Die internationale Erniedrigung Griechenlands

25. August 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.584

Die aktuelle Diskussion um die dingliche Besicherung der Hilfskredite an Griechenland bestätigt zunehmend die Einsicht, dass Griechenland de facto unter Kolonialherrschaft steht.

Die seitens der Gläubigerstaaten erhobenen Forderungen nach dinglichen Absicherungen des neuen Kreditpakets für Griechenland, aber auch die Handhabung des Themas seitens der griechischen Regierung kommentiert Chefredakteur Panos Kolokotronis der Zeitung „Vradyni“ in einem am 24. August 2011 publizierten Artikel, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Internationale Erniedrigung

Die Verunglimpfung des Landes geht weiter und die Regierung trägt schwerste Verantwortung – und zwar nicht nur, weil sie dies duldet, sondern auch, weil sie es … verlangt. Der Fall Finnlands und seiner Forderungen wegen seiner Beteiligung an dem neuen Kreditpaket ist ein Beispiel für die Weise, auf welche die Europäer die Griechen betrachten, aber hauptsächlich auch für die Weise, auf welche unsere politische Führung das Land und die Bürger sieht.

Der Premierminister und der Finanzminister mögen argumentieren, Verhandlungen zur Rettung des Landes zu führen, jedoch ist klar, dass sie nicht nur keine Verhandlungen führen, sondern auch hastig Allem und Jedem zustimmen. Finnland verlangte Sicherheiten und wir sputeten uns, „Land und Wasser“ zu geben. Die analoge – wenn nicht noch schlimmere – Stellungnahme der deutschen Arbeitsministerin mag quasi zurückgenommen worden sein, jedoch gilt als sicher, dass es eine Frage der Zeit ist, bis die deutschen Forderungen auch offiziell in Brüssel auf den Tisch gebracht werden. Und Forderungen gegen Griechenland werden erhoben. Das ist klar.

Das Problem ist, dass die griechische Regierung absolut nichts unternimmt, um diesen Forderungen Einhalt zu gebieten. Offensichtlich sind sowohl Herr Papandreou als auch Herr Venizelos davon überzeugt, dass – wie früher der andere Regierungsvertreter Theodoros Pagkalos erklärt hatte – das Land pleite ist und daher nicht zu seinen Gunsten verhandeln kann, sondern zu akzeptieren hat, was auch immer von den Gläubigern verlangt wird.

Griechenland akzeptierte eine kolonialistische Kreditvereinbarung

In einfachen Worten haben wir also das Gold einzusammeln und nach Berlin oder Helsinki zu schicken, damit die Sache ein Ende findet. Griechenland hat mittels des unterzeichneten Kreditabkommens so wie so nicht einfach nur den Abtritt der nationalen Hoheit, aber auch die Bindung aller seiner Reichtum produzierenden Quellen akzeptiert. Und das dürfen wir nicht vergessen – nämlich die Annahme eines rein kolonialistischen Vertrags wie des Kreditabkommens durch die Führung eines Staates, die sogar behauptet, „die Würde des Landes wiederherzustellen“.

Zum Glück sind unsere Gläubiger „gnädig“, da Finnland, nachdem es – offensichtlich auf Druck – noch einmal gut darüber nachdachte und beschloss, seine Besicherungsforderung erneut zu untersuchen, welche sich unser Finanzminister zu befriedigen eilte, indem er den Willen zu einer bilateralen Einigung ausdrückte.

Die Welt lacht. Und der ehemalige Finanzminister und jetzige Umweltminister „genehmigt“ die Handhabungen des Kollegen Venizelos. Konkret unterstützt er, dass „die Verhandlung mit Finnland kein Fehler war (…) Zum Wohl Europas und Griechenlands muss die Vereinbarung fortschreiten“!

(Quelle: Vradyni)

  1. Niko
    25. August 2011, 09:42 | #1

    Es ist einfach furchtbar mit ansehen zu müssen, wie ein ganzes Land vor die Hunde geht.
    Einige wenige entscheiden über das Wohl und die Zukunft eines ganzen Landes.

    Wie sollen unsere Nachkommen je wieder ein vernünftiges Leben führen können.

    Alles wird verkauft und verpfändet.
    Werden die Hellenen in Zukunft fremde im eigenen Land sein?

  2. Monalisa
    25. August 2011, 14:08 | #2

    Es ist schon befremdlich, wie Herr Panos Kolokotronis Äpfel mit Birnen verwechselt. Deutschland ist doch nicht Griechenlands Gläubiger, sondern Griechenlands Bürge. Der deutsche Staat ist nicht im Besitz von griechischen Staatsanleihen. Das sind Versicherungsgesellschaften, Fonds, Spekulanten und der kleine Mann. Der deutsche Staat hält doch nur den Kopf dafür hin, dass Griechenland weiterhin seine Schrottpapiere unter die Leute bringen kann. Wenn alles so schlecht ist, warum hat sich Griechenland denn mit dubiosen Mitteln so darum gerissen in die Eurozone zu kommen? Unglaublich, diese Ignoranz!

