Zeitzeichen – Griechenland wird aufgeteilt

22. April 2011 / Aktualisiert: 22. November 2013 / Aufrufe: 1.575

Nachstehender Beitrag gibt in deutscher Übersetzung den Artikel „Hellas wird zerstückelt“ des Chefredakteurs Panos Kolokotronis der griechischen Zeitung Vradyni wieder

Chefredakteur Panos Kolokotronis der griechischen Zeitung Vradyni publizierte am 21.04.2011 unter dem Titel „Hellas wird zerstückelt“ einen Beitrag, der nachstehend in (mehr oder weniger freier) deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Die Deutschen, Franzosen und Tschechen (letztere offensichtlich um die Wässer zu trüben) stellen einige der Anwärter auf das staatliche Vermögen dar, welches sie – gemessen an seinem tatsächlichen Wert natürlich zum Preis eines Linsengerichts – zu erwerben begehren. Es ist klar, dass ein unter Geldnot stehendes Land verkaufen (sorry … „verwerten“) wird, indem es die Preise senkt.

Die ganze Diskussion um die eventuelle Umschuldung, die sich auf einen „Schnitt“ der Schulden beziehen wird – also die Übereinkunft Griechenlands mit allen, die staatliche Anleihen gekauft haben, dass ein Teil deren Wertes gestrichen wird – begann nicht zufällig unmittelbar nachdem die „Troikaner“ (Anmerkung des Übersetzers: gemeint sind IWF, EU und EZ) und sonstige Großinvestoren von der Regierung die Bestätigung erhielten, zur Veräußerung des staatlichen Vermögens schreiten zu werden. Vielleicht bezieht sich also in der gegenwärtigen Phase diese ganze Diskussion über eine Umschuldung mehr auf einen Hebel zur Ausübung von Druck auf die griechische Regierung, schneller zu verkaufen – was jedoch nicht bedeutet, dass wir nicht auch zu einer Umschuldung schreiten werden. Es ist der fatale Ausgang der Umsetzung des Moratoriums und wird letztendlich auch in dem Text der Schlussfolgerungen des Gipfeltreffens der Europäischen Union vom 25. Mai ausgedrückt. Wir wissen nicht, inwieweit die erfolgende Umschuldung in der in den vorstehenden Zeilen dargelegten Form geschehen wird. Dies wird dadurch entschieden werden, ob wir – wie anfänglich von dem selbigen Moratorium vorgesehen – nach 2013 zur Aufnahme von Krediten auf die internationalen Märkte gehen können; der Finanzminister lügt wenn er erklärt, dass wir früher herauskommen werden.

Möglicherweise wird die Umschuldung einfach in einer Verlängerung des Zeitraums für die Tilgung der Schulden bei gleichzeitiger Reduzierung der Kreditzinsen bestehen – was jedoch nicht innerhalb weniger Jahre geschehen, sondern möglicherweise auch Jahrzehnte dauern wird. Wir werden also im wahrsten Sinn des Wortes in Ketten gefesselt sein, um uns wie von dem Premierminister angekündigt langfristig ändern zu können, zu verelenden, „kontrollierbarer“ und letztendlich auch bei der Arbeit „billiger“ zu sein. Die Unternehmenskonzerne unserer Gläubiger bereiten sich folglich auf den Gang nach Griechenland vor, und wir werden dies feiern wie vor Hunger rasenden Hunde, die einen Knochen vorgeworfen bekommen. Und wenn es irgendeinen Einfaltspinsel gibt der annimmt, dass von … überall Investitionen kommen werden, werden wir ihn dementieren. Da in dem selbigen Moratorium die Bedingung formuliert ist, dass die „Troika“ alle Investitionsvorschläge begutachten, also Ländern wie China oder Katar erlauben oder verbieten wird, in Griechenland zu investieren, ist offensichtlich, dass die Länder, die uns aufkaufen werden, jene Länder sein werden, die uns Geld geliehen haben, während gleichermaßen offensichtlich ist, dass der gesamte staatliche Reichtum bereits katalogisiert und für die „Troikaner“ reserviert wurde. Zumindest fast … Anhängig sind noch die Bodenschätze des Landes, auf die auch unsere Nachbarn im Osten ein Auge geworfen haben. Dies stellt jedoch ein anderes großes Kapitel dar …

Quelle: Online-Ausgabe der  Vradyni vom 21.04.2011 / Seite 32
Autor: Panos (Panagiotis), Chefredakteur der Zeitung „I Vradyni“

  1. bananarepublicka
    22. April 2011, 11:32 | #1

    Ja was denn? Raus aus Euro und EU, und das Land zur Abwechslung mal selber fuehren? Ahh, dann wuerde man verarmen, ist auch nicht gewuenscht. Wunderbar, kann man also ruhig weiterstreiken, weiterabzocken, weiter wegschauen, wenn es um den eigenen(!) Staat geht. Die Boesen kommen ja von aussen. Wie kindisch! Macht’s nur so weiter, dann koennt ihr wieder gemeinsam heroisch Befreiungskrieg fuehren gegen die boesen Chefs aus Grossdeutsches Reich (die Tschechen und Slovaken werden ja gezwungen, mitzumachen), NY, EU, Tk. oder China! Tolle Aussichten, liebe Demokraten!

