Angst und Schrecken im Zentrum von Athen in Griechenland

19. August 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.289

Im Zentrum der Stadt Athen in Griechenland agieren organisierte Banden, die Autos aufbrechen, Passanten bestehlen und an den Verkehrsampeln Autofahrer überfallen.

In der griechischen Nachmittagszeitung „Vradyni“ publizierte Giannis Alexiou, der selbst Opfer eines Überfalls wurde, am 18. August 2011 unter dem Titel „Angst und Schrecken im Zentrum von Athen“ einen Artikel über die Verhältnisse im Zentrum von Athen, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Im Bezirk Monastiraki treibt eine Bande Drogensüchtiger ihr Unwesen und ist laut Aussagen zu Angst und Schrecken der Fahrzeugbesitzer, die ihre Wagen in der Gegend abstellen, aber auch der Touristen geworden, die in dem Gebiet unterwegs oder in Hotels untergebracht sind. Eine ganze Diebesbande agiert skrupellos in dem Bezirk ab Monastiraki, der Straße Ermou und den umliegenden Gebieten bis hin zu Psyrri. Die Bande geht alltäglich und systematisch ihren Aktivitäten nach und veräußert das Diebesgut an einer konkreten Stelle, und es existiert sogar ein … „Zusteller“, der unabsetzbare Beute an Bestohlene zurückgibt.

Die Täter sind hauptsächlich Drogensüchtige, die blitzschnell zuschlagen und eine besondere Vorliebe für Auto-Kofferräume zeigen, die sie im Handumdrehen in der Hoffnung aufbrechen, darin von den Fahrern verstaute Taschen und persönliche Gegenstände zu finden. Danach unterziehen sie das Diebesgut einer Untersuchung (üblicherweise an einem hinter der Kirche in der Straße Asomaton gelegenen Platz) und sortieren die Beute aus, um die verwertbaren Stücke anschließend zu verscherbeln und sich ihre Dosis zu besorgen.

Alltäglich beklagen hunderte nichtsahnende Passanten im Bezirk Monastiraki den Verlust ihrer Mobiltelefone, Taschen, Sonnenbrillen, Fotoapparate, Geldbörsen, Uhren, Digitalkameras, Schmuckstücke und jeder Art persönlicher Gegenstände, angefangen von Arbeitsunterlagen, Quittungsblöcken, Sparbüchern und Kontokarten bis hin zu Ausweisen und – speziell im Fall von Touristen – Reisepässen, und natürlich von Bargeld, das sich „verflüchtigt“ hat.

Nachdem die Opfer der Diebstähle in Abfallbehältern und an diversen Stellen erfolglos nach den verlorenen Gegenständen suchen, begeben sie sich zum Polizeirevier Akropolis, wo ein ungemeines Gedränge herrscht! Ganze Touristengruppen und natürlich hunderte Einzelpersonen werden alltäglich auf der in Rede stehenden Wache vorstellig, wo die Beamten nicht mit der Ausgabe von Anträgen nachkommen.

Obdachloser bringt Diebesgut zurück

Das Überraschende ist, dass in diesem ganzen Täterkreis an der Situation auch ein in seiner Arbeitsweise außerordentlich organisierter „Zusteller“ für Diebesgut profitiert, der die konkreten Stellen kennt, an denen die Diebe alle ihnen nutzlos erscheinenden Gegenstände wegwerfen. Der Mann sucht dann nach Kommunikationsdaten der Bestohlenen und nimmt so schnell wie möglich Kontakt zu ihnen auf, um ihnen alles (noch) Vorhandene zu übergeben – und zwar ohne dafür Geld zu verlangen, jedoch gibt jeder etwas … .

Der „Zusteller“ ist obdachlos und zeigt in seiner Arbeit Kultur und Methodik. Er ist freundlich und hinterlässt auf seine Weise … einen ausgezeichneten Eindruck bei allen, die mit ihm in Kontakt kommen. Er lebt auf den Bänken der Gegend und bringt sein eigenes … konstruktives Werk ein, da er sich in die Diebstähle nicht einmischt.

