Banken in Griechenland bieten bis zu 7 Prozent Zinsen

8. August 2011 / Aktualisiert: 22. Januar 2020 / Aufrufe: 2.003

In Ermangelung anderer Liquiditätsquellen sind die Banken in Griechenland zu teilweise signifikanten Erhöhungen der Zinssätze für Festgeldanlagen geschritten.

Die griechischen Banken sind zu erheblichen Erhöhungen der Zinssätze für Festgeldanlagen geschritten, zumal während der ersten fünf Monate des Jahres 2011 Einlagen in Höhe von fast 18 Milliarden Euro abgeflossen sind. Da derzeit für die griechischen Banken die Anleger die einzige Quelle zur Schöpfung von Liquidität darstellen, gelten die hohen Zinsen als absolut gerechtfertigt. Es sei angemerkt, dass im Mai 2011 die aufsteigende Angst vor einem Staatsbankrott Griechenlands zum Ergebnis hatte, dass von den Konten griechischer Banken rund 4,8 Milliarden Euro abgezogen wurden.

Andererseits haben die Änderungen in der Zinspolitik der Kreditinstitute während der letzten eineinhalb Jahre zu einer erheblichen Kapitalverschiebung zu den Konten mit vorbestimmter Anlagedauer geführt. Die Bankiers möchten diese Wendung ihrer Kunden, aber auch die gezeigte Bereitschaft, zur Erzielung höherer Zinsen die Bank zu wechseln, ausnutzen und haben einen Wettlauf um größerer Anteile an dem konkreten Markt begonnen.

In letzter Zeit reichern die zuständigen Abteilungen der Banken die Festgeldanlagen mit neuen Merkmalen an, um die Anleger anzulocken. Auf diese Weise wird allerdings der Vergleich der Produkte durch die Konsumenten schwierig, da die Nennzinssätze allein kein sicheres Entscheidungskriterium darstellen können. Jedenfalls übersetzen sich das Andauern der Krise und die Prognosen internationaler und nationaler Analytiker bezüglich neuer Zinserhöhungen in noch höheren Renditen für die Anleger in den folgenden Monaten.

Aktuelle Konditionen für Festgeldanlagen bei Banken in Griechenland

Die Millennium-Bank ist die Bank, die den höchsten Guthabenzinssatz auf einem Niveau bei 7% anbietet. Konkret bietet sie bei der 7-monatigen Festgeldanlage für Anlagebeträge von 75.000 bis 150.000 Euro einen Zinssatz von 6,95% unter der Voraussetzung an, dass es sich um die Eröffnung eines neuen Festgeldkontos handelt. Parallel hat der Anleger auch ein Sparkonto oder Girokonto mit einer Mindesteinlage von 1.000 Euro zu führen oder eins der Gesundheitsprogramme der Bank zu erwerben.

Die Eurobank brachte die neue Anlage „Festgeld x 2“ (προθεσμιακή x 2) für Beträge ab 10.000 Euro auf den Markt, mit einer Laufzeit von 12 Monaten und monatlicher Auszahlung der Zinsen, wobei sich der Zinssatz im 6. und 12. Monat verdoppelt. Die Rendite hängt von der Höhe der Einlage ab und erreicht bis zu 4,03%. Die Bank erhöhte ebenfalls den Zinssatz der Festgeldanlage „Step up“ mit einer Laufzeit von 7 Monaten, der bis zu 4,5% erreichen kann.

Auch die Piräus Bank (Τράπεζα Πειραιώς) erhöhte in den letzten zwei Monaten die Zinssätze bei den Festgeldprodukten „Vorwärts“ (Μπροστά) um mehr als eine Einheit und schritt ab dem 01. Juli 2011 zum Online-Konto Winbankdirect. Der Zinssatz erreicht 4,10% für „Vorwärts“ und 4,5% für Winbankdirect.

Weiter sei daran erinnert, dass die Hinterlegungsstelle (Ταμείο Παρακαταθηκών και Δανείων) eine Festgeldanlage mit 16-monatiger Dauer und einem Spitzenzinssatz von 6,3% einführte. Der Mindestanlagebetrag beträgt 20.000 Euro und der Zinssatz beginnt ab 4,2% und steigt schrittweise bis auf 6,3% (Rendite: 5,21%)

Bei der Nationalbank (Εθνική Τράπεζα) erreichen die Erträge bis zu 5,80%. Bei der 18-monatigen Anlage „Doro Ethnikis“ (Δώρο Εθνικής) beläuft sich der Ertrag des Produkts für die im August, Dezember und April erfüllten Monatsperioden (insgesamt 4 Monatszahlungen) auf 5,80% (nicht zu verwechseln mit der erheblich niedrigeren Gesamtrendite!).

