Bananenrepublik Griechenland

29. November 2009 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 312

In der Wochenendausgabe (28. November 2009) der griechischen Tageszeitung TA NEA wurde ein längerer Artikel über die prekäre wirtschaftliche Lage Griechenlands und die Reaktionen und Maßnahmen aus Brüssel publiziert. Der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegebene Bericht schildert die Erfahrungen der ersten Prüfer aus Brüssel in Griechenland:

Die Hände über dem Kopf schlugen die europäischen Beamten zusammen, welche nach Athen kamen um nach der großen Revision der neuen Regierung die Angaben über das Staatsdefizit zu prüfen. „Aufgelöster Staat“, „inexistente Verwaltung“ und „Bananenrepublik“ waren nur einige der Charakterisierungen, welcher sich die Beamten nach ihrer Rückkehr nach Brüssel bedienten – wo sie klarstellten, dass es noch vieler vorbereitender Treffen bedarf, bevor die Prüfung beginnen kann.

Der Beamte, der sich zu dem statistischen Amt begeben hatten, stellte erstaunt fest, dass zwar die gleiche Methodik mit jener der EUROSTAT eingesetzt wurde, sich jedoch andere Zahlen ergaben – was mathematisch unmöglich ist! Obendrein gab es angefangen vom Büttel bis hin zum allgemeinen Leiter nicht einen einzigen Beamten, der verantwortlich erklärte, Daten nach Brüssel geschickt zu haben. Um es kurz zu machen, muss entweder der Generalsekretär K. Kontopyrakis jede einzelne Unterlage persönlich geschickt haben, oder die Daten wurden auf irgend eine andere magische Weise (z. B. per Brieftaube usw.) übermittelt.

Eine noch traumatischere Erfahrung machte jener Vertreter der Kommission, der die Zollstellen besuchte. Er sah, wie die Zollbeamten unbekümmert das Telefon in die Hand nahmen und den Lastwagenfahrern Bescheid gaben, wann sie sich fernhalten sollen um der Kontrolle zu entgehen – womit also der Schwarzhandel ungestört weiter geht -, wie fiktive Rechnungen gegen ein „Bakschisch“ an den Zollbeamten akzeptiert wurden, als ob es sich um ein Land der Dritten Welt handele, und so weiter.

„Wir fanden die Türen seitens der politischen Führung weit geöffnet, jedoch unwillige Verwaltungsbedienstete mit niedrigem Niveau vor. Allgemein glauben wir, dass ein globaleres Problem mit der öffentlichen Verwaltung besteht“, äußern die europäischen Beamten, die im übrigen früher als erwartet, nämlich bereits am 10. Dezember zurückkommen werden.

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