Organisierte Raubüberfälle an Verkehrsampeln

In letzter Zeit ist es Mode geworden, dass sich einzelne Drogensüchtige und auf den ersten Blick ungefährliche Person an den Verkehrsampeln im Bezirk Monastiraki, aber auch der weitläufigeren Gegend bis zum Koumoundourou-Platz und an den „Obdachlosen-Ampeln“ im Stadtbezirk Athen nichtsahnenden allein im Wagen befindlichen Autofahrern nähern. Zuerst bitten sie auf die bekannte Weise um etwas Geld. Die Fahrer, die sich darauf einlassen, werden dann durch das Fenster an den Haaren gepackt und festgehalten, während weitere 5 – 6 Personen auftauchen, den Wagen entern und in Windeseile durchsuchen und nicht häufig auch brutal auf den nichtsahnenden Fahrer einschlagen.

„Sie stahlen mir das Geld, nahmen alles im Wagen Befindliche mit, schlugen mich und brachen mir das Bein“, bezeugt B. B., der in dem Bezirk arbeitet und die Sensibilität hat, Drogensüchtigen Geld zu geben. „Das Schlimmste von allem ist, dass sie mir die Mappe mit allen Versen und Musikstücken entwendeten, die ich seit meiner Kindheit bis heute schrieb“ erklärte der Künstler, der an der Ampel an der Straße Koumoundouris einem Raubüberfall zum Opfer fiel.

Der Umschlagsplatz für das Diebesgut

Bei den im Bezirk Monastiraki Beschäftigten ist es ein offenes Geheimnis, dass die Gasse hinter der unten an der zentralen Straße in Monastiraki gelegenen Kirche St. Filippos (Αγ. Φιλίππου) der Ort ist, an dem von morgens bis mittags die Drogensüchtigen ihre „Ware“ für ein paar Euro feilbieten, um mit dem Erlös ihre Dosis sicherzustellen.

Geschichten des alltäglichen Wahnsinns im Zentrum von Athen, die uns an die Decke gehen lassen und denen wir alleine nicht entgegen treten können … .

(Quelle: Vradyni)

  1. Stephan von Arx
    19. August 2011, 16:26 | #1

    Vielen Dank für diesen Link! Schlimm was da abgeht! Obwohl wir von dem Obdachlosen lernen könnten!

    Sonnige Grüsse aus Mitilini
    Stephan

  2. Jermanos
    20. August 2011, 07:04 | #2

    Es klingt so, als wüsste der Verfasser des Artikels genauestens Bescheid. Es fehlen eigentlich nur noch die Namen der Verbrecher. Doch offensichtlich bekommt die Polizei mal wieder den Hintern nicht hoch, sondern wartet lieber auf die Rente.

  3. nomas
    20. August 2011, 09:51 | #3

    was mich an dieser art von berichterstattung stört, ist die fehlende position der zuständigen behörden.
    audiatur et altera pars.
    hat niemand vom Vradyni die polizei gefragt, warum sie so untätig ist, wie im artikel implizit dargestellt?
    oder hat jemand vom Vradyni die polizei sehr wohl gefragt, hält es aber aus irgendwelchen gründen für unangebracht, den lesern die stellungnahme der behörde mitzuteilen?

  4. Apateonas
    20. August 2011, 10:43 | #4

    Was soll man da noch sagen…mir fällt nur „Danke für die Warnung Vradyni“ ein!
    Da ich oft in Großstädten dieser Welt unterwegs war, habe ich mir angewöhnt nie die Fenster beim Anhalten offen zu haben und auch niemals die Beifahrertür und die Türen hinten, dazu liegt immer Pfefferspray griffbereit. Dass man jetzt mitten in Athen solche Zustände hat ist ein weiteres Armutszeugnis für den griechischen Staat! Anscheinend sind ja alle Fakten bekannt, mit Ausnahme der Namen der Beteiligten (???) und es passiert wieder mal nichts. Dazu fällt mir ein, dass in Bremen noch schlimmere Zustände herrschen sollen. Zum Glück sind wir nicht in L.A.!

  5. XYZ
    21. August 2011, 00:29 | #5

    Man hört so häufig, dass die Kriminalität, der Schmutz, etc. in den Großstädten nun mal hoch und nicht zu vermeiden ist. Das ist meiner Meinung nach nicht richtig. Es gibt viele Möglichkeiten und Beispiele vieles anders zu organisieren. Das alles ist nicht ohne das Engagement der Polizei (welches man voraussetzen kann) und auch nicht ohne die Mithilfe der jeweiligen Bewohner möglich. Niemand soll die Polizei ersetzen aber beispielsweise können die leider vielen Arbeitslosen, Künstler, Studenten und andere einen entscheidenen Beitrag zum gelingen leisten… wenn sie möchten. Es wäre ein sehr schönes Ziel aus Athen ein Vorzeigestadt zu machen. Gerade dieser Ort bietet in allen und vor allem im kulturellen Bereich die beste Vorraussetzung. i have a dream…….