Die Bank von Zypern (Τράπεζα Κύπρου) bietet bei der 6-monatigen Anlage „Plus“ einen Zinssatz von 2,3% für die ersten drei Monate und 4,5% für die zweiten drei Monate, während bei der Anlage „REFLEX“ mit einer Laufzeit von 12 Monaten der Zinssatz von anfänglich 3,25% alle drei Monate um 0,25% auf 4% im letzten Quartal steigt.

Die Alpha Bank beginnt bei der Anlage „Alpha Monatswachstum“ (Alpha Μηνιαία Πρόοδος) für eine Laufzeit von 12 Monaten den Zinssatz mit 2,9 % und steigert ihn schrittweise bis 3,6%, während bei einer Laufzeit von 18 Monaten der Zinssatz mit 3,1% beginnt und schrittweise 4,5% erreicht.

Die Postbank (Ταχυδρομικό Ταμιευτήριο) bietet für die 15-monatige Festgeldanlage „Ich steige“ (Ανεβαίνω) einen Zinssatz, der von anfänglich 3% bis schließlich 6% skaliert ist.

Weitere Angebote griechischer Banken: Die Marfin Egnatia Bank bietet für die 12-monatige Festgeldanlage einen Zinssatz von 3,75%, die Handelsbank (Εμπορική Τράπεζα) für ihre Festgeldanlagen „Emporiki PROigoume“ (Emporiki ΠΡΟηγούμαι) Zinssätze von bis zu 4,12%, die Attica Bank einen Festgeldzinssatz von 4,6%, die Proton Bank Zinssätze von bis zu 4,95% und die FBBank eine jährlichen Brutto-Rendite von 4,815%.

Griechische Banken hoffen auf Kapitalrückfluss aus dem Ausland

Ob die griechischen Kreditinstitute mit den aktuellen Festgeldkonditionen auch den erhofften Kapitalrückstrom aus dem Ausland in Gang setzen können, wird abzuwarten bleiben. Schon allein die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen (und zwar nicht nur in Griechenland) könnte selbst zuversichtliche Anleger vorerst von einer Festgeldanlage in Griechenland abhalten.

Sehr viel gewichtiger dürfte in dieser Hinsicht allerdings der Vertrauensfaktor zu Buche schlagen: Der enorme Kapitalabfluss aus Griechenland erfolgte schließlich nicht unter dem Aspekt höherer Renditen, sondern in dem Bestreben nach mehr Sicherheit.

Abschließend sei angemerkt, dass insbesondere auch Anleger kleinerer und mittlerer Beträge mit einem Tagesgeldkonto in Deutschland fallweise sogar lukrativere Konditionen als in Griechenland erzielen können, da griechische Banken dieses Segment unverständlicherweise nach wie vor weitgehend ignorieren (siehe auch Tagesgeld-Vergleich).

(Quelle der Festgeldkonditionen in Griechenland: Vradyni, A. Pavlou-Papadimitriou)

  1. 8. August 2011, 16:13 | #1

    Repräsentative Demokratie

    Schwarz: Was soll an unverdienten Knappheitsgewinnen anstößig sein? Unverdiente Knappheitsgewinne gibt es immer, unverdiente Knappheitsgewinne müssen sein!

    Rot: Wir bemühen uns redlich, dass unverdiente Knappheitsgewinne nicht zu groß werden, und wenn alle dabei mithelfen, werden auch die Bedürftigen unter euch weitestgehend von der Pflicht entbunden, an der Vergrößerung unverdienter Knappheitsgewinne mitzuwirken.

    Gelb: Hände weg von unverdienten Knappheitsgewinnen! Gehört alles uns!

    Grün: Wir können uns zwar vorstellen, dass es ohne unverdiente Knappheitsgewinne auch keine Umweltverschmutzung mehr gibt, aber keiner kann von uns erwarten, dass wir arbeitslos werden.

    Ganz rot: Wenn wir die Hälfte aller unverdienten Knappheitsgewinne wieder unter das Volk verteilen, merkt bestimmt keiner, dass wir die andere Hälfte dann ganz für uns haben. Und wenn es dann soweit ist, gibt sich das Volk bestimmt auch mit einem Drittel zufrieden.

