Ärzte und Apotheker legen Gesundheitswesen in Griechenland lahm

4. Februar 2011 / Aufrufe: 750

In Griechenland bringen Ärzte und Apotheker aus Protest gegen geplante Reformen das staatliche Gesundheitswesen zunehmen zum Erliegen.

Nachdem die griechischen Apotheker bereits seit Mitte Januar 2011 mit Streiks gegen die anstehende Liberalisierung des Apothekenmarkts in Griechenland protestieren, laufen nun seit Tagen auch die im staatlichen Gesundheitswesen beschäftigten bzw. speziell für den Versicherungsträger IKA-ETAM tätigen Ärzte gegen die geplanten Reformen auf dem Gesundheitssektor Sturm und drohen zu Lasten der Versicherten die öffentliche Gesundheitsversorgung völlig zum Erliegen zu bringen.

Der umfangreiche Gesetzentwurf bezüglich der strittigen Reformen soll in der kommenden Woche dem griechischen Parlament zur Debatte vorgelegt werden und sieht unter anderem die Vereinheitlichung der Gesundheitsleistungen aller gesetzlichen Krankenkassen vor.

Streiks der Ärzte und des Gesundheitspersonals in Griechenland

  • Die Ärzte der Versicherungsanstalt IKA sind nach den vorhergegangenen Ausständen seit gestern (03.02.2011) in einen unbefristeten Dauerstreik getreten.
  • Das Gesundheitspersonal der IKA hat für heute (04.02.2011) einen 24-stündigen Streik ausgerufen.
  • Die in den öffentlichen Krankenhäusern in Athen und Piräus beschäftigten Ärzte setzen ihren Streik bis Freitag kommender Woche bzw. dem 10. Februar 2011 fort.
  • Der panhellenische Verband der Krankenhausärzte hat einen 3-tägigen Streik in ganz Griechenland von Dienstag (08.02.2011) bis Donnerstag (10.02.2011) kommender Woche ausgerufen.
  • Die im Ausstand befindlichen Ärzte der Ärztekammer Athen setzen ihren Streik auch heute (Freitag, 04.02.2011) fort.

Gegenüber dem Radiosender Vima 99,5 monierte der Vizepräsident der Ärztekammer Athen G. Patoulis, die Regierung bringe ohne vorherigen substantiellen Dialog einen Gesetzentwurf zur Ratifizierung ins Parlament. Parallel warf der Vizepräsident der Athener Ärztekammer dem Gesundheitsminister Andreas Loverdos ein arrogantes Verhalten vor und drohte mit der an den Gesundheitsminister gerichteten Aufforderung „sich die Arroganz abzuschminken“ eine weitere Eskalation der Protestaktionen an.

Am gestrigen Donnerstag drohten die Ärztekammern von Athen und Piräus sogar allen mit den Versicherungsträgern OPAD und OAEE kooperierenden Ärzten disziplinarische Strafmaßnahmen an, falls sie in Umsetzung des Beschlusses des Ministeriums für Arbeit und Gesundheit Versicherte der IKA behandeln sollten.

Gesundheitsminister Andreas Loverdos dagegen bezichtigt die Ärzte der IKA, zu Lasten der Versicherten und auf dem Rücken der Patienten einen rücksichtlosen Kampf zur Verteidigung ihrer angestammten Pfründe auszutragen, weil gemäß den neuen Regelungen die Versicherten in Zukunft auch andere Ärzte als jene der IKA in Anspruch nehmen können  und letztere damit um den Verlust ihrer bisherigen Exklusivität bei der Ausstellung von Rezepten an Versicherte der IKA fürchten.

Apotheker in Griechenland streiken weiter

Bei einer Pressekonferenz der Ärztekammern im Amphitheater des Gesundheitsministeriums, das weiterhin von protestierenden Ärzten besetzt bleibt, war auch der Vorsitzende des Apothekerverbands Attika Konstantinos Lourantos präsent und sprach von einem gemeinsamen Kampf der Ärzte und Apotheker.

Wie von dem Vorstand des Panhellenischen Pharmaverbands bekannt gegeben wurde, schreiten die Apotheker zu erneuten 24-stündigen Streiks am Freitag (04.02.2011) und Montag (07.02.2011). In Attika werden dagegen die Apotheker auf Beschluss ihrer Vollversammlung auch am Dienstag (08.02.2011) streiken.

Ebenfalls wollen die Apotheker im Großraum Attika ab dem 01. März 2011 an Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen, die mit der Bezahlung der ausgeführten ärztlichen Rezepte im Rückstand sind, nur noch gegen Barzahlung ausgeben. Die betroffenen Versicherten müssen in diesem Fall also die Medikamente aus eigener Tasche bezahlen und sich dann für die Erstattung persönlich an den jeweiligen Versicherungsträger wenden.

Beschlüsse bezüglich der Fortsetzung und Ausweitung der Protestaktionen der Apotheker werden von dem Panhellenischen Pharmaverband am Mittwoch, dem 09.02.2011 gefasst werden.

  1. Maria
    4. Februar 2011, 13:26 | #1

    …es ist Zeit, diese Ärzte, aus dem Staatsdienst zu ENTLASSEN!!!!
    Die sollen, wie in andere Berufe oder auch andere Länder, nach Leistung bezahlt werden und nicht mehr aus Steuergelder!

  2. Thomas
    7. Februar 2011, 19:14 | #2

    ich denke, das Problem liegt ganz woanders.

    1. Jeder hier in GR weiss, dass Reformen kommen müssen und das auch die damit verbundenen Abstriche hingenommen werden müssen.
    2. Leider wurde die Reform, ähnlich wie das Projekt in Deutschland „Stuttgart 21“ nicht mit den Betroffenen besprochen, geschweige wurden diese in eine Diskussion mit einbezogen.
    3. Wer weiss heute, was diese Reform eigentlich bringt. Es wird viel geschrieben und berichtet, jedoch fehlt es an sachlicher Aufklärung und Information.
    4. Die IKA Ärzte sind sicherlich mit dem jetzigen Verfahren auch nicht sonderlich zufrieden, da sie aufgrund der pauschalen Bezahlung ihrer Leistungen nicht die Medizin machen können, die dem heitigen Standard entspricht.
    5. Leider sind – so meine einhellige Erfahrung hier in GR, viele Ärtze schlecht organisiert. Sie werden nicht ausreichend von dem zuständigen Verein / Verband informiert; Informationen
    werden erst gar nicht weitergegeben. Die Ärtze treten auch nicht einheitlich nach außen
    an die Öffentlichkeit. Was jetzt passiert und wie im obigen Artikel beschrieben zeigt ganz eindeutig, dass Weisungen an behandelnde Artze aus unterscheidlichen Quellen kommen,
    zum Teil über das Medium TV oder Presse.
    Der behandelnde Artz ist jedoch auch seinen Patienten gegenüber verpflichtet – eine Streik-Ankündigung z.B. per Telefon, wobei nicht klar ist, wogegen man eigentlich streiken soll,
    kann nicht von einem behandelnden bzw. niedergelassen Arzt hingenommen werden.
    Den jetzt entstehenden Druck auf die niedergelassen Ärtze von OPAD und OAEE abzuleiten,
    zumal mit rechtlichen Folgen, ist nicht die Lösung.

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