Protest gegen Wucherpreise der öffentlichen Verkehrsmittel in Griechenland

27. Januar 2011 / Aktualisiert: 08. März 2011 / Aufrufe: 533

Verbraucherorganisationen charakterisieren die Erhöhungen der Tarife der öffentlichen Nahverkehrsmittel in Griechenland als räuberisch und ermuntern zum Fahrschein-Boykott.

Angesichts der beschlossenen Erhöhungen der Beförderungstarife öffentlicher Massenbefödrungsmittel in Griechenland kommen Verbraucherorganisationen zu dem Schluss, dass Fahrten mit privaten Fahrzeugen günstiger zu stehen kommen als die Benutzung öffentlicher Nahverkehrsmittel, und fordern die Regierung zur Rücknahme der verfügten Tariferhöhungen und Findung anderer Lösungen für die Probleme der städtischen Verkehrsbetriebe auf.

Die Verbraucherorganisation INKA charakterisiert die Fahrpreiserhöhungen als „räuberisch und unerhört“ und legt dar, dass im Vergleich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln die Nutzung des Autos billiger zu stehen komme:

Der Verbrauch eines typischen PKW der Klein- oder Mittelklasse beläuft sich in der Stadt auf 6 Liter pro 100 Kilometer bzw. bei einem Benzinpreis von 1,60 Euro auf ungefähr 10 Cent pro Kilometer. Auf dieser Basis legt ein solcher PKW zum Preis eines Fahrscheins in Höhe von 1,40 Euro eine Strecke von 14 Kilometern zurück. Folglich schlägt die Strecke Agia Paraskevi – Athen mit 90 Cent und die Strecke Kallithea oder Patisia – Athen mit 30 Cent zu Buche. Wenn berücksichtigt wird, dass der Fahrgast für die Fahrt zu und von seinem Arbeitsplatz wenigstens zwei Fahrscheine lösen muss, kostet ihn das über das Jahr gerechnet 840 Euro bzw. ungefähr einen vollen Monatslohn“.

Die Verbraucherorganisation Neo INKA legt dar, dass die Erhöhungen der Fahrpreise für die Massenverkehrsmittel „einen erneuten Beweis für den staatlich betriebenen Wucher zu Lasten speziell der laizistischen Arbeiterklassen und die Unfähigkeit der diachronisch Regierenden zur Planung und Umsetzung funktioneller und qualitativer Massenbeförderungssysteme, aber auch der Kontrolle rechtswidriger Verhaltensweisen wie Diebstähle, Betrügereien, Vorteilsnahmen und Provisionen auf dem Sektor der öffentlichen Verkehrsmittel darstelle„.

Die griechischen Verbraucherorganisationen fordern die Regierung auf, die Tariferhöhungen umgehend zurückzunehmen und Kontakt zu den Trägern der Bürgergemeinschaft aufzunehmen, um fertige Vorschläge und Lösungen zu den Themen des städtischen Nahverkehrs übergeben zu bekommen.

Die Verbraucherorganisation INKA wiederholt in ihrer Bekanntmachung „den Vorschlag des Instituts zur Übergabe der Fahrscheine zwischen den Fahrgästen durch Abgabe an diversen Sammelpunkten, damit sich der Staat der bei den Bürgern durch seine Beschlüsse bewirkten Ausweglosigkeit und der Ohrfeige für seine verantwortungslosen Praktiken bewusst werde„. In der selben Bekanntmachung lautet es, dass „keiner der Kontrollbeamten berechtigt sei, einen Schwarzfahrer festzunehmen oder gewaltsam festzuhalten, und natürlich auch nicht zu Entrichtiung einer Zahlung oder Pfändung seiner Vermögensgegenstände zwingen könne“.

Die Verbraucherorganisation Neo INKA führt an: „Einerseits könnten wir wegen des formal rechtswidrigen Charakters der Handlung nicht die Nichtentrichtung des Fahrpreises als Mittel des Widerstands vorschlagen. In der Praxis würde uns jedoch das gigantische Anwachsen der Bewegung der Bürger, welche die Fahrpreise nicht entrichten, überhaupt nichts ausmachen, und natürlich werden wir uns derartigen Bewegungen niemals entgegenstellen. Eine beachtliche Anzahl unserer Mitglieder hat sich bereits solchen Initiativen angeschlossen, und es ist selbstverständlich, dass wir allen Bürgern Beistand leisten werden, die dessen im Rahmen der Reaktion auf eine wegen Nichtentrichtung des Fahrgelds verhängte Geldstrafe bedürfen.

  1. tomi
    27. Januar 2011, 09:09 | #1

    willkommen in mitteleuropa! jetzt lernen endlich mal die griechen, dass man net alles fast geschenkt bekommt! recht so!

  2. Andrea Zapper
    27. Januar 2011, 17:56 | #2

    Nichts gegen niedrige Fahrpreise und transparente Organisation eines umweltfreundlichen OePNV, aber das lässt sich nicht mit Brachialpopulismus unter Missachtung der Oekonomie bewerkstelligen. Die Inkas sollten wegen erwiesener Volksverdummung dichtmachen, sofort, die sind ja schlimmer als es der ADAC unter einer Praesidentin Papariga waere. Erstens ist in Athen der Kraftstoffverbrauch teilweise sinnvoller nach Liter/Stunde zu bemessen, zweitens liegen die Vollkosten der Kraftfahrzeughaltung und selbst die variablen Betriebskosten weit über dem Kraftstoffverbrauchspreis.
    @tomi: Bloss nicht vor der eigen Tuer kehren, die deutschen Horden von 15-DM-Bahnfahrschein-Weitergebern und -verkaeufern sind haemischen Gratulanten wie Ihnen offenbar schon entfallen!

  3. tomi
    28. Januar 2011, 14:15 | #3

    das bei uns auch einiges schief läuft stell ich ja nicht in frage – aber das system in griechenland kann nur kollapieren – jeder tut was wer will, wie er will wann er will….

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