    Vorschlag: Wir streichen alle unverdienten Knappheitsgewinne (Kapitaleinkommen auf Kosten der Mehrarbeit anderer), damit alle, die wirklich etwas leisten, sich an verdienten Knappheitsgewinnen (aufgrund technologischer und kultureller Innovation) erfreuen können.

    Wer Schwierigkeiten hat, sich mit diesem gut gemeinten Vorschlag anzufreunden, sollte sich zunächst darüber informieren, was passiert, wenn in dieser Richtung nichts passiert:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

  2. Theo d’Or
    9. August 2011, 01:07 | #2

    Dass GR nicht pleite genannt wird, heisst nicht, dass es nicht pleite ist. Wer jetzt voreilig sein Geld freiwillig durch klamme Banken blockieren lässt (es hat schon seinen Grund, wenn Mondzinsen geboten, aber keine Tagesgeldangebote gemacht werden), handelt hochriskant.

  3. der name
    9. August 2011, 22:16 | #3

    in sparbücher angelegtes geld ist zur zeit nicht nur in europa ein risiko. wer (vor allem die griechen) nicht darauf verzichten möchte sollte die 7 % bevorzugen und dabei nebenbei griechenland unterstützen. ist viel mehr als das was andere banken anbieten.

  4. Moppel
    10. August 2011, 01:16 | #4

    Der Vollständigkeit halber sei angemerkt:
    a) Zinserträge werden in Griechenland grundsätzlich mit einer 10%igen Quellsteuer belegt; es gibt weder „Sparerfreibeträge“, noch besteht die Möglichkeit, solche Erträge – wie beispielsweise in Deutschland per Freistellungsauftrag – mit dem Gesamteinkommen verrechnen zu lassen.
    b) Speziell (jedoch beileibe nicht allein) die Nationalbank / ETE schmückt ihre Festgelkonditionen mit lukrativen „Spitzensätzen“, die jedoch über die Laufzeit der Anlage verteilt nur für konkrete Zinsperioden (Monate) gewährt werden und den Anleger davon abhalten sollen, die Einlage vorzeitig zu kündigen; die effektive Rendite fällt dagegen eher „flau“ aus.
    c) Ob Festgeldanlagen bei griechischen Banken riskanter sind als bei Banken anderer (EU-) Staaten, mag dahingestellt bleiben. Die erst neulich bis 2015 verlängerte gesetzliche Einlagensicherung garantiert allerdings nicht auch die freie Verfügbarkeit der Anlage(n).
    d) Kleinsparer und kurzfristig orientierte Anleger weniger „spektakulärer“ Beträge werden von den griechischen Banken allgemein nach wie vor als Melkvieh behandelt – was auf breiter Basis dazu beigetragen hat, dass inzwischen selbst „Tante Emma“ ein Giro- oder / und Tagesgelkonto bei einer Bank im Ausland führt und online verwaltet.

  5. Theo d’Or
    10. August 2011, 13:21 | #5

    Gute Anmerkungen, @Moppel!

  6. nomas
    10. August 2011, 13:58 | #6

    wenn ich hier so lese, was manche leute für probleme mit ihren kohlehaufen haben, bin ich ganz froh, diesem illustren kreis nicht anzugehören. meine paar kröten werden in griechenland ausgegeben und in griechenland aufs konto getan. lieber lerne ich noch tensorrechnung und mandarin als mich mit öden zinssätzen abzugeben. so ist’s besser für’s karma.

  7. MTN
    10. August 2011, 23:43 | #7

    falls herr oder frau theodor und moppel griechenland unterstützen möchten werden sie sicher eine lösung finden um ihr geld in griechenland zu vermehren. eventuell auch anderen griechen tipps geben oder eine eigene bank gründen. wie auch immer. geist ist geil.

  8. Theo d’Or
    11. August 2011, 15:22 | #8

    Eine normale Geschäftstätigkeit in Griechenland erscheint denkbar unattraktiv, wegen der Zögerlichkeit des Staatsvolkes, mindestens die Hälfte des öffentlichen Sektors in die produktive Privatwirtschaft zu verabschieden, die Rechtsordnung adäquat zurechtzustutzen sowie die Troikisten rauszuwerfen. Selbst das denkbar simple Geschäftsmodell Edelmetallhandel, wie es unsere westasiatischen Freunde in Europas Stadtzentren erfolgreich etabliert haben, erscheint in GR nicht ohne weiteres praktikabel.

    Aber zumindest seine persönliche Zentralbank auf Edelmetallbasis sollte man gegründet haben, die westlichen Zentralbanken haben ja bekanntlich anderes zu tun als die Währungsstabilität zu hüten.