  3. Rene Meyer
    25. August 2011, 19:08 | #3

    Der Artikel ist völlig populitisch geschrieben. Daß die Griechen so fühlen und denken hängt damit zusammen, daß sie im eigenen Land keine Schulden eintreiben. Die Zahlungsmoral ist allgemein niedrig, vom Staat bis zur Privatperson, und es ist auch „sozial inakzeptabel“ Leute aus ihren Häusern zu werfen wenn sie die Hypothek nicht bedienen können, was Kreditbetrug über Jahre hinweg Tür und Tor öffnete. Klar daß man nicht versteht warum der Staat dieses oder jenes tun muß wenn er Pleite ist, wenn man es im täglichen Leben nicht versteht.

  4. Jorgos
    25. August 2011, 20:41 | #4

    Herr Kolokotronis kratzt sogar nur an der Oberfläche.

    Erschreckend ist zudem was für ein Bild die gelenkten Medien in Europa verbreiten. Darin einzuordnen ist der Kommentar meiner Vorrednerin. Denn das Problem ist nicht, dass Griechenland sich unter dubiosen Mitteln um dein Eintritt in die Eurozone gerissen haben soll. Dar war rein gar nichts dubioser als die mehr oder weniger erfolgreichen dubioser Betrugsversuche aller anderen Euro-Staaten.
    Das Problem ist der Euro an sich bzw. die Einführung einer gemeinsamen Währung ohne gemeinsame einheitliche Sozial- und Lohnstandards. Dadurch wurde der Euro zur Schulden-Waffe, wie sie die Briten im 19. Jahrhundert erfanden und erfolgreich anwendeten, und war wohl auch so als „Aussauginstrument“ geplant, wenn man sich die Niedrigzinspolitik der EZB betrachtet.
    Griechenland hätte sehr wohl die Möglichkeit gehabt, die Reissleine zu ziehen und das eigene Volk, also die Griechen zu retten statt die fremden Gläubiger. Letztens erst hat das Equador erfolgreich praktiziert. Die Politik war aber, den IWF ins Spiel zubringen (wie wir aus den Aussagen von DSK wissen) und Deutschland bzw. sein Bankensystem zu retten. Für eine griechische Regierung konstituiert das eigentlich den Tatbestand des Hochverrats.

    Und auch das von mir erwähnte, kratzt nur an der Oberfläche. Über die Hintergründe kann man ein Buch schreiben. Darin sollte man auch erwähnen das Hochtief seit 1996 keine Steuern in Griechenland gezahlt hat und dem Staat ca 2,5 Milliarden Euro aus Mwst und KSt schuldet und das der Bruder des Ministerpräsidenten aktiv und mit sehr hohen Gewinnen an der CDS-Spekulation beteiligt war und und und …

  5. Schwede
    25. August 2011, 22:02 | #5

    Es ist einfach furchtbar die armseeligkeit einiger Menschen mit ansehen zu müssen aber so ist das Leben. Wo Mitleid drauf steht ist Hass drin.

  6. Apateonas
    26. August 2011, 10:18 | #6

    Zitat: „Laut den Daten der Dienststellen des Finanzministeriums belaufen sich die aufgelaufenen fälligen Verbindlichkeiten (mit Stand Juni 2011) aus direkten und indirekten Steuern sowie auch aus nicht steuerbedingten Einnahmen zusammen mit den Strafgebühren und Zuschlägen auf den Betrag von 41,1 Milliarden Euro. Geschuldet werden diese Beträge von 900.000 natürlichen und juristischen Personen.“
    „Es gibt in Griechenland 14000 Menschen, die dem Staat zusammen rund 36 Milliarden Euro an Steuern schulden“, sagte Ministerpräsident Papandreou der „Financial Times Deutschland“.
    „Regierung Karamanlis trieb Griechenland wissentlich in Schuldenkrise“
    Das sind die Fakten!
    Weder die böse SIEMENS noch HOCHTIEF haben die Krise zu verantworten!
    Das eigene Volk hat die Regierung gewählt und zahlt seine Steuern nicht!
    Langsam kann ich das ewige populistische gejammer nicht mehr hören !!!

  7. Monalisa
    26. August 2011, 10:27 | #7

    Verehrter Jorgos,
    Sie meinen, mein Kommentar resultiert aus gelenkten europäischen Medien. Dem ist nicht so. Meine Meinung bildete ich mir hautnah, denn ich lebe seit vielen Jahren in Griechenland.

    Ich gebe Ihnen Recht, der Neoliberalismus hat einen großen Anteil an unserer Misere. Aber ein Land, in dem die Schlamperei und Vetternwirtschaft so wenig Konsequenzen hat wie Griechenland, finden Sie nur noch in der sogenannten dritten Welt. Indirekt behaupten Sie, Griechenland hätte durch ziehen der Reißleine sich selber, anstatt fremde Gläubiger retten können. Genau das ist griechischer Größenwahn! Griechenland mag zwar der Auslöser dieser Krise sein, es ist aber nicht der Grund. Dazu ist dieses Land viel zu unbedeutend.

