Rentner der IKA in Griechenland müssen sich identifizieren lassen

24. Juni 2011 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 1.639

In Griechenland müssen sich alle Rentner des größten gesetzlichen Sozialversicherungsträgers einem obligatorisch Identifizierungsverfahren unterziehen.

Ab dem 01. Juli 2011 müssen in Griechenland alle Rentner des gesetzlichen griechischen Sozialversicherungsträgers IKA-ETAM bei der Bank, bei der sie das Konto für die Überweisung ihrer Rente führen, persönlich vorstellig werden und sich ausweisen.

Dieses neue obligatorische Identifizierungsverfahren wird sich fortan jedes Jahr wiederholen, wobei für das laufende Jahr die Frist am 30. September 2011 ausläuft. Nach diesem Stichtag werden die Leistungen an Empfänger, die sich dem Identifizierungsverfahren nicht fristgemäß unterzogen haben, bis auf weiteres eingestellt werden.

Für die Ausweisung bei der Bank sind vorzulegen:

  • der polizeiliche Personalausweis
  • der Rentenbescheid

In der einschlägigen Bekanntmachung der IKA-ETAM wird betont, dass im Fall von Personen, die nicht in der Lage sind, persönlich bei der zuständigen Bankfiliale zu erscheinen, der gesetzliche Vertreter oder mit einer aktuellen und offiziell beglaubigten Vollmacht ausgestattete Bevollmächtigte des jeweiligen Rentners sich zur Vorlage der vorstehenden Unterlagen zu der Geschäftsstelle der IKA begeben muss, die für den Wohnort des Rentners zuständig ist – also nicht zur zuständigen Bank.

Außer der Maßnahme des persönlichen Identifizierungsverfahrens soll auch eine Verordnung erlassen werden, wonach auf den standesamtlichen Sterbeurkunden neben den bisher erforderlichen Angaben zukünftig auch die Steuer-ID und die Sozialversicherungsnummer der verstorbenen Person anzuführen ist. Das Ziel dieser Verordnung liegt darin, jeden Monat die Rentenregister der Kasse zu aktualisieren, damit die Dienststellen der IKA-ETAM rechtzeitig zur Einstellung der Rentenzahlung an verstorbene Personen schreiten können.

Die Leitung der IKA-ETAM hofft, mit der obligatorischen Identifizierung der Rentner durch die Banken und die zeitnahe Bekanntgabe des Ablebens von Rentnern das Phänomen in den Griff zu bekommen, dass Verwandte oder Dritte unberechtigterweise die Rentenzahlungen an verstorbene Versicherte n Empfang nehmen.

Bereits im Rahmen einer in 38 Geschäftsstellen der IKA durchgeführten Kontrolle, die sich auf insgesamt 1.660 Rentner in einem „verdächtig“ hohen Alter bezog, wurden laut dem Arbeitsminister Jorgos Koutroumanis 244 Fälle aufgedeckt, in denen die Renten auch nach dem Ableben der jeweiligen Rentner weitergezahlt wurden.

Es stellt sich allerdings die Frage, warum wieder einmal die Bürger für die Unzulänglichkeiten des ineffizienten Verwaltungsapparates büßen und im konkreten Fall fortan hunderttausende Rentner jedes Jahr zu den Banken pilgern müssen, obwohl ein Abgleich der Datenbestände der einschlägigen Behörden und Träger inzwischen durchaus realisierbar wäre.

(Quelle: in.gr)

  1. Theodoros Tank
    27. Juni 2011, 10:59 | #1

    Wenn ich das schon wieder lese, offiziell beglaubigte Vollmacht, da wird wieder kassiert durch die offiziell beglaubigende Schmarotzerkaste, die sofort gegen Kost und Logis zum Aufforsten geschickt gehört!

    Und ich würde mich beeilen als noch lauffähiger IKA-Rentner – nicht, dass im September schon die Banken zu sind.

  2. Ottfried Storz
    10. Oktober 2011, 11:52 | #2

    Dazu passend: http://goo.gl/kHcxK

    Rd. 11 Prozent der Rentner haben sich nicht gemeldet.
    Man geht in Griechenland von ca. 7 bis 10 Prozent Betrugsfällen aus,
    zum einen durch weiterkassieren, nachdem die Verwandten den Tod nicht melden, zum anderen durch erschlichene Berufsunfähigkeitsrenten, was angesichts der hoch bestechlichen Ärzte relativ einfach war.

    Griechische Rentenbetrüger kassieren ab
    Milliardenverluste für Pensionskassen

    Während die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) für Griechenland immer neue Milliarden lockermachen, um das hoch verschuldete Land vor der Pleite zu bewahren, kassieren Zehntausende Betrüger ungeniert ab: Über 120 000 Griechen beziehen offenbar Altersrenten, ohne dazu berechtigt zu sein. Zehntausenden Bürgern überweisen die Pensionskassen überdies Invalidenrenten, obwohl die Empfänger gar nicht behindert sind. Korruption und Verwaltungschaos begünstigen die Machenschaften der griechischen Rentenbetrüger, die den Staat jedes Jahr um Milliarden Euro erleichtern.

    Bereits im Juni hatte Arbeitsministerin Louka Katseli eingeräumt, dass der Staat an 4500 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes Renten zahlte, obwohl die Empfänger teils schon vor Jahren gestorben waren. Jetzt interessiert sich das Ministerium für etwa 9000 Rentenempfänger, die laut Geburtsdatum älter als 100 Jahre sind. Von ihnen sind 500 sogar angeblich älter als 110 Jahre. „Wir überprüfen, wie viele von ihnen noch leben“, sagte die Ministerin.

    Hinterbliebene, die Renten für Tausende Tote kassieren: Das ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Von Anfang Juli bis Ende September hat die IKA, Griechenlands größte staatliche Rentenkasse, eine Bestandsaufnahme durchgeführt: Die Pensionäre mussten sich registrieren lassen. 898 643 meldeten sich. Von weiteren 109 421 Rentenempfängern, die Monat für Monat Ruhegeld kassieren, fehlt bisher jede Spur. Sind sie vielleicht längst tot? Oder kassieren sie Renten, ohne dazu berechtigt zu sein? „Wir werden jetzt die Zahlungen an jene, die sich nicht gemeldet haben, einstellen“, kündigt Rovertos Spyropoulos an, der Chef der IKA-Rentenkasse. Wenn sich herausstellen sollte, dass die fast 110 000 „Geister-Rentner“ unberechtigt kassiert haben, belaufe sich der Schaden für seine Pensionskasse auf 1,5 Milliarden Euro im Jahr, sagt Spyropoulos. Zu viel gezahlte Renten will er nun zurückfordern. Außerdem drohen den Rentenbetrügern Strafverfahren, kündigt Spyropoulos an.

    Auf eine Überprüfung müssen sich auch jene Griechen gefasst machen, die Invalidenrenten beziehen. Ihr Anteil ist in Griechenland mit 14 Prozent deutlich höher als im EU-Durchschnitt, wo nur neun Prozent Behindertenrenten bekommen.

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