  9. Xristos
    11. August 2011, 21:52 | #9

    Vielleicht verstehe ich das alles, oder manches, falsch.
    Hier mein Senf dazu:
    – Die Griechen, die ich seit vielen Jahren kenne, haben Geld – aber wie in der 1970-Jahren, in der Hosentasche. Quittungen, Rechnungen sind zwar vorgeschrieben, aber warum denn – man müsste ja Steuern abführen. Also besser gleich etwas günstiger sein und die Steuern hinterziehen. OK. Dann hat der Staat weniger Geld, aber, wen stört das denn? Die Leute, die Geld hatten, haben es immer noch. In der Tasche, nicht auf der Bank. Und das sind keine Drachmen – das sind EURO. Passt doch, oder? Der Kurs ist fixiert, Basta.
    – Ich versuche seit einiger Zeit, mir ein Haus in GR zu kaufen – ich mag das Land und die Menschen. Immer, wenn es konkret wird, tauchen andere Bieter auf – jetzt Russen, vorher Athener- die zwar auch nicht kaufen, aber den Markt über den Haufen werfen. Verkauft worden ist noch kein Objekt, das ich haben wollte. Warum, wenn doch das Geld so dringend fehlt, verkaufen die „armen“ Griechen nicht zu dem Preis, den sie zuerst haben wollten? Damit sie hinterher, wenn es keiner mehr haben will, noch mehr jammern können? Ich liebe dieses Land, aber wenn ich als Grieche 140000 EUR für etwas bekommen könnte – jetzt – sofort – was mich nur 80000 gekostet hat, dann würde ich es nehmen, das Geld. Und hätte was verdient.
    – Ich spreche Griechisch, und ich esse nicht nur in den billigen Restaurants. Aber wenn der Kellner aus Rumänien kommt, in der Ecke steht und raucht, statt zu arbeiten, frage ich mich, warum ICH das nicht mache. Oder ein Grieche – aber da mag wohl keiner für 10 EUR/Stunde arbeiten??? So ein Theater ist bei dem ganzen Gejammer grenzdebil, aber wirklich.
    – Fazit, nur etwas ausserhalb der Thematik: Wenn GR irgendwann so billig wird, wie es Rumänien/Ungarn/Bulgarien jetzt sind, wird sich die europäische Industrie dort breitmachen – ich wundere mich, dass sie noch nicht da ist. Mit Solarstrom statt Tabakanbau (aber ok – der wird ja von der EU subventioniert), mit Zulieferfirmen aus der Metallbrache, mit Heimen für altersgerechtes Wohnen etc.
    Ob da die griechischen Banken etwas ändern können, bezweifle ich.
    Ober die EU-„Wirtschaft“ wird es schon richten.

  10. Alles wird gut
    13. August 2011, 15:03 | #10

    Wenn Sternschnuppen die auf Griechenland fallen Patrioten wären…. Viel Spaß heute Abend.

  11. Otto Volstorf
    29. Mai 2012, 11:54 | #11

    Ja Xristos, habe u. a. auch Deinen Bericht gelesen, hast ja absolut recht und bist ja noch sachlich und ruhig dabei geblieben. Ich lebe seit 26 jahren hier, will auch meine Hütte am Meer verkaufen, 8,000qm. und 140 qm. Haus ect. Noch vor gut 3 jahren für ca. 300.000 € möglich. Griechen, die „großen“ Händler wollten natürlich den Preis auf 250.000 €. drücken.
    Nun, 2 Jahre später bin ich auch bei 250.000€, aber nun wollen sie nur 200.000 € zahlen. Gehe ich nun runter auf 200.000 €, so bin ich überzeugt, die Griechen versuchen dann den Preis auf 150.000 € zu drücken, um dann bei 180.000 € zu kaufen. Wissen Griechen eigentlich überhaupt was sie wollen? Ich glaube, sie wissens nicht!
    Seit 50 Jahren bin ich nun mit einer Griechin verheiratet, seit 50 Jahren höre ich nur Gejammer von den Griechen und meiner Gr. Verwandschaft. Verkaufte ich hier Möbel,
    so war der Tisch entweder zu groß, zu klein, zu breit oder zu lang oder zu teuer. Ich glaube, alle Griechen haben schon in der Wiege Schauspieluntericht gehabt, anders kan ich mir ihr Gehabe nicht erklären. Weder mit Geld, guten Worten und mit Logik so wie so nicht, kann man die Griechen nicht auf die Beine helfen.
    Nachteule …..

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