Apotheker in Griechenland streiken gegen Freigabe des Apothekenmarkts

17. Januar 2011 / Aufrufe: 641

Die Apotheker in Griechenland beschlossen aus Protest gegen die angstrebte Liberalisierung des griechischen Apothekenmakts mehrtägige Streiks.

Aus Protest gegen die angestrebte Öffnung des Apothekenmarkts in Griechenland beschloss der panhellenische Pharma-Verband zwei jeweils dreitägige Streiks vom 19. bis 21. und vom 26. bis 28. Januar 2011. Abgesehen von dem Notdienst werden somit sowohl in der laufenden als auch in der kommenden Woche alle Apotheken ab Mittwoch bis einschließlich Freitag geschlossen sein. In Piräus bleiben die Apotheken sogar die ganze Woche über geschlossen, da hier die Apotheker bereits ab heute (Montag, 17.01.2011) in den Ausstand getreten sind.

Gegen Ende Januar 2011 wird der panhellenische Berufsverband der Apotheker eine neue Sitzung einberufen und über seine weitere Haltung beschließen. Der Verbandsvorsitzende Th. Ampatzoglou charakterisierte den Gesetzentwurf zur Liberalisierung des Berufsstands als „Konstrukt“, welches zur Schließung der kleineren Apotheken führen wird.

Der Gesetzentwurf zur Liberalisierung des Apothekenmarkts in Griechenland soll am kommenden Mittwoch (19.01.2011) dem Parlament vorgelegt werden und umfasst unter anderem folgende endgültige Regelungen:

  • Vollständiges Verbot jeder Art durch Besitzstände bedingter Beschränkungen des Zugangs zum Markt.
  • Senkung des Verhältnisses der Anzahl der Apotheken zur Bevölkerung von 1 : 1.500 auf 1 : 1.000. Ausnahme nur bei populationsbedingten Bedürfnissen zum Zweck der Streuung der Apotheken und unter Berücksichtigung der Besonderheiten als Land mit Gebirgszügen und Inseln.
  • Vollständige Freigabe der Öffnungszeiten der Apotheken montags, mittwochs und samstags.
  • Umsatzabhängiger Preisnachlass für Krankenkassen, der sich im Gesamtdurchschnitt auf 4,5% beläuft. Hierzu ist anzumerken, dass die Gewinnspanne der Apotheker bei den teuren Medikamenten von 35% direkt auf 14,3% sank. Auf die Gesamtbelastung der Krankenkassen für pharmazeutische Aufwendungen bezogen macht die Gattung der teuren Medikamente 20% aus.
  • Kooperationen / Genossenschaften / Gesellschaften approbierte Apotheker werden erlaubt.

Gesundheitsminister Andreas Loverdos stellte klar, dass der Dialog mit den Vertretern des Berufsstands abgeschlossen sei und im Rahmen des Gesetzentwurfs die weitere Diskussion nun im Parlament erfolgen werde. Zu einem der wesentlichen Streitpunkte (nämlich der Freigabe der Öffnungszeiten der Apotheken) führte der Gesundheitsminister aus:

Montags und mittwochs werden in den meistens Apotheken interne Arbeiten erledigt. Was schadet es also, wenn auch ein Medikament verkauft wird? Samstags wiederum, wo alle Geschäfte geöffnet sind, bleiben die Apotheken geschlossen. Warum? Die Apotheker behaupten, samstags seien die Umsätze gering. Na und? Den Versicherten kommt es jedenfalls entgegen. Andererseits zwingen wir niemanden sondern stellen es jedem frei, am Samstag seine Apotheke zu öffnen oder nicht.“ (Erklärend sei angemerkt, dass im Rahmen der bisherigen obligatorischen Ladenzeiten abgesehen von den Nacht- und Notdienst-Apotheken in ganz Griechenland alle Apotheken montagnachmittags, mittwochnachmittags und samstags geschlossen bleiben müssen.)

Zu dem Thema äußerte sich auch Regierungssprecher Jorgos Petalotis und unterstrich, dass  Gesundheitsminister Andreas Loverdos sich im Rahmen eines mühsamen und strapaziösen Dialogs mit den Apothekern um eine einvernehmliche Lösung bemüht habe. „Fortan besteht der unmissverständliche und ausdrückliche Beschluss der Regierung zur Liberalisierung der geschlossenen Berufe, die mit dem Schutz des Bürgers und der Erbringung von Leistungen an ihn zu erschwinglichen Preisen zu tun haben.“ Der Regierungssprecher betonte ebenfalls, dass sich alle ihrer Verantwortung und Rolle bewusst sein müssen, „zumal wenn sie einen Beruf ausüben, für den ihnen von dem griechischen Staat eine Lizenz zur Nutzung überlassen wird„.

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