Neu Sätze für Einkommenssteuer 2010 in Griechenland

10. Februar 2010 / Aktualisiert: 03. März 2010 / Aufrufe: 3.627

Mit dem neuen Steuergesetz in Griechenland werden für die Erhebung der Einkommenssteuer anstatt derzeit 3 fortan 7 progressiv gestaffelte Steuersätze zur Anwendung kommen. Parallel wird die in den meisten Fällen bisher erheblich günstiger ausfallende pauschale Besteuerung diverser Einkommensquellen ersatzlos gestrichen.

Obwohl das neue Steuergesetz noch nicht ratifiziert ist, scheint inzwischen festzustehen, dass in Griechenland rückwirkend ab Anfang 2010 die Einkommenssteuer gemäß einer um fünf Steuersätze erweiterten progressiven Skala erfolgen wird. Im Gegensatz zu dem bisherigen Steuergesetz werden außerdem die Sätze der Einkommenssteuer fortan abgesehen von wenigen Ausnahmen unabhängig von der Quelle des Einkommens zur Anwendung kommen.

Bisherige Steuersätze (Lohnempfänger)Neue Steuersätze (global)
Einkommen (€)SteuersatzEinkommen (€)Steuersatz
0-12.0000%0-12.0000%
12.001-30.00025%12.001-16.00018%
30.001-75.00035%16.001-22.00024%
Über 75.00040%22.001-26.00026%
26.001-32.000 32%
32.001-40.00036%
40.001-60.00038%
60.001-100.00040%
Über 100.00045%

Was den pauschalen jährlichen Steuerfreibetrag in Höhe von 12.000 Euro betrifft, wird dieser nun zwar allen Steuerpflichtigen (also insbesondere auch Freiberuflern und Selbständigen) gewährt, kann jedoch andererseits nur noch ausgeschöpft werden, wenn ein nach Einkommen gestaffelter Betrag mit Zahlungsbelegen (sprich offiziellen Quittungen und Rechnungen) über Ausgaben zur allgemeinen Lebenshaltung belegt wird.

Weiterführende Informationen bietet der Beitrag Steuererklärung in Griechenland.

  1. Thomas
    7. Februar 2011, 19:36 | #1

    Ich habe tatsächlich jeden Beleg gesammelt, in eine Excel-Tabelle eingetragen und
    in einem Ordner archiviert. Das sind ca. 12 x 50 Belege, also gute 600 Einzelquittungen.
    Arbeitszeit ca. 12 Mannstunden
    Diese Quittungen sind kleine Bon-Abschnitte der Kassen der Supermärkte. Eine Zuordnung
    zum Steuerpflichtigen findet nicht statt. Normalerweise muss der Selbststöndige in GR
    eine Quittung vorlegen, auf der seine Steuernummer vermerkt ist (Timologio)
    Wer kontrolliert diese Belege, die bereits nach einem Jahr anfangen, blass zu werden?

    • admin
      7. Februar 2011, 21:04 | #2

      Nach dem derzeitigen Stand gilt Folgendes:

      a) Wird die Einkommensteuererklärung auf konventionelle Weise (also in „Papierform“) eingereicht, sind bei dem zuständigen Finanzamt alle gesammelten Quittungen in einem verschlossenen Umschlag einzureichen, auf dem Name und Steuernummer des Steuerpflichtigen sowie die Anzahl und der Gesamtnennwert der Quittungen notiert sind. Eine Kontrolle bei der Übergabe ist nicht vorgesehen.

      b) Wird die Einkommensteuer per Internet eingereicht (was beispielsweise für Gewerbetreibende umd Unternehmen ab diesem Jahr obligatorisch ist), sind die maßgeblichen Daten (Aussteller, Steuernummer, Datum, Betrag) jeder Quittung in ein Online-Formular einzugeben, während die Quittungen selbst mit Fürsorge und Verantwortung des Steuerpflichtigen über 5 Jahre (gerechnet ab dem Beginn des nächsten Fiskaljahrs, also effektiv fast 6 Jahre) auf geeignete Weise aufzubewahren und auf Verlangen dem zuständigen Finanzamt beizubringen sind.

      Ergänzend sei angemerkt, dass im Rahmen einer eventuellen Prüfung auftretende Unstimmigkeiten (inkorrekte Angaben, verblichene Quittungen) in jedem Fall von dem jeweiligen Steuerpflichtigen zu vertreten sind.

