert der Sparsamkeit zu durchschreiten hat.

„Es kommt der schwerste Winter der letzten Jahrzehnte auf uns zu“, warnt Minister Koutroumanis, und wir haben absolut keinerlei Grund, ihm nicht zu glauben – zumal er es schließlich besser wissen wird als wir … .

(Quelle: Vradyni)

  1. Beobachter
    11. August 2011, 08:28 | #1

    Ein System das solch eine Not unter der Bevölkerung verursacht, ist es nicht wert (nicht 1€) um gerette zu werden.
    Wenn die Regierung von System spricht; meinen sie sich selbst an der Macht zu halten !

    Ein komplette Neubegin, wenn auch schwer, ist daher die einzigste Lösung !
    Immer noch besser als vom IWF ausgelutscht zu werden !

  2. Xristos
    11. August 2011, 21:23 | #2

    Wie bitte, stellst Du Dir einen Neubeginn denn vor? Das wüsste ich gern. Wie 1973 ???

  3. Xristos
    11. August 2011, 21:23 | #3

    Sorry, da fehlt noch was: Oder wie 1967 ?

  4. Dieter
    12. August 2011, 10:11 | #4

    Das System, welches die Not in Griechenland verursacht, ist das Gleiche, wie in allen anderen Europäischen Ländern (und über Europa hinaus). Hört auf national zu denken, die Mächtigen dieser Welt tun das schon lange nicht mehr. Auch die griechische Regierung ist meines Erachtens nicht wesentlich schlechter als die anderer europäischer Länder (oder glaubt Ihr ein Möchtegern-Diktator wie Berlusconi wäre die Rettung). Es sind die Banken, die Spekulanten und Global-Player der Industrie, die solche „Krisen“ bewusst verursachen, um sich zu bereichern. Solange sich die Betroffenen nicht auch global zusammenschließen sondern durch die Medien immer wieder gegeneinander aufhetzen lassen, wird sich daran nichts ändern.

  5. Xristos
    16. August 2011, 22:35 | #5

    @ Diter : Mach mal einen Vorschlag, bitte.

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