Kopfsteuer, Zwangsbesteuerung und Spielgeldwährung in Griechenland

4. Januar 2011 / Aktualisiert: 31. März 2011 / Aufrufe: 2.364

Ab 2011 treten in Griechenland im Rahmen der Steuerreform neue Einkommensteuersätze, Zwangsveranlagungen und obligatorisch bargeldloser Zahlungsverkehr in Kraft.

Das Jahr 2011 bringt stürmische Änderungen bei der Besteuerung von Einkommen in Griechenland mit sich, da sowohl die im Lauf des Jahres 2010 ratifizierten als auch weitere – noch strengere – Regelungen rückwirkend in Kraft treten, die bis Ende Januar 2011 mit dem neuen Steuergesetz verabschiedet werden sollen.

Abgesehen von den bereits in Kraft getretenen Bestimmungen, in deren Rahmen unter anderem der bargeldlose Zahlungsverkehr obligatorisch wird, sieht das neue Steuergesetz drakonische Geld- und Haftstrafen von bis zu 10 Jahren für jede Art von Steuervergehen, organisatorische Umstrukturierungen der Steuerbehörden und Kontrollmechanismen sowie nicht zuletzt auch unverhohlene „Rechtsbeugungen“ zugunsten des Fiskus vor.

Zu den wesentlichen Änderungen zählt die Einführung neuer Einkommensteuersätze von 18% bis 45% (letzterer für Jahreseinkommen ab 100.000 Euro), die fortan einheitlich auf jede Art von – gleich ob real oder fiktiv bestimmten – Einkommen zur Anwendung kommen, die ab Anfang 2010 erzielt oder / und deklariert bzw. festgestellt wurden. Ebenso kommen rückwirkend ab Anfang 2010 zahlreiche und äußerst strenge „Einkommensindizien“ zur Anwendung, die unter Einbezug einer allgemeinen „Kopfsteuer“ und aller ein Einkommen vermuten lassender Faktoren die Basis für die Veranlagung zur Einkommensteuer darstellen.

Speziell hinsichtlich der Einkommensteuer ergeben sich unter anderem folgende Änderungen:

  • Auf alle wie auch immer gearteten und aus jeder beliebigen Quelle erzielten oder fiktiv festgestellten Einkommen wird fortan (sprich rückwirkend ab dem 01.01.2010) eine einheitliche Einkommensteuer erhoben, deren Sätze von 18% bis 45% gestaffelt sind. In der Praxis unterliegen damit nunmehr auch solche Einkommen und Dividenden der einheitlichen Besteuerung des (persönlichen) Gesamteinkommens, die bisher pauschal – in der Regel an der Quelle –  besteuert wurden.
  • Der pauschale (persönliche) jährliche Einkommensteuerfreibetrag beläuft sich auf 6.000 Euro und kann bis auf 12.000 „aufgestockt“ werden, sofern für das den Grundbetrag von 6.000 Euro übersteigende Segment offizielle (sprich gemäß den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen ausgestellte) Zahlungsbelege über diverse Ausgaben zur Fristung des Lebensunterhalts beigebracht werden. Bezeichnenderweise werden allerdings eine Reihe alltäglicher Ausgaben wie beispielsweise für Strom, Telefon, Wasser usw. nicht anerkannt oder sogar als Einkommen gewertet bzw. diesem hinzu gerechnet.

Zu dem letzten Punkt sei angemerkt, dass allein schon nur für den Umstand, dass sich ein Steuerpflichtiger am / im Leben befindet, ein fiktives Einkommen von 3.000 Euro (für Ledige) bzw. 5.000 Euro (für Verheiratete) zu Grunde gelegt wird, woraus unter Einbezug der minimal anzusetzenden übrigen obligatorischen Einkommenskriterien (wie z. B. aufgrund einer sei es auch faktisch kostenlos genutzten Wohnung) bereits eine mehr oder weniger harsche „Kopfsteuer“ resultiert, die in keinerlei Weise mehr die reale Einkommenssituation reflektiert.

Im übrigen kommen zahlreiche neue, wie beispielsweise indirekt und pauschal aus Grundbesitz, Wohnung, Auto, Schwimmbecken, Freizeitboot, Haushaltshilfe und sogar Schulgebühren abgeleitete „Einkommensindizien“ zur Anwendung, die pauschal dem „Einkommen“ hinzugerechnet bzw. einem solchen gleich gestellt werden und summarisch die Basis für die Veranlagung zur Einkommensteuer darstellen.

