Griechenland wird zu weiteren Kürzungen im Gesundheitswesen gezwungen

17. November 2010 / Aktualisiert: 18. November 2010 / Aufrufe: 871

Das Gesundheitsministerium in Griechenland plant, unter dem Zwang der Troika bis Ende 2011 weitere 1,4 Milliarden Euro im staatlichen Gesundheitswesen einzusparen.

Bei seinem Treffen mit den Vertretern der „Troika“ (EU, EZ, IWF) am Dienstag, dem 16. November 2010, bemühte sich der griechische Gesundheitsminister Andreas Loverdos die Abgesandten davon zu überzeugen, dass die angezielten Einsparungen erreichbar seien, und erklärte nach dem Treffen „Die Diskussion ist noch nicht beendet„. Das Ziel des griechischen Gesundheitsministerium bestehe daran, im staatlichen Gesundheitswesen 568 Millionen Euro bei den Betriebskosten und außerdem weitere 840 Millionen Euro über Kürzungen oder / und Verteuerungen von Leistungen einzusparen, während die „Troika“ Einsparungen in Höhe von weiteren 700 Millionen Euro fordert.

Bei dem kritischen Treffen am kommenden Donnerstag (18.11.2010) wird das Ministerium die Beamten der „Troika“ davon zu überzeugen versuchen, dass die Möglichkeit zur Einsparung von 840 Millionen Euro bis Ende 2011 bestehe. Der Minister erklärte, dass diese Maßnahmen jedenfalls konkret definiert seien und kein Handlungsspielraum für weitere Einsparungen bestehe, und schloss gleichzeitig die Zusammenlegungen von Krankenhäuser und Lohnkürzungen klar aus.

In Bezug auf die von der Troika vorgeschlagenen Maßnahmen führte Andreas Loverdos aus, dass die in Rede stehenden 840 Millionen Euro bei dem alltäglichen Betrieb der Krankenhäuser und durch das elektronische Rezeptwesen eingespart werden können, „aber auch bei anderen Punkten, die mit langjähriger Mentalität zu tun haben – wie beispielsweise, dass die Beamten damit aufhören müssen, sich bei jedem beliebigen Arzt behandeln zu lassen anstatt einen der 12.000 Ärzte ihrer Kasse OPAD aufzusuchen„.

Nach Einschätzung des Gesundheitsministers können etwa 280 Millionen Euro infolge der bei dem Versicherungsträger der Beamten (OPAD) erfolgten Eingriffe und weitere 250 Millionen durch die fristgerechte Bezahlung der Lieferanten eingespart werden. Weitere 150 Millionen Euro werden aufgrund der Tatsache eingespart werden können, dass die 89 teursten Medikamente fortan auch außerhalb der Krankenhausapotheken und mit geringerer Gewinnspanne gekauft werden.

Weitere Leistungskürzungen im staatlichen Gesundheitswesen Griechenlands

Der Minister merkte noch an, dass Versicherungslosen und wirtschaftlich Bedürftigen in Athen und Thessaloniki gesundheitliche Leistungen fortan nur noch in konkreten Krankenhäusern (vier in Athen und zwei in Thessaloniki) gewährt werden, um somit gegen die übermäßige Ausstellung von Rezepten anzugehen.

Mit weiteren Einsparungen wird aus der Ausweitung der Verpflichtung zur Zahlung einer obligatorischen Praxisgebühr von 3 Euro für jeden Besuch der Krankenhausambulanzen auf Immigranten, versicherungslose Patienten und Versicherte der Beamtenkasse (OPAD) gerechnet. Ebenfalls betonte der Minister, dass die Krankenkassen nicht nur für in Krankenhäusern, sondern fortan auch in den Gesundheitszentren erfolgende Untersuchungen zahlen müssen. Im selben Rahmen wird ein Verbot zur Verschreibung der gesamten Palette von Medikamenten an Versicherungslose und Bedürftige forciert, die sich fortan nur noch sogenannter „Generika“ (= Imitate / patentfreie Präparate) bedienen werden können.

Sollte allerdings die „Troika“ all diese Maßnahmen zur Einsparung von 840 Milliarden Euro als übertrieben optimistisch beurteilen, stände der griechische Gesundheitsminister Andreas Loverdos vor einem unüberwindbaren Problem. Gegenüber den Reportern erklärte er, in diesem Fall keine anderen Maßnahmen vorschlagen zu können und merkte bezeichnend an: „Ich sehe keine anderen Wege und weiß nicht, woher ich das Geld sonst nehmen sollte„.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass nicht zuletzt infolge der unter dem Druck der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds bereits durchgesetzten Sparmaßnahmen schon heute breite Schichten der Bevölkerung in Griechenland gezwungen sind, trotz des theoretisch bestehenden (und im EU-Vergleich sehr teuer bezahlten) gesetzlichen Versicherungsschutzes in der Praxis gezwungen sind, entweder die ärztliche und medizinische Versorgung aus eigener Tasche zahlen oder sogar auf elementare Gesundheitsleistungen verzichten zu müssen.

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