Rauchern in Griechenland drohen empfindliche Geldstrafen

31. August 2010 / Aufrufe: 851

Das ab September 2010 in Griechenland in Kraft tretende Rauchverbot sieht empfindliche Geldstrafen für Raucher vor, die sich nicht an die neuen Vorschriften halten.

Ab September 2010 gilt in Griechenland ein absolutes Rauchverbot nicht nur in öffentlichen Einrichtungen, Gebäuden und Verkehrsmitteln, sondern auch in Arbeitsräumen, Gaststätten und allgemein allen geschlossenen Räumlichkeiten mit Publikumsverkehr. Als geschlossene Räume gelten dabei alle überdachten Flächen, die an mehr als zwei Seiten auf beliebige Weise geschlossen sind – also beispielsweise auch die üblichen mit Folien und Planen geschützten Bewirtungsflächen in den Außenbereichen zahlreicher Cafés und Tavernen.

Laut Gesundheitsministerin Mariliza Xenogiannakopoulou sollen bis Ende September 2010 im Fall einschlägiger Missachtungen des Rauchverbots Verwarnungen ausgesprochen werden, die jedoch zu Protokoll genommen und im Fall erneuter Missachtungen belastend berücksichtigt werden. Ab Oktober 2010 werden dann die vorgesehenen Strafgelder und Sanktionen sowohl gegen die jeweiligen Verantwortlichen (Betreiber, Geschäftsführer, Inhaber usw.) als auch die Raucher selbst verhängt werden.

Das Rauchverbot missachtende Raucher sollen in Cafés, Gaststätten, Kantinen, Restaurants, Warteräumen, privaten Arbeitsstätten usw. mit 50 Euro, in Gesundheitseinrichtungen, Kindergärten, Krankenhäusern, Schulen, geschlossenen Sportanlagen usw. mit 100 Euro, in öffentlichen Verwaltungsgebäuden mit 200 Euro bzw. in Wiederholungsfällen mit bis zu 500 Euro zur Kasse gebeten werden, und in bestimmten Fällen – wie beispielsweise bei Verweigerung der Bekanntgabe der persönlichen Daten – soll sogar die unmittelbare Festnahme und Verurteilungen durch ein Schnellgericht möglich sein. Auf der anderen Seite soll ein 50%iger Nachlass gewährt werden, wenn das Strafgeld innerhalb von 15 Tagen gezahlt wird.

Bezüglich der jeweiligen Unternehmen bzw. Verantwortlichen reichen dagegen die Strafgelder von 500 – 600 Euro im Erstfall bis zu 10.000 Euro in Wiederholungsfällen. Wird ein Unternehmen zum vierten Mal auffällig, wird es zusätzlich für 10 Tage geschlossen, und bei der fünften Missachtung des Rauchverbots ist der endgültige Entzug der Betriebserlaubnis vorgesehen. In diesem Sinn als „Verantwortliche“ gelten übrigens auch Taxifahrer und Fahrer öffentlicher Verkehrsmittel: werden sie mit rauchenden Fahrgästen erwischt, wird eine Geldstrafe von 500 Euro zu Lasten des Fahrers fällig, während der rauchende Fahrgast mit 50 Euro davonkommt.

Die Einhaltung des Rauchverbotes werden insbesondere die Hafenpolizei und die Ordnungskräfte der Kommunen, aber auch die Gesundheitsbehörden und -inspektoren der Präfekturen, Städte und Gemeinden überwachen. Die verhängten Strafgelder sollen nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit zu 80% an die Träger der Kontrollorgane fließen und letztere somit zusätzlich motivieren – was allerdings für Unbehagen und böse Befürchtungen in der Geschäftswelt sorgt. Das Eingreifen der Polizei soll auf Fälle wie beispielsweise bei auftretenden Spannungen oder Nichtbefolgung der Anweisungen der Kontrolleure sowie besonders eklatante Verstöße gegen das gesetzliche Rauchverbot beschränkt bleiben.

Für Informationen in Zusammenhang mit dem Rauchverbot, aber auch die Erstattung einschlägiger Anzeigen  und Beschwerden wurde unter der landesweiten Rufnummer 1142 eigens eine telefonische Hotline eingerichtet.

Abschließend sei angemerkt, dass in Griechenland jegliche Werbung für Zigaretten und Tabakprodukte verboten ist und der Verkauf solcher Produkte an Minderjährige mit Geldstrafen von 500 – 10.000 Euro geahndet wird.

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  1. Thomas
    2. September 2010, 22:35 | #1

    Meine griechische Frau und ich haben die letzten 11 Monate Schwangerschaft und Geburt in Athen erlebt. Zusätzlich ist bei mir kürzlich ein Asthma-Leiden aufgetreten. Wegen dieser Umstände versuchen wir uns ständig in einer möglichst rauchfreien Umgebung aufzuhalten. Wer darauf Wert legt, kommt in Griechenland aber derzeit nicht all zu weit. Nicht nur, dass einem so gut wie jeder Restaurant- und Cafe-Besuch verleidet wird, auch am Postamt, in Banken und in Ämtern wird man sowohl von Beamten als auch von Klienten eingequalmt (also noch schlimmer als in Österreich). Das Recht zu Rauchen war anscheinend bis jetzt ein höheres Gut als das Recht auf Unversehrtheit für Schwangere, Stillende und Lungenkranke. Es ist sehr zu hoffen, dass dieses Gesetz ausnahmsweise mal vollzogen wird und auch mit einem Sinneswandel einhergeht, dann kann ich vielleicht im Winter meine Familie mal zum Kaffee oder Essen in geschlossenen Räumen ausführen …

  2. Cora
    10. September 2010, 13:11 | #2

    Es gibt und gab auch schon vor ein paar Jahren genug rauchfreie Lokale in Athen. Man muss sich ja nicht unbedingt als Nichtraucher in eine Raucherzone begeben, wenn man rauchfrei leben will.
    Zum Asthma-Leiden trägt auch vorwiegend die schlechte Luft (Abgase von Autos, Feinstaub …) bei!! Nicht alles und nicht jede Krankheit auf die Raucher abschieben!

  3. Monalisa
    21. März 2011, 12:00 | #3

    Hallo Thomas, Sie haben vollkommen Recht.
    Am Wochenende freute ich mich mit einigen Bekannten, welche auch nicht rauchen, auf ein Abendessen in einem Restaurant im südlichem Rhodos. Es war noch zu kühl um draußen zu sitzen. Wir fanden kein Lokal, in dem nicht geraucht wurde. Griechenland macht sich mit seiner Gesetzgebung vollkommen lächerlich. Ob Rauchverbot, Müllbeseitigung, Tierschutz, Lärmschutz oder Verkehrsregeln, in Griechenland macht ein Großteil der Bevölkerung was er will und schert sich einen Dreck um Vorschriften. Gesetze werden erlassen, aber nicht durchgesetzt. Dieses Land nutzt die EU nur aus, es gehört ausgeschlossen. In zehn Jahren Daueraufenthalt in Griechenland wurde das zu meiner festen Überzeugung.

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