    Der Grund der Krise sind die riesigen Schuldenberge in fast allen Industrienationen. Das kann aber keine Entschuldigung für Griechenland sein, nicht endlich mal den eigenen Stall auszumisten; was übrigens jedem zu empfehlen ist. Solange wilde Müllkippen das Land überziehen, Unmengen Autos unversichert herumfahren, Energiesparen ein Fremdwort ist, Tier- und Umweltschutz kleingeschrieben und Egoismus großgeschrieben wird, wird das nichts mit Ihrem geliebten Heimatland Herr Jorgos.

    Machen Sie die Augen auf lieber Jorgos, denn:

    „Wer Augen hat zu sehen, der sehe..“ sagte schon Jesus und weiter:

    „Den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, den siehst du; aber den Balken, der in deinem Auge ist, den siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge gezogen hast, wirst du klar sehen, um den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, herauszuziehen. Papyrus Oxyrhynchos 1“

  8. Griechenland
    28. August 2011, 23:59 | #8

    Was den Umweltschutz in Griechenland angeht haben die bisherigen Umweltminister tatsächlich abgrundtief versagt….. Warum auch immer. In anbetracht der Tatsache, dass das atemberaubend schöne Land bewusst beschmutzt, verbrand und vergiftet wird müsste dem Umweltminister das Herz bluten. Jeder ein wenig umwelbewusste Mensch mit etwas Courage könnte die meisten Probleme in kurzer Zeit lösen. Der zuständige Minister sollte sich mit den grünen Mitpolitikern zusammensetzen und einige neue Richtlinien schaffen, Hohe Geld- und Gefängnisstrafen können das Verhalten der egoistischen Bürger ämdern.

  9. 1. September 2011, 22:30 | #9

    Rene Meyer :Der Artikel ist völlig populitisch geschrieben. Daß die Griechen so fühlen und denken hängt damit zusammen, daß sie im eigenen Land keine Schulden eintreiben. ….. Klar daß man nicht versteht warum der Staat dieses oder jenes tun muß wenn er Pleite ist, wenn man es im täglichen Leben nicht versteht.

    Danke für die Info, Herr Meyer! Solche Nachrichten bringen die Hilfswilligen in den deutschen Mainstream-Medien (löbliche Ausnahme: die FAZ) natürlich nicht!

    Im Übrigen: Danke an das Portal für die Übersetzung. Auch wenn der Inhalt natürlich eine Unverschämtheit ist, ist es gleichwohl wichtig (wenn auch nicht überraschend) zu wissen, wie die Griechen ticken.

    ceterum censeo:
    EIN WUNDBRAND FRISST SICH DURCH EUROPA,
    WEIL ES ZU FEIGE IST, EIN KRANKES GLIED ZU AMPUTIEREN!

  10. Antiwunden
    1. September 2011, 23:26 | #10

    Das mit dem Wundbrand ist ein gutes Beispiel. Ich sehe schon das Gehirn = Cangrande allein auf den Königsessel. Ganz ehrlich DANKE, Sie haben mich gerade inspiriert.

    Mit freundlichen Grüßen, denn ich habe von meiner griechischen Großmutter beispielsweise gelernt, die Dinge zu trennen und bösartigen Egoismus zu vermeiden.

  11. 2. September 2011, 11:39 | #11

    Antiwunden :….. ich habe von meiner griechischen Großmutter beispielsweise gelernt, die Dinge zu trennen und bösartigen Egoismus zu vermeiden.

    Na, da würden Sie sich doch bestens dort unten einfügen in jene großartige Bürgergesellschaft, wo alle nur an die Gemeinschaft denken, freudig Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen, Bestechungsgelder entrüstet zurückweisen ….. .

    Oder hat Ihnen Ihre griechische Großmutter da etwa was unterschlagen?

  12. Antigrande
    2. September 2011, 22:56 | #12

    @ Cangrande

    Andere würden sagen: „Mit Herr oder Frau Cangrande sollte man nicht reden, weil er oder sie nicht in der Lage ist freundlich, sachlich, konstruktiv, ohne Vorrurteile und Veralgemeinerungen zu Diskutieren aber ich habe von der besagten und großartigen Großmutter gelernt allen Menschen einige Chancen zu geben. Auch aus egoistischen Gründen. Wegen der Inspiration.

    Es gibt nicht die Griechen. So wie nicht alle deutsche so wie Cangrande sind. Viele Deutsche sind Nazis. Respekt, Niveau, politische Zusammenhänge verstehen, die Ursache der Probleme erkennen und Lösungen erarbeiten, Sozialverhalten und ähnliches kann man lernen.

    Sie auch. Viel Erfolg und noch einmal ehrlich Danke für die vielen Ideen.

    Gut soll es Ihnen gehen (So verabschiedet man sich in Griechenland)

  13. Klamm
    8. Oktober 2011, 20:57 | #13

    Es ist schon lustig diese Kommentare zu lesen- sie sind überflüssig.
    Man kann Menschen die nicht denken können nicht dazubringen ihren Verstand einzusetzen.
    Denn wenn sie ihn hätten wäre das beschriebene alls nicht passiert, leider.

  14. GR
    9. Oktober 2011, 02:08 | #14

    Ich bin getz wech. Ich schwör

Kommentare sind geschlossen