Obligatorische bargeldlose Zahlung degradiert Euro zu Spielgeld

Obwohl selbst in Griechenland zumindest bis auf weiteres der Euro das einzige gesetzliche und offizielle Zahlungsmittel darstellt, wird ab Anfang 2011 nicht zuletzt sehr zur Freude des nationalen Bankwesens der bargeldlose Zahlungsverkehr obligatorisch.

Konkret sollen ab 2011 alle Geschäfte zwischen Privatpersonen und Gewerbetreibenden / Unternehmen (P2B) im Wert ab 1.500 Euro bzw. zwischen Gewerbetreibenden oder / und Unternehmen (B2B) ab 3.000 Euro fortan bargeldlos (also per Kreditkarte, Debit-Karte, Scheck, Überweisung usw.) abgewickelt werden müssen, um nicht als rechtswidrig oder gar aktives oder passives Steuervergehen eingestuft zu werden!

Wer sich also bisher für seinen Urlaub in Griecheland mit Bargeld einzudecken pflegte, um nicht nur den Aufenthalt finazieren, sondern eventuell auch den einen oder anderen – ggf. höherwertigen – „Spontankauf“ tätigen zu können, sollte fortan besser eine gut sortierte Auswahl einschlägiger Karten bzw. „Plastikgelds“ mit sich führen … .

  1. Andrea Zapper
    6. Januar 2011, 06:53 | #1

    „drakonische Geld- und Haftstrafen von bis zu 10 Jahren für jede Art von Steuervergehen“?

    Da winken ja noch mehr riesige Aufträge für den Umbau von ungeliebten Kreuzfahrtschiffen in Gefängnisschiffe… Oder doch wieder Inseln?!?

  2. Jermanos
    10. Januar 2011, 14:27 | #2

    frei nach Asterix: ….die spinnen ja die Griechen. Die einzigen, die davon richtig profitieren, sind wohl die Angestellten im Finanzamt, die eine Besteuerung frei festsetzen und die Steuerberater, die selbst bei kleinsten Umsätzen benötigt werden. Und solange es eine Gebühr zum „Schließen der Bücher gibt“ ist diese Gebühr wohl weitestgehend von der Größe des Fakelakis (Bestechungsgeld) für den Finanzangestellten abhängig.

  3. Thomas
    7. Februar 2011, 20:34 | #3

    Wäre ich doch in Deutschland geblieben. Dieses Land geht einen erschrekenden Weg in eine düstere Zukunft. Für mich ist es zu spät – Familie, Haus, alles nach GR verlagert, 2005. Was haben wir da nur geträumt. Eine besere Zukunft – ja wir lieben das einfache Leben. Dem Luxus eine Absage erteilt – immerhin die Frau Internistin und ich hatte auch einen guten Job. Das einfache Leben hat sich mittlerweile als Überlebenskampf entpuppt – jeden Tag überlegen, wie man die Woche – den Monat übersteht. Strom, Telefon, Benzin, Miete und Lebenshaltung – ein wahrer finanzieller Alptraum. Wir schaffen das gerade noch – wenn, ja wenn man mal wieder bezahlt wird – von den Kassen der Krankenversicherungen, bei denen man schon seit einem Jahr anklopft und anfragt wann denn mal wieder Geld überwiesen wird. Die Antwort ist immer die gleiche: Wir wissen es nicht – wir haben kein Geld. Es geht bei uns um 70.000 Euro – aber sie wissen es nicht, und wir wissen es nicht und keine weiss etwas. Abrechnung mit den Krankenkassen heißt übrigens: man schickt seine Abrechnung dorthin und hört nichts mehr. Wenn dann mal Geld kommt, ist dies ohne
    eine Abrehnung seitens der Kassen. Wenn der Betrag nicht mit der eigenen Abrechnung übereinstimmt – ja dann hat man eben Pech gehabt. Was im einzelnen nicht bezahlt wurde steht in den Sternen. Bei einer Kasse geht schon seit einem Jahr keiner mehr ans Telefon.
    Diese Besteuerung ist nicht neu – die Griechen kennen sowas. Aber was ich hier lese, ist eine Frechheit, eine Unterstellung, das jeder Bürger sowieso ein Steuerhinterzieher ist.

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