Rekord an Verhaftungen bei Demonstrationen in Griechenland

7. Dezember 2009 / Aktualisiert: 17. März 2012 / Aufrufe: 194

Zu einem Rekord an Festnahmen anlässlich der Demonstrationen am Nikolaus-Tag 2009 führte das Dogma der absoluten „Null-Toleranz“, welches die Polizeikräfte auf Anweisung des Ministers für Bürgerschutz Michalis Chrisochoidis demonstrierte um eine Wiederholung der Geschehnisse des Vorjahres zu verhindern. Im Dezember 2008 war es zu tagelang andauernden schweren Unruhen und Ausschreitungen gekommen, nachdem ein Polizist einer Streife im Athener Stadtteil Exarchia willkürlich Gebrauch von seiner Schusswaffe gemacht hatte und der 15-jährige Schüler Alexis Grigoropoulos von einer Kugel getroffen und getötet worden war.

Insgesamt wurden seit Beginn des Wochenendes des zweiten Advents 2009 bis zum Montagabend in ganz Griechenland weit über 800 Personen vorläufig festgenommen und vorgeführt, in 177 Fällen erfolgte im weiteren Verlauf eine Verhaftung. Bezeichnenderweise befinden sich unter den Verhafteten auch etliche Ausländer, die der Anarcho-Szene zugerechnet werden und teilweise eigens  zur Teilnahme an den einschlägigen Tumulten angereist waren. Zahlreiche Personen wurden bei den Aktionen der Sicherheitskräfte mehr oder weniger schwer verletzt. Randalierende Anarchisten richteten insbesondere in Athen erneut beträchtliche Sachschäden an. Die Welle der Festnahmen setzte sich auch bei Demonstrationen am Montag (07. Dezember 2009) fort, die Ausschreitungen hielten sich im Vergleich zum Vortag jedoch in Grenzen.

Die Aktivistin Angeliki Koutsoumpou, Mitglied der Partei der Revolution der Arbeiter und bereits aus der Zeit des Widerstandes gegen die Militärjunta bekannt, erlitt schwere Kopfverletzungen, als am Sonntag ein Polizist mit seinem Motorrad mit hoher Geschwindigkeit in eine Menschenmenge fuhr. Zwei weitere Mitglieder der selben Partei, die der niedergefahrenen Frau zu Hilfe eilten, wurden ebenfalls verletzt und obendrein auch noch von Polizisten zusammengeknüppelt. Die drei Verletzten werden derzeit im Krankenhaus „Rotes Kreuz“ behandelt, der Zustand der verletzten Frau ist ernst. Gegen den Polizisten, der das Motarrad fuhr, ist inzwischen ein Untersuchungsverfahren eingeleitet worden.

Eine heftige Kontroverse zwischen dem Minister für Bürgerschutz Michalis Chrisochoidis und dem Vorsitzenden der SYRIZA-Partei Alexis Tsipras entbrannte, nachdem letzterer in einer öffentlichen Bekanntmachung dem Minister die Verantwortung für das gewalttätige Vorgehen der Polizei unter „Missachtung jeder Gesetzgebung und der Verfassung“ anlastete.

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