Anstieg sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in Griechenland

3. Juni 2011 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 410

In Griechenland wurde in den ersten fünf Monaten des Jahres 2011 ein rapider Anstieg der von Frauen angezeigten sexuellen Belästigungen an ihren Arbeitsplätzen verzeichnet.

Bei einer von dem griechischen Innenministerium organisierten und der Generalsekretärin für die Gleichberechtigung der Geschlechter Maria Stratigaki koordinierten öffentlichen Podiumsdiskussion führte die zuständige Assistentin des öffentlichen Ombudsmanns Matina Giannakourou an, dass dem Ombudsmann während der ersten fünf Monate des Jahres bereits 12 Fälle sexueller Belästigung am Arbeitsplatz angezeigt wurden, während in den beiden vergangenen Jahre 2008 – 2010 insgesamt nur 17 Fälle gemeldet worden waren.

Den Grund für den imposanten Anstieg der gemeldeten Fälle sexueller Belästigungen am Arbeitsplatz sieht die Assistentin des Ombudsmanns „in der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen auf dem öffentlichen und privaten Sektor infolge der wirtschaftlichen Krise sowie auch in dem Umstand, dass die Frauen unter den herrschenden Verhältnissen leichter entlassen werden„.

Wie Frau Giannakourou anmerkte, liege natürlich die wirkliche Anzahl der Frauen, die sexuellen Belästigungen zum Opfer Fallen, wie auch allgemein der Opfer von Diskriminierungen am Arbeitsplatz sehr viel höher. „Die Frauen wagen nicht sich zu beschweren, um nicht ihren Arbeitsplatz zu verlieren und in Verruf gebracht zu werden. Ihre Abhängigkeit von der Arbeit ist häufig gleichbedeutend mit verschiedenen Arten von Zwängen.“ Laut durchgeführten Erhebungen, aber auch gemäß den Einschätzungen der Referentinnen sei eine von zwei arbeitstätigen Frauen an ihrem Arbeitsplatz Diskriminierungen zum Opfer gefallen.

Die Staatssekretärin des Innenministeriums Theodora Tzakri legte in ihrer Begrüßungsrede dar: „Die sexuelle Belästigung stellt eine alltägliche Form der Bedrohung dar. Solange solche Verhaltensweisen verschwiegen und nicht angezeigt werden, wird ein unerlässlicher Teil der Gesellschaft terrorisiert und geschmäht werden und sich in kontinuierlicher Geiselschaft befinden. Mittels unserer Aktionen, der von uns gegründeten Strukturen und der Initiativen, die wir als Regierung ergreifen, zielen wir auf die Informierung und Sensibilisierung der Bürger und die Verstärkung der einschlägigen Gesetzgebung ab.

Es sei angemerkt, dass die von der einschlägigen europäischen Gesetzgebung sowie auch dem griechischen Gesetz aus dem Jahr 2010 vorgesehene Umkehrung der Beweislast, wonach nicht das auftretende Opfer die Richtigkeit seiner Beschuldigungen, sondern der als Täter Beklagte seine Unschuld zu beweisen hat, auch in die derzeit noch in Bearbeitung befindliche neue griechische Strafprozessordnung aufgenommen werden wird.

(Quelle: Ethnos / 03.06.2011)

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