  2. Peter
    8. Februar 2012, 02:21 | #3

    1. Letzte Woche Dienstag in Paris im ‚Figaro‘ ein Zitat eines griechischen Experten gelesen: Er sagte, dass Athen zum Anlass des mit IWF und EU ausgehandelten 2ten Sparpakets im Mai 2010 unterschrieben habe, keine neuen Staatsdiener einzustellen (Einstellungsstop im öffentlichen Dienst), dass aber seit diesem Tag alleine durch die 49 Kabinettsmitglieder mehrere Tausend („milliers“) neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Ich kann das im Figaro veröffentlichte Zitat nicht nachprüfen, es klang aber sehr vertrauenswürdig.
    2. Jeder weiß, dass die griechische Regierung beim Eintritt in den EURO die Zahlen zu den Konvergenzkriterien bewusst gefälscht hat. Auch später wurde in trauter Zusammenarbeit mit einigen Banken (u.a. Goldman Sachs) die wahre Höhe der Staatsverschuldung über mindestens 10 Jahre hinweg verschleiert (von New York Times aufgedeckt)
    3. Griechenland lässt eine überdurchschnittlich große unbesteuerte Schattenwirtschaft von geschätzten 40 Prozent des BIP (Schätzung für Deutschland: 15 Prozent) zu und verliert damit jedes Jahr Steuereinnahmen zwischen (geschätzt) 12 und 30 Milliarden Euro. Obwohl alleine die Eindämmung der Steuerhinterziehung einen Haushaltsüberschuss erzeugen würde und damit die griechische Finanzkrise hätte verhindern können, wurden die steuerpflichtigen Bürger von den Finanzbehörden nicht intensiver kontrolliert. Viele Griechen bezeichnen die überdurchschnittlich hohe Steuerhinterziehung selbst oft als „Volkssport“ (Zitat Wikipedia – Griechische Finanzkrise)
    4. Im Dezember 2011 organisierte die griechische außenpolitische Denkfabrik Hellenic Foundation for European and Foreign Policy eine Konferenz zum Thema Steuerhinterziehung. Dort wurde der jährliche Schaden durch Steuerhinterziehung auf 13 Mrd. Euro jährlich geschätzt. Diomidis Spinellis sagte dort, bei der griechischen Steuerhinterziehung spiele das System „40 Prozent – 40 Prozent – 20 Prozent“ aus seiner Sicht eine entscheidende Rolle: 40 Prozent dürfe der Steuersünder behalten, 40 Prozent bekamen die korrupten Kontrolleure, der Staat bekomme 20 Prozent der Steuern, die für dieses Steuerdelikt eigentlich bezahlt werden sollten. (ebenfalls Zitat Wikipedia – Griechische Finanzkrise)
    5. Die Papademos-Regierung erlässt nur Sparbeschlüsse, die kleine und mittlere Einkommen belasten und die oben genannten Steuereinnahmen nicht wirklich antasten, denn zu einer höheren Erfolgsquote beim Steuereintreiben hätte es keine neuen Steuersätze gebraucht. Es würde völlig genügen, die Steuern einzutreiben, auf die bisher verzichtet wurde (siehe Punkt 4).
    Meine erste große Frage: Welches Vertrauen haben Griechische Regierungen und Verwaltungsapparate verdient? Was kann man glauben? Welchen Grund gibt es anzunehmen, dass die griechischen Politiker es dieses Mal ehrlich meinen?
    Meine zweite Frage: Wird das Volk mit brutalen Kürzungen der kleineren Einkommen bewusst auf die Barrikaden geschickt, um auf diese Weise psychologischen und politischen Druck auf die EU auszuüben und zu vermeiden, dass man an die wirklichen Steuerquellen gehen muss?!
    Nicht vergessen: wenn ein Geschäftsmann bewusst seinen Konkurs verschleiert und hinauszögert, dann hat er immer das Ziel, dass irgendwann jemand anderes, nämlich seine Gläubiger und Lieferanten, für seine Schulden aufkommt. Ob diese dabei selbst in Konkursgefahr kommen, ist ihm in der Regel gleichgültig. Manchmal ahnen die Gläubiger und Lieferanten das kommende Unheil und manchmal sind sie ahnungslos. Im Fall von Griechenland, kann niemand sagen, dass er es nicht wusste.

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