  2. Athanasios Papapostolou
    23. April 2011, 09:17 | #2

    Das ist das beste was wir Griechen können: Den „anderen“ die Schuld zuschieben. „Natürlich“ ist der IWF schuld oder Frau Merkel oder der meinetwegen der Osterhase. Aber auf keinen Fall, niemals, wir Griechen. Die „Erfinder“ der Demokratie, ach was sag ich da, die Erfinder von überhaupt allem auf dieser Welt. Korrupte Beamte, korrupte Ärzte, korrupte Politiker sind nur Propaganda der (zumeist) deutschen Presse. „Uns“ geht es gut und wir wollen keinen Wandel. Lasst und bitte alle in Ruhe. So, ich mach jetzt meinen Mittagsschlaf.

  3. Jermanos
    25. April 2011, 19:19 | #3

    Huch, was ist das denn jetzt? Ein Grieche mit Selbsterkenntnis? Wahrscheinlich sind Sie, Athanasios in Deutschland aufgewachsen, und vielleicht leben Sie da auch. Es ist aus meiner Sicht alles richtig was sie sagen, aber die Deutschen sind letztendlich auch nicht viel anders. Und wenn man den Deutschen die gleichen Einschnitte in Ihr Portmone zumuten würde, wie den einfachen Griechen, dann würden sie genauso schimpfen. Es ist die Mentalität der Griechen, die das Ganze hier in Griechenland etwas lauter werden lässt. Doch genau dafür liebt man sie doch auch.
    Ich ärgere mich natürlich auch über Korruption und viele systembedingte Dinge, die in Griechenland schlechter laufen als in Deutschland, aber Leben kann man in Griechenland trotzdem besser.
    Was aus den Gedanken von Panos Kolokotronis wird, kann momentan niemand wirklich wissen. Es sieht aber danach aus, als könnte der Mann recht behalten. Warum? Weil es keine Gerechtigkeit und keine Moral in diesem Wirtschaftssystem gibt, und die Reichen nur auf Kosten der Armen reich sein können. Ich empfehle dazu als Lektüre das Buch von Daniel Goeudevert: Das Seerosen-Prinzip – Wie uns die Gier ruiniert
    Beste Grüße aus Samothraki.com

  4. Apateonas
    2. Mai 2011, 12:31 | #4

    Nach einigen Jahren des „Aufenthaltes“ in „hellas“ kann ich immer wieder darüber lachen was viele Leute hier für einen Unsinn reden und Glauben!
    Besonders diese beiden Zitate sind sehr Unterhaltsam lol :
    „..dass der gesamte staatliche Reichtum bereits katalogisiert und für die “Troikaner” reserviert wurde“ + „..Anhängig sind noch die Bodenschätze des Landes“
    Wenn dieses, ach so reiche Land, beides in der Realität hätte, warum bezahlt es damit nicht mal eben seine Schulden??
    Am meisten belustigt mich aber dieser Ausspruch von „Jermanos“..lol:
    „…aber Leben kann man in Griechenland trotzdem besser.“
    Worauf ist das denn begründet?? An den doppelt bis dreifach höheren Preisen in den Supermärkten, am höchsten Benzinpreis Europas, am geringen Mindestlohn, an der hohen Arbeitslosenzahl unter jungen Leuten, an der Gebrauchtwagen Mafia…??? Oder vielleicht am Wetter, wofür zum Glück keiner hier verantworlich ist, ausser, dass ständig viel „warme Luft“ geredet und gequalmt wird…lol. Oder daran, dass es fast keine staatlichen Kontrollen gibt, und somit jeder einzelne machen kann, was er will?
    Ich will nicht sagen, dass „der Deutsche“ besser ist, was seine Einstellung zu Korruption und anderem angeht, aber er musste zumindest lernen, dass seine Handlungen meistens Konsequenzen haben werden. Diese Einsicht fehlt leider in „hellas“…also wird immer nach einem „Buhmann“ gesucht, anstatt sich endlich mal an die eigene Nase zu fassen!
    Und das wird wohl Leider noch eine ganze Weile so weiter gehen, sehr zum Nachteil des Landes und seiner internationalen Darstellung!

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