  6. Moppel
    21. August 2011, 01:26 | #6

    Selbst wenn alle Bediensteten der Polizei Heilige wären, könnten sie letztendlich nicht mehr tun, als das Gesindel festzunehmen und nach Bewältigung des jeweiligen Papierkriegs dem Haft- bzw. Schnellrichter vorzuführen. Der setzt die Typen dann in der Regel – sei es auch vorläufig – wieder auf freien Fuß, womit sich das Spielchen wenn nicht noch am selben, dann garantiert am nächsten Tag wiederholen würde.

    BTW: An den – im übrigen nicht nur in Athen – allgemein bekannten „Umschlagplätzen“ halten neben Interessenten jeder Couleur speziell auch „biedere Bürger“ regelmäßig nach „Schnäppchen“ Ausschau, obwohl bzw. gerade weil ihnen die Herkunft der „Waren“ explizit bekannt ist. Werden sie allerdings selbst beklaut, wird geheult und gezetert, nach radikalen Maßnahmen gerufen und häufig sogar auch argumentiert, dass „so etwas unter Hitler / Papadopoulos undenkbar gewesen wäre“ … .

  7. aufwarten
    21. August 2011, 06:19 | #7

    das etablishment…………………………
    wo bleibt die frage nach den ursachen. ist allen bekannt das dieses übel aus dem abartigen monotären system herrühren??
    gäbe es kein geld gäbe es keine beschaffungskriminalität.es gäbe keine bonkrotten staaten, keine verarsche……. rettungsblasen, keine knechte und keine sklaven.
    beenden wir das kranke monotäre system, trennen uns von den korrupten, unfähigen, nicht wirklich legitimierten staatsmännern .tragen wir es zu grabe und fangen neu an.
    anarchie ist machbar und anarchie ist die freiheit des SEINS

  8. Denken
    21. August 2011, 22:25 | #8

    Für die Anarchie so wie für die Demokratie benötigen die Menschen heftig viel Hirnmasse und weitere Fähigkeiten. Nach kurzer Überlegung müssen wir leider feststellen, dass fast alle Homosapiens zum jetzigen Standpunkt mit der grenzenlosen Freiheit aber nicht auf Kosten Anderer ganz sicher überfordert wären. Die Demokratie ist eher möglich. Tatsächlich ist logisch, dass die Polizei leider auch Gewalt anwenden muss um den Kriminellen (auch den kranken Drogenabhängigen) und selbstverständlich auch und vor allem den Flüchtlingen Grentzen zu setzen. Auch wenn es sich für einige selbsternannte Linke, Anarchisten, …. böse anhört, illegale und kriminelle Flüchtlinge müssen ausgewiesen werden. Drogenabhängige haben nicht das Recht Kinder und andere zu belästigen. Gleichzeitig müsste die Regierung den Menschen selbstverständlich Therapiemöglichkeiten und andere Hilfsmöglichkeiten bieten. Falls die Abhängigen die Hilfe ncht nutzen ist das sehr schade und traurig aber ihr Problem. Griechenland kann keine weiteren toten Väter gebrauchen weil diese gewagt haben ihr Kind und ihre Frau mit einer Fotocamera im Krankenhaus zu besuchen…. und auch keine vergewaltigten und verprügelten Jungendliche, Frauen, Kinder, Senioren…. Warum sollte in Athen nicht mehr möglich sein sich angstfrei zu Bewegen. Wir sind nicht im Krieg oder? Das kann nicht so bleiben…..

  9. Nico
    28. August 2011, 21:52 | #9

    Niemand soll die Polizei ersetzen aber beispielsweise können die leider vielen Arbeitslosen, Künstler, Studenten und andere einen entscheidenen Beitrag zum gelingen leisten… wenn sie möchten. Es wäre ein sehr schönes Ziel aus Athen ein Vorzeigestadt zu machen.

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