Surfen am Arbeitsplatz rechtfertigt Kündigung in Griechenland

18. April 2011 / Aufrufe: 334

Laut dem Landgericht Athen kann Arbeitnehmern, die während der Arbeitszeit auf Facebook und anderen Webseiten surfen, rechtmäßig und ohne Entschädigung gekündigt werden.

Das Landgericht Athen gab mit seinem Urteil einer Fluggesellschaft Recht, die einer Angestellten das Arbeitsverhältnis gekündigt hatte, weil diese während ihrer Arbeitszeit täglich stundenlang auf Facebook surfte.

Die Frau war von der Fluggesellschaft im Januar 1989 mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag als Büroangestellte eingestellt worden, um Buchungen vorzunehmen und Tickets auszustellen. Ab 2000 war sie nur mit der Reservierung von Tickets beschäftigt, wobei sie bis 2008 auch Bonuszahlungen für ihre gute Arbeitsleistung bekam.

Im Mai 2009 erhielt die Angestellte jedoch von dem Generaldirektor der Fluggesellschaft ein Schreiben, mit dem sie zur angemessenen Erfüllung ihrer vertraglichen Pflichten ermahnt wurde, da sie systematisch zu spät zur Arbeit erschien, die Telefonleitungen des Unternehmens für die Erledigung ihrer privaten und speziell nicht während der Arbeitszeit notwendigen Telefonate und auch das Internet benutzte und für ihre Arbeit irrelevante Webseiten besuchte. In dem Schreiben wurde ebenfalls angeführt, dass sie von dem Generaldirektor und dem Verkaufsleiter der Gesellschaft am 29.04.2009 bei dem Besuch einer Webseite auf Facebook „erwischt“ worden war.

In dem selben Schreiben führte der Generaldirektor an, dass im Fall der Fortsetzung des vertragswidrigen Verhaltens der Angestellten keine andere Wahl bestehe als ihren Arbeitsvertrag ohne jede weitere Vorwarnung zu lösen.

Die Angestellte antwortete daraufhin mit einem elektronischen Schreiben und forderte den Generaldirektor auf, sich innerhalb von zehn Tagen für „sein beleidigendes, beschämendes, verleumdendes und übertriebenes Schreiben“ zu rechtfertigen. Die Angestellte führte in ihrer Antwort aus, dass sie dieses Schreiben anderenfalls als „Akt der Rache gegen die rechtmäßige Reaktion“ wegen ihrer Haltung in der Vergangenheit (Jahr 2008) „hinsichtlich des Wechsels der Gehaltsstufen der bei der Gesellschaft beschäftigten Angestellten und der Gestaltung der jährlichen Erhöhung der Bezüge“ auffassen werde.

Nach Erhalt dieses Schreibens antwortete der Generaldirektor der Angestellten mit einem neuen Schreiben von ihm, worin er sie darüber in Kenntnis setzte, die Ausführungen (in ihrem Schreiben) als Fortsetzung des von ihrer Seite gezeigten unprofessionellen und für die Gesellschaft schädlichen Verhaltens zu betrachten und aus diesem Grund zur Beendigung ihres Arbeitsvertrags zu schreiten.

Rechtmäßige Kündigung wegen Surfens und privater Telefonate

Das Landgericht wies mit seinem Urteil Nr. 34/2011 die Klage der Angestellten ab und befand, dass die Kündigung des Arbeitsvertrags seitens der beschäftigenden Gesellschaft rechtmäßig war und aus einem bedeutsamen Grund erfolgte.

Das Landgericht befand ebenfalls, dass „die Kündigung der Angestellten nicht missbräuchlich, sondern rechtmäßig und im Rahmen der wohl verstandenen Interessen des beschäftigenden Unternehmens erfolgte, weil das tatsächliche Motiv der Kündigung die nachlässige und nicht angemessene Ausübung der vertraglichen Verpflichtungen der Arbeitnehmerin war, die Probleme bei der reibungslosen und effektiven Ausübung ihrer Arbeit und den Bedürfnissen des Unternehmens schuf und folglich eine Zerrüttung des Vertrauens der Arbeitgeberin in ihre Person bewirkte, die des erforderlichen Kooperationsgeistes entbehrte„.

Auch wies das Gericht die Behauptungen der Angestellten ab, ihre Kündigung sei aus Gründen der Feindseligkeit und Rache der beschäftigenden Gesellschaft erfolgt. Aus den Zeugenaussagen wurde laut dem gerichtlichen Urteil bewiesen, dass die Angestellte zu spät zur Arbeit kam, während sie bei ihrer Arbeit häufig private Anrufe von ihrer Familie und ihren Freunden erhielt, die sie dann unter Benutzung der Telefonleitungen der Gesellschaft zurückrief, was wiederum Probleme bei der Bedienung der Kunden verursachte.

Weiter hatte die Fluggesellschaft seit Dezember 2008 mit einer elektronisch verschickten Mitteilung ihrem Personal untersagt, während der Arbeitszeit Webseiten sozialer Vernetzung wie Facebook oder Webseiten mit zu ihrer Arbeit irrelevanten Inhalten zu besuchen. Die umstrittene Angestellte besuchte jedoch trotzdem alltäglich das Facebook-Portal um Kommentare zu lesen und zu schreiben, während sie oftmals, wenn sie zur Vornahme einer Ticket-Reservierung von Kunden angerufen wurde, diesen antwortete, dass das Buchungssystem außer Betrieb sei und sie später erneut anrufen sollen, um mehr Zeit für das Surfen auf Facebook zu haben.

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